Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 No. 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Hindin'sche und Schalit’sche Schenkung* Es handelt sich hier um 2 kleine Grundstöcke in E1 - Chudeira, welche zum Nachlass der benannten zwei verstorbenen Herren gehören. Die Erbschaft Schalit wird von den Erben bestritten. Bezüglich der Hin d in’sehen Erbschaft handelt es sich sich nicht um eine Schenkung, sondern um einen Ankauf des Grundstückes zu einem fiktiven, sehr geringen Preise, etwa 500—1000 Franken für die 1000 Dunani. Die Generalversammlung ermächtigt das Direktorium in der Hindin’schen Angelegenheit, den Kauf in dem von dem Herrn Vorsitzenden erwähnten Sinne abzuschlicssen. In der Schalit’schen Sache wird das Direktorium beauftragt, ־weitere Recherchen einzuholen. Oelbaum spende: a) Es wird beschlossen, den Verein ״O c l b a u in - spende“ laut den von Herrn Professor W a r b u t g unterbreiteten und cndcsaufgcfiihrten Statuten zu begründen. b) Zur Wahl von Ausschussmitgliedern dieses Vereines wurden dem Direktorium die folgenden Herren empfohlen.• D. W o I f f s o h n. Proicssor Dr. Warburg, Dr. Bodenh c i m c r , Dr. A. H a n t k e (als Gründer-Aktionäre des Jewish Colonial Trust! und Dr. Haus Gideon H e y tu a n n , Dr. Soskin und Johann Kremcnczky. Es wurde hiernach in Gcinässheit dieser Beschlüsse der Verein sofort begründet. Es mag noch erwähnt werden, dass die vorhergehenden Beschlüsse der Land Development Company einstimmig angcnommen wurden, mit der Ausnahme von Abschnitt a) und des letzten Satzes von Abschnitt b), wogegen Herr Ussischkin seine Stimme abgab. Das Bankett Am Montag Abend fand im Saale des Breslauersch« Restaurants zu Ehren der Aktionskomiteemitglieder ein Fest essen statt, au dem ausser den Mitgliedern des Engern ui Grossen Aktionskomitees auch eine Anzahl Berliner Zionist« tcilnahmen. Berliner Massenmeeting Berlin. Eine grosse Volksversammlung veranstaltcte die Berliner Zionistische Vereinigung im Anschluss an die Tagung des Grossen Aktionskomitees in den Sophiensälen. Jedes verfügbare Plätzchen im Saal und auf den Galerien war besetzt, alle Gänge gefüllt, und nur dem Fehlen der Polizei war cs zu danken, dass der Saal nicht vorzeitig gesperrt wurde. Mindestens 1500 Personen harrten der Eröffnung. Als Präsident Wolffsohn den Saal und die Tribüne betrat, wurde er von. einer spontanen, stürmischen Ovation bcerüsst. Dr. Hantke eröiinete die Versammlung, hicss die last vollzählig erschienenen Mitglieder des Grossen A.-K. willkommen und warf einen kurzen Blick auf die Entwicklung unserer Bewegung in Berlin. Präsident Wolffsohn. wieder von minutenlangem Beifall empfangen, sprach dann von unseren bisherigen Erfolgen, unseren Aussichten, unseren Zielen. ״Man sagt uns; Ihr habt euch gemausert, ihr seid vernünftiger geworden. Das ist w׳ahr; aber nicht nur wir. sondern auch die andern. Das jüdische Bewusstsein ist gewachsen durch unsere Arbeit.“ Über unsere politischen Aussichten sprach sich der Präsident recht hoffnungsvoll aus. ..Mehr und mehr beginnt jetzt auch die türkische Regierung einzusel.cn, dass nicht nur für uns, sondern auch für sie unsere Bewegung von grossem Nutzen ist.“ ״Meine letzten Verhandlungen in Konstantinopel haben mir gezeigt dass unsere Arbeit keine Utopie, sondern eine errcjchbarc Möglichkeit ist." ״Wenn wir nur recht wollen, wird es kein Märchen sein. Ich hoffe, dass wir selbst mit unseren Augen es noch sehen werden, das Aufblühen unseres Landes, die Erlösung unseres Volkes." Nachdem der Immer w ieder sich erneuernde Beifall verballt w׳ar. nahm der Vizepräsident des Engeren A.