Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 51-52 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite. 546 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 51/52 •allmählich ln ihren segensreichen Erfolgen erkannt und anerfcannt Hier wie dort aber blieb die Schule und ihr Werk etwas Unvollkommenes, ihre Mängel und Fehler waren zu •dentlich und offensichtlich, als dass sic irgendwo uneingeschränkt Lob und Anerkennung finden, als dass sie ihren Zweck voll und ganz erfüllen konnte. Es haftete ihr etwas an, was sie fremd bleiben licss auf diesem Boden, was ihre Wirksamkeit beeinträchtigte, was zuweilen den mit ihr beabsichtigten Segen ins Gegenteil verkehrte. Und das war, dass diese Schulen in Palästina nicht bodenständig waren, dass sie den speziellen Bedürfnissen dieses Himmelsstriches, dieser Menschcnart, diesen Lebensbedingungen nicht angepasst waren und werden konnten. Es waren Schulen, die in anderen Län- «fern unter anderen Verhältnissen mustergültig gewesen waren, die auch der Tmurist, der flüchtige Besucher des Landes bcwundern musste, weil er an sie den heimischen Massstab anlegte, weil er die Individualität und Eigenart Palästinas nicht könnte und daher nicht in Rechnung zog. So hatten die palästincnsischcn Eltern wohl ein Gefühl dafür, dass ihre Kinder eine moderne, den Forderungen des Lebens angepasste Er- Ziehung nötig hätten, aber wenn sie sich dann die Zöglinge jener Anstalten betrachteten, dann landen sie nutzloses Wissen und überflüssige Kenntnisse bei ihnen augehäuft, ianden, dass der Gewinn der Schule in keinem Verhältnis stand zu dem Verlust an idealem Wissen, wie es das alte Erzieiuiugssystem ihnen selbst vermittelt batte, und sie kehrten enttäuscht und entmutigt ,von der Schule sich ab. Bis zur Stunde stellt so ein wesentlicher Teil der Bevölkerung der Schule verständnislos gegenüber, hatten sie doch deren Wesen und eigentliche Bedcutung nicht an den! Bestehenden e׳messen gelernt. Was hatte an diesen Mängeln der Schule schuld? Was war der Kern des Ucbcls, dadurch diese wertvolle Kultureinrichtung wirkungslos wurde? Es gibt r.ur eine Antwort: der Mangel geeigneter Volksscluillclirer. Jedes Land braucht seine besonders gearteten Volksschul-!ehrcr, wenn auch in der höheren Wissenschaft die nationalen Unterschiede kaum von Gewicht sind; es braucht solche Lehrer, die die Volksmasscn des betreffenden Bodens verstehen, die seine eigentümlichen Kulturverhältnisse würdigen und ihnen gemäss für dieses Land und für diesen Boden die Jugend erziehen und vorberciten können. Es ist nicht nur die Verschiedenheit der Sprache, die es unmöglich macht, dass ich heute einem französischen Volksschullehrer englische Kinder zum Unterricht anvertraue, es kann dieser sie nicht zu den spezifischen Aufgaben ihres Landes und ihrer Umgebung ertüchtigen, sie würden sich selbst und in ihrem Kreise fremd bleiben, wenn der Franzose seine Welt in ihren Köpfen, in ihrer Anschauung heimisch machen wollte. Es sind das meist Imponderabilien, die aber in der Erziehung eine mächtige Rolle spielen und die von so grossem Einfluss sind, dass sogar die engere Heimat, die Provinz oder die Stadt ihre besonderen Ansprüche an den Erzieher stellen, Ansprüche, die nicht vernachläsigt werden dürfen, soll anders das Erzichungswerk segensreich sein. Für Palästina mit seinem unendlich komplizierten, erst allmählich sich gestaltenden und umschaffenden Lebensver* hältnjssen, für seine in äusserer Kultur wohl tiefstehende, aber geistig und moralisch und religiös durchaus selbständige, tiefeigenartige jüdische Bevölkerung sollten diese Ansprüche allein nicht gelten? Ist cs denkbar, dass in Paris oder Berlin für ganz fremde Kulturen lieraugebildete, in diesen heimisch und vertraut gewordene Lehrkräfte in Palästina, für Palästina erziehen und lehren können, die das Land nicht lieben, die das Volk nicht begreifen und daher leicht gering achten, die seinem sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Charakter fremd gegenüberstehen, die beinahe mit keinem im ganzen Lande ein Wort wechseln, in Verkehr und Gemeinschaft treten können? Konnte von