Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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י• ״ I No. 9 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 77 schnft .,OST UND WEST ‘. Im Laufe des Jahres 1907 sind 48 neue Lokal - Komitees der Alliance geschaffen, 21 bestehende erweitert worden. Die helfende, aufrichtende und unterrichtliche Tätigkeit der Alliance Isradlite Universelle blieb auch im vergangenen Jahre weltumfassend: in 142 Eie* mentar- und Vorbereitungsschulen für Knaben und Mädchen, in Handwerker* und Ackerbauschulen, die über 3 Erdteile verbreitet sind, werden 45000 Zöglinge unterrichtet, vielfach auch gekleidet und gespeist- Für dieses Hilfswerk hat die Alliance im ordentlichen Etat l*/2 Mili- Francs aufgewendet. Mit besonderer Genugtuung wurde die Mitteilung entgegengenommen, dass in den jüngsten Tagen wieder in Konstan* ׳tinopel-Galata eine Allianceschule mit deutscher Unterrichts- Sprache eröffnet worden ist. — Durch den Geschäftsführer des Pariser Zentral ־ Komitees Herrn Bigart w.1rJe d »von Kenntnis gegeben, dass die Falascha-ExpeUiiian der Alliance bereits bei dem Negus von Abessyrien eingetroffen ist, und dass die Alliance, sobald die Ratsamkeit sichergeben hat, alle erforderlichen Massnahmen zur erziehlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Hebung der Falaschas treffen wird. Die Tätigkeit der Deutschen Komerenz-Gemeinschafr war vor* nehmlich auch den räumlich näherliegenden Arbeitsfeldern zugewendet: den durchwandernden russischen Glaubensgenossen, und namentlich den Ausgewiesenen, widmete sie ihre unterstützende und fördernde Fürsorge. — Die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft erörterte eingehend und in bejahendem Sinn die Frage der Ausdehnung beziehentlich Einführung deutschen Sprachunterrichts in einzelnen Allianceschulen, u. a. in Marokko, und der durch besondere Umstände um ein Jahr verzögerten Entsendung von Zöglingen des Pariser Lehrerseminars der Alliance nach Deutschland zum Zweck der Erlernung der deutschen Sprache. Dem allgemeinen Bericht s hlossen sich die Sonderberichte der einzelnen Bezirks-, Provinzial* und Landes Komik cs an. Ueberail konnte grosse Regsamkeit und erneuter Aufschwung konstatiert werden. Die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft beschloss ferner, überall da, wo die Verhältnisse cs gestatten, ihren Komitees die Heranziehung von Ehrendamen als Komitee-Mitglieder zu empfehlen. — An Stelle des durch den Tod ausgeschiedenen Herrn Oschinskv-Breslau wurde Herr Rabbiner Dr. Wenter- München in den Vorstand gewählt — Ueber die von Heryi Professor Phiiippson gegen die AI iance gerichteten Angriffe ging die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft unter Billigung der von den Präsidenten des Zentral• Komitees und der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft z. Z. veröffentlichten Erklärung zur Tagesordnung über. macht wurde, hat den Grundsatz ausgesprochen, dass zwei Gruppen von jüdischen Schulkindern gebildet werden sollen, von denen, wenn der Mindestsatz von 12 erreicht wird, Bei- Hilfen bewilligt werden können, während bei denen unter 12 die Staatshilfe nicht gewährt werden kann Wenn diese Ein- Schränkung wegfällt, so könnten vielleicht die jüdischen Schulkinder besser gestellt werden als die christlichen Schul- Kinder in ähnlichen Verhältnissen., Aus der preussischen Statistik für 1906 ergibt sich, dass die Vethältnisse der Juden ganz erheblich anders liegen, und dass, wenn man das Minfestprmzip von zwölf Schulkindern a ifrecht erhalten will, ein bedeutender Teil der jüdischen Schüler ohn * Religionsunterricht in der Schule bleiben müsse. Die jüdischen Schulkinder brauchen also eine bedeutend grössere Unte׳Stützung, aldas unter ähnlichen Verhältnissen bei den chrsMchen Schülern der F.»l i-t. Zu bedauern ist. dass vielfach kleinere Gemeinden die Beihilfen nicht bekommen können. E5 könnten ja nun verschiedene kleinere Gemeinden zu Zweck'׳erbänden zur Erteilung des Rel gionsunte richts zusammengelegt werden. Aber auch das ist mit erheblichen Kosten verknüpft Die Regierung •»-öge die Frage noch einmal prüfen. Es wird vielfach mit Recht darüber geklagt, dass der jüdischen Be\ökerung nicht immer die d •rch die Verfassung und das Gesetz garantierte Gleichberechtigung zuteil wird. (Sehr richtig links.) Daturch erwächst ein Gifühl der Demütigung und Krä kung. Wenn uas der Fa I ist, dann sollte doch die Regierung nicht dazu beitragen, dass dies Gefühl ve stärkt wi d bei der Erteiiung des Religionsunterrichts, der nach Möglichkeit eher gefördert als eingeschränkt werden sollte (Beil ■II links.) MinisteriaU irektcr Dr. Schwartzkopff: Die Regierung steht gerade dieser Frage mit besonderem Wohlwollen