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Jüdische Rundschau · 1908-02-07 · Heft 6 (7.2.1908) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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No. 6 Seite 4 _ JÜDISCHE RUNDSCHAU. eine Gesundung der dortigen Verhältnisse herauftühT, eine mustergiltige Erziehung der palästinischen Jugend itn Geiste der Väter und im Glauben an unsere Zukunft ermögliche. Joseph Carlcbach. כ— Rundschau Die Juden in Galizien Gemäss den Angaben des galizischcn statistischen Landes• amtes (Bd. 21, Heft 1) zählt die jüdische Einwohnerschaft in: Lemberg .... 43412 Drohobvcz . . . 8 678 Krakau .... 25 430 Stryj. 8 554 Kolomca .... 16 417 Buczacz .... 6 7.30 Stanislau . . .. 13 826 Rzeszow .... 6 144 Tarnnpol .... 13330 Chrzmmw . . . 5 5t •4 Przemvsl .... 13 319 Podgörze . . . 5 414 Tarnow .... 12 4M Zloczöw .... 5 257 Brodv. 11854 Rawa-Rnska . . 5 098 Eine absolute M e h r 11 e i t besitzen die Juden in z e h n Städten: BrivJv, Hticxacz. Kawa. Haitis/.. Chrzanmv, Ssiuok. Zloczow, Statuslau. Gorlie״ und Kcdomea. wovon Brcdv in : 72,1 '<׳ der nesauiten Einwohnerzahl hervorzuheben ist. In zwölf Städten machen die Juden mehr a!:• ein Drittel der Gesaimhcvü’ktTung aus und in cli Ortschaiten mehr als ein Viertel. Aian sieht aus d.csen Zij.'crn, dass Bestrebungen auf örtliche Zusammenfassung der Juden wenn irgendwo, so in Galizien, Aussicht auf Erfolg haben, und auch die politischen Machthaber werden mit diesen Ziffern rechnen müssen, wenn die Massen, die diese Zahlen beder.'.en. sich ihrer Macht bew*$.st geworden sein werden. Bukowmaer Judentag Am 27. Januar fand in Czernow itz der vo!1 Dr. Strauclier einberutene ״Judentag־* statt, an dein sich gegen 100 Teilnehmer aus der ganzen Bukowina beteiligten. Dr. Strauclier reier.erte über die Urganisation der Bukowinacr Juden, worauf beschlossen wur.de, in allen grösseren Ortschaften der Buk״- wina politisch-jüdische Vereine zu gründen, welche dann Vortreter in den jüdischen Volksrat der Bukowina entsenden werdea. Diesem Volksrat wird die Entscheidung über alle jüdischpolitischen Landes-Eragen zufallen. — Herr Löbl Taubes sprach dann Ober die bevorstehende Volkszählung (itn Jahre 1910) und beantragte, was auch zuin Beschluss erhoben wurde, mit der Agitation für die Ausfüllung der Rubrik ״Muttersprache“ mit ״Jüdisch“ sofort zu beginnen. Bekanntlich ist die ״Mutterspräche“ nach dem österreichischen Gesetze das einzige Merkmal der Nation und die Juden hoffen nun auf diesem Wege die staatliche Anerkennung der jüdischen Nation zu erlangen. Neue Palästina-Zeitschriften Der durch seine Palästina-Arbeit bekannte akademische Verein ״Judäa“ in Lemberg lässt nächstens die erste Nummer einer Palästina - Vierteljahres - Schrift in polnischer Sprache erscheinen. Die neue Zeitschrift PALESTYNA wird u. a. auch Beiträge von Davis Trietsch (/.. Z. Jaffa), Ingenieur Ussischkin und Dr. Korkis (Lemberg) enthalten. Diese Zeitschrift dürfte einem unter der intelligenten poluisch-jiidisehen Jugend längst empfundenen Bedürfnis entsprechen. Auch die Palästina-Abteilung des Zentral-Komitces der Kalizische!» Zionisten tritt an die Herausgabe einer jüdischen Monatsschrift unter dem Namen SERUBABEL heran. weide ausschliesslich der Palästina-Kunde geweiht sein wird. Die Redaktion der .Monatsschrift ist dem Leiter der genannten Abteilung im Zentralkomitee. Herrn Dr. Samuel Rappaport, übertragen worden. Die erste Nummer erschien bereits am I. Februar dieses Jahres. Polnische Freiheit Man schreibt uns aus Stanislau: Wir haben ictzt hier eine gute Gelegenheit zu sehen, wie die Polen dort, wo sic die Macht haben. Nationalitäten, die in der Minorität sind, behandeln. Getreu dem System der obersten Landessch.ilbchcrden verfolgen die hiesigen polnischen Schulbehörden seit jeher den hebräischen Sprachunterricht unter dem Vorwände, er enthielte die Keime fiir politisch anti-polnische (!) Tendenzen. Man ging sogar soweit, der, hiesigen Mittelschülern die Pilege der hebräischen Sprache auch ausserhalb der Schule zu verbieten. Infolge dieses Erlasses mussten die Schüler den hebräischen Unterricht, den sie an einer besonderen Schule genossen, aufgeben. Natürlich hinderte sie das aber nicht, das Studium der hebräischen Sprache gleichwohl fortzusetzen und zwar mit erhöhtem Eifer in geheimen Zirkeln und Kursen. Eine Zeitlang ging das ungestört, bis die Schulbehörde neulich infolge einer Dentinziation hinter die Schliche der jugendlichen ,.Verschwörer‘ kam. Um die ..Verbrecher־’ in flagranti fassen zu können, bediente sich die Schulbehörde einer aus Russland importierten Methode: Mau Hess das Haus, in dem einer dieser geheimen Privatkursc statthmd. von Detektivs und Gendarm•’!! überwachen, während einige Beamte in das Haus eindrangm lind die lernhcilissenen Schüler überfielen. Ja, als einige Schüler sich weigerten, die verlangten Auskünfte zu gehen, werden die Herren Gendarme sogar handgreiflich. Nun Sani die ..Verbrecher“ also entlarvt, mul die Schulbehörde wird gewiss nicht zögern, die härteste Strafe über sic zu \ erhängen.! Wenn das nicht leider alles Wert für Wort wahr wäre, möchte cs man fiir eine blutige Ironie halten. Aber nein, es ist wirklich wahr, dass dieselben Polen, die anderwärts nicht genug über Unterdrückung schreien können, in dieser bis zu׳ Lächerlichkeit brutalen Weise vorgehen. tun zu verhindern, dass jüdische Schüler — hebräisch lernen. Judenausweisungen und Judennot Durch die neuerlichen Verfügungen des Gouverneurs droht einer grossen Anzahl jüdischer Familien die Ausweisung aus l inland. Aus diesem Aulass fand am 15. D. Dezember eine Versammlung der betroffenen Juden in Helsingfors statt. Die Versammlung beschloss ein Komitee zu bilden, das bei der Behörde zu erwirken suchet! solle, dass den Juden die Gründüng einer selbständigen Gemeinde in tlelsingiurs gestattet werde• Die finnische Bevölkerung, die jeden Augenblick eine neue Vergewaltigung ihrer nationalen Rechte vom russischen Gewaltsstaat zu erwarten hat, nimmt sic!! gleichwohl der Juden nicht an und wird ihnen, soweit es von ihr abhäugen würde, auch keine Rechte zugesteheu. Die Notlage der indischen Bevölkerung im Ansiedhmgsrayon ist in den letzten Wochen immer grösser geworden. Die Preise für Lebcnsir.r.tel sowie für Brennmaterial steigen andauernd, und es ist nicht ahxusehcn, wie weit das noch geben kann. Umversitätenkampf in der Pogromei Herr Purischkcwitsch, Spassmacher in der zweiten Duma und ernster Politiker in der ״Herrenduma“, hat einen allrussischen Feldzug gegen die Universitäten und die Studentenschait begonnen. Zu diesem Zwecke bat er eine Reihe von Vorlesungen über das Thema: ״Die Universitäten und ihre Helden* angckiiudigt. Die erste Vorlesung hielt er in Moskau. ״Die Zukunft unseres Vaterlandes hängt ganz von der jungen Generation ab, — begann Purisclikewitsch. — von derselben Generation, welche jetzt ihre Erziehung und Bildung auf den Universitäten findet, die zur Zeit einen Herd der ״verraterischen" revolutionären Bewegung darstellt• Ein solcher Zustand kann nicht weiter geduldet werden. Natürlich wird der jetzt in Petersburg stattiindeiide Rektorenkongress, auf wcleben! solche Herren anw esend sind, w ie die Rektoren der Moskauer, Odessacr und einiger anderen Universitäten, die offen mit der ״Freiheitsbewegung“ sympathisieren, das akademische Lehen nicht in das richtige Fahrwasser bringen! Die Mission, hier nach dem Rechten zu sehen, hat die Duma auf sich gcnommen —- oder besser gesagt — ihr rechter Teil. An einen Erfolg ist kaum zu zweifeln, um so weniger als eine einzige Interpellation genügt hat, uni das sogen. Ministerium der Volksatifklärung so auizuriittelu, dass cs zwei Professoren der Odessacr Universität absetzte und aus der Kicwer Universität 211) jüdische Studenten verjagte.“ Purischkew itscli entwickelte im ferneren Verlauf seine lehrreichen (!) Vorlesungen den Standpunkt, dass die Hauptschuldigen au der verräterischen Bewegung natürlich die Juden seien• . . Leider sind die Vorliältuisse in Russland derartig, dass die wahnwitzigen Hetzereien eines Purisclikewitsch nur Unheil anrichten können. Welche Behandlung die russische Polizei Arretierten äugeduheu lässt, das ergab eine Gerichtsverhandlung, die am 25. Dezember in Ekateriuburg staUuiud. Zwei Sändzknte baUcn sich wegen Misshandlung und Vergewaltigung von Arrestanten vor dem Schwurgericht zu verantworten. Nachdem die Schutzleute ihre Opfer unterwegs mit Eaustschlägen und Säbelhieben tüchtig bearbeitet hatten, zwangen sie die Vcrhafteten auf der Polizeiwache sieh zu entkleiden, traten sie uiibarmherzig mit den Füssen und hieben mit Gummischläucheii und Nagaiken auf sie ein. ־ Während dieser furchtbaren Misshaudluugen kan» der Gehilfe des Polizcikommissars hinzu und sagte: ״Nicht so. ihr versteht nicht zu schlagen. So muss man es machen, auf Kosakenart.“ Er nahm die Nagaika und schlug so ..geschickt“ auf den nackten Körper des am Boden

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