Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 51-52 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 51/52 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 54? Interessant ist überdies, dass eine Menge von Ausstellern aus aller Welt ein und dasselbe Motiv behandeln, jeder nach seiner Art und Eigenart. ... Die Skulp:t1rc11ab:eilung ist zwar nicht reich, aber ganz hervorragend beschickt. . . . Von den ausstcllcndcn Berliner Plastikern sind Alfred N 0 s s ו g und Sanüor J a r a ל• zu nennen . . .** VOSSISCHE ZEITUNG. Berlin: ,Mit Ausnahme von Max Liebertnann haben sich die uns ais Israeliten bekannter Bcrlincr und ausländischen Künstler eitrig an der Ausstellung heteiligt und ihre Beiträge lassen erkennen — was wir freilich nicht erst durch diese erfahren —. dass es heute bedeutende Talente und ausgezeichnete Künstler auch unter den jüdischen so gut wie unter den christlichen gibt. Der grösste unter den ersteren ist unbestritten der alte Josef Israels in Holland. Er ist hier durch acht Oelgcnüilde, die zu seinen köstlichsten Werken von so grosser malerischer wie ergreifender seelischer Wirkung zählen, und durch sechs Radierungen vertreten. Nächst diesen! Grossen tritt besonders Gosche II mit einer glänzenden malerischen Schöpfung aus der Menge heraus. . . . Zweck der glänzendsten Leistungen sind die beiden grossen Gemälde von Solomon J. Solomon. London. Als ausgezeichnete Künstler von tiefer warmer Empiindinig und grosser malerischer Tüchtigkeit weisen sich Lconid Paste r nak in Moskau und P i I i c 11 o w s k i in Paris. Auch an bedeute!־.den Werken plastischer Kunst von jiidisehen Meistern ist ke i Mangel in diesen baden: Der grösste russische Bild auer. der verstorbene Antokolski. war ein Jude. Von ihm sind vier herrliche Köpfe ausgestellt. balonion koch t! :nowski (Paris) sandte ein ergreifendes Bildwerk ein: die Gruppe: ״Nach dem Pogrom", ein bür* tiger jüdischer Vater über sein trschlager.es Kind gebeugt. N ossig (Berlin) gab eine Sammlung vorzüglich gearbeiteter bronzener Porträtuiedaillen her. Jaray. der bekannte Berlincr Bildhauer, ein!::1ga risch er Jude, die überlebensgrosse, leicht'getonte Statue einer stolzen, im Bewusstsein ihrer untadcligen nackten Schönheit, das lachende Haupt mit dem üppigen Haar zurilckwerfend, a ingerichtet dastehende Phryne. Eine dritte Abteilung bildet die im hohen Mittclrauni gruppiertc reiche Sammlung jüdischer Altertümer. Ucber Wesen und Bestimmung mancher von ihnen bin ich mir erst hier klar geworden. — Wenn es jüdische Kunst- Itandwerker waren, welche diese und andere hier ausgestellte derartige Erzeugnisse ausgeführt haben, so beweisen letztere, dass in jenen vergangenen Zeiten das Kunstgewerbe auch bei den Juden auf respektabler Höhe gestanden hat. Zur Pflege des jüdischen Kunstgewerbes auch in unseren Tagen ist die technische Schale ״Beza lei" in Jerusalem errichtet worden. In diesem Institut hergestellte Teppiche und die in einer Mappe enthaltenen Entwürfe für kunstgewerbliche Arbeiten geben den Gründern dieser Lehranstalt die erfreuliche Gewissheit, dass ihre Bemühungen nicht erfolglos geblieben sind. Prof. Ludwig Pietsch. BERLINER BÜRSEN-COURIER: ״Es ist ein Widerspruch: jüdische Rasse und bildende Kunst. Der Jude ist musikalisch und lyrisch, aber er hat (als Rasse) nicht Jas scharie Auge. Alle jüdische Kunst war unselbständig und die Beschreibung des Tempels in der Bibel zeigt wohl Sinn für Pracht, aber eine vollkommene Unfähigkeit zu klarer plastischer Anschauung. Ein anderer Punkt ist dieser: der Jude ist assimilationsfähig, und der Einzelne kann durch Klugheit. Gewohnheit und Geschick das ersetzen, was ihm die Rasse versagt: so gibt und gab es einzelne jüdische Künstler, die fast bis zur Verleugnung ihrer Rassecrbscliait sielt als bedeutende und sogar als führende Maler entwickelten. Man sicht: Eine Ausstellung jüdischer Künstler ist fast eine Art Zufallsachc: sie beweist höchstens, wie sehr manche Juden verstanden haben, ihre Rasse zu überwinden; so ist sie zugleich ״philoseniitisch" und ,.antisemitisch" — der Ruhm dieses Jüdischen ist Jas Nielitjüdisehe. Doch gerade durch diese Widersprüche ist das Problem interessant. Es gibt jüdisch Stoffliches, das eine Rolle spielt; cs gibt Umsetzungen jüdischer Lyrik in Malerei, cs gibt Reflexc des kosmopolitischen Juden gegen die Schulen der Zeit, die sehr merkwürdig sind. Zum Beispiel: der Pall Ury. Man versteht ihn nur. wenn man ihn in dieser Umgebung sieht. Seine alttestamentarischen Bilder, seine Landschaften, seine Portraits, seine Stilleben haben die Merkmale des Judentums. Und noch mehr; er ist immer mehr Jude gewesen. Wenn ihr ihn so versteht, werdet ihr ihm seine besondere Stelle geben und sein Charakterbild erst anfangen zu erkennen. Um noch ein Wort von der Plastik zu sagen; Plastik und Judentum sind von Haus aus fast unverträglich. Aber wieder öbcrbrfickt Geschick und Gewohnheit die Natur. P r o f. O. B i e.