Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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N». I ... JÜDlSClir:.RUNDSCHAU. . ־ Stile 7 raten f n 11 c r 11. So z. B. Jamlori i*1 der S’tAAlS- BORGERZEITUNG. I'. V. Griimeld. Tiet/. und viele andere in der DEUTSCHEN TAGESZEITUNG usw. Die Antisemiten, die zwar die Warenhäuser bekämpfen, nehmen gerne die Annoncen der ..jüdischen Warenhäuser“, da sie ja in dieser Hinsicht dem Grundsatz huldigen: ,.Non ölet!'־ Seitens der beteiligten jüdischen Eirmcninhaber wäre jedoch eine Erklärung erwünscht, <»b cs sich nur um ein Versehen oder eine absichtliche Unterstützung der judcnieindlichen Dresse handelt. . B. 0. Jüdische Weihnachten Diese Rubrik, die in den jüdischen Zeitungen mit trauriger Regelmässigkeit wiederkchrt., hat diesmal eine besonders humoristische Notiz z.u verzeichnen. Im PRAGER TAOBl.ATT findet sich folgende kurze und schöne Ankündigung: (Israelitisches Waisenhaus.) Das Christhaumfest findet am Sonntag, dem 22. d. M.. um .ר Uhr nachmittag; statt. Ob die armen Waisen wohl wissen, warum ihr Heim gerade den ausgefallenen Namen ,.Israelitisches Waisenhaus" führt? Ein Rekord ... des.Geschmacks. Das BERLINER■' TAGEBLATT ■um res lucus' a mm luccndo Glaubensgenossen. Rudolf Masse hat seinen Lesern eine kleine Freude bereiten־ wollen: es wollte ihnen eine ״Weihr.achtsgahe‘• überreichen D.1 aber.seine Leser bekanntlieh fast ausschliesslich .luden sind, musste 'cs. schon eine Dedikation sein, die ihnen wirklich Freude macht. Man' fand sie in einen; Tonstuck. Es heisst ..Weihnachtsabend'‘. Worte von Ludwig Fulda. Musik von Bogmnii Zepler. Und nun sag‘ einer noch,, dass das ״B. T." nicht verstehe, die religiösen Gefühle seiner Leser zu schonen. Kann cs mehr ״•.liidischkeif‘ gehen? Schade nur. dass nicht noch angegeben ist; wo die Aufnahme des die Titelseite schmückenden •Bildes ..Die Generalprohe des Weihnachtshedes•‘ gemacht wurde. Es ist sonst nämlich schwer zu erraten, oh diese scliwarzgclockteu Kinder Cohn oder Lcwv oder gar Lövysolm heissen. 01. Marburg. Die antisemitische Reformpartei hat sielt.neueruiugs unter der Bezeichnung ״Reichsbutid der Reiornipartci“ eine neue Organisation geschaffen. Ihr Hauptkampi gilt liier, namentlich in den Wahlkreisen Marburg. Hofgeismar-Rinteln und Waldeck den antiseniiaisJvn Brüdern von der deutschsozialen Partei. Sie sitzen dort traulich beisammen mul haben einander so lieb — ־״״־ - Kleine Mitteilungen Berlin. Am 26. Dezember löf!7 fand in den J^äunten der! Ausstellung jüdischer Kiinstier, Galerie für alte und neue Kunst, j Wilhelmstrasse •15. eine Sehlussfeler in Form eines musika- | lisch-rezita torischen Abends, verbunden mit Promenade:•.- konzert und geselliger Unterhaltung stau. Es wirkten 11. a. mit: Georg Her n. a 11 n (Verfasser von ...I et teilen Gebert"’»: Conference über jüdische Kunst und die Ausstellung jüdischer Künstler: ferner Dr. Bognmil Z e p 1 e r. Sofie II e v m a 1111 - Engel. Leon Gollau in. Vera Goldberg. Rieh. Gross mann und Fritz Richard. Diese Feier war ein würdiger Abschluss der ganzen grossartigen Veranstaltung der Ausstellung und trotz der durch so fibergrossen Besuch erfolgten Fülle hat die Schlussteier einen glänzenden Verlauf genommen. A. A. de Pinfo. Die WELT gibt die Nachricht von den! Ableben des Herrn A. A. de Pinlo im Haag bekannt. Der greise Herr, der noch vor kurzem so rüstig war. musste sich einer Operation unterziehen. Der Verblichene war einer der berühmtesten Juden der Gegenwart. Eine grosse Autorität auf juristischem Gebiete, errang de Piuto eine Stellung im Staatsdienst, die ihn zu dem Ersten im Lande machte. Er bekleidete das Amt eines Vizepräsidenten des Staatsgerichtshofes. Doch mehr als die Wissenschaft und sein Vaterland hat das Judentum durch seinen Tod verloren. Er war von jüdischem Bewusstsein durchdrungen, stolz auf seine Abstammung, iiit seine Tradition ' fjegeistert. Wie ein Jude, der das Land liebt, in dem er lebt und die höchste Stellung unter seinen Brüdern im Lande einnimmt, zugleich jüdisch, sogar grosse Sympathie fiir den Zionismus empfinden kann, hat der Verewigte auf dem letzten Kongress zum Ausdruck gebracht. Es war der Scliwaneiisang eines echten jüdischen Aristokraten. Berlin. Der Verein ehemaliger Schüler der K u a b e n schule der j ü d. G e m e i 11 d c /. 11 B e r I i» (E. V.) lädt zu der am Sonnabend. 4. Januar löii.s. abends 9 Uhr. in der Philharmonie. Bernburgerstr. 