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Jüdische Rundschau · 1908-01-03 · Heft 1 (3.1.1908) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 1 (3.1.1908)
Date
1908-01-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. J Partei in m-h verbindet und nicht trennt. Mann kann Ranz gut jede Meinung im Zionismus zum Ausdruck bringen, die gegen das Baseler Programm nicht ver־ stösst, wenn man nur zugleich!imstarde ist, auch die entgegengesetzte Meinung ebenfalls zu dulden. In diesem Sinne wünschen wir, dass die etwaige Gründung neuer Föderationen neue Arbeitsmöglichkeiten, aber keine Fraktionierung schafft. Schliesslich wird man auch die F.inberufung der anstelle des Kongresses im kotigress־ losen Jahre tagenden Jahreskonferenz vorbereiten. Wir nehmen an, dass auch diese in Berlin tagen wird und sehen darin die feste Lösung der Frage, die sich daraus ergibt, dass unsere Parteileitung nun einmal nicht in einer Raiclishauptstadt wohnt. Sie beweist damit, dass sie »!1 einen etwas weiter gelegenen Vorort ansässig kcinerici örtliche Schwierigkeiten gefunden hat. Wir. begriisstn in den Mauern unserer Stadt aufs herzlichste unser Präsidium und das Engere Akttons־ kontilee ebenso wie die Mitglieder des Grossen Aktious- Komitees, die sich aus allen Ländern zur Tagung hier zusammenfinden. Sie alle sind aus der demokratischen Wahl hervorgegangen und vertreten in! jüdischen Volke das demokratische Moment. Und darauf beruht ihre ILdeutung im zionistischen Lehen, die wir nicht verkennen können. Wir Berliner Zionismen liom.ii ganz besonders in unserer aller Mitte Präsidium wie Engeres mul Grosses Aktionskomitee begriissen zti können und werden die Ehre, die uns dadurch zuteil wird, am besten dadurch zu würdigen wissen, dass wir m! Sinne unserer Partei־ leitung fleissig und eifrig auf die Ziele hinarbeitet!, die uns der erste Kongress vorgl:zciclu!eC. hat mit den Mitteln und auf den Wegen, die unsere demokratischen Parteibehörden uns weisen werden. Hei!! rieh Sach se. Anlässlich der Sitzungen des grossen A.־K. findet an! Dienstag, dem 7. Januar 190$, abends 9 Uhr. im grossen Saale der Stiphlensäle, Sophienstr. 15—18 (nahe Bahnhof Börse), eine Versammlung statt. In derselben werden u. a. die Herren Präsident Wolifsohn, Profcssor Warhurg, Dr. Tschlenow , Dr. Alexander Al a r m 0 r e k - Paris Ansprachen halten. Es wird um zahlreiches Erscheinen gebeten. Gäste sind willkommen. Jüdische Jugenderziehung ״Indiiierenz. uiü fast sogar Alumigung all••!! jüdischen hingen gegenüher, das ist der grosse beider unserer heutigen Jugend,״ so hört man wohl vielfach von der alteren Generation, sneit ihr das Wohl und Wehe des Judentums noch am Kerzen liegt. Uetier die Ursache denken sie wo!1; auch nach,;•her nur den Allerwenigsten glückt es. die Wurzel «les tiefgehenden Ueheks zu entdecken, und wenn es ihnen wirklich gelungen ist so sind sie doch nicht in der Lage, sie kurzerhand ansreissen zu können. Recht viele begnügen sieh aber du.eit, wehleidig zu konstatieren, dass das Uebel überhaupt da ist. glauben damit ihre Pflicht gegen das Judentum erfiillt z.n haben und sind nachher, wenn wirklich einmal dem Uebel energisch z.n Leihe gerückt we'den soll, aus Mangel an Energie und hinreichendem Interesse für die Sache nicht zu gelu.tuchen. Man braucht das Uebel gar nicht feierlich zu konstatieren, da jeder von uns es schon mehr als einmal erlebt hat, dass der moderne jüdische hinge Alaun und das moderne jüdische junge Mädchen ver- .