Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1908)
- Date
- 1908-01-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No• 4 JÜDISCHE RUNDS CM A U. Seite G Sprechsaai G Plr U* MlHeüangeh »n dieser Stelle. Obernimmt die Redaktion nur die pressgesetillche Verantwortlichkeit fallen auch die von einigen indischen Blättern an fall geknüpften Bemerkungen. Soweit ist cs mit tum in Prag noch nicht gekommen. diesen Vordem Juden* G. G. . Im laufenden Schuljahr befindet sich das Gymnasium in befriedigender Entwicklung. Neue Lehrkräfte wurden gewonnen, die Zahl der Schüler vergrössert sich, für die die Eltern gern und regelmässig das Schulgeld bezahlen. Ein Privatp e n s i o n a t. das in enger Fühlung mit der Schulleitung steht, nimmt die von aussen kommenden Schüler auf. Und last not least: die Bedingungen, die vom Palästinaressort des Zionistischcn Aktionskomitees dem Odcssaer Konntet• gestellt und ן von letzterem angenommen wurden, bewirkten, dass die I Jaffaer Freunde der Anstalt, der drückenden materiellen Sorge I behoben, um so eifriger sich dem iniiern Ausbau derselben widmen können. Nicht minder günstig wirkte die grosszügige Spende des Herr Moser- Bradford (der dem Gymnasium bekanntlich anlässlich des VIII. Zionistenkongresses das Gymnasium. Es ist deshalb kein Wunder, dass in der im Haag SO 0)0 Francs stiftete!! für den Hau eines Hauses fiir palästinischen Bevölkerung, in der das Gymnasium gleich bei seinem Entstehen Anklang gefunden hat. die Sympathie fiir unsere nationale Bildungsstätte stets zuninitnt. Was aber die neu Etuwandernden betrifft, so ist zu konstatieren, dass in mehreren F'älicn das Gymnasium es war welches t'iir die Wahl der Stadt Jana als Wohnort den Ausschlag gab. ja. einigen Familien von Besitz und Bildung ist cs erst durch das Vorhandensein des Gymnasiums, das ihre Kinder nun bcsuchen, möglich geworden, sich in Palästina niederzulasseii. Unter dieser Spitzmarke gab die JÜDISCHE» RUND- SCHAU“ eine Notiz wieder, wonach in einem Prager israel. Waisenhause eine Christbaumfeier stattgetunden hätte. Dies ist Jedoch nicht der Fall gewesen. Vielmehr handelte es sich einfach um einen Druckiehler im PRAGER TAGBLATT, der zu der betreffenden Bemerkung Anlass gab. Im PRAGER TAOBLATT hiess es allerdings ״Isr. Waisenhaus Christbaum* feier“. Am nächsten Tage wurde Jedoch dieser Irrtum berichtigt. Es sollte nämlich nicht ״isr.“ sondern .dt.“ (i a t i e n i s c h e s) Waisenhaus heissen. Demnach ent- Wie nützlich die erwähnte Zollerhebung zu werden verspricht, geht daraus hervor, dass auch hiesige nicht-schutzzöUneriscbe Zeitungen anerkennen, dass der Protektionismus im allgemeinen zwar nicht wünschenswert, für die Türkei im gegen- Wärtigen Augenblick dennoch ungemein notwendig sei. Schulnachrichien Der V e r b a n d der Jüdischen Lehrer hat auf Grund des Beschlusses der letzten Generalversammlung tur die neuen Lehrer und Kindcrgärtnetinnen zum ersten Male Prüfungen eingefiihrt. die durch das Zentralkomitee abgchalten werden. Die Jüdische 7 k 1 a s s i g e M üä dchcnschutc in Jaffa steht sei Beginn des Schuljahres unter Leitung des Herrn Dr. V. Touroff. Das Lehrerkollegium wurde durch Herrn J. Adler und Frau serkowskv vergrössert. Infolge des grossen Andranges musste fiir die erste Klasse eine Parallel- Klasse eröffnet werden. Die Zahl der Schülerinnen beträgt gegenwärtig 319. Viele konnten nicht aufgenommen werden und mau wird eine neue Mädchenschule errichten müssen. Der Unterbau de$ hebräischen Gymnasiums in Jaffa, das unter der Leitung des Odcssaer Palästinakomitees steht, entwiceklt sich in erfreulicher Weise. ln das Lehrerkollegium traten jüngst Dr. B. Mossin- Sohn (fiir Bibel und jüdische Geschichte) und unser Gesinnungsgcnossc Dr. Ernst Müller aus Wien (iiir Deutsch und Mathematik). In den Schulen und Kindergärten der Alliance in Beirut wird seit einiger Zeit auf Rechnung des Palästinako mit ces hebräischer Unterricht erteilt und das Gleiche