Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 24 JÜDISCHE RUNDSCHAU No• 3 leiten, schwachen Andeutungen hinter der äusseren Erschelnunjf erkennen. Das Judentum wird diese ליד pen nicht in sich verschmelzen können, es wird in einem an Kämpfen reichen historischen Scheidungsprozess sic umgcstalten oder von sich ausstossen.j! J o s e f C a r 1 e b a c h. ־•»■ Rundschau — Resolutionsfonds In der vergangenen Woche ist der preussischc Unterrichtsetat dem Abgeordnetenhause vorgelegt worden. Ei interessiert die indischen Gemeinden diesmal besonders mit Rücksicht aut die durch das Volksschulgesetz verursachten Mehrforderimgcn. Der Verband der Deutschen Juden und der Deutsch-Israelitische j Gemeindebund werden den Vorständen ־jüdischer Volksschulen I über einzelne Etatsfragen gern Auskunft geben, da sie zu diesem Zwecke eine gemeinschaftliche Kommission gebildet haben. Der sogenannte Resolutionsfond, d. h. der Bctiag. den die Regierung auf die Resolution des Landtages hin zur Verweildüng für indischen Religionsunterricht anfordert. beträgt! dO 000 Mark. Zur Begründung heisst es: j ״Es ist in Aussicht genommen, da. wo ihr den jüdischen; Religionsunterricht nicht durch jüdische öffentliche Schulen oder seitens der bürgerlichen Gemeinden durch Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den öffentlichen Volksschulen oder in anderer Weise gesorgt ist. den leistnagsschu aehen Synagogengemeinden die Beschaffung des jüdischen Religionsunterrichts durch Gewährung von Beihilfen in sulchen Bällen zu erleichtern, in denen dauernd mindestens 12 jüdische Kinder vorhaitden sind.“ Es muss atiifallen. dass die Regierung das ״leistungsschwach“ in die Vorlage hineingebracht hat. welches in der Resolution des Landtages fehlt. Die Regicrung scheint danach auf den! Standpunkte zu stehen und hat dies auch durch die Hübe des Fonds 11!««־ Ausdruck gebracht, dass es, sich nur um eine Art Almosen handelt, das man Bedürftigen aus allgemeinen Mitteln reicht, ln der Konimission des Abgeordnetenhauses, in welcher die Resolution beraten wurde, wurde dieser Standpunkt nicht vertreten; vielmehr erachtete man es als eine Forderung ausglcichendcr Gerechtigkeit, dass ebenso wie die jüdischen Steuerzahler die Kosten des christlichen Religions- Unterrichts mit aufzubringen haben, so auch der Staat als solcher in entsprechendem Masse für den jüdischen Religicnsunterricht ml-tsorgen müsse. Es ist anziinehmen. dass im Landtage der frühere Standpunkt in Erinnerung gebracht wird. Dass die heratiwachseude Jugend, auch die jüdische, nirgends ohne Religionsunterricht bleibt, liegt sicher nicht bloss irn Interesse der jüdischen Gemeinden, sondern des Staates in seiner Gesamtheit. Das ist in Worten oft genug von massgebender Seite betont worden: hier ist eine Gelegenheit, diese Auffassung in die Tat zu übersetzen. Jüdische Jugenderziehung Der Aufsatz ״Jüdische Jugenderziehung‘' in der letzten Nummer dieser Zeitung ist mir so aus der Seele gesprochen, dass ich, ein ״Fachmann*', gern einige Ergänzungen antiigcn möchte, um so der breiten Ocffcntliclikcit Anlass und Gelegenheit zu bieten, über diese die vitalsten Interessen des Judentums berührenden Fragen nachzudenken. Wie in vieler Hinsicht, so hat die jüdische Volksbewegung auch auf den Unterrieht ihre lebensweckenden Strahlen geworfen, ihn aus den alten Bahnen zu heben begonnen und ihm neue gewiesen; es beginnt aber erst zu tagen. Dass die gegenwärtige Generation der Früchte nicht teilhaftig werden kann. Hegt auf der Hand; denn die Lehrenden müssten zu Lernenden werden, und was das für die Mehrzahl der Beteiligten besagen will, bedarf keiner Erörterung. — Vor allein — und das sind die positiven Vorschläge auf die Feststellung der Uebelstünde seitens des . Autors — sollte den Zöglingen der Lehrerbildungsanstalten ein tiefer gehender Unterricht in iudaicis zuteil werden. Was in dieser Beziehung zu bessern ist, darüber weitere Mitteilungen zu machen, verbietet mir eine gewisse Rücksicht. Nur öins darf als feststehend angeführt werden: die Keimtnisse der Senilnarabiturienten auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte sind lückenhaft, von der Unterrichtsmethode und den durchgcnomntenen Stoffen ganz zu schweigen. Ein weiteres