22/2.1. stattfiiulenden Feier seines 8. Stiftungsfestes ein. Berlin. Die j n d i s c h e A r b e i t e r k o I o n i c in Wcissensee erfreut sich fortdauernd segensreicher Tätigkeit. Seit ihrer Begründung hat sie au 25m» unglücklichen Manderbcttlcrn ihre gute Wirkung erprobt; sie hat ihnen Obdach. Verpflegung und Verdienst gebracht um! vor allem durch die Gewöhnung an Arbeit Gelegenheit zur Begründung einer heschcidencn Existenz versetiafit. Zur Zeit, wo der rauhe W inter vor der Tür steht, ist der Andrang der Aiiinahmesiicheiiden hesonders gross; die Kolonie beherbergt jetzt Ö>• dieser Unglückliehen. Die äussere Verfassung, in der sieh unsere Schütz- Singe einstelleii. ist beklagenswert; ihre Kleidung ist ahgerisse«, besonders iehlt es an S c 111111 7. c 11 g und Be ink leidem. Menschenfreunde werden sich ein humanitäres Verdienst durch Zuwendung von g e b r a 11 c 111 e 11 K I e i - ü u 11 g s s t ii e k e 11 und Wäsche erwerben. Es w ird herzlich gebeten, durch eine an die ..Jüdische Arheiterkohmic in Wcissensee bei Berlin. Wörthstr. 20־ zu entsendende Postkarte die Abholung zu veranlassen. Berlin. In einem Artikel vom lö. Id. spricht der VOR- WÄRTS von;.Vertretern des I) e s c 11 n i 11 e 11 0 11, Börsen kapitales". Ujest. Da infolge Abzuges iiidisdnr Einwohner in den letzten Jahren hier keine Jude״ mehr sind, hat der Regierungspräsident zu Oppeln die Sviiagogcngemeinde Liest aufgelost. Die zum bisherigen (iemeiiidehczirk gehörenden Ortschaften sind den benachbarten Svnag-.geügeuteitKk־!! G r ״ s s - S 11 c 11111 z und G 1 e i w i t z überwiesen worden. Die hinter!us\c1ie!1 \ ermugeüs d :ckte gehen in den Besitz der SvoagogeugemciiiJc Grnss-Strd!1!/ über. Aus der Provinz Posen. Seit April I‘m7 ist die UmvvanJlung der bisher städtischen Realschule in Schönlanke in eine staatliche Anstalt erfolgt. Der neue Leiter der Schule wusste nicht, ah Kopfbedeckung beim jüdischen Religi׳*nstmterric!1t gesetzlich zulässig .sei. erkündigte sich deshalb heim Referenten am Provinzialscimlkollcgium zu Posen und teilte es. als cs dieser für unzulässig liiglt, dem Rekgionslclirer der Anstalt. Herrn Rabbiner Dr. Bamherger. mit. gab ihm aber in liberalster Meise frei, sich an das Provinzia!schniko!!egi11m mit einer Eingabe zu wenden. Bis zu deren Verbesciieidung wolle• er die Kopfbedeckimg beim jüdischen Religionsunterrichte zuiassen. Dr. Bamherger wurde hierauf miindlicli imd schriftlich im Juni t(j >7 heim Prov inzialschulkollegiiun zu Posen vorstellig und dieser Tage erfolgte von der Behörde der Bescheid, dass es Lehrern und Schülern gestattet sei. beim Religionsunterrichte das Haupt zu bedecken. Gostyn. Die jüdische Bevölkerung int Naclibarstüdtciien Sandberg nimmt stets ab; die• l!<>rt noch lebenden jüdischen Bürger schlossen sich an die Korporation in Uosmi an. Da mm die S y 11 a g «> g e i 11 S a 11 J b e r g iiberiliissig geworden ist. soll diese im Mege des Meistgebots verkauft werden. Pieschen. Kürzlich sind nachts auf dem hiesigen jüdischen Friedhöfe vierzehn Denkmäler umgerissen mul teilweise heschädigt worden. Jetzt hat man den Täter in der Person des!*)jährigen Kasimir M'ojeieszak ans den: benachbarten.Nendorf!estgestellt. W. räumte die Tat ein. will aber bei ihrer Begehinig sinnlos betrunken gewesen sein. In Pornhcim (Hessen) hat ein christlicher Geistlicher daran Anstoss genommen, dass der jüdische Prediger bei einer Beerdigung einen Talar trug. Der Taiar sei die Amtstracln der christlichen Geistlichen. Man könne es allenfalls dulden, dass Rabbiner innerhalb der Svnagogc den Talar trügen, aller nicht hei öffentliche!! Gelegenheiten. Der Prediger vv unle mit einer Geldstrafe belegt, hat indessen. richterliche Ent- Scheidung?.:;gerufen. Lauterbach. Ein stattliches Geiern ic zur Zierde unseres Städtchens ist in dem Neubau der Sviiagoge entstanden. •Sie w ird voraussichtlich im Mai komnieiuleti Jahres ihrer Bestimimmg übet gebe« werde«. Die Kesten weiden sich au! nahe/.« 6(1000 Mark belaufen, die teils ans dem Ei los der alten Synagoge, teils durch Kapital.mmalime und freiwillige Guben gedeckt werden. 111 Paris hat sich eine ״Union liberale isruelite" gebildet, e ne jüdische Reloritigenieiude. die wieder einmal die mosaische Religion ״dem modernen (»eist und den europäischen Bcgiiiieii"?11 passen will. Mittel; Abschaffung des Jomkippur. Sonntagsgottesdienst. Verdrängung der hebräischen Sprache usw. Man vveiss. wohin dieser Mcg führt. Ziemlich direkt zum Taufbecken; wozu also erst der kleine Umweg?