ihnen die Jugend lernen, Land und Leute zu lieben, wenn ihre Lehrer selbst zum mindesten gleichgültig diesen gegenüberstanden oder gar im Herzen nach einer anderen Welt sich sehnten, deren Zivilisation ihnen höher zu stehen scheint? Konnte in ihrem Gefühl das teuerste der Bande sich wehen, wenn das Vater- und Geburtsland von ihren Erziehern als minderwertig verachtet, nicht als das schönste und teuerste empfunden wird? Nein! palästinische Lehrer können nur in Palästina selbst erstehen; als daher der Hilfsverein der Deutschen Juden daran ging, das Erzichungswerk der dortigen Jugend in seine Hand zu nehmen, aber mit dem ernsten und aufrichtigen Willen, dies Erzichungswerk so zu gestalten, wie es das Land, Wie es seine Menschen, wie cs seine Verhältnisse erforderten, da war der erste und notwendigste Schritt: die Gründung eines Lehrerseminars in Jerusale m. (Fortsetzung folgt). ft <1 #• er' 0,1* ul יי/ \ in der Beurteilung der Presse Es darf schon mit Bestimmtheit gesagt werden, dass die von dem ״Verein zur Förderung jüdischer Kunst“ veranstaltete Ausstellung j ii d i s c h e r K ii!1 s t ler, der von den mit der Produktion der Juden aut diesem Gebiete Minder vertrauten mit gemischten Gciühlen entgegen gesehen wurde, einen vollen moralischen Erfolg für die Juden als Künstler und gleichzeitig für die gesamte Judenhcit bedeutet. Von den seriösen Orgnnen brachte keines eine abfällige Beurteilung der Aus- Stellung: alle fanden mir warme Worte der Anerkennung und es ist bemerkenswert, dass die Kritiker nicht-jüdischer Konfession dieser Anerkennung viel rückhaltlosere Anerkennung verliehen als die jüdischen. Wir lassen einige Auszüge folgen: DAS KLEINE JOURNAL. Berlin: ״Der Verein zur Eörderung jüdischer Kunst will mit dieser Zusammenstellung jüdischer Kunstwerke einen künstlerisch historischen Ucbcrblick geben, 11m zu zeigen, dass die Juden trotz ihrer Heimatloslgkeit, die sie neben ihrer überlieferten Lehre von der Aus- Übung der Kunst fern hielt, im letzten Jahrhundert sich machtvoll aufgeschwungcn haben und keinen Vergleich mehr mit dem künstlerischen Schaffen anderer Kulturvölker zu scheuen brauchen. In den meisten Werken zeigt sich etwas von der Unrast, die sie überall umhergetrieben hat. Keine Freundlichkeit ist darin. Nur Ernst, ja fast düstere Strenge. Kampf und Verzweiflung ist der Ausdruck der meisten Bilder und Skulpturen. Auch die Anglicderung jüdischer Altertümer verdient Anerkennung und aus dem Raum, wo sic mit modernen jüdischen kunstgewerblichen Arbeiten amgestellt sind, geht etwas wie Weihe und Andacht aus. Der Verein hat sich ein grosses Verdienst durch diese Ausstellung erworben.“ DEUTSCHE WARTE. Berlin: ״In der Galerie für alte und neue Kunst hat der Verein zur Förderung jüdischer Kunst eine Ausstellung jüdischer Künstler eröffnet, die als Gemeinsames hei dem aus dem auserwühlten Volke hervorgegangenen Malern und Bildhauern verschiedener Länder wohl nichts anderes als religiöse Vertieiung und das tiefinnerliche Vv'chgefiihl eines von selbständiger Entwicklung ausgeschlossenen Volksstammes erkennen lasst. Die Sabbatiibildcr sind durchweg mit gleicher Andacht und liebevoller Hingabe entworfen. . . . Wie der jüdische Mann mit seiner Intelligenz und Ausdaucr vieles meistert, so gibt es unter den in der Ausstellung vereinten Künstlern aber auch welche, die das Hellenen und Germanen eigene Machtvolle und Grosszügige bewältigt haben. Ich nenne hier nur des Wieners ..E i c h It 0 r n ״Pilger vor dem Tempel“, sowie des Lodzers H i r s z e 11 b e r g ergreifenden Zug jüdischer Verbamtier durch eine russische Schucewüste. Die Ausstellung zeigt uns. dass auch der berühmte Pariser Impressionist Pissaro Jude war. Ein sehr bedeutender Bildhauer ist der aus dem NVilnacr Judenviertel hervorgegangenc A n t o k o! s k i . . B. Z. AM MITTAG. Berlin: ״U r v stellt hier zum ersten Male sein neuestes Bild aus: das Historienbild ״Moses den Sinai besteigend“, mit der ganzen Wucht seiner Farbe und Phantasie gemalt. Mau hat den Eindruck der Grösse. Und was ans das Werk noch wertvoller macht, ist seine ernste, wundervolle Stimnuingslyrik. . . .