Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JOD ISCHE RUNDSCHAU. .* Na 1 Aus Palästina Uer Hilisvercm stellt uns den folgenden Beucht über die gegenwärtige Teuerung in Palästina /.11r Verfügung: War sch(!!! durch den Regemuangel in! letzten Winter. . welcher eine Missernte zur Folge hatte, eine Verteuerung der Lebensmittel zu erwarten, so ist dieselbe bedeutend gestiegen durch den erhöhten Einfuhrzoll. durch die exorbitanten Ernteahgabeu, weleiic süe Lcliachen veranlassen. einen grossen Teil ihres Hodens brach liefen zu lassen und nicht minder iniolge׳ der stetig zune'i.neiiJen Im.iiigrati׳!!!. Line 1*1 eistabeile samtliehtr Konsumartikel wie Fabrikate west eine Steigerung um 3n Prozent aui. Zu dieser aussergew öimliciie;! Teuerung koniiiicn noch die Umstande liin/.u, dass in diesem Jahre das Wasser in den Zisternen bereits im Juni zu Ende war und die arme Bevölkerung wahrend last 5 Monaten das Wasser zu ungewöhnlich hohen Preisen kauien musste, und ierner, dass durch die iinaiiziellen Krisen im Auslände alle Wohltätigkeitsafistaltcn eine Verminderung der Einnahmen zu verzeichnen liahen. Die Notlage wird in diesem Moment n;.ch vergrüssert durch das rigorose Vorgehen der Behörden beim Eintreiben der Mllitärstcuer und durch die besonderen Bedürfnisse im Winter. Purch das schlechte Trinkwasser hat sich ausserdem der Ues>mdueitszusti'1Kl der armen Bevölkerung in den letzten Monaten des Sommers sehr ungünstig gestaltet. Auges.c.i! ■ dieser Notlage hat der liilisvcrem der Deutschen Juden seinem «icseliäüsiiilrer im Ehrenamt. Herrn Pr. Nathan, der /.ur Zeit in Palästina weilt, die notigen Mittei zur Linderung des Not- Standes zur \'erii1g1mg gestellt. Bei aller Anerkennung der gegenwärtig wirklich imgimsli- •gen W irtschaitslagc in Palästina und der überaus Segensreichen Tätigkeit des Biltsvereius muss d<«ci1 gesagt werden, dass der vorstehende Bericht zu sehr grau in grau malt. Auch sind es mein־ l :suchen, die in der .■Struktur der jüdischen Bexölkermig Palästinas selbst liegen als die Landesverhr1ituis.se. die zu der schleciitcu Lage der jüdischen Bevölkerung führen. Pic in Kairo erscheinende Zeitung LES PYRAMIPES ocrichte! unter dem II. Pezemhcr: P.c Teuerung im Libanon und Beirut wächst täglich. Manche Pessimisten sprechen sei:,>11 von Hungersnot. Per G! uveruciir hat dringend nach Konstjmiuope! telegraphier; 1111J ei!fc Iradc erlangt, laut dessen xoriätiiig alle i.cbens.mttel zollfrei ciugeiiihrt werden dürfen. Indessen halten gewisse Kaufieutc absichtlich mit ihren Vorräten zurück und bewirken derart ein weiteres Steigen der Preise . . . Per Handel Hailas entwickelt sich immer mehr. Pie Iledschäsbaha führt der Stadt immer neue kommerzielle Yerbiiultmgeii zu. Per Bau eines für die grossen Dampfschiiie aus! eichenden Haieiis ist nur noch eine Präge der Zeit. Die Juden in der Türkei Unter der gegenwärtig hier herrschenden Teueruug leiden die hiesigen Juden, die zum grossen Teil sehr arm sind, ausseiordentlich. Man kann sich einen Begriff von der Bedeutung der Teuerung machen, wenn mau erfährt, dass z. B. Lebensmittel und Brennmaterial um volle 3u Prozent im Preise gestiegen sind. Pie Einkünfte des Konsistoriums, die vorwiegend aus der Lleischsteiier bestehen, verringern sieh immer mehr, weshalb das Konsistorium sich bereits gezwungen sah. seine Subventionen an verschiedene Schulen cinzustellen. Im hiesigen Konsistorium herrschen gegenwärtig ebenfalls missliche Verhältnisse, weil der \crw altungsrat iüiolge Uneinigkeit in der Wahl des Cliachamhasehy in Jerusalem seine Pemission gegeben hat und bis jetzt noch kein neuer Verwaltnngsrai eingesetzt wurde. Per Cliachaubasehv Moise llalevy ist empört über eine falsche Nachricht, die JLWISH CHRPNICLE kürzlich verbreitet hatte, und dementiert diese jetzt durch den Rabbiner Pf. Markus. Pas englisclojiidische Organ batte vor einiger Zeit geschrieben, der Sultan habe den Chacltamhascliv ersucht, sich mit den jüdischen Organisationen in Europa hehufs Kolonisierung Palästinas in Verbindung zu setzen; dies sollte der Cfincliamhuscliv abgclelmt haben. Wahr ist mm an der ganzen Sache nur. dass die türkische Regierung mit einem hochgestellten jüdischen Beamten wegen der genannten Augelegeulieit in Verbindung trat. Auch die Anwesenheit des Präsidentcii des zionistischen Aktionskomitees. Herrn David W ul 1־ iso h 11. in Koiistautinopei dürfte 11. a. mit dieser Sache im Zusammenhang stehen. Syrien und Mesopotamien