Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ü225& No.ד, JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 61 i ם r*־ L. Rundschau. ב Bespöttelung Die SACHSENSCHAU, die in Magdeburg erscheint, schreibt am 9. Februar 1908: ..Katholiken und Juden. Wenn die Katholiken nicht mehr die Lehre vertreten, dass alle Nichtkatholiken Ketzer sind, wenn die Juden erst einmal in jedem Nichtjuden nicht mehr den unreinen verabschcuungswürdigen Ooi erblicken, wie es Ihr Gesetz vorschrclbt. dinn wild es möglich sein, dass alle an einem Strange ziehen und das Gemeinwohl fordern. A11 den Protestanten hat es wahrlieh nicht gelegen, wenn die jetzige Trennung zum Nachteile des deutschen Volkes noch fortbesteht.*‘ So wird unser Gesetz von den Gesinnungsgenossen der STAATSßCRGERZKITUNG ־ gebrauchen wir ihr.*11 eigenen Ausdruck — ״unverschämt bespöttelt" und wahrheitsw iJrig verleumdet. DerZlonismus und dietürkischeRegierung Am 3. Februar hielt liier der Präsident der zionistischen Organisation, Herr David Wolffsohu aus Kohl, eine Rede, in der er seine kürzlich in Berlin gemachten Actisscrungcn wiederholte und ergänzte. Es hat danach den Anschein, als oh die Verhandlungen der zionistische״ Leitung mit der tiirkischcn Regierung wirklich in absehbarer Zeit zu positiven Erfolgen führen sollten. Herr Woliisolm sagte nämlich im Laufe seiner einstündigen Rede mit Bezug auf seinen letzten Aufenthalt in Konstautinopel folgendes: ״Ich kann versichern, dass die türkische Regierung unsere Bewegung durchaus nicht für e! ׳> <' i’ tonie hält, und dass sie immer mehr zu der Ueberzeugimg kommt, dass es nicht nur den Juden, nicht nur Palästina, sondern auch dem türkischen Reiche selbst grosse V o r t ei I e bieten wird, wenn Palästina eine grosse jüdische Einwohner- Schaft haben wird. Und das liegt heute nicht mehr an der türkischen Regierung, sondern an uns seihst. Wenn das jüäische Volk erst den Willen haben w ird. und wenn die Mittel vorhanden sein werden, dann werden auch alle Nichtjuden auf unserer Seite sein." Die aus der ganzen Umgegend stark besuchte Versammlung nahm diese Worte, wie überhaupt die ganze Rede mit störmjscltem Beifall auf. * Die galizischen Lanrltagswahlrr Obgleich uns nur noch eine sehr kurze Zeit von den bevorstehenden Landtagswahlen scheidet. ״ ca. ein Monat —. und obwohl die Konferenz der Vertrauensmänner der jüdischrationalen Partei, die am 26. Januar stattfand. beschlossen hat, an den galizischen Landtagswahlen aktiven Anteil (durch Aufstellung eigener Kandidaten) zu nehmen. — trotzdem ist es im Lager der Jüdisch-Nationalen ganz ruhig. Es scheint, dass diese trotz ihres grossen Anhanges im Volke — die letzten Reichsratswalileii waren ein beredtes Zeugnis hierfür — doch nicht den Mut auibringen können, beim alten, reaktionären Kuricnsvstcm eigene Kandidaten zu nominieren. . . Indessen geht es bei den anderen Parteien geräuschvoll zu. Alle rüsten für den Kampf, sogar die Sozialdemokraten, für die dieser Kampf mehr eine demonstrative Bedeutung zu haben scheint. Charakteristisch ist das Verhalten, das die Polen den Juden gegenüber belieben. Diese Herren, die nicht genug protestieren und lärmen können, wenn sich Preusscn an der! polnischen Besitzstand heranwagte, dieselben Leute scheuen es nicht, hier, wo sie die Macht haben, ihr Netz auch in solchen Städten auszubreiteti. wo die J 11 den eine absolute Majorität bilden. .Kanu׳ mau eine Politik, die darauf abziclt. in Stanislau. Kolonien und anderen Orten (Städte mit mehr als 50 Prozent Juden) polnische Kandidaten zum Landtag durchzusctzen. kann man eine solche Politik anders nennen, ais Enteignung *-Politik? Und wo Ist hier das polnische Rechtsgeiiihl. das sich ob der preussischen Enteignungs-Vorlage so aufbäurnte? Gibt es auch hier zweierlei Mass? — Die ״Juden-Polen“ stehen natürlich auch jetzt auf der Höhe ihrer Aufgabe. Es zeigte sich abermals, dass ihre Organisation — Desorganisation und ihr Programm — Programmlosigkcit ist. Und was für ihr Organ JF.DNOSC recht sei, ist für Moscliko nicht billig. Die JEDNOSC möchte z. B. überall dort, wo Juden in der Malorität sind, jüdische Kandidaten aufgestellt sehen, aber natiirlieh denkt sie dabei an ״Polen mosaischer Konfession.