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Jüdische Rundschau · 1908-01-10 · Heft 2 (10.1.1908) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 2 Seite 13 JÜDISCHE RUNDSCHAU nehmen gelegt, das einmal für das Land von der grössten Bedeutung werden kann. Drei Gründe sprechen für mein Projekt der Siedefungs- Genossenschaft: 1. weil sie die Arbeiter, die sie aufnimmt vor jeder Verlegenheit schützt, die aus ihrer Selbständigkeit sich ergeben könnte. Die ersten drei Jahre übernimmt der Nationalfonds oder eine andere Korporation die Verantwortlichkeit, 2. gibt sie durch die s'.arke Gewinnbeteiligung der Arbeiter diesen das Gefühl der physischen Krift, das zum guten Gedeihen des landwirtsduftbchcn genossenschaftlichen Betriebes unbedingt erforderlich ist, 3. enthält nur sie d׳e Form, die das ganze Land gemeinsam hält und die Möglich־ keit, durch Uebergang von der extensiven zur intensiven Kultur auf einem Landkomplex, der an und für sich nur zur Aufnahme einer kleineren Menge Menschen geeignet ist, das Hundertfache unterzubringen, zu ernähren und prosperieren zu lassen. Das sind Vorteile, die kein anderer Plan irgend welcher Art enthalten kann. Die Idee der Development Company ist ja von der meinigen nur wenig verschieden. Nur scheint mir, dass die Gewinnbeteiligung nach einem an* deren System geordnet werden muss, sonst sehe ich darin eine Gefahr für das Unternehmen. Entschieden bin ich dagegen, Nationalfondsgelder für Häuserbau-Gesellschaften zu verwenden. Machen Sie sich doch klar, dass Sie dem Gespenst des Sozialismus in Palästina nicht ausweichen können. Wir dürfen nicht eine Kolonisation betreiben, die auf eine Stärkung des Kapitalismus hinausläuft. Die Unterschicht in Palästina muss jüdisch sein, sonst wird das Land niemals jüdisch werden. Das ist tausendfach In der Geschichte bewiesen. Wir können auch nicht städtische Proletarier zu Land- Proletariern erziehen, das bedeutet eine Degradierung. Unser Ziel muss sein, aus den städtischen Proletariern Bauern zu machen, sonst ist unsere Arbeit vergebens. Und diesem Ziel kommen wir, das ist meine Ueberzeugung, nahe auf dem Wege meiner Genossenschaft Ich bin nicht gegen die Development-Company. Im Gegenteil sie ist ein auf dem Boden meines Planes entsiandenes Projekt und über Einzelheiten wird sich ja noch reden lassen.. Aber auf eins möchte ich noch hinweisen: Immerund immer wieder muss ich betonen, ich will ja nicht eine fertige Siedeiungsgenossenschaft nach Palästina hineinsetzen. Ich will nur, dass man beginne, dass man einen Versuch mache, der sich allmählich zur Siedeiungsgenossenschaft auswachse. F e I w e 1 ist für die Development Company. Bezüglich der Häuserbau-Gesellschaft möchte er sich der Abstimmung enthalten, da ihm die Frage nicht geklärt erscheint. . Ich möchte nicht die Gegensätze verschärfen und darum kann ich nur bitten, dass endlich die Schlagworte aufhören mögen. Wenn ein Frontwechsel stattgefunden hätte, sollte man das nicht so unterstreichen. Aber es kann von einem Frontwechsel nicht einmal die Rede sein. ־ Aus den Erklärungen des Herrn Böhm und des Herrn Weizmann kann man keinen Frontwechsel herauslcsen. Sie verlangen, dass die Arbeit nach grossen Gesichtspunkten unternommen wird, dass sie aus einem System heraus ent. steht, das uns tatsächlich zum Begriff des Judenstaates führt. Fehler sind vorgekommen, sie werden noch öfter vorkommen, deswegen kann man doch nicht von einem Seht item der praktischen Arbeit sprechen. Was wir verlangen ist: Eine! festen Plan der Arbeit und einen Plan, wie wir die Mitte! bekommen können. Man liebt es, solche Leute, die seit Jahr und Tag für praktische Arbeit eingetreten sind, als minderwertig zu betrachten. Und doch sind wir schon im Fraktionsprogramm für politische Arbeit eingetreten, nicht für Arbeit an den verschie* denen Höfen, sondern in Konstantinopel. Wir kommen nicht um die Frage herum, dass seit einiger Zeit'ein gewisser Stillstand