Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1908)
- Date
- 1908-01-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Seite *12 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 5 ״Der Abgeordnete Schack. Vorsteher des Hamburger Hnndlungsgchilfeiiverbarules und Haiiptarrangeur der christlichnationalen Arbeiterbewegung, scheint au die Stelle Trimborns als Berater int Re ich sa inte des Inneren zu rücken. Arbeiterkongress, Sonntagsruhekongress und dergleichen arrangiert Herr Schack lut Einvernehmen mit B c 111 - 111 a n n ־ H ol I w e g. Auch in der Pensionsfrage der Privatbeamten rühmt sein Verband sich, dem Rcichsamte den Weg gewiesen zu haben. Beim jüngsten Ordcnsfgste wurden auch Liebermann und Lattmunn ausgezeichnet. Der Sohn eines erst kürzlich verstorbenen Reiehsstaatssekretärs ist Wortiiihrer des Licbermannsehen Antisemitismus im weimarischen Landtage und Kandidat für den Reichstag; in seinen Wahlreden rühmt er sich seiner Beziehungen zu den massgebenden Männern in Berlin.!111 letzten Wahlkampfe hat die deutsch-soziale Partei sich manchmal gebrüstet. .,Regierungspartei par exccllenec" zu sein. Und dieses Wort war vielleicht weniger Phrase, als das meiste, was sie sonst schreibt oder spricht.״ Die ״deutsch-sozialen“ Antisemiten als die Berater der preussischcn und der deutschen Regierung! ־ Wahrlich, da hätten wir's herrlich weit gebracht! Ein Mittel für die Antisemiten Pie Antisemiten in Deutschland sind bisher immer um Massnahmen gegen die ״Übermacht" der Inden verlegen gewesen. Pa kam ihnen die preussischc Eutcigiiiingsvorhige gegen die Polen, die mm (leset/, geworden ist. wie eine Erleuchtung. Ganz schüchtern nur rauscht es in! antisemitischen Blä;׳:erv.aldc. und wir warten m Ui gespannt auf den erstell ..positiven" Vorschlag. Nun kommt ein Herr mit dem ominösen NY:1;e!i Meter und empfiehlt gegen die grossp-diiischcu Agitatoren als Strafen u. a. Verniügtuskoiuishatiou und Ver- Schickung in die afrikanischen Kohmieen. Solche Vorscltläge hat er der Kommission des preussisehen Abgeordnetenhauses gemacht. Kein Zweifel .dass damit für die Antisemiten das Mittel zur Löung der Judenirage gleichfalls gefunden ist. Man konfisziert einfach die grossen Vermögen der reichen Juden und die armen verschickt man in die afrikanischen Kolonien. Pass die Antisemiten sich das von Herrn - Meyer sagen lassen müssen! Verhülle Pein Haupt! STAATSBÜRGER ZEITUNG! Jedenfalls wird sie einen solchen Vorschlag, wie er der Praxis vieler Jahrhunderte entspricht, gern in die Wirklichkeit umsetzen. Reichsratsabgeordneter Dr. Arthur Mahler Aus Czcrtkow wird uns berichtet: Am 22. J. M. erschien InVr der Ab-/. Pr. Mahler, um vor seiner Wählerschaft seinen Rechenschaftsbericht zu erstatten. Auf dem Bahnhöfe Irntte sich eine tmsendköDtige Menge cingefnmlen. die dem Abgcordneten einen begeisterten Empfang bereitete. Aus den umliegenden Ortschaftenwaren rtit'icniscke und jüdische Pe- 01 *ationen in grosser Zahl erschienen um sowohl den Rechenschaftsbericht anzuhören, als auch die Sr>ez׳alwiinsel1e jeder »•inzcbien Ortschaft zu übermitteln. Um 1•-•2 Uhr naclimitt.-u fand in der grossen Synaeog-' in Anwesenheit von mindestens .