Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 12 beste Lösung, ohne Risiko etwas zu arbeiten. War bürg verliest Anregungen, die von Loewe an das Zentralbureau gelangt sind, und die in Anträgen gipfeln, die Kulturfragen in Palästina in Angriff zu nehmen. Diese• we׳den dem E. A K־ uberwiesen, ' Der Verein öloaumspend* ist gegründet'worden als besondere Institution neben dem NaTonalfond. Er wird In seinen Statuten, die Dr. Ruppin entwirft, den Willen der Spender feststellen müssen, dass die Erträgnisse den Kulturforderungen Palästinas gelten sollen. Dr. Ruppin hat die Anmeldung des ״Eingetragenen Vereins Oelbaumspende•‘ bereits in Angriff genommen. Dienstag, den 7. Januar, Vormittagssitzung. Die Debatte wird beim Punkte Nationalfonds fortgesetzt., Podlischevvsky wendet sich, gegen die Auffasung. als ob das A. K. für die Verwaltung nicht in Betrübt käme Es gehe nicht an, die juristische Form, die man aus Zweck* mässigkeitsgründen gewählt habe, zur Herrin des NaFonalfonds zu machen. Das Recht des A. K. über die Vor- Wendung des Nationalfonds mitzusprechen, ja sogar sie zu bestimmen, müsste unangetastet bleiben. Redner ist gegen.de Bewilligung des Kredites an die Hüuserbau-Geselischait. Diese bestehe zum grossen Teil aus wohlhabenden Leuten, die sehr wohl in der Lage seien, das fehlende Kapital anderswo aufzubringen. Er beantragt daher, diesen Beschluss des Direktoriums zu anullieren. n־. Bo d e n h e im er: Die Verwaltung des Nationalfonds hatte durchaus nicht die Absicht, die Rechte des Aktions- Komitees in irgend einer Weise zu beschenken, sie hätte dazu ja auch garnich« die Möglichkeit. Indessen müssen wir uns doch einmal an die gegebene Form haben. Der Nationalfonds ist eine Körperschaft für sich die nach ihren eigenen Ideen und Prinzipien alle Angelegenheiten entscheiden muss. Die Rechte des Akoons Komitees kommen dabei nicht zu kurz. Im Di ektorium desNationalfonds ist das engere Aktions Komitee vertreten und hat in seiner Eigenschaft als Governor die Möglichkeit gegen alle Beschlüsse des Direktoriums ein Veto einzuhgen. Es ist also in der Lage, Beschlüsse über An. gelegenheiten, die seiner Meinung nach eine Verhandlung vor dem Grossen Aktions-Komitee erfordern, solange aufzuhalten, bis eine solche Verhandlung stattgefunden hat. Präsident: Ich möchte darauf hinweisen, dass das Grosse A.-C selbstverständlich durchaus unabhängig ist und über jeden Punkt verhandeln kann, den cs zur Beratung zu ziehen wünscht Kremenezky betont noch einmal den Frontwechsel, der stattgefunden hat. Er habe immer die schwersten Angriffe zu erdulden gehabt, als er die Unantastbarkeit des Nationalfonds vertreten habe- Jetzt wo man durch die früher erzwungenen Landkäufe zu weiteren Ausnahmen in dieser Richturg genötigt sei, jetzt wo man zum ersten Mal begonnen habe, dem allgemeinen und so oft geäusserten Drängen nach p*aktischer Palästinaarbeit naclizugehcn, würden Vorwürfe erhoben. Weizmann: Wir sollten uns von den Schlagworten freizumachen suchen. Was heisst Frontwechsel, was heisst praktische Pa'ästinaarbeit? Gewi-s sind wir immer für die p aktische Arbeit eingetreten und wr stimmen heute nicht dagegvfi. Wir wollen led'gKch da$> diese Arbeit nicht plan-und systemlos ausgeführt wo de, das aber ist es, was wir überhaupt in unserer Leitung vemissen. Seit drei Jahren stelle ich die Frage an die Leitung: Was ist Ihr System? Nach welchen Gesichtspunkten arbeiten Sie? Was werden Sie tun, wenn Ihre politische Arbeit Erfolg hat? Und seit drei Jahren erhalte ich keine Antwort. Und mir scheint, das Aktions-Comitd hat keinen Plan. Es wird von heute auf morgen gearbeitet, man wurstelt fort. Eine solche Arbeit kann keinen Erfolg haben. Die Arbeit des A.