Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 28 JÜDiSCHE RUNDSCHAU. No. 3 Unterlage machte. Jm Interesse der wirklich Hilfsbedürftigen weisen wir dringend auf die Notwendigkeit hin. die Schwindler dingfest 7.11 machen. Man achte diese Mahnung nicht gering. li e r 1111 - W e s t e 11 d . 12. Januar 1908. : Ihr Berichterstatter hat meine Ausführungen bei der letzten A.-K.-Sitzung stellenweise so wiedergegeben, dass ich darin den präzisen Ausdruck der von mir entwickelten Anschauungen nicht zu erkennen vermag. Ich bitte, das hier ausdrücklich ieststellen zu dürfen. B e r t h o 1 d F e i w c I. Kleine Mitteilungen In Ti'raspol wurde kürzlich ein neues Jüdisches Kran-; henhaus emgeweiht. Zu dem feierlicuen 1>aukC1t waren aust shlicsslich christliche Gäste eingcladen worden! — Das ist nur gerecht, denn, wie man weiss, werden in manche? russische Gefängnisse zur Einweihung auch nur jüdische Gäste eingcladen, und ebenso durften auch nur Juden die Strassen von Kischinew usw. mit ihrem Blute einweihen. lieber das Problem der Kriminalität der .luden veröffentlicht der bekannte Berliner Strafrechticlirer Prof. Dr. Franz, von Liszt soeben eine kleine Sehrin. die vor allem deshalb interessant ist, weil sie abermals auf die Fälschungen hinv.eist, die sich aus einer ohne Berücksichtigung der Berufe hcrgcsteilten Statistik ergeben. Bekanntlich haue kürzlich erst im Deutschen Reichstage ein antisemitischer Abgeordneter auf Grund statistischer Zittern eine unverhältuismässig grosse Beteiligung der Juden an verschiedenen Vergehen ieststellen wollen, die indessen lediglich aus der grosseren Zahl der Juden in bestimmten Beritten zu erklären war. Ls ist sehr zu begrüssen, dass ein Mann wie Liszt von neuem daraut hinweist,- wie notwendig es ist. die amtlichen Statistiken stets auch nach Berufen mit zu bearbeiten. Antisemitische Postkarten. Abschlägig bcschicdeu hat der Staatssekretär des Reichs- Postamtes ein Gesuch des ״Zentralvereins deutscher Staatsbflrger jüdischen Glaubens•* um ein generelles Verbot der Beiörderung und Bestellung antisemitischer Postkarten. Die Beiörderung einer Postkarte, welche ein Wirtshaus als Judenreinen Aufenthalt*• empfahl und daneben Karikaturen von Juden sowie antisemitische Verse enthielt, veranlasste den Zentralverein, sich an die kaiserliche Oberpostdirektion nj':t der Bitte zu wenden, derartige Postkarten von der Beförderung auszuschlicsscn. Die kaiserliche Oberpostdircktion lehnte das Gesuch ab und der Staatssekretär des Rcichspostamts erteilte dem Zcnralverein nachstehenden Bescheid: ..Wie der Zentralverein in der Eingabe vom 31. Aug selbst anerkannt hat. ist cs bei der grossen Zahl der Briefsenduugen und hei der Eile, mit der im Interesse ihrer möglichst schnellen Beförderung das Sortiergeschäft bei den Postanstalten vorgenommen werdtn muss, den Beamten nicht möglich, den Inhalt jeder einz.elnen Postkarte daraufhin zu prüfen, ob er gegen die Bestiminungen der Postordnung verstösst. Hierauf ist cs zurückzuführen, dass mitunter Postkarten zur Absendung gelangen, die zur Postbeförderung nicht geeignet sind. Von dem Erlass einer allgemeinen Verfügung des Inhalts, dass die Postbeamten auf das Vorkommen von Postkarten der anliegenden Art besonders achten sollen .muss aber abgesehen werden, weil der vorliegende Einzelj'all zu einer derartigen Massnahme keinen geringenden Anlass bietet und weil eine solche Verordnung sich nicht durchführen lässt." Berlin. •Der hebräisch-literarische Sprachverein ״Sapha Berura“ nimmt seine diesjährige Tätigkeit mit einer Sitzung auf, die am Montag, dem 20. er. um 8 Uhr abends präe. in Wittncrs Restaurant, Müuzstr. 8 I. stattfindet. Die lagesotdnung umfasst folgende Punkte: 1. hehr. Sprcch- und Konvcrsations-Ucbungen. 2. Vorstandswahlcn — Vorschläge und Anregungen, 3. hebr. Vortrag über ״die Bedeutung der licbräi- ' sehen Sprache für das Judentum mit anschliessender Diskussion. Es ist zu hofien, dass alle. denen unsere he.iige Sprache ein teures und unvergängliches Gut ist, die Bestrebungen des Vereins fördern und ihr Interesse durch Beitritt und rege Beteiligung bekunden werden. Anfragen und Meldungen erbeten an Herrn Hermann Struck, NW., Brückenallee 33. oder an Herrn Jos. Lin. Schntargendorf. Warnemunderstr. 