iiir die Allianceschule in Haifa beschlossen: ein wichtiger Fortschritt im Sinne der nationalen Erziehung, welche von der A'lianceschule bisher gänzlich vernachlässigt wurde. Die Aktiengesellschaft ״Koheleth“. welche zum Zwecke der Publikation von Lehrbüchern gegründet wurde, hat hebräische Leitfäden für Rechnen, verfasst von den Lehrern der Jaffaer Töchterschule Paper. Jcchieli und Kritschcwskv. herausgegeben. Darlehenskasse in Jerusalem. Wohlhabende jüdische Frauen in Jerusalem habet! eine Aktion eingeleitet, deren Zweck es ist. eine Darlehenskasse zu gründen, welche jüdischen Hausfrauen kleine Darlehen, gegen leichte Rückzahlungsbedingungeu gewährt. Den Bemiihungen dieser Damen ist es nun gelungen, die Hilfskasse zu eröffnen und ihre segensreiche Tätigkeit zu sichern. Die Hilfskasse steht auf atisschlisslich wohltätiger Grundlage. Sehr geehrte Redaktion! Ich bitte Sie frdl. lestzustellen. dass entgegen einigen Gerüchten die im GENERALANZEIGEN FÜR DIE GESAMTEN INTERESSEN DES JUDENTUMS mit ..J. M.“ gezeichneten, die indische Kunstausstellung betreffenden Artikel ״Meine Amwort an Dr. Jungmann“ nicht von mir stammen. I Es ist nicht meine Gepflogenheit. Angriffe unter einer Chiffre oder pseudonym zu publizieren. Mit Zionsgruss Ergebenst Dr. Josef M e i sl. Kleine Mitteilungen Industrie in der Türkei Oldenburg .und UJest. Man schreibt der NEUEN JÜDISCHEN KORRESPONDENZ: Dieser Tage machten antisemitische Blätter die Entdeckung, dass das kleine Städtchen Ujcst in Schlesien gegenwärtig keine Juden mehr habe, und wir erwarteten schon eine allgemeine Antisemitenwanderung nach Ujest. Nun kommt aber die traurige Kunde, dass der Rekord Ujests geschlagen ist von einem- Städtchen in Nassau, D i 11 e n b u r g. . das niemals jüdische Einwohner gehabt habe. Zwar soll nach derselben antisemitischen Quelle Dillenburg im Jahre 1760 von einem Juden an die Franzosen verraten worden sein. Dieser Verräter zumindest müsste doch in Dillenburg gewohnt haben. Aber seitdem leben, wie man naiv berichtet, die Dillenburgcr wohl und glücklich ohne Juden. — Die Mitglieder der antisemitischen ReiclistagsJraktion verlegen nun gewiss alle ihren Wohnsitz nach Dillenburg. Damit dürfte daun die Judenreinheit Dillenburgs für alle Zeiten gesichert sein. Glückliches Dillenburg! Man schreibt uns aus Konstantinopel: Die türkischen Zeitungen in Saloniki und Konstantinopel sprechen Jetzt viel von dem grossen Einfluss, den die 3 prozentige Zollerhöhung auf die Entwicklung der Industrie im Lände ausüben würde und schon Jeu. v.sübe. Bekanntlicli ist vor kurzem der Einfuhr-Zoll Iiir alle in die Türkei zu importierenden Waren von 8 Prozent auf 11 Prozent des Wertes erhöht worden. Mögen sich nun auch manche der an diese Erhöhung geknüpften Hoffnungen als illusorisch erweisen, so lässt sich doch nicht leugnen, dass in der Tat schon jetzt eine regere Beschäftigung «!er einheimischen türkischen Industrie zu konstatieren ist. Gerade jetzt wäre hier vielleicht auch für eine Anzahl von Juden Arbeit zu finden oder zu schaffen, wenn die jüdischen Organisationen sich entschlossen könnten, ihre Kapitalien hier in zweckdienlicher Weise anzulegen. Aus Kiel wird uns geschrieben: Ein neues judenreines Bad wird im nächsten Sommer iiir antisemitisch verseuchte Kurgäste frei sein. Der Badeverein in B ii s 11 m will den Namen ״Deutsches Bad“ annehuien. um jüdische Gäste tern zu halten. Die Berliner DEUTSCHE TAGESZEITUNG macht zu der Meldung, dass die Berliner Jüdische Gemeinde im Vorgarten de! jüdischen Knabenschule du Denkmal für Moses Mcmlelsohn auistellen will, folgende .geistreiche Bemerkung: ״Dass die Berliner Jüdische Gemeinde das Recht hat. aus privaten Mitteln auf einem Privatplatze Mendelsohn-Dcnknüilcr zu errichten, wird kein Billigdenkender bestreiten.“ Es ist wirklich traurig, dass die Jüdische Gemeinde dazu nicht der Genehmigung der Redaktion der DEUTSCHEN TAGESZEIIUNG bedarf. So verludet ist das deutsche Recht!