-C. muss eine einheitliche sein, sie . muss von grossen Gesichtspunkten geleitet werden. Sie darf nicht ein Produkt des täglichen Zufalls sein. Gewiss ist die Arbeit sehr schwer, gewiss wird es schwer sein, einen Plan No. 2 aufzustellen. Aber das müsste geschehen. Hat man sich z ß. darum bemüht, die anderen Organisationen unseren Diensten willfährig zu machen? Ich weiss nicht ob das ein Weg wäre, es gibt vielleicht bessere Pläne, ich frage nur. Wir müssen von Berlin Weggehen und uns darüber klar sein, wir müssen wissen, ob wir wissen, was wir zu tun haben. Präsident: Die Ausführungen des Herrn Weizmann setzen mich in Erstaunen. Wir sprechen hier über Bewilligungen aus dem Nationalonds und da kommt Herr Weitzmann, der Jahr für Jahr diese selbe Arbeit von uns verlangt und sie erzwungen hat, der uns mit aller Gewalt in diese Politik hin* eingetrieben hat und fragt, welche Politik wir treiben, nach welchem System wir handeln. Als wir Politik treiben wollten, da hA eben Herr Weizmann von uns praktische Arbeit verlangt, und da wir jetzt p-aktlsche Arbeit unternehmen, will Herr Weizmann Politik, immer hat man gesagt, wir müssten etwas in Palästina unternehmen, und jetzt soll das Unter* nehmen schlecht sein. Wenn das E. A.*K. für die Beteiligung an der Häuserbati* Gesellschaft gestimmt hat, so war es nicht zum wenigsten deshalb, weil auf diese Weise 3000 0 Frcs. festgelegt werden, weil so den Herren d e Möglichkeit genommen wird, cFeses Geld wenigstens aus dem Nationalfonds zu verschleudern. Für die Development Company haben wir erst gestimmt, als von privater Seite eine Beteiligung gleicher Höhe zugesagt wurde. Sie fragen, nach welchem Svstem unsere politische Arbeit geschieht? Glauben Sie denn, dass ich zum Vergnügen nach Konstantinopel reise? Mit den Mitteln des Nationalfonds können wir gcwi>s nicht unsere Politik machen, aber wenn wir politische Erfolge haben werden, werden uns die Mittel auch nicht mangeln. Was nun die positiven Vorschläge bezügl. des National* fonds anbetrifit, so glaube ich, dass es gut wäre, wenn wir jetzt den Sachverständigen hörten. Ich bitte daher Herrn Professor Warburg seinen Bericht zu erstatten. Dr. Franz Oppenheimer: Den Streit zwischen politischen und praktischen Zionisten habe ich niemals verstanden. Wenn man sieht, dass durch politische Arbeit Erfolge erzielt werden können, kann doch niemand ein Wort dagegen sagen. UndwennpraktischeArbeitunseherzumZieliührt wird doch kein Zionistsoverblendet sein die praktischeArbeit zu perhorreszieren• Jedenfalls bin ich der festen Ueberzeugung, dass irgend welche Klein-Kolonisation, irgend welche kolonisatorische Ai beit die nicht eine Massenbesiedelung zum Zwecke hat, die sich darauf beschränkt einige oder einige Hunderte Familien nach Palästina zu bringen für die zionistische Idee belanglos und wertlos ist. Damit können wir uns nicht abgeben, darüber kann ich kein Wort verlieren. Die Aufgabe, die schwere Aufgabe ist es, in verhältnismässig kurzer Zeit eine Massenansiedlung vorzunehmen und diese Aufgabe kann, so scheint mir, am besten oder ausschliesslich auf Grund meines Planes der Siedelungsgcnossenschaft gelöst werden. Das war auch die Meinung Hcrzls, und darum ist Herzl für diesen Plan mit seiner ganzen Energie eir.getreten. Ich glaube nicht daran, dass ein politischer Glücksiall eintreten wird, wie er in der ganzen Weltgeschichte noch nicht dagewesen ist. Noch niemals hat jemand Konzession bekommen, der nicht einen Gegenwert dafür zu bieten hat Ich glaube nicht, dass man uns grosse Konzessionen geben wird, wenn wir nicht eine Macht bedeuten. Daher muss man fragen: Gibt es Arbeit für uns, die, wenn sie begonnen wird, sich zu einer grösseren Sache auswachsen kann. Darum bin ich für den Bezalel eingetreten, weil ich gesehen habe, dass aus der Kunstgewerbeschule von Professor Schatz in Bulgarien Hunderte und Tauaende hervorgegangen sind, die auf diese Weise eine Existenzmöglichkeit bekamen. Mag der Bezalel heute noch glicht alien Anforderungen entsprechen, in ihm ist der Keim zu einem Unter-