geg« nüber. Allerding* darf der Staat nur leistungsschwachen Gemeinden zu Hilfe komme 1. Alle diese Fonjs sind nur subsidiärer Natur; gleichviel ob es sich um Schulgemeinden oder um religiöse Gesellschaften handett. die Staatshiife ist immer nur eine subsidiäre. Wir müssen ferner eine gewisse Riehtschnür haben, und deshalb verlangen wir, dass mindestens zwölf jüdische Schulkinder vo’handen sind, wenn eine Unter- Stützung an die Svnagogengemeinde gewährt werden soll In der Praxis .wird die Frage ja nicht von allzu grosser Bedeutung sein. Aus dem preussischen Landtage Im preussischen Abgeordnetenhaus wurde beim Kultusetat die Beihilfe an Synagogengemeinden eröriert. Abg. Peltasonn 1fr. Vg.) tritt für die Gewäliru •g von Bei- Hilfen an Synagogengemeinden ein. Nach der bei der Beratung des Volksschulunterhaltungsgesetzes angenommenen Resolution sollten diese Beihilfen allen Synagogen zuteil werden und nicht nur den lei-tungsschwachen. Die Zahl der leistungsschwachen Gemeinden ist so gross, dass der Fonds für sie vö’lig erschöpft und vielleicht noch überschritten werden möente. Bedauerlich ist die Einschränkung der Beihilfe auf Schulen, in denen mindestens zwölf Schulkinder vorhanden sind. Wir hatten bei der Beratung des Volksschul־ Unterhaltungsgesetz׳ s beantragt, dass die jüdischen Schulkinder, welche in anderen christlichen Schulen oder in Simultanschulen sind, ähnlich berücksichtigt würden, wie das bei der Minderheit von christl chen Schulkindern der Fall sei Leider ist damals unser Antrag nicht angenommen, dagegen die Be- Stimmung a ,frecht erhalten, nach welcher bei dauerndem Vorhandensein von mindesten-, zwölf jüdischen Schulkindern in christlichen und Simultanschulen d;e bürge liehen Gemeinden Beihilfe zu leisten haben Für uns waren massgebend bestimmte Bedenken, die auf der Verfassung und aut der Notwendigkeit der Regelung der inneren Fragen des Religionsunterrichts bezüglich der jüdischen Religionsgemeinschaft beruhen Es ist die Notwendigkeit anerkan t worden, für diese Zwecke genügend ausgebndete Lehrkräfte zu bestellen, und ferner die Nö wcnJigkeit von Beihilfen an Svn igogengemeinden Gerade mit Rücksicht aur dieses Anerkenntnis ist die Resolution gefasst wo'den, die auch den Staat zu Beihilfen heranziehen will Die Regierung hat sich wohlwollend für diese Resolution geäussert und erklärt dass sie es für notwendig erachte, dass für den anzustellenden Religionslehrer ein reichlich bemessenes Gehalt gesichert werde. Die Einschränkung die damals ge¬ Coralriiks Aniwo»־t In der Wiener NEUEN NATIONAL-ZEITUNG des rühmliehst bekannten Herrn Dr. Saal Rafael Landau ergiesst Herr Co r a 1 n i k seinen Schmerz über die ihm von Dr. Elias Auerbach in diesem Blatte gehaltene Grabrede in folgende würdevolle Zeilen: ״Wer in die Oeifentlichkeit hinaustritt, wer den Leuten ,*!,.,ח will rtmcc cirh auf iinwiMSfhe! Anpfiffe PC- Wahrheiten sagen will, muss sich auf unwirsche Angriffe gefasst machen. Und auch auf unwürdige, stumpfsinnige Verdüchtigungen und Insinuationen. Als ich den Artikel in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU gelesen habe, die Leichenrede, die der offizielle Berliner Zionismus mir hielt, da hat’s mir weh ־getan. Es hat mich geschmerzt, dass Anhänger einer kulturpolitischen Partei, dass ..Parteiretter“ so albern, so abgeschnackt, so armselig schreiben, mit solchen Argumenten kämpfen müssen. Ich habe mich für die Partei geschämt, dass sic solche lahme Soldaten ins Feld schicken muss, da es gilt, einen Angriii abzuschlagen. Ich werde auf die Deklamationen, auf die Käseblattpolemik der JÜDISCHEN RUNDSCHAU nicht reagieren. Gegen Borniertheit. Vereinsmeicreigeist richtet die Feste Dialektik nichts aus. Uebrigens, vielleicht heisst das Purteidisziplin. Mag sein. Ic!1 glaube nicht, dass die zionistische Partei auf einen! so tiefen geistigen Niveau steht, ich glaube nicht, dass Zionismus und Menschenverstand. Zionismus und Kritik im umgekehrten Verhältnis stehen, wie sehr auch die JÜDISCHE RUNDSCHAU es mir weismachen will. Die Zionisten werden sich für den .,Wir-Ton" der JÜDISCHEN RUNDSCHAU wohl sehr bedanken.“ Wir hätten dazu eigentlich gar nichts zu bemerken, weil der Autor der eben angeführten Zeilen sich dadurch und durch die Zeitung, in der er sie veröffentlicht, ausserhalb jeder Kritik gestellt hat. Aber Herr Coralnik verwahrt sich in dem gleichen Artikel gegen eine ..imgewiinschte Zustimmung“ die ihm in derselben NEUEN' NATIONAL-ZEITUNG wideriuhr, und der er drei Spalten widmet. Deshalb möchten wir Herrn Coralnik darauf aufmerksam machen, dass es ihm näher liegen sollte, sich gegen die Zustimmung zu verteidigen, die ihm die ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS in einer Fussnote V ליידוי '«״W