Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 62 jüdische Rundschau. No. 7 der Sache ist die Oelbaumsrettde jetzt als eingetragener Verein nach deutschem Recht, mit dem Sitz in Berlin. begründet worden. Das Bureau des Vereins Oelbanmspende befindet sich Berlin \V. 15,. Uhtandstr. 175: Zahlstelle ist nach wie vor die Jüdische Kolonialbank (Jcwish Colonial Trust) in London. Die Anlagekosten für einen Oelbatim betragen etwa 6 Mark. PA. ÄST NA-ARCH1V Die erfreuliche Zunahme des Interesses der Juden für Palästina hat es mit sich gebracht, dass die jüdische Presse sich immer mehr mit Palästina-Fragen beschäftigt. Da mm in letzter Zeit in Oesterreich zwei Zeitschriften in polnischer und in jüdischer Sprache (PALESTYNA und SERUBABEL) gegründet worden sind, die ausschliesslich dem Interesse Palästinas gewidmet sind, und da auch die in Odessa neu begründete Wochenschrift HATECIilAH sich wesentlich mit Palästina befassen wird, so erachtet das Palästina-Ressort den Zeitpunkt für gekommen, seine lang gehegte Absicht zu vcrwirklicbcn und die bisherige Zeitschrift PALÄSTINA in ein populär wissenschaftiichcs PALÄSTINA-ARCHIV umzuwandien. Das PA- LÄST1NA-ARCH1V wird ausschliesslich Beiträge von bewährten Fachleuten und Gelehrten enthalten und wird in Palästina selbst redigiert werden. I:s ist zu erwarten, dass dieses Jahrbuch in weitere Kreise dringen wird, als dies der rein wissenschaftlichen Zeitschrift möglich war. und das es somit zur Verbreitung der Palästina-Kunde ein gutes Teil beitragen wird. Das erste Jahrbuch PALÄSTINA-ARCHIV dürfte Lude 190S erscheinen. Jüd'sch-per^ische Dichter Linen guten Einblick in das geistige Leben der Juden in Persien gewähren die Arbeiten des Professors an der Landes- Rabbinerscliule in Budapest. Wilhelm Bacher. der kürzlich ein Werk über ״Zwei jüdisch-persische Dichter. Seliahin und lmrani“ herausgibt. Es fällt auf, dass die Juden in Persien schon so früh, im Anfang des R Jahrhunderts, sich literariscli benierkabr machten. Denn der Dichter Scha'iu. im letzten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts geboren, hat sein Hauptwerk 1332 geschrieben, während z. B. die Juden in der Türkei, trotz eines schon vierhundertjährigeu Aufenthaltes im Lande, auf türkisch-literarischem Gebiete gänzlich unbekannt geblieben sind. Allerdings liegt die Ursache atu der Hand. Die Juden der Türkei bedienen sich noch heute des spanioüschcn Dialekts, während ihre iranischen Stammesgenossen seit utidenklichen Zeiten persisch reden und persich schreiben und den persischen Sitten sich dermassen angepasst haben, dass sie gleich den übrigen Gebildeten des ,Landes poetischen Versuchen sich Hingaben und mitunter ganz bemerkenswerte Leistungen hinterliesseu. Ja, noch mehr. Als im Mittelalter in Mittelasien Literatur und Wissenschaft in arabischer Sprache gepflegt wurden, fand sich ein Jude, Mcrwan bin Abu Hafza, der im Jahre 795 als Literat sich ausgezeichnet hatte. F.s ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, dass der später auf keimende Judenhass in Persien Anfang des 14. Jahrhunderts noch gar nicht existiert hatte, denn damals herrschten in Persien noch die Mongolen, die. frei von besonderen! Religionsfanatismus. keine Muhammedaner, Christen und Juden, sondern nur gehorsame Untertanen kannten. Der jiidische Dichter Schahiu beiasst sich selbstverständlich in erster Reihe mit biblischen Erzählungen und mit sonstigen au! das Judentum bezüglichen Reminiszenzen. Solche seid: das Mosesbuch, das Ardeschirbueh. von besonderem Interesse wegen der Geschichte Esthers und Mordeehais. und das Esrabucli. Der Stil und die bildliche Darstellung erinnern stark an den bekannten persischen Dichter Sa*di. der ungefähr zur gleichen Zeit tätig gewesen ist. Aus chm Lande Israel Rlschon Ic-Ziou, Zu Beginn des Monats Schcbat ist hier ein Wetterumschlag eingetreten. Anstatt der üblichen Kälte herrscht jetzt eine unerträgliche Hitze, die die Weinbauern wegen ihrer möglichen schädlichen Folgen für die Ernte in Besorgnis setzt. Seit ca. zwei Jahren besteht hier unter dem Namen ״Achusal!“ eine Gesellschaft für Landankauf. 