Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1908-02-28 · Heft 9 (28.2.1908) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651552-2651562--05464-2662489
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

יי־' יד v Seite 76 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 9 Bestandteil, den Vorstand? Die Zentralvereinler in Posen bemühen sich, uns wieder in ihre Reihen zu bekommen, Es liegt anderseits für einen Zionisten keinen Grund vor, den Eintritt nicht zu vollziehen. Aber logisch und ״liberal“ ist es, sic auch von der Mitarbeit nicht auszuschliessen. Wo dies aber der Fall ist und wo grundsätzlich der Aus- Schluss von Zionisten aus dem Vorstand proklamiert wird, wo in unliberalster Manier der Boykott über Zionisten veihängt wird, da müssen andere, als rein sachliche, im Interesse der Judenschaft liegende Gründe für ein derartiges Verhalten vorliegen. Jeder Wähler hat das Recht, seine Stimme nach seiner Geschmacksrichtung abzugeben. Die Beeinflussung derWählermassen durch Drohung, aus dem Vorstande auszuscheiden, ist unliberal. ״Schneidig', wie dieser Auftritt jetzt von Vor- Standsseite genannt wird, ist er nicht, da ״Schneidigkeit“ und persönlicher Mut untrennbare Begriffe sind. ״Schneidig“ sind wir Zionisten, weil wir den Mut haben, meine Herren, dem von Ihnen propagierten Boykott zu trotzen. Ziehen Sie den Hut vor uns, weil wir unsere Sache vertreten unter stärkster Schädigung unserer persönlichen Interessen. Nach diesem unserem Schlusswort werden wir Posencr Zionisten unserer Abmachung getreii, nach wie vor jegliche Polemik gegen die Zentralvereinler vermeiden. Uns gibt unser Ziel Arbeit genug. C. K. Freund oder Feind (״Zionistenfreundlichc Zeitungen“.) In der letzten Zeit ist es wiederholt vorgekommen, dass angebliche Freunde unserer Bewegung sich in wenig taktvoller Weise gegen die zionistischen Führer aii'sprachen und zwar vollkommen unberechtigt. So brachte die Regensburger ״DEUTSCH ISR. ZEITUNG“ einen Leitartikel gegen den Abgeordneten Dr. Mahler wegen dessen Rede über ״die Freiheit der Wissenschaft und die Juden“. In dieser in jeder Hinsicht vorzüglichen Rede sagt Dr. Mahler u. a., die jüdiscunationale resp. zionistische Partei sei nicht klerikal, sie werde sogar von klerikaler Seife, z B. den .,Wunderrabbis“, Oberrabbiner Güdemann, Rabbiner Taubeles (Tarnopol) etc., bekämpft. Selbstverständlich wollte Mahler damit den Missbrauch der Religion (oder der Kanzel) zu politischen Zwecken geissein, was man eben ״Klerikalismus“ benennt. Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Meyer in Regensburg identifiziert jedoch ,,Klerikaiismus“ mit ״Religion“, denn er erklärt: ״Die Zionisten sind also nicht religiös (״klerikal“), zwei Zeilen darauf schreibt er bereits: ״Die Zionisten sind religionsfeindlich ‘ und macht Dr. Mahler den Vorwurf, dass er nicht über ״unsere heilige Thora“ gesprochen habe. Ferner meint er, ״die österreichischen Rabbiner hätten guten Grund, gegen den Zionismus zu sein“ etc. Was *ien Klerikalismus betrilft, so habe ich bereits betont, das» solcher mit wirklicher Religion nichts zu tun hat Wenn Dr• Mahler nicht über die heilige Thora sprach, so geschah dies wohl aus dem Grunde, weil sich im österreichischen Parlament de Redner an die Tagesordnung halten m ssen (in anderen Parlamenten gleichfalls) und weil Mahler auch gar nicht die Absicht hatte, unsere ״heilige Thora" in den Kampf der Parteien hineinzuzerren. ״Die österreichischen Rabbiner sind Antizionisten," meint ferner der Herausgeber der ״D.-l zTG.“. Davon i>t mir nichts bekannt Im Gegenteil. Die meisten österreichischen Rabbiner sind Zionisten. Nicht bloss in Galizien und der Bukowina, sondern auch in Böhmen und Mähren Wie sonst wäre cs denn möglich,, dass die Leitung des böhmischen Rabbinerverbandes durchwegs aus Zionisten besteht (Präsident Dr. Kurrein, Tep'itz), oder dass Heu Prof. Simon Stern (Saaz) in der Prager ״Sclb^twehr“ einen Artikel schreiben konnte über das Thema:, ..Warum sind die meistm Rabbiner Zionisten?