וויייר Zuhörern die vom Obmann d s jüdischen Komitees Pr. ׳' nncnzcllcr ciuberufcne öffeutliche Vers-mvnlung statt. Sie gestaltete sic!! zu einer imnosantcu Vertratieiiskmuh-'b•־’־«״ für unseren Abgeordneten und den iiidischen Klub. In einstündiger Rede Ic־:te Pr. Mahler di•־ Tätigkeit seines Klubs im Parlament, und haur tsächlich die auf Milderung der P '!rt •11 1er Sonntagsruhe gerichteten Bestrebungen sowie auf Erreichung der Anerkennung der jüdischen Nationalität dar. Eine aus der Mitte der Versammlung eingcbrachte Resohginn. d!e Pr. Mahler Pank und unerschütterliches Vertrauen uussnrach. wurde unter minutenlangem Beifall ohne Pobatte zum Be■ Schluss erhoben. Vor dem Versammlungslokal hu-rte eine vielhurdertköpfige Menge, die keinen Einlass mehr Imtt•' finden können. Als nach Schluss der Versau'-pluug Alnr Pr. Mahler die Synagoge verliess. begleitete ihn eine imgelienr ׳ יי ־iss•* die auf dem Marktplatz von spontan die. דד־״רוה austimmtc. Später stattete Pr. Mahler im jüdischen Spital und bei den Jüdischen Handwehern Informationsbesuche ab. per Verein Linatli Ha/cdek eruamUe Pr. Mahler z.u seinem V.hremnitglied. Am folgenden Taeo fuhr Pr. Mahler nach Mikulincc. Am Bahnhöfe waren berittene Bauderien ruthenisclier Bangrii a׳.:fgesteift. die den! begeistert hegrüssten Abgeordneten das Ehrengeleitete in die Stadt gaben. Im Schlitten nahm neben Pr.' Mabh-r cbm Bürgermeister Kur/ Platz. Pie riitheuischeu Reiter trugen blmieelbc Schleifen (ruthgnisclie Nationalfarbeiü Am StaJtejngair/ wurde der Zug von einer Musikkapelle und einer grossen Menge jüdischer und ruthenisclier Einwohner empfangen, und bewegte sieh durch eine mit dem Magen Paw״':l und einer hebräischen Inschrift gezierten Triumnhpfortc zur Synagoge. Dort erstattete Pr. Mahler seinen Rechenschaftsbericht, woran! riithcnischc und jüdische Redner ihre volle Uebereinstimnmng mit seinen Ausführungen ausdriickteii. Pie eingebrachte Resolution gab Anlass zu begeisterten Ovetio- 1!e11 und fand einstimmig Annahme. Rzezow23 ,׳. Januar 1908. Per hiesige Verein Chowcwe Zü-11 hat Pr. Mahler einstimmig zum Ehrenmitglied gewählt. Tschechische Juden In einer Versammlung in einer kleinen tschechischen Provinzstadt ei klärte unlängst ein zu diesem Zw ecke eigens zugereister Jude, mit der Lage der Juden in Russland sei cs nicht so schlimm und an den Pogroms seien — das wüssten ja alle ־ nur die Juden selbst Schuld. Dieser Manu heisst Plc sner und ist eine Zierde der sogenannten ״fortschrittlichen" ״tschechischen Juden *. Seine Äusserung wird in ihrer ganzen moralischen Minderwertigkeit erst recht verständlich, wenn man sich erinnert, dass die Tschechen gerade anlässlich der russischen Pogroms eine ausgesprochen antisemitische Haltung eingenommen haben und überhaupt jederzeit gegen die russische kFreiheitsbewegung und für die Despotie cingctreten sind. Eine Gesinnung, der ein tschechischer Eiihrer, Pr. Kramar. in den letzten Delegationen offen Ausdruck gegeben hat. Und hei solchen Leuten bemüht sich ein Jude. Namens Plesucr. sich beliebt zu machen. Auf demselben Niveau bewegt sich übrigens die ganze Tätigkeit der wenigen Leute, die iür die Assimilation der tschechischsprechenden Juden eintretet'. Bei der obengenannten Ver- Sammlung brachte es /. B. ein anderer jüdischer Redner, der eigentliche Hilirer der ..׳sclkehiselieu Juden•‘ iertig. folgenden von stolzem Selbstbewusstsein zeugen len Satz, aiiszusprecheii: ..Möge man uns tschechische Juden aes der Mine der tschecliisollen Nation ausstossen. möge nun uns mit l 'iissen treten, w:r werden nichtsdestoweniger fürs Tschechc-itum arbeiten, strei* len. kümpien und fallen!" Gegenüber dieser sich selbst bespeienden Redeweise beachte man folgendes: In einen! der vornehmsten Prager tschechischen Klubs fand kürzlich eine äusserte sich tission über die Judcnt'rage statt. Dabei 11. a. Prof. Pr. Kraus, der Herausgeber der TSCHECHISCHEN REVUE, eine führende Persönlichkeit im tschechischen Kulturleben: ״Es ist fast unpassend, sich für Nationalismus z.u ereifern, bei den Juden muss man solche Seihst Verständlichkeit erst nachw eisen! Pie Juden sind eine Nation; wer sieh assimilieren will, dem hilit vielleicht noch am fliesten die - laufe. Per Zionismus müsste konsequent sein, eine eigene Sprache und Kultur schaffen und schliesslich zur Auswanderung iiihren.“ Das ist die Antwort, die den ״tschechischen'* Juden für ihre Sclbstcntäusscrung zuteil wird. Selbsthilfe in Galizien Galizien stellt gegenwärtig im Zeichen der Selbsthilfe, nicht nur auf politischem, sondern auch auf ökonomischem Gebiete. In vielen galizischcn Ortschaiten werden jetzt Institute begründet, die sich die Hebung der wirtschaftlichen Lage der Juden zur Aufgabe setzen. Und zwar ist das Wesentliche, dass diese Bestrebungen aus der Mitte der galizischcn Judenheit seihst iiervorgchcn In erster Reihe verdienen hier die Vereine ״Gmilath Chassodim" erwähnt zu werden. Diese Vereine gewähren ihren Mitgliedern in Bedarfsfälleu kleine zinsenfreie Darlehen, welche in Wochen* raten zuriiekgezalilt werden können. Dadurch wird gerade den selbständigen Handwerkern und kleinen Gewerbetreibenden, denen die grösseren Banken nicht zur Verfügung stehen, ein sehr grosser Dienst geleistet. Der Mustervcrein in Stanislau besteht schon einige Jahre und arbeitet mit bestem Erfolge. Vor kurzem wurde mm in Kolo m e a ein neuer Hilfsverein begründet, der in ganz Galizien Zweigvereine schaffen will. Sein Zweck ist hauptsächlich die Herausgabe einer neuen Statistik der örtlichen Verhältnisse*, um Klarheit zu gewinnen über die Lage und Aussichten der jüdischen Bevölkerung, über die Möglichkeit neuer Industrien etc. Sodann will der neue Verein die Stellenvermittlung systematisch in bestimmten Bureaus organisieren und als Beginn seiner positiven Tätigkeit die• Einführung kunstgewerblicher Industrien in die Hand nehmen. Da der Verein erst kurze Zeit besteht, hat er itatiirlieh noch keine grossen Leistungen anfziiw eisen: er verdient aber als Beweis der Regsamkeit der galizischcn Judenheit erwähnt zu werden. Pseudo-Nationalismus Eine merkwürdige Tatsache wird durch zwei in den letzten Wochen eir.chieiiene Bücher w ieder einmal vor Augen geführt. Eine Tatsache, die mit den Juden rein gar nichts zu tim Iwt. T*/* iiM«