־iehtlich die Nase 'rümpfen •oder mitleidig über uns lächeln, vertu sie uns nicht gelangweilt den Rücken zudrehen, ülis wir uns unterstehen, sie mit spezifisch jüdischen Dingen zu belasti gen. ״Es gibt ja doch auch tausend w ichtigere und vor allein modernere Themata als die doch wahrhaftig nicht mehr zeitgemässen Diskussionen über diese und jene jüdische Augelegenheit. Das hiessc ja sich selbst geistig in ,den eng begrenzten Idcenkreis des Ghettos zuriickdrängen! Der Himmel bewahre 1ms davor!" Sprechen sie nicht so. die jungen Herren, die für alle möglichen und unmöglichen kosmopolitischen Schwärmercvn so leicht zu haben sind und bloss da nicht reagieren, wo es sich um;hr eigenes Volk handelt? Wenn man die Ursachen dieser traurigen Zustände erforschen will. s«> muss man sich zunächst fragen, was denn die junge Generation zu ihrem grössten Teile unter ihrem .Iudei1tu.11, das sie so gcriugschätzt. versteht, und da wird sich herausstelleii, dass die allermeisten den Begrir ...I 11 d e n 111 in“ nicht vom engbegrenzt e 11 B e g r i f i trennen. Das Judentum ist ihnen nichts, rein nichts weiter a's eine Konfession und ausser dem. dass ihr Name noch auf der Konfessiuiisliste stellt, hält sie ihrer Meinung nach - manchmal kommen allerdings noch Familienrücksichten hinzu nichts mit Juden und Judentum zusammen. Und das ist sU־r wichtig! Stellen wir uns einmal einen jüdischen Referendar vor. an u’e'1 \<!r dem Assessor- Examen die Verlockung hef.mtritt. nach e. folgtet raute in den sonst iiir ihn aussichtslose;; Staatsdienst hinübergenoinmen zu werden, wo ihm, wenn er ’ uähigt ist, chic glänzende Karriere ׳.neu steht. Da wird sich in sehr vielen Fällen der Reierendar d.e Nachc in ähnlicher Weise überlegen: ״Icii hin Jude, d. h. ich hin Angehöriger der mosaischen Konfession (Allzuviel wird er in!.einer Kindheit . ticli nicht von ihr gehört haben.I Ich stehe aber religiös als aufgeklärter Mensch im Zeitalter Häckers nicht mehr aut dem Boden dieser Konfession. Wozu soll ich sie also dem Scheine nach noch äusserlich heibehalten, da sie mir in niemer juristischen Laufbahn wie eine schwere Kette nachschient und mich nicht Karriere machen lässt?־׳ Das En Je dieser Ucberleguug ist ja wohl allzu bekannt, als dass ich es hier beschreiben müsste, und ebenso bekannt ist. dass cs nicht nur in der juristischen Laufbahn an der Tagesordnung ist. Hand aufs Herz, ihr liberalen Herren, die ihr jede Regung bewusst«.׳;:, nationalen Judentums verfchmt. würde ein junger Mann mit bewusst jüdischem Empfinden, mit Stolz auf seine Rasse, mit na:öniaic.n Rückgrat ebenso handeln? Ich glaube, er würde sage״: Ich bin Jude. d. h. ich Irin «ler Sohn eines Vo'kcs, dem ich mit L»ebe und Stolz, zugleich augehöre. Ich hoffe und glaube an seine Zukunft und sollte jetzt, zu einer Zeit, wo teiges L'ebcrläiifertuni und Gc.simuingslosig־ keif in unsrer eigenen Mitte Hass .u.d Verleumdung von aussen mit einander wetteifern, um uns zu schwächen, meine Religion und meine Rasseiungehörigkeit wie ein Hemd ab- ' werfen und ins feindliche Lager *linübereileu? Pfui! Ich könnte meinem Spiegelbild nicht wieder in die Xugen blicken, ohne vor ihm auszuspeieu! Nimmermehr gebe .ch .nein Judentum. mit dem mein Inneres so eng verw achsen ist. auf, weder jetzt, um eines schnöden materiellen Vorteils willen, noch sonst! Warum sprechen sie nicht auch so. jene jungen Leute, denen ihr Judentum so überaus gleichgültig ist, und die sich nicht schämen, dieses Bekenntnis 11 die Tat umzusetzen? Und jetzt hin ich da wo ich limwnlltc, und weshalb ich die Frage : nfstellte: W o I i e g e 11 di e W 11 r z e 111 d s U e i> e I s?• L 11 s 0 r 0 j i i d i s e h •1. •״ u g c 1! d e r z. i e 1111 11 g ist falsch, und «be Früchte sehen wir in ludif.erenz und Taute. Zwei Faktoren sind es in unserer Jugenderziehung, die zusammenwirken, um den Judentum einen grossen Teil seiner Kinder zu entfremden: Die l n w i s s e n heit i ,n E 11 c r 1111 a 11 s e und der falsch erteilte R e I i g i nu s u 111 e r r i e 11 t. Dass die Unwissenheit in jüdischen Dingen in sehr vielen jüdischen Elternhäusern gang und gäbe ist und oit sogar mit Stolz als ״modern־• uuvcrlmllt gezeigt wird, ist ja bekannt, ebenso wie die Nichtachtung und das Kmwegsetzen über alle

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