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Jüdische Rundschau · 1908-01-17 · Heft 3 (17.1.1908) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 3 (17.1.1908)
Date
1908-01-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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״ 'w*' 4» %>ו^יt fWfe^ No. 3 J Ü D,I SC HC RUNDSCHAU Seite 27 Von der Anatolischen Eisenbahn | ln Westeuropa gibt es eine Reihe von grossen Tages- Zeitungen, die mit einer auffälligen Regelmässigkeit aus dem tiirkischcn Reiche irgend welche absonderliche Vorkommnisse belichten, deren Mitteilung offenkundig keinen anderen Zweck \ erfolgt als den. die Türkei als ein unglaublich rückständiges 1;1;־J verrottetes Land hinzustcllen. Dass dabei die ganz eigenartigen l.cbcnsverhältnissc im Orient gar njeht berücksichtigt werden, sondern dass an ein kleinasiatisches Dorf und seine Bewohner ohne weiteres derselbe Massstab wie an einen Vor- < rt von Berlin angelegt wird, fällt wohl den gebildeten Leser .1!eist von selbst auf. Aber wem das nicht auffällt. der muss •ich eigentlich wundern, wenn er dann wieder von den ver- I •iltnismässig raschen Fortschritten liest, die in der Türkei;.cmacht werden. Dass cs nicht immer türkische Initiative ist, ver man sie verdankt, ist hierhei ganz gleichgiltig. ן Eben letzt sind die Verhandlungen der Regierung mit der .'.anatolischen Eisenbahn betreffend die Anlegung eines zweiten (Heises auf der Strecke Haidar-Pascha—Pctulik. die Bewasscrnng der Ebene von Konia und die Fortsetzung der Bagdad- I ahn zum Abschluss gelangt. Die definitiven Bedingungen sind 'והס Minister der öffentlichen Arbeiten, Sicltni Pascha, und dem Direktor der Anatolischen Eisenbahnen dieser Tage unterzeichnet worden. Nach einer Meldung des IKDEM ermächtigt ein kaiserliches Jrade die Eisenbahngesellscbaft. .ihr Kapital durch Emission neuer Aktien zu erhöhen. Dagegen meint der SAI3ACH, die Gesellschaft verfüge über genügend Kapital, um die Arbeiten ohne jede Kapitalserhölumg durchführen zu Können. Auiomobilverkehr in Syrien Der Minister des Innern hatte kürzlich filier ein Gesuch eines türkischen Untertanen. Marius Frick. zu entscheiden, der eine Konzession begehrte für die Einrichtung eines regclmassigen Verkehrs zwischen Beirut und Damaskus, der entweder mittels Automobile oder mittels gewöhnlicher Postwagen durchgeführt werden sollte. Die Konzession für diesen Verkehr gehörte früher der Hedschasbahn. Nun haben die Behörden des Yilajet Syrien beschlossen, diese Konzession öücntlich auszuschreiben und sic demjenigen zu erteilen, der die vorteilhaftesten Bedingungen für den Staat und für das Publikum zu bieten vermag. Der Verkehr soll teils durch Automobile und teils durch Postwagen unterhalten werden. Jemenfsche Juden In Jerusalem Die dauernden Unruhen in Ycmen haben die Lage der (.!artigen Juden, die ohnedies viel zu wünschen übrig Hess, noch verschlimmert. Die Emigration nach Palästina — sie richtet sich sowohl aus religiös-nationalen wie auch aus geographis:hen Gründen iast ausschliesslich dahin — ist ausserordent- Ich gewachsen. Man kann fast sagen, dass alle Juden aus lernen jetzt nach Palästina gewandert sind, und zwar haupti.lchlich in Jerusalem. Da die meisten ohne jedes Hab und Gut nach Jerusalem kommen, so fallen sie zumeist der Jerusalcmer scphardischen Gemeinde zur Last. Nun ist die C h a l u k a h dieser Gemeinde zwar so gross, dass sie sehr wohl auch zur Unterstützung der Ycmcnitcn ausreichen würde, aber die Verwalter dieser Chalukah ziehen es vor. das Geld vorteilhafter zu verwenden. Infolge dieser Zustande, die offenbar einer Reformation rn Haupt und Gliedern dringend bedürftig sind, ist die Lage der yementischen Juden elend, und sie müssen nach Europa t.ti Hilfe rufen, während Urnen doch hier am Orte sehr gut ge- I Mfen werden könnte, weifn-wenn es dem Oelde nicht s > gleichgiltig wäre, in wessen Tasche es läuft. Neue Beschränkungen In Amerika Der Senator Lotimer hat ein neues Projekt ausgedacht r;n die Eimvanderung nach Amerika zu dezimieren. Es soll 1 ach diesem Vorschläge von jedem Einwanderer ausser den I isher bereits gestellten Bedingungen ein Bildungsnachweis und ein Führungszeugnis gefordert werden. Dadurch hofft der Herr Senator die jährliche Einwanderung auf etwa 50000 Personen reduzieren zu können. Dieses Projekt ist für die Juden 1:m so gefährlicher, als gerade die Jüdischen Einwanderer, die Ja zumeist aus Russland kommen, diese Zeugnisse nicht werden beibrfngen können. Der