Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 30 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 6 # Ja, die richtigen Methoden. — darüber möchte ich mir noch einige Bemerkungen schon aus dem Gründe erlauben, weil ich in» Gcfdsaminclu für Parteizwecke einige Erfahrungen besitze Es ist in Russland absolut unmöglich, durch Vorträge allein sowie durch Zeitungsartikel. Aufrufe und Zirkulare Geld zu sammeln, sondern man muss einfach an jeden Spender einzeln herangehen. um den gewünschten Betrag zu erhalten. In Westeuropa, wo man eine freie, bis in die ärmste Hütte hineindringende Presse hat. wo die Massen in Jahrhundertelanger politischer Betätigung wohldiszinliniert und geschult sind, braucht mau nur im gegebenen Falle an die Leute zu appellieren, um den gewünschten finanziellen Erfolg 7.1! erzielen. So hat z. B. die Sozialdemokratie von Gross-Berlin mehrere hundert Zahlstellen, wo die ..Genossen“ allwücncntlieh freiwillig hinströmcn. um den Parteibeitrag zu entrichten. Von diesem idealen Zustande sind wir in Russland noch sehr weit entfernt. Zu einem zionistischen Vortrage in die Synagoge strömen unsere Massen in hellen Haufen, sie lauschen dem Redner mit grosser Aufmerksamkeit und lassen sich leicht zu grosser Begeisterung hinreissen. Am nächsten Tag aber geht jeder wiederum seinen Geschäften nach, an Sorgen und Ki.nuner fehlt es bei uns gewöhnlich nicht, die gestrige Begeisterung ist verflogen, und kein Mensch denkt daran, mit seiner Spende sich an die Zahlstelle oder gar an die Post zu bemühen. Dagegen, sucht man die Leute in ihren armseligen Behausungen oder kümmerlichen Läden auf. so wird man nie. besonders wenn man cs verstanden hat. vorher in Yersammhingen Stimmung zu machen, mit leeren Händen aiisgcheu. Es ist bei uns eine bekannte Tatsache, dass auch die wirksumsten Redner, wenn sic sich nur mit ihren moralischen Frfolgen begnügen, keine Gelder aufzutreiben vermögen, während diejenigen Agitatoren, die nach den von ihnen . ahgehalter.en Versammlungen an die Leute herangehen. um ihre Agitation von Mund zu Mund fortzusetzen, die meisten Gelder der Partei Zufuhren. Wir möchten daher dem Zentralkomitee in Russland sowie den lokalen zionistischen Organisationen besonders in den grösseren Zentren raten, sich nicht mit Versammlungen und Zirkularen. Zeitungsartikeln und Aufrufen zu begnügen, sondern unmittelbar Sammlungen ihr den Parteifonds von Haus zu Haus und von Mann zu Mann zu organisieren, dann w erden auch die Eriolge nicht ausbleiben. und wir russische Zionisten werden uns nicht mehr dem bisher leider nur allzubcrechtigtcn Vorwurf gefallen lassen müssen, dass unsere Stärke nur im Nörgeln und Kritteln besteht, dass wir aber versagen, sobald cs gilt, positive Opfer für die Partei zu bringen. Kein verniinftigcr Gesinnungsgenosse wird uns russischen Zionisten einen Vorwurf daraus machen, dass wir so eiirig für ein rascheres Tempo in unserer Parieitütigkcit und besonders in allen Zweigen der Palästina-Arbeit cintreten. nur müssen wir uns dieses Stürmen und Drängen durch positive Arbeit und durch genügende Opferwilligkeit verdienen. Ich möchte daher meinen lieben, so kritisch veran’agteu und temperamentvollen Landsleuten zum Schlüsse zuruien: Wollt ihr e u c 11 das Recht der Kritik und des Vorwärtstreibens auf der nächsten Jahreskonferez und auf den! IX. Kongresse erwerben, so sorgt für die Aufbringung der nötigen Geldmittel und snmm c 11 vor allen Di 11 gen u!1 gc s ä 11 m t und mit vollem Eifer für den Parteifonds! Aus: DIE \VELI'. Ben-Ephraiin. Direktoriumssitzung des Jewish Colonial Trust Am 23. Januar fand in London eine Sitzung des Direktoriums der jüdischen Kolonialbank statt. Die Beratungen befassten sich hauptsächlich mit der Gründung der Bankfiliale in Konstantiuopcl. Es wurde beschlossen, in Konstantiimpcl gemeinsam mit einer dort ansässigen Firma ein neues Unternehmen zu gründen, dessen Haupt burcau in London domizüiercu s<\||. Das autorisierte Kapital der ueuew Bank beträgt £ 100 000. Das erste Direktorium der Gesellschaft soll mit dem der Jüdischen Kolonialbank identisch sein, ausserdem wird die beteiligte Firma Int Direktorium einen Sitz haben. Alle für die Begründung der neuen Company erforderlichen Vorarbeiten sollen sofort getroffen werden, damit die Er- Öffnung im Laufe der Monate April/Mai erfolgen kann. —, Aus den Ortsgruppen Berlin. Wir bitten die verclirlichen Gesinnungsgenossen, unter Bezugnahme auf das im Inseratenteil dieser Kummer enthaltcnc Verzeichnis von Restaurants. Hotels und Kaffees, in denen die JÜDISCHE RUNDSCHAU ausliegt, dem Zionistisehen Zcntralburcau. Charlottenburg, BIcibtrciistr. *19. alle etwa nicht berücksichtigten Lokale aufzugehen, damit auch diese in das Verzeichnis aufgenonuuen werden können. Berlin. Die Jüdisch-nationale Frauenvercnilgung voranstaltct am Mittwoch, dem 12. Februar 19ns. abends 9 Uhr. in! Legen hause. Alte Jacobstr. 