Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1908)
- Date
- 1908-01-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 «• .**׳־• י*■. ■>f*< . - % l- •. - . ־׳*■• JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 41 der Bewässerung der Umcidschuniländercien abgesehen wor* den. Diese Bewässerung Jicsse sich allerdings mit geringen Kosten für die Anschaffung eines Motors mit Pumpe und einige andere geringfügige Vorrichtungen bewerkstelligen. Wird auch hierfür ein Betrag ausgeworfen, so erhöhen sich die Einnahmen der Wirtschaft in ausserordentlichem Masse. Eine bestimmte Summe für die Kosten der Bewässerungsanlage kann erst nach Vornahme genauer Messungen an Ort und Stelle angegeben werden. Im Voranschlag sind bei den Ausgaben recht hohe Sätze in Rechnung gestellt, ausserdem wurden sämtliche Posten um 10 % Unvorhergesehenes annehmen, dass eine Überschreitung des Budgets nicht erfolgen wird. Dagegen sind bei den Einnahmen, sowohl vom Ackerbau, wie besonders von der Viehzucht mässige Sätze in Ansatz gebracht. Für Pflanzungsanlagen ist für das erste Wirtschaftsjahr ein Betrag von 11 400 Fr cs. eingesetzt. Es ist hierbei in erster Linie an die Schaffung einer reichen Baumschule gedacht, in der verschiedene Baumsorten (bewässerte und unbewässerte) gezogen werden sollen. Jedoch werden aus diesem Betrage auch die Kosten für Pflanzungen und für einige erforderliche Bodenamcllorationcn gedeckt werden können. Einnahmen aus diesem Wirtschaftszweige sind vorläufig nicht berechnet. Der Voranschlag Ist in allen Teilen mit Vorsicht aufgestellt und ergibt nach Vornahme erheblicher Abschreibungen für Amortisation von Gebäuden, Maschinen und Geräten, und für Selbstversicherung beim lebenden Inventar einen jährlichen Gewinn von ca. 11 % auf das in der Wirtschaft angelegte Kapital von 120 000 Frcs. ( " *"־־ ' .,*v * " ‘״*'לי י m.? “ ״Niedriger hängen!" Das Warschauer Blatt IZRAELITA bringt in seiner No. 4 vom 24. Januar einen Artikel, der das geistige Niveau‘der Herren Polen mosaischer Konfession so vortreff־ lieh charakterisiert, dass vir ihn hier vollständig wiedergeben: Zionistische Narreteien. Die unzähligen Mitteilungen des kleinen und grossen Aktionskomitees erfreuen sich seit langem des verdienten Ruhmes einer langwelligen burcaukratlschen Stilistik*), aufgeblasenen Selbstlobes und gemachter Grösse. Alle bisherigen Zirkulare und Mitteilungen sind aber an Komik nichts im Vergleich zu diesen! letzten, in dem der zionistische Tartarin in einem dinlomatisch rätselhaften Stil über die Verhandlungen des Präsidenten der zionistischen Organisation. Wolffsohn, mit dem Sultan berichtet. , Wie fa bekannt ist, unterhält das Zentralkomitee, die siebente Weltmacht sehr lebhafte Beziehungen zu den Monarchen. de nuissanec ä Puissance. Zu Zeiten Herzls bestanden diese Beziehungen in Audienzen bei den Monarchen, für die Hunderttausende der mit Mühe gesammelten Schekelgelder verwendet wurden. Es Ring soweit, dass einige Zionisten, wie z. B. Alfred Nossig. in seinem würdigen Auftreten auf dem fünften Kongress, sich gezwungen sahen, gegen eine so unproduktive Verschwendung der Organisationsmittel zu protestieren. Bei dieser Gelegenheit wurde auch bewiesen. יי•••* lächerlloh und ziellos diese ..diplomatischen Reisen des zlnnlctt. sehen Monarchen seien, und cs gelang auch, das zionistische Aktionskomitee zu bcwcecn. die ..diplomatische Tätigkeit“ aufzugehen. Aber der!Größenwahn der Zionisten erlaubte ihnen nicht, lange Zeit ohne Beziehungen zu den europäischen und sogar den asiatischen Mächten 7u bleiben. Und wieder hegannen die Audienzen der zionistischen Gesandten hei den ..Freunden“ Abdul-Hamids, ebenso zwecklos wie die früheren, und ehenso -י kostsoielig. Der letzte Bericht Fiber die Sitzung des kleinen Aktionskomitecs. abeedruekt in No. 4S der WELT, berichtet über die Verhandlungen der Herren \V0lH«0l1n und Pr. Katzeneisohn, des Präsidenten der Jüdischen Kolonialbank־ — der zwei Potentaten des Zionismus — mit den Potentaten am Hofe des Sultans. Der Bericht verkündet, dass es ..über alle Zweifel festeestellt ist. dass nicht nur unsere früheren Beziehungen in ihren» *) Die Hervorhebung der Schmeicheleien im Druck ist von uns vorgenommen. um unseren Freunden die Sammlung der polnischen Liebenswürdigkeiten zu erleichtern. 