Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 3 will. 'Die Auswahl der richigen Personen für die Pflanzungen hat night er zu treuen. L»as ist Sache aes Patastinarcssorts und der Nationaliondsverw altung. Wohl aoer hat er über die Oeioaumspende itn A»!gemeinen und über die statutarische Bestimmung it«rer Ertragnisse zu bestimmen und zu wachen. Nun sind diese ganzen Spenden ausdrücklich unter der Voraus- Setzung gegeben worden, dass inre Ertragnisse den KuiturzwccKcn des heoraisenen Palästinas zu Oute kommen sollen. Das ist umso wichtiger festzustehen, als unser Palastinaressort und damit nauirlich aucn unser Paiasunaamt gan# aussenuessäicii die w.riSwhatdicuen Fragen als ihr Ucoiet betrachtet, während sie für ehe Kuituriragen Palästinas, die innen nautrüch fern liegen, ausser cier abstrakien AuerKenming in rer iNotwendigheU, nichts übrig haben können. Es setzt ja auch niemand voraus, dass der geniale Kolonisator auch zugleich die Kuituriragen kennen und bearbeiten soll. Nur das eine muss verhütet werden, dass die wirtschaftlichen Unternehniungen wie bisher alle zionistischen Mitte! ihr Palästina ausschliesslich an sich ziehen. Da ist es nun wichtig, iestzustellcii, dass Erträgnisse und Zinsen der Oelbauinspende ausschliesslich ihr die Kultmaufgabcn bestimmt sind. Dass aber diese Kuituriragen in keiner Weise damit irgend wie annähernd genügend in Angriff genommen werden können, wird jeder einschen, der wecss, was auch nur eine einzige Schule, eine einzige Bibliothek kostet. Und sie sind doch nur ein kleiner Teil der weiten Kulturarbeit, die wir in unserm Lande und bei unserm Volke noch vor uns haben. Auch hier wird das Engere Aktionskomitee, das den Kuhuriragen, wie speziell der Cnei des Palästinaressorts . in der Aktionskomiteesitzung hervorliob, sein volles Interesse zuwenden will, aui den Parteifonds angewiesen s-in. Und wir können nicht erwarten, dass das Akdons- Komitee geeignete Schritte von Bedeutung unternimmt, wenn wir nicht dafür sorgen, dass es geeignete Mittel von Bedeutung in Gestalt eines kräftigen Parteifonds hat. Wohin »immer wir uns drehen und wenden, sehen wir zwingende Notwendigkeit, den grossen Arbe'tsfonds zu schaffen, dessen unsere Führer bedürfen, wenn sie die Arbeiten in Angriff nehmen und weiter führen wollen, die wir ihnen auf dem Kongresse gestellt haben. In der Slzung des Aktionskomitees ist dabei von allen Seiten festgestellt worden, dass die breiten Schichten der Partei es bereits zu begreifen begonnen haben, wie wichtig es ist, dass Jeder sein Scherflein bei.rfgt und dass es keinen Zronisten geben darf, der nicht die Mindeststeuer von vier Mark entrichtet, dass aber der Parteifonds erst wirklich geschaffen werden kann, wenn auch die Reichen und Wohlhabenden In dem entsprechenden Masse beitragen werden. Verhältnismässig wird doch immer die Gabe des klcvnen Steuer- Zahlers grösser sein, als die Spende der meisten Reichen im Verhältnis zu ihrem Vermögen und Einkommen. Und wir haben bisher viel zu wenig Gaben gesehen, 1L:c nach Hunderten — geschweige denn nach Tausenden — zählen und doch hätten es viele solcher sein müssen, wenn unsere reichen Gesinnungsgenossen in demselben Masse geben würden, wie so viele, denen es schwer wird, den Schekel zu zahlen und die mm doch dem Kongressbc- Schluss gemäss die Mindeststeuer von vier Mark gezahlt haben.' Erst die grossen und ganz grossen Spenden werden den Parteifonds zu dem zentralen Arbeitsfonds der zionistischen Organisation machen können, als den wr uns ihn denken. Aber auch jeder, der nur die Mindeststeuer zahlen kann, soll nicht klein von sich und seiner Gabe denken. Viele wenig machen