-K.. Prof. War bürg, das Wort, um Uber unsere Arbeit in Palästina selbst zu sprechen. Auch die. die uns prinzipiell Recht geben, haben zwei Ein wände: Das Land taugt nicht iiir das Volk, Das Volk taugt nicht fflr das Land. Dem Land fehlt Schatten und Wasser; aber der Schatten lässt sich schaffen, wie er einst war, und das Wasser muss nur reguliert werden. Palästina kann zehnmal mehr Menschen ernähren, als jetzt in ihm leben. Seine Möglichkeiten sind nicht nur landwirtschaftliche, sondern auch reiche industrielle. Begünstigt ist es auch vor allem durch seine geographische Lage. Itn Jahre 1900 lachten noch die deutschen Bauern in Palästina über die jüdischen und meinten, sic würden nie Landwirte werden. Heute hat der Sachverständige, den die deutsche Regierung nach Palästina geschickt hat, in seinem Bericht erklärt, die Zukunft des Landes liege darin, dass es v ieder ein Land der Juden wird. Wir Zionisten haben liier nicht so sehr selbst zu kolonisieren, als die Bedingungen Jer Kolonisation zu scliafien und die Ansicdlung zu erleichtern. Unsere Institutionen ermöglichen es jedem Juden, au der Erschliessung des Landes mitzuarbeiten. Vor allem ist unser Verdienst auch die kulturelle Arbeit, die bereits schöne Früchte trägt. Unter tosendem Beifall verliess der Redner die Tribüne und wurde von allen Seiten beglückwünscht. Nach ihm sprach Dr. T s c 111 c n o w - M o s k a 11. Er erinnerte an die Hindernisse, die grade deutsche Juden dem Zionismus in den Weg gelegt haben: Die Verhinderung eines I. Kongresses in München, der Rabbiiicrprotcst. die De mmziation Dr. Vogelsteins, die in Russland und den Vereinigten Staaten traurigen Widerhall gefunden hat. Wenn trotz alledem der deutsche Zionismus eine geachtete Stellung sich errungen hat. so ist das der beste Beweis seiner Lebenskraft. — Weiter zeigte er in schönen Ausführungen die geschichtliche Notwendigkeit des nationalen Gedankens. Nach kurzer Pause gab Bö I! m (Wien) eine packende Dar- Steilung der politischen Kämpfe des Zionismus in Österreich, die zu einer nationalen Autonomie der österreichischen Juden, d. h. vor allen! zu einer sie alle umfassenden kulturellen Organisation führen müssen. Die heldenmütige Haltung der galizischen Juden während des Wahlkampfes gibt uns Hoffnungen auch für unsere zukünftige Arbeit. In gewohnter Meisterschaft betonte dann N. S ״ k o I o w - Köln die Bedeutung des Zionismus für die Entwicklung des jüdischen Geisteslebens. Die zerstreute Auswanderung tötet den jüdischen Genius, die Konzentration in Palästina lässt ihn neu erstehen. Sokolows mit geistreichen Gleichnissen gespickte Rede entfesselte Stürme des Beifalls. Prof. W c iz in a n n - Manchester deutete vorw ärts in die Zukunft, indem er darauf hinwies, was der Zionismus dem Juden geben könnte. Nur in Palästina habe er ganze, lOOprozentige Juden gesehen. Man nennt uns Idealisten, aber Idealist Ist kein Schimpfwort. Freilich gehört zu unserer Arbeit ein ungeheurer Mut. Aber unser Volk, das für andere Nationen soviel getan hat. wird sicher die Kraft aufbringen, sich selbst zu befreien. Das Schlusswort hielt D r. Heinrich Locw e. In zündender Rede erwies er den Zionismus als jüngste Konse- Qucnz einer alten Geschichte, die von Moses beginnt. Wenn Moses wieder aufsti'mde. er wäre nicht ״mosaisclf‘, nicht ״liberal", sondern Zionist. Angesichts unserer Führer, die wir in unserer Mitte sehen, müssen wir uns geloben, als Soldaten wacker unsere Pflicht zu tun und ihnen die Mittel zu sclicaffcn. die sie zur Arbeit fiir unser Volk und seine Zukuuft brauchen. — Um 1? Uhr schloss die Versammlung. Das glänzend verlaufene Massen-Mecting bedeutet sicht, einen grossen Erfolg des Berliner Zionismus. Hunderte von Nichtzionisten wohnten ihm bei. die Sammlungen für den Nationalfniul erreichten mehrere hundert Mark, auch für Parteifotul und Schekel wurde fleissig gesammelt. Es war eine Kundgebung von erhebender und imponierender Geschlossenheit. ca. Präsenzliste der Sitzung des G.A. K. Präsident: David Wolffsohn; Vizepräsident: Prof. Dr• O. \V a r b u r g. Russland: Ingenieur Ussischkin, Dr. Tschlenow, Dr. Sch. Lewin, B. Goldberg, Jdelsohn, J. L. G 01 d b e r g, S 0 k 01 o w. Polen! P0 d 1 i sc h e ws k y. Oesterreich: Böhm, Dr. Brande. Deutschland: Rechtsanwalt B 0 d c n 11 e i m e r, Rechtsanwalt H ajn t[k e, Assessor Friede mann, Rechtsanwalt Gronemann.! England£Prof4Dr._Weizfnann-Manche$ter, Moser-Bradford.