Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1908-02-28 · Heft 9 (28.2.1908) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2651552-2651562--05469-2662494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

No. 9 JÜDISCHE ,RUNDSCHAU Se’te 81 jüdische Familien zurückgekehrt. ebenso viele auch nach den! Städtchen GI u b o k o je usw. Und diese Rückwanderung ist allem Anschein nach noch lauste nicht beendet; sic scheint vielmehr noch weiter zu steigen. Wenigstens erhält die Regierung des Gouvernements Wilna in der letzten Zeit noch immer zahlreiche Nachrichten der russischen Konsulate in Amerika über Emigranten aus dem Gouvernement Wilna, die in Amerika keine Arbeiten finden konnten und sich infolgedessen an die Konsuln wandten, mit der Bitte, sie nach der ..Heimat“ zurüekzuschicken. Die Schiffbarmachung eines Flusses im Vilajet Adana Unlängst suchte ein bedeutender Kapitalist bei «er fürkischen Regierung die Erlaubnis nach, einen der Flüsse im Bezk־ke Adana schiffbar zu machen. Die türkischen Zeitungen heben die Bedeutung eines solchen Unternehmens in ausführlichen Artikeln hervor und geben der Hoffnung Ausdruck, dass die von dem Grosskapitalisten unternommenen Schritte von Erfolg gekrönt sein mögen. — In der Tat ist die grosse Provinz Adana sowohl wegen der ausserordentlichen Fruchtbarkeit ihres Bodens, als auch wegen des Klimas und der zahlreichen Gewässer, die das Land durchschneidcn. geeignet, sich zu einer grossen Prosperität zu entwickeln, um so eher, als die Bagdad-Bahn diese Provinz ebenfalls berühren wird. Leider bilden ihre Flüsse und Bäche, die nach zweckmässiger Regulierung ihres Laufes von grossem Segen für Agrikultur und Handel werden können, in ihrem jetzigen Zustande eine dauernde Gefahr, da ihre sumpfigen Stellen das berüchtigte Sumpffieber verbreiten Daher kommt es auch, dass die Bevölkerung der Provinz Adana, die bequem vier bis fünf Millionen Menschen fassen könnte, jetzt in steter Abnahme begriffen ist. Die Trockenlegung der Sümpfe und die Regulierung der Wasserlaufe, wozu freilich sehr grosse Kapitalien erforderlich wären, würden die Provinz Adana für Tausende von Emigranten zu einem lockenden Ziele machen. Antizionistisches — Zionistisches in Palästina Das neu erwachende iiiJisclu: Lehen in Palästina, die nrdcrn-jüdischen Institutionen und Einrichtungen. die dort iiherall von zionistischer Seite ins Lehen gerufen wurden, zwingen allmählich auch die Regnerischen Kreise, sich den! neuen Geiste anzupassen. Die ‘emgeiU-ischten Chalukaltenmfängcr. die bisher von nichts anderen», als der so heut'.etucn Cluthikah. wissen und büren wulPen, die jede rationelle Erziehung der hcranwaclisendcn Generation verpönten und mit dem Bann besiedelten, auch diese fanden jetzt an. neue Wege und Lebensformen zu stieben. Und es w irkt etwas k »nnsch. wenn man sieh!, w ie sie datiir sich der Mittel!»-dienen. die sie bisher immer so vc!dämmt halten. Auch si.־ verbreiten iet/.t Flugschriften. verschicken Zirkulare, di־.׳ in einem ganz!!!odernen Hebräisch abgefasst sind und versuchen, di*,• CheJarin! wenidstens äusserlich zu modernisieren und sie den Autor Jerriiden unserer Zeit aitztipussrn. Um dem ״verderblichen“ Einfluss, der von zionistischer Seite inspirierten Kindergärten cntdcdcu zu arbeiten, bcdriindetei! sie letzt eine streng pdästinisch-orthodoxe Erziehungsanstalt, der auch ein sogenannter Kindergarten aiidedliedert ist. nur mit dem Unterschied dass dort die Kinder anstatt in hebräischer Sprache in irdcnü einem Golus-Oialekt unterrichtet werden. Auch unter de n .leschibnh-Jiin-gern «ährt es jetzt gewaltig. Was im Golus schon einer überwundenen Epoche aiivehört. die .,verkitt• ne Liter»- tur" wird jetzt dort entdeckt. Heimlich werden neuhebräische Werke gelesen und man munkelt sogar. dass die jungen Leute beabsichtigen, demnächst e:u im Geheimen redigiertes Summdwerk heruuszugeben, das ein Dokument' ihrer Gesinnung bilden soll . . In einer von den Chaltikahleuten verbreiteten Flugschrift ergeht jet>t die Aufford :nun; zur Gründung einer Zentrale fiir das orthodoxe Judentum iu Jerusalem, wo die gesamten Angelegenheiten des Chalukah-Judentu.ps in Palästina behandelt werden sollen. Die Zentrale soll auch eine Stellenver־ m;l:U1ng einricliten. Der Kostenanschlag fiir diese neue Institution ist auf ca. 6000 Francs jährlich veranschlagt, die aus iiciwilhgcn Spende״ aus der Diaspora aufgebracht werden soflcn. DIE WELT. . Entwicklung der Industrie in Palästina Einem Artikel des FRANKFURTER ISRAELITISCHEN FAMILIENBLATT entnehmen wir die folgende!» tatsächlichen Mitteilungen; ״Im Jahre 1H90 wurde in Jaffa von Herrn L. Stein eine mechanische Werkstätte eröffnet. Es war dies ein recht bescheidenes Gebäude, im ganzen etwa 300 Quadratmeter umfassend. Die Nachfrage nach technischen Hilfsmitteln und Arbeitsmethoden war damals in Syrien und Palästina noch in ganz primitivem Zustand. Die Besitzer der Orangegärten und anderer Plantationcn. die Müller, die Oel- und Seifcfahrikanten bedienten sieh bei ihren Betrieben einzig und allein der mcttschliehen und tierischen Kraft und kannten keinen anderen Motor. Die Bevölkerung verhielt sich misstrauisch gegen jede technische Neuerung, namentlich hatte mau kein Vertrauen zu den Dampfmaschinen und mechanischen Motoren. Man musste nun den Widerstand der Bevölkerung brechen und dem Motorbetrieb die Bahn ebnen, indem die Vorzüge desselben jedermann einleuchtend dargetan wurden. Diese eminent kulturelle Tat vollzog nun Herr Stein. Mit gtosscr Mühe gelang es ihm. einen Autochthoncn zu bewegen, in seiner ״Bujära“ (Brunnengartei!) eine Punip.naschine mit Gasmotor zu;installieren. Der Versuch gelang, viele sahen sich nun veranlasst, ihre Vorurteile gegen mechanische Betriebe abzulegen, die Werkstätte Steins gewann immer mehr Boden, es kamen immer neue Bestellungen von Seiten der judäischen und galiläisclie״ Kolonisten, der lokalen Regierung, ja sogar von Seiten der arabischen Bevölkerung Palästinas und Syriens. Die Zahl der in der Werkstätte beschäftigten Arbeiter erreichte jetzt 20. der Raum erwies sich nun als zu klein, und es stellte sich die Notwendigkeit heraus, ein neues geräumiges Gebäude zu errichten und moderne Maschinen von den neuesten Systemen eiuziilühren. Bald erwies sich auch eine Eisen- und Kupfergiesserei als notwendig. Einige Zeit darauf wurde die Werkstätte nach dem Zentrum der Stadt verlegt .und in einem grossen Bau untergebracht; auch die Giisserei wurde eröffnet, sodass man jetzt eine regelrechte, nach allen Gesetzen der Baukunst errichtete Fabrik vor sich hatte. ־ . In dem Masse aber, als die Bestellungen und Nachfragen nach Pumpmaschineii. Gasmotoren. Mühlen, ()eipressen, Eis- 'maschinell. Mäh- und Pilugmaschinen u. dergl. Zunahmen, stellte sich das Bedürfnis nach entsprechendem weitgehendem Kredit ein. Da nun di»: Herrn Stein zur Verfügung stehenden Mittel fiir die sich immer mehr häutenden Bestellungen nicht ausreichteti. so wurde vor zwei Jahren die Steinsche Fabrik zwecks Vergrösserung in eine Aktien-öesellschaft verwandelt, die am 25. Mai 1906 vom englischen Konsulat in Jaffa gcneliirigt wurdet Gegenwärtig steht nun die Gesellschaft unter dun Schutz der englischen Regierung und der Kontrolle der Anglo Palestine Company. Der Direktor der A. P. C., Herr D. Le von ti n. isr Generalrevisor der Gesellschaft. Die ״Giesserei und ,Maschinenfabrik L. Stein 5; Co.. A.-G." steht i:1 geschäftlicher Verbindung mit der A. P. C. und den anderen I».Kalen Banken Das Grundkapital d-r A.-G. b :trägt 125 out» I raues, auf 125 Aktien verteilt. Anfangs 19.»7 wurden neue Aktien im Betrage von 17 nun Francs unter die Leute gebricht. Die Bilanzen der letzten zwei Jahre zeigen sehr günstige Resultate, hu Jahre 1905 ergab die Biiaim einen Reinertrag von 21 Prozent. 19.10 — s׳*g:«r 25 Prozent. Die Stcinscim Fabrik ist das einzige Institut in Palästina, das eine so hohe Dividende zahlt. Während des Jahres |9!»(> waren in der Fabrik 60 bis 75 jüdisch«: Arbeiter beschäftigt, die insgesamt rund fiHMts» Francs an Arbeitslöhnen bezogen. Als technische lind kaufmännische Leiter des Geschäfts war»5 11־ Personen tätig, die in Summa 15 000 Francs an Gehältern erhielten. Gegenwärtig hal sich wiederum das Bedürfnis »ach weiterer Vergrösserung der Fabrik entsprechend der immer zuuehmenden Nachfrage herausgcstellt. Bei einer bedeutenden Vermehrung etwa Verdreifachung des Betriebskapitals könnte diese Fabrik von grösster Bedeutung fiir die Knlnnisation Palästinas werden. Jetzt schon steht die Steins-־!!־-• Fabrik weit und breit in bestem Ruf. Sie erhält regelmässig Bestellungen aui Pumpmaschineii aus Beirut. Damaskus. Haifa. Jerusalem. Saffed, Tilerias. Traiisjordanieii usw.. bisweilen sogar aus Alexandrien in Acgvptcn. Es wird zurzeit geplant, einen neuen Bauplatz von 121*00 Quadratmetern zu erwerben und ein neues geräumigeres Fabrikgebäude zu errichten: Die Zahl der Arbeiter, die iu der F'abrik ihre Be- \ *1■ יסיי

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.