128. ihr S. Stiftungsfest. Teeabcnd mit Ball, künstlerischen Darbietungen und Aufführungen. — Eintrittskarten ä I Mk. inkl. Tee und Kuchen sind in der Buchharidlung des Herrn Louis Lamm. Neue Friedrichstrassc. 61—03 und an der Abendkasse zu haben. Berlin. Jüdischer Handlungsgehilfen•'Verband. Einladung zu der am Sonnabend, dem S. d. Mts., abends 9 Uhr, Gipsstr. 12a II. stattiindenden V c r e i 11 s ־ V c r s a rn tu 1 u n g. Tagesordnung: I. Die Notwendigkeit einer jüdischen Gebiifenorgaiiisation. 2. Freie Aussprache. 3. Verschiedenes. Kollegen und Kolleginnen werden um recht zahlreiches und pünktliches Frschcineii gebeten. D e r Vorst a 11 d. Zionistische Ortsgruppe Cliarlottcnburg. Wir machen nochnuds darauf aufmerksam, dass unsere im Westen Gross-Berlins wohnenden Gesinnungsgenossen sich an jedem Sonnabend, abends von 9 Uhr ah. in! Cafe Josty. Hnrdcnberestrasw, Fcke der Joachimsthalerstrasse (unmittelbar am Bahnhof Zoologischer Ga;‘.cn). I Treppe, zwanglos zusammenfinden. Wir rechnen auf ständigen Ikviel! und bitten, auch fernerhin Perje nen, welche für unsere Bestrebungen interessiert werden sollen, dort hei uns einzuführen. per Vorstand. Cliarlottcnburg. Die Zionistische Ortsgruppe Charlottenbarg verunstaltet am Montag, dem in, Februar, abends S’ä Uhr im Festsaal des Schiller-Theaters, C h a r 1 o׳t t e n b 11 r g. B i s in a r c k s t r a s s c . eine öffentliche V c r - s a 111 in I u 11 g . in der Herr B e r 11! o 1 d F c i w c l über ״W e g und Ziel —• einige firundiragcn des Zionisinus“ sprechen wird. Nach dem Vortrag Diskussion. Lin zahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten. Hamburg• Die Zionistische Ortsgruppe von Hamburg- Altona hielt am Sonnabend eine gut besuchte Mitgliedervcr- Sammlung im Logenheim. Hartungstrasse, ab. Nach Erledigung einiger interner Angelegenheiten erstattete Herr Dr. Blöde Bericht über die letzten Verhandlungen des grossen Aktions- Komitees. Der Referent hob einleitend hervor, dass das Aktionskomitee naturgemäss die letzten Beschlüsse des Haager Kongresses als Richtschnur seiner weiteren Arbeiten zu bctrachten hatte. Infolgedessen betrachtete cs die Palästina- Arbeit als den Hauptpunkt seiner Verhandlungen. Es konnte mm zu allgemeiner Genugtuung konstatiert werden, dass die Palästina-Arbeit des Zionismus im letzten Jahre grosse Fortschritte gemacht habe. So z• 0• sind die Bankverhältnissc a!s sehr befriedigend zu bezeichnen. Ferner hat sich namentlich die ״Anglo-Palestincbank“ mit ihren Filialen als ein auf durchaus gesunder Grundlage beruhendes Unternehmen erw iesen, so dass man jetzt dazu übergegangen ist. auch in Konstantiuopcl eine Filiale zu errichten. Diese letztere Massnahme steht jedenfalls im engsten Zusammenhang mit der jüngsten Reise des Präsidenten Wolfsohn nach Konstantiuopcl, wo er mit den massgebenden , Behörden konferierte. Das Ergebnis dieser Konteren? wird als befriedigend bezeichnet, in Bezug auf die r.cugegriindctc kunstgewerbliche Schule ״Bczalcl” i!1 Jertisalem sind gleichfalls gute Fortschritte zu verzeichnen. Man ist bereits dazu tibergegangen. dort sogenannte Perser- Teppiche hcrzustellen. Auch das hebräische Gymnasium in Jaffa weist heute bereits eine Schiilerzalil von 100 auf und wird noch grössere Fortschritte machen, wenn erst das neue Gebäude fertig sein wird, zu dem Mr. Moser aus Bradford 50000 Franken gespendet hat. Eine wichtige Neuerung ist die vom grossen Aktionskomitee geschaffene Einrichtung eines Palästinaamts unter Leitung des Herrn Dr. Rubin. Das Direktorium des Kationalfonds, der bekanntlich ein Vermögen von 51)000 Pfd• Sterling in bar und .10—15 000 Pfd• Stcrl. in Ländereien besitzt, hat sich jetzt auch entschlossen, die Palüstmaarbeit materiell zu unterstützen, indem cs mit Genehmigung des Aktionskomitees der neugegriindeten Landentwdckclängs- und Hausbaugesellschaft grossere Darlehen zur Verfiigung stellte. In jüngster Zeit hat eben neben dem politischen Zionismus auch die praktische Palästinaarbcit grössere Fortschritte gemacht Herr Dr. jur. Wascliitz hielt hierauf einen Vortrag über ״Jüdische Politik in Oester- I