Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1908)
- Date
- 1908-01-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651552-2651558--05410-2662431- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite *16 JÜDISCHE RUNDSCHAU langen. Während es sonst in Frankreich nicht gar so schwer 1 hält, Bürger zu werden, ja während alle in Frankreich Oe- ' borenen, auch die Kinder von Ausländern, zunächst ohne weiteres als Franzosen gelten, bis sie eventuell später reklamicren, — trotzdem wird den tunesischen Juden jedes Gesuch um Naturalisation rundweg abgeschlagen. Wahrend den anderen Tuncsen eine dreijährige Dienstleistung in der Armee ohne weiteres das Staatsbiirgcrrccht verschafft, lässt man die tunesischen Juden zum Militärdienst einfach nicht zu. Der tunesische Jude ist allen Pflichten eines Bürgers unterworfen, aber behandelt wird er wie ein Ausländer. Wie weit die Zustände sich zugespitzt haben, geht zur Genüge daraus hervor, dass ein Blatt wie die PRESSE COLONIAL!; in einem langen Artikel ,.Les israclitcs tunisiens et la naturalisation“ entrüstet fragt: ״f:\iste-t-il aujourd'hui un pays libre 011 int citayeu knniKte ne puisse concourir aux fouctions de juge? Fst il vraiment logique que sous la protection du drapeau de la Republiuue laü!ue. des hnmmcs puissent!':re juges d'aprcs »me loi religieusc differente de la leur?" In der Tat sollte die Republik, die mit so grosser Energie sich von der Macht der Kirche befreit hat, nicht zugeben, dass eine bestimmte Gemeinschaft. die doch tatsächlich aus französischen Bürgern besteht, gezwungen ist. von Richtern sich Recht sprechen zu hissen, nach deren Vorschriften das Zeugnis des Juden nicht gilt, und an deren Rechtsprechung den luden jede Teilnahme unmöglich ist. Vielleicht ermöglicht der Druck der öfientlichen Meinung, wenigstens der jüdischen, was zu erreichen den tunesischen Juden his jetzt unmöglich war: dass die französische Regierung die Gleichheit aller vor dem Gesetz auch ani die tunesischen Juden ausdehnt. Das wird f> cilicli nur möglieh sein, wenn man sich cntschliesst ihnen die Naturalisation unter denselben Bedingungen wie anderen zu gewähren. Simonsche Stiftung Die Ahletner Anstalt, die von Konsul Alexander Simon gestiftet worden, ist wie alle positiv jiidischwirkendeti Austallen ein Gegenstand antisemitischer Angriffe. Auf einen Angriff, der aus saldier Gehässigkeit entspringt, antwortete Dr. Fugen Katz in der FRANKFURTER ZEITUNG: Im Anschluss an •׳ascre Tagesrundschau vom 3. Januar wird uns geschrieben: Die Erregung der AUGSBURGER POSTZEITUNG über •Jen Bericht der FRANKFURTER ZEITUNG, betreffend die Erziehungsanstalt Ahlem hei Hannover, ist recht bezeichnend für das klerikal-antisemitische Blatt. Sonst pflegt es den Isrächten zum Vorwurf zu rradten. dass sie einseitig dem Handel Zuströmen. Hier besteht nun eine gmssirtiee Schöpfung die In kurzer Zeit zahlreiche arme jüdische junge Leute vom Hausierhandel abgehaltcn. dagegen dein Handwerk, der Gärtnerei und Landwirtschaft zugeführt hat. Darüber soll mm nicht berichtet werden? Anfüe-insehc Logik! Uebrigens sind die Ziele der Anstalt Afile.n. ebenso wie diejenigen der neu ins l eben getretenen Stiftung desselben Begründers, gar nicht mit den konfessionellen Zielen des Zentrums zu vergleichen. Dort handelt cs sich um die plamiiässige Aufrichtung konfcsshmeller Schranken. Wir dagegen erstreben ־gerade die Beseitigung der sozialen Gegensätze welche durch die konfessionelle Unterdriiekung der Juden entstanden s:nd. U!!