23 Kolonisten sind an ihr beteiligt. Bisher hat die Gesellschaft bereits ca. 2000 Dunau! Land erworben. Auel! die JCA hat sich an der Gesellschaft beteiligt und ihr beträchtliche Darlehen gewährt. Neuerdings ist noch eine zweite Laiiderwcrbsgcsellsehait unter dem Namen ״Risehoiiah“ begründet worden, die demnächst einen grösseren Komplex im naheliegenden Dorfe Zitnah kaufen will. , , ' , Jüngst fand hier eine Versammlung von Aktionären des Jcwish Colonial Trust statt, in der sich fast sämtliche Aktionäre für die Abänderung der Statuten ausgesprochen haben. Rischen Le-Zion. Endlich kam die Kolonie zur Einsicht, dass der schöne Gemüsemarkt, den die Araber alltäglich autstellen, nicht der K< lnnie zum Vorteil gereicht, und beschlossen, eine Wasserleitung zu machen die jedem Kolonisten die Mügliclikcit gibt, sein Gemüse selbst zu bauen. L'eberhaupt bcweisen die Kolonisten, dass sie mehr Vertrauen verdienen, als man ihnen bei Ucbergabe der Kolonie geschenkt hat. Ncs-Ziotialt. Infolge des Ankaufs eines 7<w» Dunam grossen Landgutes durch die ..Geulali" sind die bisher getrennten Kolonien Wadi-Chaniu und Nes-Zi׳:nal1 vereinigt und vergrösser! werden. Der grösste Teil der neu gekauften Lündereien soll baulichen Zwecken dienen und au die Familien der Landarbeiter in den Kolonien Tei-Awiw und Riselmn le Zion verkauft werden. Für den Bau einer Schule für die Kinder der hiesigen Kuhmisten hat die JCA einen Bauplatz unentgeltlich zur Verfügung gestellt, während das Odessaer Komitee ihr die Beschaffung der Baukosten sorgen wird. Die neue Schule wird malerisch auf einem Gipfel des Berges Ncs-Züm liegen. Ekrou. Die hebräische Bibliothek hat eine bedeutende Bereicher 11 n>g erfahren. Fast sämtliche Einwohner der Kolonie haben dazu beigetragen, die Bibliothek durch Beschaffung neuer Werke und Zeitschriften aut einen modernen Ansprüchen genügenden Stand zu bringen. Die Abendkurse und literarischen Abende sind wieder mitgenommen worden. Jerusalem. Vor kurzem veranstaltete die Bezalelscliule eine Ausstellung von Teppichen, die vom Publikum stark bcsucht wurde. Der neu angelegten Sammlung von Kunstgew׳erbegegeiiständen. Altertümern i.sw. im Bezalel bringt die lm-sige Bevölkerung lebhaftes Interesse entgegen. In der Teppich-Ausstellung erregte besonderes Interesse e.11 grosser Tein ich der für Herrn Dr. I'riedeuwald-Baltiniorc angefertigt v. orden ist. Der Teppich, der wegen seiner wunderschönen Ausführung allgemeine Anerkennung gefunden hat. ist der grösste bisher im Bezalel angefertigte. Jaffa. Ein neuer türkischer Postdirektor ist hier eiligetroffen, der sofort den Anteil der Kolonien an der Post erkannte um! der Regierung vorschlug, in allen Kolonien türkische Postümter einzurichten, um die ausländischen zu verdrängen. Die Kolonien hatten bis jetzt die Gelegenheit, es von selbst zu tun. Jetzt werden sie vor die Aussicht gestellt sein, türkische Beamte in ihre Mitte zu bekommen. Aus Gemeinden und Gesellschaften Berlin. Am verflossenen Montag veranstaltete der ״Verein tiir überliefertes Judentum“ in Berlin in Xeumanns Fest- Sälen eine Versammlung, in der Herr Dr. Arthur Kahn einen Vortrag über die Zukunft des Judentums i nt Lichte der Statistik hielt. Es ist merkwürdig, dass zu gleicher Zeit von al'en Seiten die Frage aufgeworfen wird, ob das Judentum eine Zukunft habe. In dem Auftauchcn dieser Frage kann das Judentum einen warnenden Ruf des Schicksals erkennen. Wenn es wahr ist. dass die Forterhaltung einer Volks- oder Stanitnesgctneiuscliaft die Erzeugung ur.d Erhaltung einer hinlänglichen Nachkommenschaft als erste Vorbedingung fordert, so ist diese in der modernen Judcnheit aufs bedenklichste ins Wanken geraten. Weist doch die jüdische Geburtsstatistik ein Manko von fast 4 Prozent weniger Geubrteu im Vergleich zu der der uiclitjüdische״ Umgebung auf und v» Prozent weniger als die wegen ihrer Sterilität sprichwörtlich gewordenen Franzosen! Dazu kommt noch der.rapid um sich greifende Atistall an Bevölkerung durch die Mischehe. Das in dieser Beziehung vorgetiihrte statistische Zahlenmaterial war geradezu von niederschmetternder Wirkung. Weist doch das Jahr 1907 in Berlin allein unter 767 von jüdischen Personen geschlossenen Ehen allein 255 Mischehen aut*; mit anderen Worten: jede dritte von jüdischen Personen geschlossene Ehe In Berlin, war eine Mischehe! Der weitaus grösste Teil der aus solchen Ehen hervorgeiienden Kinder fällt naiurgemäss dem Christentum ztt. Auf diesem Wege erleidet die deutsche Judcnheit. wo die Verhältnisse im Aligemeinen ähnlich liegen, jährlich einen Ausfall von 2000 Seelen: hierzu kommt ein weiterer Ausfall von 2000 Geburten unter der Norm und endlich noch der Verlust von etwa 151J0 Seelen durch Austritt und Tauten. Bei einem Bestand von 600 000 Seelen im ganzen Deutschen Reich bedeutet dieses — vorausgesetzt dass die Taufen. Mischehen nicht zu- und die Geburten nicht noch weiter abtielimeii — einen jährlichen Verlust von l Prozent des Bevölkerungsstandes inmitten einer 62 000 000 Millionen betragenden niclirjüdischen Bevölkerung', die noch dazu in steigendem, rapiden Wachstum begriffen ist.