Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 2 Suite 18 Jeden, der in den hunderttausend Juden Palästinas seine Brüder sicht, der• ihrem religiösen Bewusstsein dieselbe Achtung und Rücksicht zollt, die er fiir seine eigene Weltanschauung verlangt, ich sage, für Jeden solchen muss es cinleuchten, dass es eine unverantwortliche Bevormundung, ein tyrannisches Joch ist, wollten wir sic zur Untreue gegen sich selbst, zum Verrat an ihrem heiligsten Anliegen bewegen oder iiberredn. muss es cinleuchten, dass wir ihnen nur etwas zu geben, nichts ifcnn zu nehmen befugt sind, dass wir sie durch die Mittel der modernen Bildung bereichern, kräftigen, stärken, zum Lebenskarnpi ertüchtigen ,dass wir sie aber nicht um den inneren Halt, die Beseeligung der väterlichen Religion ärmer machen, nicht eine Kluft schaffen dürfen zwischen Litern und Kindern, zwischen der vergangenen und neuen Generation. Wir müssen auf Grund des alten den neuen Bau errichten. Es ist meine ehrliche Uebcrzetigung, dass mir so lange der Hilfsverein an diesem Prinzip festhält, er sich als wahrer Wohltäter der Juden des Orients erweisen wird. Es wäre doch merkwürdig, wenn das, worin alle Schulmfntiicr aller Länder einig sind, gerade für Palästina, gerade für uns Juden nicht gelten sollte. Wo gibt es eine Volksschule, die nicht auf religiösem Fundament aufgebaut ist, und zwar auf dem Fundament derjenigen religiösen Anschauung, denen das betreisende Volk in seiner Gesamtheit oder Mehrheit huldigt? Wo Volksschullehrer, die in dieser Hinsicht zu der Gesinnung der Litern im Widerspruch sich befinden, die ihnen ihre Kinder anvcrtroucn? Wir aber, das spezifische Volk der Religion, das der Welt ihren Gott gegeben, das Volk der Bibel, wir sollten es zugeben, dass im heiligen Lande, an den Stötten religiös geweihter Erinnerungen, unsere Jugend int glaubensfeindlichen Sinne beeinflusst werde? Wir sollten, wo wir eben beginnen, das Erbe der Väter zu erwerben, um es zu besitzen, wir sollten unseren Kindern vorcnthalten oder ver־ kümmern, was von diesem Erbe ein wesentlicher, wenn nicht dpr wesentlichste Teil geewsen? Und doch ist cs in Palästina nicht selten so die Praxis, und sie hat vielen, grossen Schaden gestiftet. Deshalb aber zweitens, weil nur das allgemeine Interesse entscheiden darf, deshalb hat der Hilfsverein der Deutschen Juden bei all seinen Schulgrfmdungen einer Sprache die Vorhcrrschaft oder Alleinherrschaft eingeräumt: der hebräischen. Denn sie allein kann Anspruch daran! erheben, die gemeinsame Sprache aller Juden zu sein, ihre Pflege allein ist nationale Aufgabe. Sic hat sich als einziges Verständigungsmitte! aller der vielen verschiedenartigen, von allen. •1 Enden der Welt nach Palästina zusanmiengeströiiiten Juden erwiesen, sie ihre gegenseitige Annäherung und Verschmelzung ermöglicht und damit ihre Kraft als gemeinsames Baud aller Glieder unseres Volkes an den Tag gelegt Sie ist auch gewissermassen zum Symbol, zum Wahrzeichen aller nach der Erschliessung Palastinas strebenden Kreise geworden. Und wieviele natür* liehe Schwierigkeiten sich ihrer Wiederbelebung entgegenstellen mochten: dieser Gedanke, dass wir in ihr unsere geistige Selbständigkeit wiederfinden, lehrte alle diejenigen sie überwinden, denen ihre materielle Kraft und ihr inneres Ehrgefühl den Willen gab, Juden und nur Juden zu sein. So fand der neue Jischuw in ihr das Ausdrucksmittel seines Selbstbewusstseins, in Ihrem freudigen Ergreifen die Kundgebung seiner Inneren Unabhängigkeit, die nicht eine fremde Sprache sprechen musste, um vornehm und kultiviert zu sein. Sic ist das ״eigene Lied'* des neuen Palästina. Und durch sie verwuchs und verwächst die Jugend mit dem Boden, für den sic bestimmt ist, denn das Hebräische des ישיב ist eben untrennbar vom Boden des heiligen Landes, vom י ארץ ישראל Mir scheint, mit Stolz darf der Hilfsverein auf seine Erfolge ln dieser Hinsicht hinweisen, auf seine vielen Kinder* gärten, die eine ganze Oeneration geschaffen, die kein anderes Wort als hebräisch