Pas Amtsblatt der türkischen Regierung veröffentlicht ein Irade des Sultans, durch welches die Entsendung einer Studien• kommissum nach Syrien und Mesopotamien ungeordnet wird. Zum f ühre! und ׳Präsidenten der Kommission wurde Nazim Pascha ernannt, pic Aufgabe der Kommission ist nach dem hrlassc des Sultans das Studium der ökonomischen Verhältnisse Syriens und die Feststellung der Massnahmen, durch welche den genannten üebieten die alte LTuehtbarkcit. das alte, einst so berühmt gewesene wirtschaftliche Leben wiedergegeben werden könnte. Pic Studienkommissiou hat ihre Reise bereits augetreteu. ■— Pie türkische Presse hat von diesem Entschlüsse des Sultans mit grosser Oeniigtunng Notiz genommen und stimmt in dem Urteil überein, dass, wenn auch zur Durchführung dieses Projektes grosse Opfer erforderlich sein werden, die Erfolge aber zweifellos so glänzend werden dürften, dass selbst die grössten Opfer im Verlaufe weniger Jahre wieder eingebracht sein werden. Ito-Land Pic von Israel Zungwill •,•••׳rüudete Jewisli Territorial Organisation (ITC)) hat bekanntlich eine geographische Konim.ssion eingesetzt zur Durch,:orsci!1mg des (ilolms nach Lfmdem. die eine autonome jüdische Kolonisation ermöglichen konnten. Zuerst Itiess es. Texas sei dazu aiisersehen worden, und tatsächlich hat die IIP Auswanderer nach Cialvcstoii geschickt. Nun aber ha! Zangw dl in einem grossen Meeting, das am S. Pezcniher in Manchester stattfand, erklärt, die (ivogral'iiisehe Kommission habe ein Territorium in Nordairika in Aussicht genommen. Er erklü't. er sei durch ein früheres Projekt, die luden in Maiokko au/usiedelu. aui Nordairika gekommen. 1111J ei habe jetzt die ieste I 'cbcr/eugimg. dass ..eines der besten Gebiete. wem! nicht das beste.!111 jüdische K!־׳ Ionisation in Nordairika' liege. Vor allen Piugen spreche iür das nordafi ikamsebe Territorium auch der Umstand, dass d >1; am;eichtesten die völlige Autonomie zu erlangen sein werde. Pie IT() will zunächst eine w issciiscliaitliche Expedition in das Gebiet entsenden und wem: deren Bericht günstig ausiüi'c w zu •glauben Mr. Z;m:gw ü! allen Ontnd zu haben meint, dann sollen die entsprechenden iinaiiziellen und politischen Unterhanditmgen beginnen. Sollte aber selbst dieses Gebiet sich als ungünstig erweisen, so habe man noch ein halbes Putzend andere .territoriale Möglichkeiten". - Man wird eine genaue e Angabe der (ireiizeu des in Aussicht genommenen Gebietes abwarten!missen, um sich ein vorläufiges Urteil über dieses Projekt bilden zu können. EE1 Sprechsaal L Ftr dl« Mitteilungen tn dieser Stelle Obernimmt die Redaktion nur die pressgesetxllche Verantwortlichkeit. a Warnung! Nach den sehr unangenehmen Erfahrungen, die wir auf unserer, unter Leitung des Herrn A. Grajewsky. Direktors der in Jerusalem domizilierenden Tabor-Rcisegcsellscliaft. ausgeführten Orientreise gemacht haben, erbieten wir uns. einem jeden, der sich der Eührung des genannten Herrn anvertrauen will, über dessen programmwidriges Verhalten Auskunft zu erteilen, da w ir uns iür verpflichtet halten, andere vor ähnlichen Unannehmlichkeiten zu schützen. Isaak Co 11 u und brau Flora, geh. \V e y I. Berlin NW., Schifibauerdamui 29. Antisemitismus und Geschäft. Geehrter Herr Redakteur! In Ihrer geschätzten Zeitschrift vom 1. d. M. teilen Sic u. a. mit. dass im antisemitischen W iener Rathau>keller auch jüdische Hochzeiten stattgefunden haben solle!! und knüpfen daran die Bemerkung, dass die Wiener .1 u d v 11 jedenfalls minderwertiger sind als die Berliner Juden, die ja uutci einer anständigeren Uiiigelniu-g leben. Meiner Ansicht nach lässt sich in diesem Lalle nicht generalisieren. So w iirdeu z. B. uiientliche Versammlungen 'ü la Piiekler in Wien einfach unmöglich sein. Nicht bloss deshalb, x\ eil die Behörde in dieser Beziehung strenger voigeht sondern auch darum, weil die numerisch immerhin ins Gewicht fallenden Wiener Juden sich dies nicht gefallen lassen würden. Pie Wiener Antisemiten ziehen es daher vor. den Besuch ihre! Versammlungen nur gegen Eintrittskarten zu gestatten. Was aber die Unterstützung der Antisemiten betrifft, so leisten auch deutsche und Berliner Jndcli darin ihr Möglichstes. Es ist bekannt. dass jüdische Wühler vor noch nicht allzu langer Zeit Antisemiten ihre Stimme gegeben l״•<] ..־::־1.?׳.:: lässt siel! dies nicht mit Sicherheit nachweisen. Was soll mau aber dazu sagen, wenn freisinnige Juden die antisemitische Presse mit I n $ e -