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Jüdische Rundschau · 1908-01-24 · Heft 4 (24.1.1908) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 32 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sibirien. Denn wer ist in der Lage, neben den allgemeinen Landesgesetzen, alle bei dem jetzigeu innerpolitischen Wirrwarr existierenden Sondcrerlasse für Juden zu befolgen? Für diese Rückwanderer hat das Lied der Heimkehr: ״Stimmt mm die frohen Lieder, Denn! dem väterlichen Herd, Sind die Schiffe zugekchrt, Und zur Heimat geht es wieder“ keine Geltung. Unsere Heimat muss erst begründet werden! Es ist erklärlich, dass die Zahl der jüdischen Rück- Wanderer schätzungsweise nicht mehr als 5—7 Prozent der Gesanitriickwandercr ausmacht, obwohl die Juden ebenfalls unter der amerikanischen Krisis zu leiden haben. In den grossen Zentren wie Ncw-York und Chicago ist das Schneidergewerbe, das bekanntlich grösstenteils in den Münden der Juden liegt, nach zuverlässigen Berichten bis auf ein Drittel des ehemaligen Umsatzes zurückgegangen. Im letzten Jahre sind gegen 1906 in diesem Gewerbe über 1 Million Dollar Fallissements m:hr, ein Zeichen der schlechten Geschäftslage. Die Italiener und Slowaken deckten hauptsächlich ihren Bedarf im Ghetto. Nun sind von diesen 100 0C0 Personen zuriickgewandert. Ein grosser Teil der Drübengebliebenen ist arbeitslos gew orden, und viele Juden, die gespart haben, sind ihre sauer verdienten Dollars bei den Bankerotts los geworden oder körnen zurzeit kein Geld ausgezalilt erhalten. Es sind, wie amerikanische Zeitungen berichten, anlässlich des Mieterstreikes SOÜÜ0 arbeitslose Juden icstgestcllt worden. Die Not dieser Leute ist sehr gross. Die vereinigten jüdischen Charitics haben Mitte Dezember auf einige Zeit ihre Pforten geschlossen; denn sie konnten dem Ansturm der Bediiritigen nicht standhalten. Mehr als 20 000 Dollars monatlich konnten sic nicht aufbringen. Wer etwas Mittel besitzt oder wenigstens über ge-!lügende Mittel zur Reise verfügt, fährt nachEiiropazuriick. Auch ein Teil der Mittellosen, die nicht Energie genug besitzen, um bessere Zeiten abzuwarten, verlassen au! nennt.--Zion, Du hast Sehnsucht nach Deinen Kindern-— — — — —-— nach uns. IV. Wo ist das Makkabäerblut, das in unseren Adern rollt? --Wo ist cs?-Ich sehne mich nach ihm. Ich suchte es, aber ich fand cs nicht.- Denn der grösste Teil unseres Volkes ist gedrückt und gefesselt; vor der grausamen Not des Alltags verliert es den Mut zum Kampf für seine Zukunft. Der andere Teil baut s,:ch Häuser gleich den Palästen der Könige und verschanzt sich hinter dem Mammon.-- Blutige Opier bringen sie ihm dar; ihr Leben, das in ihnen pulsierende Makkabäerblut weihen sic <:hm. —-- Nur in wenigen unserer Volksgenossen wallt es heiss und mächtig auf; da windet cs sich durch-durch die Kammern des Herzens und wird zum brennenden Feuer, zur flammenden Sehnsucht nach der Heimat. -> «- V. Zion, ich sehne mich nach Dir. —-Meine Kehle schmerzt, mefne Augen brennen. Ich wälze mich auf meinem Lager und fiebere.---Wenn ich mich dann aufraffe, da fühle ich, dass ich krank bin, krank vor Sehnsucht nach Dir, meiner Heimat.-- Mir ist dann, als ob icli grosse Bleikugeln auf meinen Schultern trüge, als ob meine Hände und Füsse mit schweren! No• 4 Ochscnschiffcn Amerika. Ihre Leiden auf diesen־ Dampfern spotten aller Beschreibung. Bis zu drei Wochen und länger dauert ihre Fahrt; ihr Essen ist schlechter als Gefangenenkost, und schwere Arbeit haben sic vom Morgen bis spät in die Nacht hinein zu verrichten. Jedoch sind Misshandlungen jetzt seiner geworden gegen früher. Den Lesern dieser Zeitung ist cs noch in Erinnerung, dass der Jüdische Volksverein in Berlin vor nicht zu langer Zeit wegen Verletzungen von Leuten, die auf Ochsciischiffen misshandelt worden sind, wie noch hier auf dem Schlesischen Balmhof festgestellt werden konnte, eine Reihe von Prozessen veranlasst!;. In diesen Verhandlungen wurden mehrere Matrosen in Liverpool verurteilt. Aehnliche Fälle solcher Misshandlungcn jüdischer Rückwanderer spielten sieh vor kurzem auf dem Dampfer ״Korea“ ab. Ein Jude aus Kischinew wurde von einem Rumänen tot geschlagen. Auf Vorstellung des Rabb. Dr. Ritter beim holländischen Justizminister wurde der Mörder, als der Dampfer , in Rotterdam lag, verhaftet. Auch .in anderen Hafenstädten und Durchiahrtsländern geht es den Rückwanderern nicht besser. Es verkehren zwar einige direkte Linien von Amerika und einige von England nach Russland, die aber von den meisten Emigranten, denen vielfach ordnungsmässige Papiere fehlen, irclit benutzt werden. Viele, die sich in Amerika von Agenten einreden Hessen, sie brauchten keine Pässe, wurden bei ihrer Ankunft in Libau verhaftet. Die meisten dieser Rückwanderer nehmen dah.r ihren Weg über Deutschland. Die deutsche Reg’eruug weist die Einkünfte von den Hunderttausend:» von Riickwanderen! nicht zurück und ist trotzdem davor geschützt, dass Mittellose im Lande bleiben. Die Regicrung bedarf wirklich nicht der Ratschläge des BERLINER TAGEBLATTS, das dagegen Massregeln verlangt, dass Rückwanderer Deutschland zur Last fallen möchten. An der deutsch-holländischen oder eisernen Ketten gefesselt wären.-Und doch ist dann mein Geist losgelöst von seiner irdischen Hülle, meine Glieder scheinen mit Luft gefüllt, mit dem Äther der Sehnsucht.-Sie wollen hinweg nach dem sonrvgen Süden--zu Dir-in die Heimat. —- VI. Ich ka.1111 nicht schlafen und im Wachen träume ich _— träume von Dir, meiner Sehnsucht.- Gestern Nacht war es. Die Sterne leuchteten und ein silberner Schimmer streifte den dunklen Horizont;- doch meine Augen sahen!ychts mehr, meine Ohren hörten nichts mehr-nur meiner Seele offenbarte sieh ein Bild-das Bild meiner Sehnsucht.-- __Ich stand auf einem hohen Berge. Zu . meinen Füssen rauschte der Jordan mit seinen unzähligen Katarakten. — Die Luft war erfüllt von den herrlichen, siissen Gerüchen südlicher Nächte und über mir spannte sich ein klarer, tiefblauer Himmel. --Leise Akkorde durchzitterten den weiten Raum.-In der Ferne sah man die Lichter Jerusalems. — — — — Ein stiller Frieden zog in mein Herz; ich breitete meine Arme aus nmi--da verschwand die Vision. —-- ׳ Ich sank zur Erde. Her m an!1 F i n n.

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