1*St'!>"1*1׳ ■ l^ip» -» ganzen Umfange fontbesteheti. sondern dass man jetzt in höheren türkischen Kreisen an das Problem unserer Arbeitspläne gründlicher und bereitwilliger als je herantritt.״ Wenn diese Narreteien nur zur Belustigung des auch sonst nicht besonders wählerischen zionistischen Publikums dienen sollten, so wären wir über diese Angelegenheit zur Tagesordnur.g fibergegangen, ja wir hätten sogar Beifall geklatscht, denn in diesem Augenblick ist die Lage der Juden so traurig, dass die zaristischen Matadore für die Beibringung solcher lustigen Pointen einen Dank erhalten müssten. Aber leider hat die Frage noch eine andere Seite, die sogar von so wenig ernsten Leuten, wie es die Zionisten sind, nicht so leichtsinnig behandelt werden sollte. Die diplomatischen Reisen des Direktoriums* der jüdischen Kolonialbank und der Mitglieder des grossen Aktionskomitees sind nämlich ziemlich kostspielig; und von den türkischen Beamten ein freundliches Lächeln und einige nichtssagende Versprechungen zu erlangen, gehört, soweit uns die Sitten im Reiche des Padischah bekannt sind, gleichfalls nicht zu den billigsten Sachen. Und während man sich um solche Dinge bemüht, herrscht unter der jüdischen Bevölkerung die schrecklichste Not, so dass die Befriedigung der notwendigsten Bedürfnisse aui Mangel an Mitteln ad infiuitum aufgehoben werden muss, Hunderte von den durch Araber beraubten marokkanischen Juden warten vergebens auf materielle Hilfe, die durch die Kabyien verführten jüdischen Mädchen schmachten in der Gefangenschaft, und niemand kann sie auskaufen. In Russland lind Rumänien übersteigt die Not sogar d i e Grenzen, an die Juden schon gewöhnt sind. Derwellen vergeuden die zionistischen Potentaten die Volksschekel für die Organisation der ״dHomatischen Mission“. Sic können ia auch nicht an solche Kleinigkeiten denken, wenn ihr Bück auf die groses Aufgabe gerichtet ist . . . dorn Volke den blauen Dunst schöner Versprechungen vorzumachen. * Dieser Artikel charakterisiert sich und seine geistigen Väter zur Genüge selbst. Wir haben auch keine Lust, über ernste Dinge mit Leuten zu diskutieren, die ausVcrärgcrung über einige verlorene Repräsentanzmandate so völlig Jedes Verantwortlichkeitsgefühl verlieren können. Nur einige Worte an die Urheber dieses Artikels sowohl wie an gewisse andere Adressen: Wir Zionisten haben ein Recht, es uns zu verbitten, dass Leute in einem hochfahrenden Ton uns schulmeistern wollen, deren ganze Tätigkeit bisher darin bestand, an der Auflösung des Judentums zu arbeiten. Wir lassen uns auch die schärfste Kritik gefallen von solchen, die selbst ernst und sachlich an jüdischen Dingen arbeiten. Aber wir weisen es energisch zurück, wenn Leute sich über die zionistische Arbeit ein wegwerfendes ,U.rteil" erlauben, die zu feige sind, um sich taufen zu lassen, und auch zu feige, um Juden zu sein. Wir versagen es uns. den Charakter zu kennzeichnen, den ein Jude besitzen muss, um mit Anwürfen, die au! die niedrigsten Instinkte des Publikums spekulieren, über die Zionisten herzulallen. ־ Solchen Pamphleten gegenüber halten wir es mit Friedrich dem Grossen; wir schreiben darauf ״Niedriger hängen 1“, damit auch dem Indifferentesten Juden klar wird, wes Geistes und Charakters Kinder viele unserer . indischen“ Gegner sind, und überlassen das Urteil getrosten Mutes der Jüdischen Ocfientlichkeit und der Geschichte. D. J. B. Rundschau tac Fürst Bülow vom Sonnenberge Den deutschen Reichstag ziert bekanntlich ein antiscmitischer Abgeordneter besonderer Art. Herr Liebermann von Sonnenberg. Vor seinen antisemitischen Kollegen hat er manches voraus: jedenfalls aber fühlt er selbst sich als den Staatsmann nnier den übrigen Antisemiten der verschiedenen Schattierungen. Er steht auch der in Prcussen-Deutschland tonangebenden Kaste, dem Junkertum, durch Herkunft und Stand am nächsten. Mit ihm setzt nun das BERLINER TAGEBLATT (in No. 47 vom 27. Januar 1907) unter obiger Spitzmarke den Fürsten Bülow. des deutschen Reiches vierten Kanzler in Parallele. Das Blatt konstatiert, dass die Partei des Antisemiten Liebertnann zur Zelt eigentlich die Regierungspolitik des Fürsten Bülow am getreuesten vortrete und schreibt: