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Jüdische Rundschau · 1908-02-28 · Heft 9 (28.2.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 78 JÜDISCHE RUNDSCHAU. .No. 9 zu seinem Artikel zuteil werden Hess, und vielleicht auch gegen die ihn nicht ehrende Zustimmung, die ihm das polnische -Assimilations-Organ IZRAEL1TA widmete. Freilich wird er .aui die Dauer kaum in der Lage sein, sich mit allen Zustimmungserklärungcn auseinander zu setzen, die ihm zufliegen werdem aber vielleicht wird dem zitatenreichcn Herrn Corainik dann auch dR. Wahrheit jenes Wortes einleuchtend werden, das hier mutatis mutandis anzuwenden wäre: ״Wenn dein Werk dem Kenner nicht gefällt. So ist das schon ein böses Zeichen. Doch wenn es gar des Narren Lob erhält. Dann ist es Zeit, es auszustreichen.“ Hebräisch — eine toie Sprache? Von London aus wurde vor einigen Tagen der staunenden Mitwelt folgende Nachricht übergeben: . ,,Die RQckkehr rum reinen Hebräisch. Eine für die Geschichte des Judentums bedeutsame Vcr- Sammlung war in London vor einigen Tagen von zwei jüdischen Gesellschaften einberufen worden, die sich d e Aufgabe gestellt haben, das reine Hebräisch als jüdische Nationalsprache wieder zu Ehren zu bringen. Die Verhandlungen wurden im reinen Hebräisch geführt, nicht in jenem jüdisch-deutschen Jargon, dem Yiddish, das gegenwärtig als llauptverständigungsmittel unter der jüdischen Bevölkerung gilt. An der Spitze der Bewegung steht der Londoner Oberrabbiner der spanischen und portugiesischen Gemeinden, der Professor des Hebräischen an der Universität Cambridge Israel Abrahams und der bekannte Schriftsteller und Philosoph Achad Ha'am. Eine Resolution wurde angenommen, nach der in allen Teilen der Welt, wo Juden wohnen, für die Wiederaufnahme und den Gebrauch der reinen hebräischen Sprache gewirkt werden soll.“ Die meisten Zeitungen waren dieser Nachricht gegenüber so ratlos, dass sie garnichts dazu sagten. Nur der Feuilletonredakteur der FRANKFURTER ZEH UNO gab den Juden in Osteuropa den sicher wohlgemeinten Rat, sie möchten lieber statt des ״Yiddish“ die Sprachen ihrer Lander annehmen. Dass bei einem grossen Teil dieser Juden das Hebräisch durchaus n i c h t die ״tote“ Sprache ist, für die man cs in Frankfurt hält, dass es eine grosse moderne Literatur und Presse besitzt, und dass viele Tausende von Juden sie als Nationalsprache pliegen, das wissen freilich auch so viele Juden nicht, dass man es anderen erst recht nicht als Unwissenheit auslegen darf. Ja, wenn es sich um die Sprache der Fidji-Insulaner handelte! Antisemitismus auf Hochschulen Seit dem letzten Sommer sind an der Strassburger Universität Bestrebungen im Gange, einen allgemeinen Ausschuss der gesamten Studentenschaft mit Einschluss der katholischen Verbindungen in die Wege zu leiten. Der vermittelnden Tätigkeit der akademischen Behörden gelang es auch, die erste Klippe zu umfahren, indem man verhinderte, dass den katholischen Verbindungen die bekannte Gewissensfrage wegen der ״nationalen Gesinnung* offiziell gestellt wurde. So konnte man zu Anfang des Wintersemesters zur Bildung eines provisorischen Ausschusses gelangen, der bis zur Annähme eines Statuts die Geschähe führen sollte. Anlässlich der Beratungen über die Zusammensetzung der Deputation, die einer Einladung des Prinzen August Wilhelm folgen sollte, stellten sich jedoch unvorhergesehene Schwierigkeiten im den Weg. Als es sich bei der Gruppierung aer nicht zu einem Verband gehörenden Verbindungen um die Einrangierung des ״Vereins jüdischer Studenten“ handelte, erklärte der Vertreter eines akademischen Gesangsvereins, dass er zwar gegen eine aktive Beteiligung des jüdischen Vereins nichts einzuwenden habe, dass seine Korporation es aber ablehne, sich eventuell ״von einem Juden vertreten zu lassen“; die gleiche Haltung nahmen ein nicht farbentragender Turnverein und ein ״wissenschaftlicher" Verein ein. Der beim Rektor Beschwerde ,führende jüdische verein versprach, im Hinblick auf den bevorstehenden Empfang durch den Prinzen bis nach Erledigung dieser Angclegenhelt zu schweigen. Als dann Mitte Januar die Vor- Berctungen zym gemeinschaftlichen Kaiserkommers der Studentenschaft getroffen wurden, ohne dass dem ״Verein jüdischer Studenten“ eine Genugtuung gegeben worden wäre, erklärte er, an dem gemeinsamen Kommers nicht teilnehmen, sondern den Geburtstag des Kaisers für