• der einseitigen Berufswahl der Juden vorznbeugen. in einer Zeit, da ihnen Land- Wirtschaft und Handwerk nicht mehr verschlossen sind, hat der verstorbene Konsul Simon seinerzeit die Anstalt Ahlem begründet, hat er die Stiftung (unterlassen die bereits heute etwa *1 Millionen Mark gross ist. Von dieser Grundlage aus beginnen wir. an einen! grossartigen Werk in pädagogischer und kolonisatorischer Hinsicht zu arbeiten. Uebrigens stellen uns auch erhebliche Mittel zur Unterstützung allgemeiner Zwecke der landwirtschaftlichen Kleiukultur. ohne kou• fcssimtellc Beschränkung zu Gebote. Auch können simultane Erziehungsanstalten unter Umständen unterstützt werden. Jedenfalls verfolgen die Simonscheu Gründungen Ziele, die von den zentrifugalen Bestrebungen der Klerikalen himmelweit verschieden sind: sie sollen vereinigen, wo früher sozial und konfessioncll getrennt wurde. Hannover. Dr. F.uwew Kat׳/.. Syndikus der Simonsclicn Stiftung. Ausstellung jüdischer Künstler Angesichts des bevorstehenden Abschlusses sHrmr Tätigkeit erfüllt das Unterzeichnete K o m i t e e der Veranstalter der ..Ausstellung j ü d i s g h c r Künstle r" in Berlin hiermit eine angenehme Pflicht, indem es allen jenen Personen und Institutionen, die zur Durchführung!les mühevollen Werkes beigetragen haben. Öftcirtlich seinen wärmsten Dank abstaftet. In erster Linie gebührt ein solcher einer Reihe von führenden Persönlichkeiten der Jüdischen Gemeinde Berlins, die in hochherziger Weise eilten Betriebs- und Garantietonds ge- No. 5 schaffen haben, ohne den das kostspielige Unternehmen nicht in Angriff hätte genommen werden können: ferner dem Ehrenkomitec, dessen Bemühungen die Gewinnung mancher hervorragender Werke gelungen ist. Ganz besonderen Dank schulden wir den! tätigsten Mitgliede des Ehrenkomitees. Herrn Justi/.rat Dr. Max Horwitz, dessen hingebungsvoller Wirksamkeit die materielle Sicherung der Ausstellung und ein grosser Teil ihres moralischen Erfolges zu danken ist. Den Mitgliedern der Jury, deil Herren Otto H. Engel. Prof. Oscar Freuzel Prot. Ludwig Mauze!, danken wir für die Uncigennützigkeit und Gewissenhaftigkeit, mit der sie il es zeitrauhenden und mühevollen Amtes gewaltet haben: den Besitzen! von Kunstwerken, insbesondere der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, dem Jüdischen Museum in Wien und der Gesellschaff für jüdische Volkskun le. Hamburg, für die gütige lieberlassung der Objekte: dem Maler Frank L. Ftuaiiuel. London, für seine rege Tätigkeit zwecks Gewinnung von Kunstwerken aus London: Herrn Maler L. Pilichowski für eine analoge Tätigkeit in Paris und für das von ihm in aufopferndster Weise durchgctiih'te Arrangement der Ausstellung, ein Werk, he! dem ihm die Herren M. Coschell und A. Russo zur Seite s amlen: Herrn Schriftsteller Dr. G. Kutna. tiir die viels .*<»׳■ Forderung, die er der Ausstellung allgedeihen liess: den M׳tgliede״־ des Patr׳׳i1essenkon1itec־>. vor allem der gross- 11’iitigei! Förderin der Ausstellung Frau Gehcimrat Heurette Becker, für ihre rege Tätigkeit, der die Ausstellung s > viel zu vudanken hatte: schliesslich d־׳r ״anzcn Künst!»