unumgängliches Eriordernis wäre die Schaffung geeigneter Lehrbücher. — Ob nach dieser Richtung die Stellung der *Preisaufgabc seitens des D.J.Q.B. Eriolgc zeitigen wird, muss die Zukunft lehren. Ich für meinen Teil möchte kleine Zweiicl laut werden lassen: vielleicht werden jene Arbeiten das Schicksal derjenigen über .,das \Vcscn des Judentums“ teilen? Die Arbeiten waren gleich — gut, und aus Verlegenheit, welcher der Preis gebühre, wurde er allen vorenthalten. Solange keine wissenschaftliche Methodik des Religions- Unterrichtes vorhanden ist, wird man sich vergebens bemühen, brauchbare *Lehrbücher fiir die einzelnen Fächer zu schaffen: beides hängt zu eng zusammen. ״Lebendiges Judentum‘‘ sollte der Religionsunterricht lehren: so!ordert mit Recht der Autor! Aber dieser Forderuug wird nur der entsprechen wollen, der auf nationalem Boden steht. Für die anderen ist das Judentum nur eine Religion. Daran wurde ich erst jungst wieder lebhaft erinnert, als mir ein Knabe die Bibliothek des Vaters mit dem Heincrkcn zeigte, dass sich darin über das Altertum a t! c h ein Buch bctinde.als ob mir als Juden dieses am nächsten läge! Bezeichnend fiir die bisherige Unterrichts« eise! Ja, lebendiges Judentum sollte geiordert und gelehrt w erden. ' — Isk — Oie sich ihres Namens schämen ln einer Liste, welche von Seite des ungarischen• Ministerituns veröffentlich: wurde, finden wir jol,:e;u!e Auslese neuer Jiidenaeoinagyarcn. Hier einige aus dieser Garde: Isidor Frankl auf ..Bir*'•־, Jul. Fischer aus ..Fcityi“. Ignaz Wdr.sting! auf ״Boros“, Alfred Kraus auf ״Kercs", Sa’amon Goldstern auf ,.Gero”, Wilhelm K0 1111 aut ..Bcnsö“, Abraham Feuerstein auf ..Kirnos“. Adt.lt Braun au: ..Barna“, Ludwig Kolm auf ״Konilos•־. Josef Schay am' ,.Balog“, Morit׳ Kolm aui ״Körösi“ und Isak Gewissen auf ״Komöiidi \ Jüdischer Provinzadel Zu diesem traurigen Kapitel w ird aus Wcstplialcn berichtet: . Ein drastisches Vorkommnis ereignete sich kürzlich in Magen i. W. Im städtischen Musikverein sollte über die Aufnähme einer jüdischen Dame abgestinm׳: werden. Der genannte Verein setzt sich fast nur aus christlichen Mitgliedern zusammen; eine einzige jüdische Dame gehört ihm an. Bei der heutigen Zeitströnung wäre cs nun selbst ini ״liberal־' denkenden Hagen nicht verwunderlich gewesen, wenn man bei der Wahl die zweite jüdische Dame einfach nicht aufnalun. Wer aber beschreibt das Erstaunen der Anwesenden, als sich nach der Wahl herausstclhe. dass sämtliche christliche Milch ־.,der fiir. und nur die jüdische Dame gegen die Aufnahme der Jüdin gestimmt hatten. Nach dem Grunde dieses srmlerboren Benehmens gefragt, antwortete jene, dass cs nicht angängig sei, die Glaubcnsgenossin aufzunehmen. weil der Gatte der Dame seinem Berufe nach — er ist Viehhändler — ihr nicht gefalle. Die christlichen Mitglieder des Vereins aber nahmen daran nicht den geringsten Anstoss. Wenn man noch berücksichtigt, dass die protestierende Dame Vorsteherin eines jüdischen Frauenvercins zur Förderung von Licbeswcrken ist. Avrikfl'/T j tT t f"*!1 Harden und der Verband der Deutschen Juden Eine Beziehung zwischen dem Hardcn-Moltke-Prozess mul dem Verband der Deutschen Juden zu konstruieren, dieses eigenartige logische Kunststück bringt ein frommes Bl:.tt fertig. In einem langen Artikel unter der Uebersehritt ..Gleichbcrechtigiing" schreibt dieses treffliche Organ, nämlich das Stöckersche REICH in Berlin: ״Der Prozess Harden verdient Beachtung speziell im Hinklick auf die Forderungen, die der Vcrbaiulstng deutscher Juden in Frankfurt anfgcstellt hat. Hat wirklich -י das ist die Frage — die Stunde geschlagen, um Männern w ie Harden, wie Bernstein, wie Magnus Hirsehfeld die Offiziers- und Beaintenlauibahn zu öffnen? Haben die Juden sich unserem deutschen W'eseu nunmehr s weit assimiliert, dass w ir sic ganz, als unseres Gleichen behandeln könnten?“ Die Frage stellen, heisst sie verneine״.“ Man staunt über diesen Kuddelmuddel, der hier angerichtet wird, über diesen Saltmnortale. den hier der einfachste Menschenverstand machen muss, um die genannten Sätze zu verstehen. Erstens: ״Männern wie Harden, wie Bernslein“ ist im clmstlich-kiilttircilen Deutschland iedo Laufbahn offen, denn sie sind ja getauft, und der Taulzettcl ist auch heute noch.