sich feiern zu wollen. Die Sachlage ist nun die: Der Rektor hatte zu Anfang der Einigungsbestrebungen erklärt, er werde einen Gesamtausschuss nur dann genehmige■, wenn er die Vertretung der ganzen Studentenschaft darstcllc. Diese Voraussetzung ist durch die antisemitischen Tendenzeil einer gewissen Gruppe nicht erfüllt. Es müsste also erwartet werden, dass der Rektor entweder die Bildung eines Gesamtausschusses versagt, oder aber erfolgreich sich bemüht, jene Gruppe von der ferneren Betätigung ihrer antisemitischen Gelüste wenigstens im Rahmen der Ausschussgeschäfte abzubringen. . Der wohlverdiente Fusstritt Es ist unmöglich, sämtliche Tatsachen zu registrieren, die bezeugen, wie die Polen über das Polentum ״ihrer“ Hausjuden denken. Einen Fall wollen wir jedoch v rzeichnen, da er eine Illustration hierfür liefert: Der Gutsbesitzer von Med yn bei Podwoloczyska namens I s i d o r F r i e d hatte einen glücklichen Einfall. Da die jüdischen Grossgrundbesitzer in den Bezirken Skalat—Tarnopol—Zbaraz 5i0 an der Zahl sind, so mochte er für diesen Wahlkreis der Grossgrundbesitzer, die in einer besonderen Kurie wählen — einen jüdischen Vertreter ini Landtag haben. Herr Fried brachte also sein Anliegen in einem ״Offenen Brief“ an die ״Rada Narodowa“ (Nationalrat) vor, bat dieselbe um Aufstellung eines jüdischen Kandidaten für den erwähnten Bezirk und versicherte gleicnzeitig. es sei dem eventuellen jüdischen Kandidaten jedenfalls nichts weiter vorzuwerfen, als sein Judentum. Hierauf antwortete der Pole Cieliecki aus Byczkovvce im ״Przeglad“, dass er Herrn Fried gern glaube, die jüdischen Gutsbesitzer und Pächter seien makellos und böten bis auf ihr Judentum keinen Einwcr.d, aber dieser genüg ca uch vollauf... Wehn de jüdischen Grundbesitzer sLh tatsächlich als Polen fühlten, so würden sie es doch begreifen, dass es für sie besser sei, wenn sie ein wahrer echter Pole im Landtag vertrete und nicht einer ihresgleichen, der dort ein gebrochenes Polnisch sprechen werde und mit diesem Lahde ausser dem uelde, das er gibt, nichts gemeinsames habe. Damit, dass man ausdrücklich einen jüdischen Abgeordneten verlange, dokumentiere man offen, dass es spezielle jüdische Interessen gebe, die ausserhalb der nationalen Interessen, ja sogar ausserhalb der agrarischen Interessen der Polen stehen: woher also nähme man das Recht, an die ״Rada Narodowa“ hcra.nzutreten und sie um Unterstützung anzugehen? Kommentar zu dieser Maulschelle überflüssig! Verfolgung von galizischen Zionisten Mit welchen Mitteln die galizischen Behörden das Vordringen der zionistischen Idee zu hindern suchen, beweist nachstehender Voriall. der sich vor einigen Taxen in Beiz, dem Sitz des bekannten WunJerrabbis. zugetragen hat. Vor mehreren Wochen hatten zehn dort wohnhafte. Zionisten der ßezirkshauptniamischait in Sokal eine Abschrift der Statuten eines Zionistenvercins einsereicht, den sie zu gründen beabsichtigten. Kaum hatte der Wunderrabbi davon vernonunen. als er durch einen seiner Leute die Bezirkshauptmaimscliai't ersuchen Hess, die Gründung des Vereins zu hindern. Dein Bezirkshauptmaun Kalinicwicz kam diese Bitte sehr gelegen und er sandte die Statuten dem Regierung*- Kommissar Sir,ölen in Beiz zurück. Dieser ist schon seit längerer Zeit als Antisemit bekannt und hat sich während der Reichsratswaiilen so viele Gewalttätigkeiten zu Schulden kommen lassen, dass es sogar in Galizien Aufsehen erregt hat. Sinolen liess also die Unterzeichner der Statuten zu sich kommen und zwang sie mit Gewalt, eine von ihm abgefasste Erklärung zu unterschreiben, dass sic aui die Gründling des Vereins verzichten. So schickte er z. B. einen Polizeidiener zu unserem Gg. Edelmann, um eine alte, längst verjährte Polizeistrafe von 50 Kronen eiuzuzicher. Als Edelmann schliesslich seine Unterschrift unter die Erklärung setzte, war auch von der Einziehung der Straie keine Rede mehr. Wimderrabbi und Wunderpnlizei wirken eben Wunder. Galizien Die Errgeimg der riithcnisclien Bauern im Wahlkreis Horo* denka über die unerhörte Vergewaltigung und Verhöhnung der Bevölkerung bei den Urwahlen zum Landtag führte schliesslich in Czortowicc zu Ausschreitungen der Bauern gegen diejenigen J uden. die i ü r den polnischen Kandidaten gestimmt haben, indem man ihnen die Scheiben eiuschhig. rteifonbs) ־« 1;*•*ימי׳ ♦יייי״יי*

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