“ Moschko lehnt das grossmütig ab. Ihm ist lieber, wenn der Pole Klcskl die jüdische Stadt Kolomea, der Pole Dr B i I i n s k i die jüdische Stadt Stanislau usw. im galizischen Landtag vertritt. Selbstverständlich denkt Moschko dabei nur an seine eigenen Interessen, nicht aber an das Interesse des iüdischen Volkes. Und wenn sich die ״Moschkis" für eine jüdische Kandidatur entschlossen, so entsteht die Frage, wer kandidieren soll. An Kandidaten mangelts nicht. Kandidieren doch auf ein und demselben Posten sowohl Dr. Löwcnsteln als auch seine Genossen Dr. Aschkcnasy und Feldstein! Einem Berichte zufolge, den Ich eben aus Zloczöw* erhalte, bildete sich dort bereits ein jüd.-nat. Wahlkomitee, weldies auf der Suche nach einem Kandidaten ist. Als solche kommen in Betracht Reichsrat-Abgeordneter Adolf Stand und I)r. Sam. Rapaport, welcher im Wahlkreis Brzezany gegen Dulemba zur.1 Reichsrat kandidierte. ־־־ Das zivilisierte Galizien Die hier seit 1891 bestehende Baron Hirsch-Stiftungssclmle! dürfte zu Ende dieses Schuljahres, zufolge eines Beschlusses des Kuratoriums, geschlossen werden. Als Beweggrund wird angegeben, dass die Schule ihre ״Z i v i 1 i s a t i o n s - in i s $ i o n" e r f ii! 11 habe, da fast alle jüdischen Kinder in Stanislau ohnehin öffentlichen Unterricht gemessen. Diese; Motivierung dürfte allerdings nur die Uneingeweihten befricdigen. Wir dagegen erblicken darin bloss einen Vorwand, den hebräischen Unter! iclit abzüschaüen. denn im Gegensätze zu den staatlichen Volksschulen besitzen diese Stiftung- .schulen den Vorzug, dass sie dem Unterrichte im Hebräischen und in der Bibel einige Stunden wöchentlich ein räumen. Dabei!)leiben auch die Samstage und die jüdischen Feiertage unent-! weiht usw. Es ist also kein Wunder, dass der Entschluss des 1 Kuratoriums auf Schliessung der Schule den heftigsten Pro-! test der ganzen jüdischen Bevölkerung liervorruft. Namentlich sind es die zur ärmsten Klasse gehörenden Eltern der 300 Schüler, die am meisten entrüstet sind. Ihnen handelt cs i sich hauptsächlich um den freien Mittagstisch, die Kleidung,; Schuhe und dergleichen, welche ihre Kinder dort zu bekommen 1 pflegten. Es wäre daher dem Kuratorium anzuraten, den Ent-; Schluss, die Schule auizuheben. rückgängig 7.u machen, denn : eine jüdische KultUr-Mission ha; man noch ‘nicht erfüllt, so-; lange noch der grösste Teil der galizischen Juden in titisäg-; lichcm materiellen und moralischen Elend lebt. I ,Revisionen“ des Wohnrechts I In Ergänzung meiner vorwöchigen Mitteilung über die ״Revisionen“ des Wohnrechts der Juden und die darauf folgenden Ausweisungen kann ich Ihnen heute folgende neue { Bestätigung senden:! In K r a s n o j a r s k (Sibirien) fand vor einigen Tagen eine i ״Revision“ des Wohnrechts sämtlicher jüdischen Familien | statt. Das Resultat dieser Revisionen war. dass die Polizei i 18 Familien aufforderte, die Stadt sofort zu verlassen.; Angesichts der kalten Jahreszeit und der grossen Scliädi-; gungen. sowohl in materieller als in gesundheitlicher Hinsicht, die jetzt eine sofortige Abreise im Gefolge hätte, wandten sich l einige der Ausgewiesenen telegraphisch an den Minister; des Innern mit der Bitte um Aufschub der Ausweisuugsorder. i lim Unterstützung dieser Bitte ersuchten die Betroffenen den Dumaabgeordneten des Gouvernements Jenissei. A. Karaulow.! Nützen wird das nun aber alles nicht, und so können sich die 1 Acrmsten bei dieser bitteren Kälte mit Hab und Gut auf den j Weg machen, und das gastliche Sibirien, in dem sie seit zehn : und zwanzig Jahren leben, verlassen. Oelbaumspende Die Oelbaumspende. eine von der zionistischen Bewegung xeranstaltete Sammlung zur Pilanzung von Oelbätitnen in Palästina, verfügt jetzt bereits über das Kapital für die Au- 1 läge von m c It r als *zehntausend O c 1 b ä u m c n. Es { w ird jetzt ein grosses Terrain fiir diesen Oeibatitmvald, der den ׳ Namen ״Hcrzlwald“ erhalten soll. erw׳orben. damit dort evtl. : mehrere zehntausend Bäume angenflanzt werden können. . Wenn es gelingen sollte, hunderttausend Bäume anzulegen, so würde man nach einem Jahrzehnt aus dieser Pflanzung eine dauernde, Jahrhunderte währende Rente von über einer halben Million Frcs. jährlich erzielen. Mit dieser Summe könnten bcispielsw*eisc die Unterhaltungskosten einer jüdischen Hochschule in Palästina vollauf bestritten werden. Wenn man aber! weiter bedenkt, dass durch einen Oelbaumwald von hunderttausend Bäumen viele hunderte von jüdischen Familien einen gesunden redlichen Erwerb haben würden, und dass ein solcher Waid auch für die ganze Gegend von bedeutender klimatischer Wirkung wäre, so versteht man erst recht, welchen immensen kulturellen Wert gerade die Oelbaumspende besitzt. In Anbetracht der notorisch eminenten Wichtigkeit I 1־I? > HUI WfjBIT I » ״np «?1וייזיויייי"׳ י! י יוןויןי*ןייי!*י/ייי«יי*^יי 'C. “ .?*׳irr2!״V.. V.«״