auch ein Viel, und wir Wünschen und hoffen, dass ein reger Wetteifer zwischen den einzelnen Kreisen unserer Partei, zwischen den 'Ortsgruppen und Landsmannschaften beginnt, wer am meisten und schnellsten seine Pflicht in der Schaffung des Parteifonds tut. Die Partei bedarf des Parteifonds und die Arbeit des Arbeitsfonds. Ein jüdisches Lehrerseminar III. Moritz Lazarus bespricht im Anhang seiner ״Ethik des Judentums** das merkwürdige Phänomen der Kontinuität des jüdischen Qeisies, eine Erscheinung, die an Grossartigkeit ihresgleichen nicht hat. Durch sic ist das Judentum eine in sich geschlossene Einheit geblieben durch alle Zeiten und Zonen hindurch. Durch sic ist seine geistige Individualität, sein charakteristisches Gepräge erhalten geblieben, ist nicht ver- Schwunde» und uutergegangen in den Einten fremder Kulturen. In ihr liegt das Geheimnis der Unzerstörbarkeit unseres Volkstums. Wo ein Giied oder ein Teil der Juden diese Kontinuität, diesen stetigen Zusammenhang mit dem von der Geschichte gleichsam kanonisierten jüdischen Geist, diesen engen Anschluss an die Vergangenheit und den durch sie herrschenden Gesamtgeist unterbrechen wollte, da stiess ihn das Volkstänze, wie ein lebendiger Organismus einen ihm fremden Stoff, von sich a1׳s. Daher konnte kein Salduzäcrtiirn, kein Karäertam, keine Sabbathiancrsektc im Judentum Bestand haben. Aus allen den gewaltigen geistigen Revolutionen, die das Judentum durch Hincintragung fremder Ideenwelten zu bestehen hatte, ist stets diejenige Richtung siegreich liervorgegangen, welche die Kontinuität des jüdischen Geistes gewahrt und unverletzt erhalten hatte. Und so ist die Judenheit eine viel strengere Einheit geblieben, wie andere Völker es sind. Die Kontinuität des jüdischen Geistes lässt sich nicht aufheben und der kiinitige Geschichtsschreiber wird ihre Anschatiung m. E. als kuriose historische Verirrung malen, etwa wie Grätz die Jacobsonsclie Reform des Judentums in ihrer Lächerlichkeit gekennzeichnet hat. Ich hoffe, in Palästina wird eine neue jüdische Generation erstehen, die der gesamten Judcnheit der Diaspora Kraft und innere Festigung geben soll, aber eine solche, die itn Judenturn wurzelt, der jeder es auf den ersten Blick ansieht: es sind Juden. Und wenn eine Gründung im heiligen Lande diese Generation schaffen will, dann muss jeder Jude, der es anschaut, den unbedingten Eindruck, das sichere Gefühl haben, es ist ein jüdisches Institut, in dem der Geist des Judentums webt und waltet. Das ist es auch, was ich vom Lehrerseminar des Hilfs- Vereins der Deutschen Juden erltofie, das der Grund, weshalb es das besondere Interesse und die spezielle Aufmerksamkeit aller Juden verdienen und was cs vor allen gleichartigen Schwestcranstaltcn der Welt auszcichncn könnte. Die Vorbedingung ist gegeben: es ist in Palästina, für Palästina, in unserem Lande für unser Volk geschaffen worden. Dass es aber seiner Bestimmung gerecht werden könne, das ist, wie wir bereits darlegten, an zwei Bedingungen geknüpft: einmal es muss In seinem religiösen Charakter mit der Tradition unseres Volkes übereinstimmen, es muss ferner in derjenigen Sprache sein eigentliches Element haben, die uns und nur uns gehört, in der hebräischen. Welch ungeheure Konsequetizen aus diesen beiden Voraussetzungen sich ergeben, liegt auf der Hand; denn sie sind die bestimmenden Faktoren für die geistige Atmosphäre, für den Gedankenkreis und daher für die Lebensanschauung der künftigen Lehrer. Spezifisch jüdisches Denken und jüdische Ideen soll sie erfüllen, von fremden Kukureinflüsscn unverwischt, der Jüdische Geist, in seiner historischen Kontinuität, rein und lauter in