in der Bewegung zu konstatieren I ist und wir müssen den Ursachen nachgehen. Und diese { scheinen mir erstens darin zu liegen, dass allmählich ein gewisses Ueberwuc'nern der Uniform zu konstatieren ist, ein Verflachen dir Bewegung in Statuten und Paragraphen der Bank, des Nationalfonds u. s. w. u. s. w. Und zum zweiten glaube ich, dass dieselbe Richtung die Fühlung mit der Volksseele verloren hat, weil sie diese nicht suchte und dass daher das Volk nicht mehr reagiert. Ich bin mir bewusst, dass wir vor ungeheuren Schwierigkeiten stehen. Und ich glaube, dass wir uns entscheiden müssen, ob unsere Agitation und unsere Arbeitsmethode in der Diaspora noch die geeignete ist, ob unser Verhalten zu den einzelnen Organisationen, das viel* leicht durchaus nicht immer ein freundliches sein kann oder darf, das richtige ist. Wir sprechen davon, ob wir auf die Mittel der oder jener Gesellschaft rechnen können, sind wir uns aber klar über über unser Verhalten zu den anderen Organisationen in jedem Punkte? Mir scheint, dass durch alle diese kleinen minimalen Arbeit! n, die wir jetzt unternehmen, durch die ganze Propaganda, die ganz anders gestaltet w. rden müsste, nur etwas erreicht wird, das zur Flachheit in der Be* Wegung himührt. Die gegenseiti en Vorwürfe und die Selbstvorwürfe müssttn einmal üu.hä en. Auf verschiedene Anfragen Dr Friedemanns giebt der Präsident eine detaillierte Darstellung seiner politischen Tätigkeit und betont, dass seiner festen Ueberzeugung nach die politischen Aussichten der zionistischen Bewegung heute besser sind als je. Auf eine diesbezügliche Anfrage weist er auf die grosse Bedeutung hin, den auch die Unterstützung der Häuserbau- Gesellschaft haue, und ersucht dringend, auch diesem Be- Schlüsse des Direktoriums zuzustimmen. Die Debatte berührt noch einmal die Frage der Zuständigkeit des. Aktionskomitees in Bezug auf die Nationalfonds- Verwaltung. Es wird ausdrücklich festgestellt, dass Fragen von prinzipieller Bedeutung nicht ohne Einverständnis des Aktions-Comitds entschieden werden sollen. Hierauf wird folgender Antrag einstimmig angenommen: Das grosse Äktions-Comitö begrüsst die Begründung der Palestine-Land Development und fordert die Gesinnungsgenossen aller Länder auf, eine energische Propaganda zu Gunsten dieser Organisation zu entfalten. Das A.C. stimmt den Beschlüssen des Direktoriums und der Generalversammlung bezüglich des Nationalfonds in Bezug auf die Palestine-Land Development Company und die Häuscrbau-Geselischaft zu. Nachmittagssitzung. Die Nachmittagssitzung wurde hauptsächlich durch eine eingehende Besprechung der finanziellen Lage der Organisation ausgefüllt. In einem ausführlichen Referate *egte der Präsident die gegenwärtige ernste Situation dar, und betonte nachdrückliehst die dringenee Notwendigkeit einer sofortigen ausgedehnten materiellen Unterstützung der Leitung. Die Debatte erstreckte sich über fast alle Punkte der Organisation und Propaganda. Allerseits wurde die Bedeutung des gegen* wartigen Augenblicks anerkannt und daraut hingewiesen, dass bei geeigneter Agitation und bei genügender Unterstützung jedes einzelnen Zionisten mit Leichtigkeit die erforderlichen Mittel zusammengebracht werden können. Vielfach wurden detaillierte Vorschläge in dieser Richtung gemacht, die zu einem grossen Teile das gemeinsam hatten, dass sie zwar die ungünstige Lage einzelner Landesorganisationen anerkannten, andererseits aber zum Ausdruck brachten, dass der Opfermut des Einzelnen noch viel zu wünschen übrig lasse. Was insbesondere-die Frage des Parteifonds anbetraf, so betonte der Präsident auf verschiedene Ausführungen, dass der Parteifonds selbstverständlich dazu berufen sei, allen Zwecken der zionistischen Organisationen dienstbar gemacht zu werden und darunter seien natürlich in allererster Linie palästinen• sische Zwecke zu verstehen. Schliesslich sei doch die ganze

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