“ (in Oesterrech natürlieh). Selbst Herr Oberrabbiner Güdemann in Wien ist jetzt anderer Meinung wie vor 10 Jahren, als er leidenschaftlich gegen uns agiterte. Also d i e österreichischen Rabbiner sind nicht gegen den Zionismus. Ausnahmen bestätigen die Regel. Oder will Herr Dr Meyer vielleicht den ״Rabbiner‘• Taubeies in Schutz nehmen, der im Auftrag des Polenklubsüie jüdisehen Wähler in Galizien auf orderte, nicht jüdisch• national, sondern polnisch national zu stimmen. Wenn Herr Dr. Meyer dcraitige Taten gutheissen will, dann verdiente er selbs*,־Mitgli1a d s ״Poler.klubs“ zu werden. Die obenerwähnten Anwiirfe gegen Dr. Msh.cr wurden nun von unseren , Freunden* Dr S R Landau (Wien) in seiner ״NATIONAL-ZEITUNG״ (lucus a non lucendoi und von dem Misrachisten Le bo witsch in seiner ״ALLGE- MEINEN JÜD. RUNDSCHAU‘ (in Budapest mit Behagen nachgedruckt. Von einem Dr. Landau kann man wohl kaum etwas anderes erwarten. W.cwchl sein Organ nicht gerade ״rtbgöse Interessen“ vertritt, so ist ihm auch der Vorwurf mangelnder Religion genehm, wenn damit einem Zionisteulührer eins versetzt werden kann. Das gehört ja zum Metier der ,.NEUEN NATIONALZEITUNG“. Anders liegt di: Sache bei I lerrn L e b o w i t s c h , sc ines Zeichens Vertrauensmann der Misiachi in Budapest und Redakteur eines kleinen •1 Seiten starken Wochenb’ättchens, genannt ״ALLO. JÜD. RUNDSCHAU“. Dieses Blatt ist sphr vielseitig. Es ist ein ״konservativesOrgan“ für alle jüdischen Interessen‘׳. Die Natio.ialiondvetwaltung in Köln hat — aus* gerechnet — dieses Blatt als ihr Publikationsorgan auserschen. Fl rr Le• bowitsch weist auch die in Ungarn gesammelten N-F- Beträge aus, bekämpft aber gleichzeitig den Zionismus ־ soweit er nicht misr.ichistisch ist. Selbstverständlich druckt abo die ״ \LLG. JÜD RUNDSCHAU‘• den für Herrn Dr. Mahler so schmeichelhaften Regensburger Leitartikel nach und knüpft daran noch ihre eigene vernichtende Kritik. Makkabäerfeiern in Budapest wurden in diesem Blatte abfällig kritisiert, weil nach Schluss der Vorträge getanzt w u r de. (Notabene sollen sogar Männer mit brauen getanzt haben.) In der letzten Ausgabe dieses Organs macht ein ״misrachistischer Zionist“ seinem Aerger über das , ur.jüdischc Vorgehen" des Waitzner Zion Vereins in den Spalten der ״A. J. R.“ Luft und meint: ״Wenn schon durchaus getanzt werden muss, so sollte dies doch nicht während des Faschings geschehen \ da um diese Zeit sich die andersgläubige Bevölkerung vergnügt. Aus diesen Beispielen kann man ermessen, aut welchen; Niveau manche Schriftleiter jüdischer Zeitungen stehen.. Trotzdem wäre in Ungarn noch sehr viel für den Zionismus zu erreichen. Dazu ist jedoch erste Bedingung, dass die Führer der Bewegung festen Charakter besitzen und genau wissen, was wir wollen. Dies gilt auch für die nichtmisrachistischen Zionistenführer in Ungarn und anderswo. B. G r ü n h u f. C r•״ L_ Rundschau Fünfte Tagung der Deuischen Konferenz- Gemeinschaft der Alliance Israälite Universelle Am Dienstag, 21־. Februar, hat die aus den deutschen Mit• gliedern des Zentral-Komitees der Alhance Israelitc Universelle bestehende Konferenz-Gemeinschaft de־׳ A. I. U ihre fünfte Jahrestagung in Berlin im Saale des Brüdervereins geliahen. Die zur Teilnahme Berechtigten* aus allen Teilen Deutschlands und die Mitglieder des Berliner Lokal - Komitees waren fast vollzählig erschienen oder hatten legitimierte Vertreter cr׳tsandt. Vom Zentral-Komit. e in Paris war dessen Geschäfis* fiihrer delegiert. Den Vorsitz führten oie Präsidenten der Deutschen Konferenz - Gemeinschaft, Gcheimrat Goldberger- Berlin und Charles L Hallgarten-Frankfurt a..W, die den ausführlichcn und mt allseitiger Zustimmung angenommenen Kechenschafts- und Arbeitsbericht tiir das Jahr 19u7 erstatteten und den Arbeitsplan für 190S entwickelten. Mit Befriedigung wurde testgesteib, dass uic Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahre wieder um Tausende gewachsen ist dank der von der vorigen Tagung beschlossenen und inzwischen fast vollständig durchgeführten strafferen Zentralisierung, einer eifrigen Propagandatätigkeit durch Vorträge und der Verbreitung ues Organs der Konferenz-Gemeinschait, der illustrierten Monats- ♦*1«(ןוון

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.