“ SCHLESISCHE ZEITUNG, Breslau: ״Die Veranstalter sind durch den Wunsch bewogen werden, Berlin zu zeigen, welche Maler- und Bildhauertalentc in unserer Zeit dem jüdisehen Stamme entsprossen sind und wie Hervorragendes von ihnen geleistet wurde. Der Stolz darauf ist zweifellos sehr begreiflich und wohlberechtigt. Aber cs liegt darin doch ein Bekenntnis, dass die. welche so sprechen und denken, sich keineswegs nur als ,.Deutsche jüdischer Konfession“ fühlen, sondern als Genossen einer über die ganze Erde verbreiteten jüdischen Nation. So haben denn auch zu dieser Ausstellung hervorragende jüdische Künstler aus allen Ländern Europas Werke von ihrer Hand eingesendet; zu viele sind cs, um sie hier alle zu nennen. Auch meisterliche Arbeiten von berühmten Verstorbenen, wie Pissaro in Paris und dem grossen russischen Bildhauer Antokolski. sind eingegangen. Aus dem Haag, aus Paris, London. Rom, St. Petersburg. Moskau. Warschau. Krakau. Kopenhagen. Wien, sogar aus Jerusalem ist die Aus- Stellung mit Gemälden und plastischen Werken beschickt worden . . .** NORDDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG. Berlin: ״Diese Ausstellung, welche entschieden zu Jen besonders bemerkenswerten im Berliner Kunstleben des Jahres 1907 zählt, öffnete kürzlich in der Galerie für alte und neue Kunst. Wilhelm- Strasse J5. ihre Pforten. Die Räumlichkeiten müssen als recht günstig, nach Lage und Beleuchtung bezeichnet werden, der Rahmen der Darbietnng ist gescltn1ackvr.il und die Jury: O. H. Engel. Erenzel und Manzei --- drei einwandsfreie Berliner Künstler — hat sich gewiss gesagt, dass ihr Richteramt bei so viel gehaltvollem!Material nicht all zu schwer gewesen sei. Das Vorwort des illustrierten Katalogs ergeht sich etwas weitschweifig und fast entschuldigend über die Berechtigung dieser Sondcrausstellung. Vor zwanz.ig Jahren wäre vielleicht davon zu reden gewesen, jetzt, in unserer aussteüungswütigen Zeit bedarf es keiner Worte, weshalb und warum diese Darbietung ihre Berechtigung hat. Die Ausstellung gibt einen überaus interessanten Einblick in das reiche Schaiien israelitischer Künstler. Unter den Skulpturen findet sich neben manchem Bekamtten viel des Ucberraschcndcn und. was mehr sagen will. Ausgezeichneten. Alles in allem eine Ausstellung, die dem Besucher viel des Neuen und Interessanten bietet und deren künstlerische Höhe angenehm berührt. H. V 011 וזו a r.“ Die KÖLNISCHE ZEITUNG schreibt in ihrer Nummer vom 29. November 1907; Jüdische Kunst. Die in der Galerie für alte und neue Kunst zu Berlin stattfindende Ausstellung jüdischer Künstler gibt dem BERLINER BÜRSEN-COURIER Anlass zu folgenden kritischen Betrachtungen: ״Es ist ein Widerspruch: jüdische Rasse und bildende Kunst. Der Jude ist musikalisch und lyrisch, aber er hat (als Rasse) nicht das scharfe Auge. Alle jüdische Kunst war unselbständig, und die Beschreibung des Tempels in der Bibel zeigt wohl Sinn für Pracht, aber eine vollkommene Unfähigkeit zu klarer plastischer Anschauung. Ein anderer Punkt ist dieser: der Jude ist assinülationsiähig, und der einzelne kann durch Klugheit, Gewohnheit und Geschick das ersetzen, was ihm die Rasse versagt. Eine Ausstellung jüdischer Künstler ist fast eine Art Zafallssache: sie beweist höchstens, wie sehr manche Juden verstanden haben, ihre Rasse zu überwinden; so ist sie zugleich ״philosemitisch“ und ״antisemitisch" — der Ruhm dieses Jüdischen ist das Nielitjüdisehe . . . Hört den Juden, wie er am Klavier phantasiert, da kennt ihr ihn. Aber der Jude, der Kai.lbachscbe Wallfahrtsbilder empfindet oder zum hundertsten Male die Jomkippurbeter schildert oder wie Hirszcnbcrg, jüdische Auswanderer im Schnee, und den jungen Spinoza, das ist ein Jude, der Jüdisches malt oder die Schule gut absolviert hat oder das Judentum sensationell werden lässt, ein kleiner Spekulant und nicht der empfehleuswerteste seiner Rasse . . . Das Fazit: die Ausstellung hat das Ergebnis, dass in die• Beurteilung der Künstler etwas Scharfes, bisweilen sogar Gefährliches hineinkommt, wenn man sie von der jüdischen Seiten aus betrachtet. Ihre Stofflichkeit, ihre Mitläufern, ihre Geschicklichkeit, ihr Kosmopolitismus erscheint in einem grelleren Lichte, als für die Kunstgeschichte von Belang ist. Eine Ausstellung belgischer Plastiker hätte positivere Ergebnisse, diejenige jüdischer Künstler hat negative Ergebnisse. Mit der einzigen Ausnahme von Ury. Immerhin: es ist ein Ergebnis, wert, dass man sich darüber einmal kiar wird.“ n.