etwas verhüllt antisemitisehe Charakter dieser Vorlage, die dem Parlament unterbreitet werden soll, ist ebenso unverkennbar wie bei der scheinbar ro gerechten Forderung, die ״russischen“ Studenten sollten dn russisches Maturitätszeugnis besitzen, um an einer deutschen. Hochschule Aufnahme zu finden. Wären die Juden in Russlind erst so weit, solche Zeugnisse erwerben bezw. erhalten; u können, wie diejenigen, die man in Westeuropa und in .Amerika glaubt ohne weiteres fordern zu können, dann brauchten sie weder die deutschen Universitäten noch die amerikanischen Schwitzhüllcn auf/usuchen. Montagsvorlesungen Wie seit Jahrzehnten veranstaltet auch in diesem Jahre das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschuft eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds dieser Anstalt. Die Vorlesungen finden zum ersten Male i!1 der Aula des neuerbauten eigenen Heims der Lehranstalt, Artillerie Strasse K an den folgenden Montagen, a b e n d s 8 Uhr. statt. Es spricht an» 20. Januar der Geheime Oberregierungsrat Professor Dr. Eduard Sachau über das Thema: .,Eine Korrespondenz der jüdisehen Gemeinde zu Elcphantine in Oberägypten mit dem Statthalter Bagoas von Judäa im Jahre 107־ vor Christi Geburf‘. am 3. Februar Herr Dr. Julius Hülsen aus Frankfurt a. M. über den alten jüdischen Friedhof in Frankfurt a. M. (mit Lichtbildern), am 17, Februar Professor Dr. Ludwig Geiger über Bcrtliold Auerbach, am 2. März Rabbiner Dr. Vogc-lstein aus Königsberg i. Pr. über Volksbildung im Judentum zur Zeit des zweiten Tempels, am 23. März Rabbiner Dr. J. Eschelbach er über!Michael Sachs, am 6. April Dr. jur. Alfred Apfel aus Köln über die christlichen Fürderer der Emanzipation. Einlasskarten ü 5 Mark für den ganzen Zyklus, a 1 Mark für eine Vorlesung, sind zu haben bei den Herren Hofjuwelieren Gcbr. f'riedliinder. Unter den Linden 28. bei Herrn Hoijuwelier Eugen Marcus. Unter den Linden 39. und am Eingang in Jen Saal. H f~\ Sprechsaal r~fn Ptr dl« Mlttellungeb an dieser Stelle 0bernln1׳m die Redaktion nur die pressgesetzliche Verantwort; csweu Warnung! Cassel. 12. Jan. 1903. Vor ca. 3 Wochen stellte sich ein junger Mann bei mir ein, der sich unter dem Namen S c h a p i r o, als russischer Student. Flüchtling und Zionist vorstellte. Demselben gelang cs. mich um eine Summe Geld usw. zu düpieren. Wie ich nun durch Zufall höre, hat derselbe in anderen Städten vermittelst seiner Verstellungskunst dieselben Manöver auch mit Erfolg ausgeführt. Frag!. Mensch ist ca. 22 Jahre alt. mittelgross, blondes Haar, graue Augen, ohne jedes jüdische Aussehen; zeigt schmales, blasses Gesicht. Derselbe arbeitet nach ungefähr folgendem ..System“: Zuerst begibt er sich als Zionist, jedenfalls zur Fühlungnahme 7tm1 Rabbiner der betr. Stadt, der ihn an einen als Zionist bekannten Herrn empfiehlt. Diesem naht sich der Schwindler alsdann als russischer Flüchtling, der längere Monate im Gefängnis zugebrpeht hat und dem es gelungen ist. bei einem Weitertransport nach einen» anderen Gefängnis bei einen! Ueberfall durch Revolutionäre glücklicherweise zu entkommen und über die österreichische Grenze zu gelangen, wo ihm politische Freunde das Reisegeld bis hierher gegeben haben. Es kommt ihm nun natürlich in der Hauptsache darauf an. seine Eltern in Russland, die voller Sorge uni ihn sind, za benachrichtigen und von denselben, welche ja nicht unvermögend sind, das weitere Reisegeld nach England oder auch als treuer Zionist nach Palästina zu erhalten. (Aber auch diese angegebene Adresse stellt sich später als iingiert heraus.) In der Regel durch die dringende Notwendigkeit veranlasst, umsomehr unser Schützling einer derjenigen jüdischen Heldensöhne ist, welche in de!» Reihen der Selbst wehr während de• Pogrome grosse Taten verübten, dabei auch noch sonstige phantastische Erlebnisse auf Konto seiner selbstlosen Hingabe meisterhaft zu schildern versteht, gibt man ihm gerne das reichliche Reisegeld, noch mehr dazu, und ein Gefühl des Wohlbehagens bekommt man, dass man einem solch idealen Menschen einen Dienst erwiesen hat. Der aber — benutzt das Geld, um weitere Dumme zu finden. Es sollte mich freue•. mit diesen Zeilen den gewünschten Zweck zu erreichen. Sinion Strauss. Nachbemerkung den Redaktion: Es scheint sich hier um einen Schwindler zu handeln, der auch in Berlin nicht unbekannt ist. wenn er hier auch unter anderem Namen auftr&t und zwar andere, aber doch analoge Lügen zur

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