־rschay. die ihre Werke nicht mir ihr die Ausstellung zur Verfügung stellte. s<־ idrn;,uc': für den wohltätigen Zweck derselben in eene roser Welse spendete. Trotz der gehässigen Umtriebe, die so schmerzlich diese Feststellung sein mag. zmn Teil vo׳t Seiten gewisser jüdischer Künstler ausgingen. und von Anfang an den .roralischen und materiellen Erfolg der Ausstellung systematisch untergruben, indem sie manche Künstler von der Beschickung d׳*r Aus- Stellung zuriiekhi!'!!• 11. einen Kunstsalon, in dem die Aus- Stellung stattimJe״ sollte, zi n Rücktritt Veranlasst!־:! und das Unternehmen auf vielen anderen Wegen schädigten, haben wir die Genugtuung. verzeichnen zu dürfen. dass di*־ Ausstellung Jüdischer Künstler dank dem zahlreichen Besuche, dessen s־.e sich erfreute und der Anerkennung, di־׳ ihr di־* massgebenden Kunstkritiker Berlins spendeten, das In:er־*ss.־ für •die Tätigke־! der jüdischen Ki.1!׳stl ־r weit über Ja• Grenzen Berlins und Deutschlands hinaus erhöht hat. In mehreren Städten wurdet! nun Vorbereitungen ii'ir ähnliche Yeransthtmgcn in Angriff eem>:1־׳reu. Die Freunde mid Förderer des Werkes, die ihm s׳> viel Opfer gebracht haben, dürfen sich mit Befriedigung sagen, dass sie den idealen Zielen. d:e sie sich gesteckt, wenigstens in gewissem Masse nahe gekommen sind. Fine detaillierte Auistelhing über die Kosten und Einnahmen der Veranstaltung wird nach Abschluss der Verrcchmingeu de»»» Verein zir Förderung Jüdischer Kunst sowie ־,lieu ienen Personen die iür den Betriebs- •1ml GarantiefonJs Bciträ*ge gespendet haben, xorgelegt werden. Das Ausstellungskonütce. Bar Kochba afs Opernheld Ans L o n <j 0 n wird berichtet: Die F e T n n: a 11 s c 11 e Oncrn- und Theatergesellschaft führt am Pavillon Thcutrc in Mile End eine ..jiddische״ Oper oder vielmehr ein Melodrama mit Musik auf. dis begeisterte Aufnahme findet Der Text behandelt die Geschichte des jüdischen Nationalhelden Simon Bar Kechlni. der die Juden hei ihrem heldenhaften, aber unglücklichen Aufstand gegen die römischen Unterdrücker, siebzig Jahre nach der Zerstörung von Jerusalem amiihrte. Der Bösewicht des Stückes ist ein samaritisciier Diamanteiihändler Papus. der dasselbe Mädchen wie Bar Kochba liebt und die Juden an den römischen Feldherr!» verrät. Der Held wird gefangen genommen, zerreisst aber seine Ketten, bricht sich Bahn durch die Wachen und vereinigt sich am Ende mit der Geliebten. Die Personen sprechen in» jüdischen Jargon, und nur hei den Höhepunkten der Handlung greift die Musik ein. die von dem indischen Komponisten Goldfaden konuvmievt ist. Bei der Erstaufführung war das Haus ühcrfiil't und das Publikum, das hauptsächlich aus Juden bestand, gab seine Begeisterung zu erkennen. indem es den׳ Helden zniubelte und den Verräter verfluchte. Die Erregung stiew sogar so weit, dass beim Beginn der Akte vor Unruhe nicht ecspie': werden konnte und einige besonders enthusiasmierte Zuschauer aus dem Theater entiernt werden mussten. Jüdischer Frauenbund Der Vorstand des Jüdischen Frauenbundes sieht sich in seinem Bericht über die Vorstandssitzung vom 29. und 30. Dez.ember 1907 veranlasst, zu erklären, dass er seit seiner