1. Gäste hcrzlichst willkommen. . Unter den Deutschen in Ungarn wird jetzt eine ״deutsclmatinnale" Broschüre, die von einem gewissen Wilheim Engelhardt verfasst wurde, in Massen verbreitet. Die Broschüre ist weniger eine politische Kampfschrift gegen das Magyarcntum als vielmehr ein blutrünstiges Ritualmord- Pamphlet gegen das Judentum. Dieser Umstand ist auch der Grund, weshalb die Wekcrlesche ״liberale" Regierung die Verbreitung des Hetzblattes duldet. Die ungarischen Minister brauchen eben einen Blitzableiter. Weniger verständlich ist es. dass die Deutschen in Ungarn, selbst eine bedrückte Minorit.it. nichts besseres zu tun haben, als gegen die Juden zu hetzen. Oder wollen sie sich damit bei den Magyaren bcliebt machen?? Das wäre ja nach deutsch-nationaler Ausdruckswcisc: eine ״jüdische“ Methode. In Ungarn plant Apponyi konfessionelle Gesetze, auch solche zur Regelung der Verhältnisse der Judenscliaft. Er will gewaltsam Orthodoxe und Neologen zusanimenschwcisscn. wogegen sich natürlich beide Teile wehren. Eine Verordnung der Landesregierung in Bosnien über den wöchentlichen Ruhetag bestimmt, dass für die Moliammedancr der Freitag, für die Juden der Samstag, für die Christen der Sonntag als gesetzlicher Ruhetag zu gelten habe. .Moskau. Eine .Moskauer' Versicherungsgesellschaft versuchte aus den Pogromen Kapital zu schlagen, und weigerte sich, für die Feuerschäden ihrer Klienten ans Hornel aiifziikommen, weil das l ener von Muligans gelegt wurde, d. h. infolge eines ..Bürgerkrieges" entstanden sei. Die Abbrändler überreichten einen Rekurs an das zuständige Gericht. Dieses schloss sich der Meinung der Abbrändler an. ״dass in Hnmcl um jene Zeit kein Bürgerkrieg, keine Massenbewegung war. sondern^ dass einige Menschen. In Anwesenheit von Kosaken ur.ü Foiizis.en der Reihe nach jüdische Häuser und Kramladen;:iigezündct hätten, und dass die Versicherungsgesellschaft ersatzpflichtig sei. Der Generalgouverneur von Warschau hat den dortigen nationaljüdischen Klub geschlossen und zugleich alle Abteilungen des Klubs im Gebiete des Königreichs Polen aufgehoben. Der russische Minister der Vo’.ksaufklärung! ordnete an, dass fortan in das älteste und be»te 1. (jymnusium tn Klt-w Juden überhaupt nicht mehr aufgenommen weroen sollen. Daher der Name .Volksaulklärung“. Der als M a t h i a s A c 11 e r weiteren Kreisen bekannte jüdische Sclirittsteller Dr. Nathan Birnbaum aus Wien hat sich auf eine Studienreise nach Amerika begeben und wird auch in mehreren amerikanischen Städten Vorträge halten. Montreal (Kanada!. Die Einwanderungskonimission yerlangt von ejdem Immigranten den Nachweis, dass er 50 Dollar besitzt, sonst wird ihm die Landung untersagt. Diese . Be- Stimmung trifft die aus Russland kommenden Juden besonders schwer, da die meisten von ihnen kaum die Reisekosten erschwingen konnten. Ein neuerlicher Beweis, dass sich die Immigrationsländer vor der lästigen iiidischen Einwanderung sciitzen. Was sollen nun die in Russland Gehetzten, in Galizien Hungernden beginnen? Unruhen in New York. Dem BERLINER LOKAL-ANZEIGER wurde unter den! 27. Dezember aus New York gemeldet: Siebzigtausend Familien im jüdischen Viertel verweigern die Zahlung der Miete und verlangen Ermässigung . wegen schlechter Zeiten. Hunderte von Exmissionen sind bereits vorgenommen, begleitet von Aufläufen und Widersetzlichkeiten. Ernste Unruhen werden befürchtet. Ein Jerusalemer Philantrop. Herr M. Rand hat hier kürzlich 1*4000 qm Land fUr die Armen Jerusalems gestiftet. Auf diesem Bogen sollte vom Stifter eine Reihe von Gebäuden, u. a. auch eine Synagoge errichtet Werden. Der Boden kostet 70 000 Frcs., die Gebäude werden einen Kostenaufwand von 140 000 Frcs. erfordern. Vom türkischen Ausscnhandcl. Englischen Konsularberichten sind folgende, für den tiirkisehen Aussenhandel statistische Daten entnommen: Im Jahre 1879 betrug die Ausfuhr 7 954. die Einiuiir 17 652 Mill. Lstrl.: im Jahre 1SS3 11 264 bezw. 17 961 Mül. Lstrl.: im Jahre 18S8 12315 bezw. 17 688 im Jahre 1892 14 156 bezw. 22 242 Mill. Lstrl.: in! •Jahre 1897 13 404 bezw. 21304 Mill. Lstrl.: im Jahre 1900 wieder nur 13 549 bezw. 21 674 Mill. Lstrl. Von diesem Jahre bis 1904 ist ein beträchtliches Wachstum zu verzeichnen. Die Ausfuhr stieg in den Jahren 1001. 1902, 1903 *" ״ *'״״״*