versteht, die endlich den Jargon überwunden hat, das uns stets an unsere Erniedrigung erinnert. Es darf stolz darauf sein, dass das Lehrerseminar 1״ Jerusalem zu einer der ,wissenschaftlichen Zentralen der ncbräischen Sprache geworden ist, wo ihr täglich neue Diszipiinen, neue Unterrichtsgebiete erobert werden, wo alle Schüler, vom ersten bis zum letzten, nur die hebräische Sprache als ihre Sprache, als Muttersprache betrachten und handhaben. (Fortsetzung folgt.) — Rundschau. Die vorliegende Nummer kommt wegen der Herstellung der Berichte über die Berliner Tagungen!des Aktionskomitees und des Nationalfonds zum Teil verspätet in die Hände der Abonnenten. Der Plagiator des Hauptmanns von Köpenick Der im Dezember v. Js. desertierte Proviant-Offiziers- Mellvertreter Leopold Goldsclimidt aus Wien verübte vor kurzem einen überaus verwegenen Knsseneinbriicli. Goldsehmidt ist Tassenreiner Arier, a: er das DEUTSCHE VOLKS- BLA I I in Wien wusste es schon ,וחי selben 'läge, dass Leopold Goldsciunidt ein ״jüdischer־■ Gauner sei. und erfrechte sieh, den Fall folgend zu glossieren: ,.Es ist das neuerlich ein Beweib dafür, wie berechtigt die Stel’ungnahme des Militärs gegen das Judentum ist. Der Jude scheut zwar den Waffendienst, drängt sieh aber mit Vorliebe in die militärische Ärzteschaft, das Vcrpflegswesen und die Reclimmgsbranche ein: mit welchem Erfolge zeigt.der vorgekommene Fall.” In den Adern Goldsehmidts fliesst unvertälscht arisches Blut und nach dem Gesetze von der Duplizität der. Ereignisse dar! mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass dieser Gauner dem brutalen und lügenhaften Blatte parteipolitisch sehr nahe steht. Deutsch-Israelitischer Gemeindebund Die soeben erschienene Nummer 69 der MITTEILUNGEN v!*m Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde weist einen reichhaltigen Inhalt auf. Weite Interessentenkreise werden durch die Nachricht erfreut werden, dass der Bau der Israelitischen Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder, die aut Grund eines Allerhöchsten Erlasses vom 8. August 1907 die Namen ״Wilhelm Auguste Viktoria - Stiitung" führen darf, schon begonnen ist. und dass die Eröffnung der für Kinder beiderlei Geschlechts bestimmten Anstalt im Herbst dieses Jahres zu erwarten ist, sofern es dem, mit der Leitung der Anstalt zu betrauenden Vereine gelingt, den auf 20 000 Mark veranschlagten Idiresetat durch Mitgliederbeiträge zu bcschaffen. Die architektonische Anlage wird bei Vermeidung allen äusseren und inneren Prunkes den hygienischen Amorgerungen der Neuzeit gerecht werden. Die aus Mitgliedern des D.I.G.B. und des Verbandes der Deutschen Juden zusammengesetzte ..gemischte Kommission'* zur Ausarbeitung eines Organisationsgesetzes der Synagogengemeinden Prcussens hat in 5 stark besuchten Sitzungen die 2. Lesung beenget. Eine aus hervorragenden Juristen zusanmiengesetzte ״Redaktionskommission" ist mit der Forumlietuttg des Ergebnisses beschäftigt. Bevor in die 3. Lesung eingetreten wird, soll der Entwurf der Oefieiitlichkeit zur Besprecitung übergeben werden, damit das Urteil ger Beteiligten und Sachverständigen ittr die dem Gemeindetage zu unterbreitende Fassung verwendet werden könne. Der Realkatalog der 6000 Werke umfassenden Bibliothek des D.I.G.B. ist im Manuskript fertig gestellt. Durch die Vcrönentliclvang einer Normal-Friedhofsordnung nebst einleitenden Erklärungen und angefügten Formularcntwürfen wird dem vielseitig geäusserteu Wunsche der Gemeinden entsprochen. Die ״Lehrabtciluug" veröiientlicht die Bedingungen eines Preisausschreibens über die ״Methodik des jüdischen Reiigionsunterrichtcs". Der ■Verfasser der besten Arbeit erhält 800 Mark. Ferner empfiehlt die Lehrabteilung eine von Herrn Rabb. Dr. Beermann m Insterburg verfasste Schrift ״Mein \\erk dem Könige־*, Andachtsblich für jügisehe Soldaten. Dem Versasser sind Anerkennungsschreiben aus dem Kabinette Sr. Majestät des Kaisers, sowie von seiten des Herrn Kanzlers uzgeeangc'n. Auch das Kriegsmmisterium empfiehlt