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Jüdische Rundschau · 1907-12-20 · Heft 51-52 (20.12.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 51-52 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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No. ■51/52 Seite 544 JÜDISCHE RUNDSCHAU. ländische Juden und Ostjuden sind* also im wesentlichen identisch. Von den 1900 ermittelten fremdbörtigen Juden waren 23 926 männlichen, 17 187 weiblichen Geschlechts. 68,7 % wohnten in Grossstädten. In einzelnen Grossstädten und Gegenden, wie Berlin, Mönchen, Leipzig, Hannover, Köln, Sachsen bilden sie einen bedeutenden Bruchteil der jüdischen Gesamtbevölkerung. 1900 1905 Leipzig Chemnitz Kr. Sachsen Stadt Berlin Leipzig 3577 552 5637 11651 4843 . (Juden fremder Staatsangehörigkeit) 2594 585 6779 80 555 2833 (Juden deutscher Staatsangehörigkeit) 1900 wohnten in Leipzig 3577 ausländische Juden, während nur 2648 im Auslande geboren waren. 929 Juden, fast 1/c der Leipziger Juden, war also 1111 Inland geboren und trotzdem nicht naturalisiert. Bei der Mangelhaftigkeit des bekannten Zahlenmaterials ist ein näheres statistisches Eingehen leider unmöglich. Diese 929 Leipziger Juden sind aber ein Beginn r u m :i n i s c h e r Verhältnisse, unter denen inländische Juden rechtlich Fremde sind. Ihre Zahl wirft ein grelles Schlaglicht auf die Verwaltungspraxis der deutschen Behörden, die nur unter den allergrössten Schwierigkeiten ausländische Juden naturalisieren. Da es aber in Deutschland völlig an einem modernen Fremdenrecht gebricht, so sind die ausländischen Juden geknebelt der Polizeiwillkür ausgeliefert. Viele Tausende sind in den letzten Jahren ausgewiesen worden, vor allem aus Berlin, jeder Verdacht sozialdemokratischer Betätigung, jede Denunziation wird selbst für seit vielen Jahren ansässige, in den geordnetsten Verhältnissen lebende ausländische Juden zum Verhängnis, ruiniert Existenzen, vernichtet ganze Familien. Ist so rechtlich die Stellung der ausländischen Juden, vor allem in Preussen eine überaus prekäre, so hält sie auch wirtschaftlich und sozial keinen Vergleich mit der der einheimischen Judenschaft aus. Die einwandernden Ausländer stehen im grossen ganzen in jeder Beziehung auf dem Niveau, das die deutschen Juden seit drei Generationen verlassen haben. Wenn sich auch die Assimilation in jeder Richtung reissend schnell vollzieht, so trennt doch Einheimische und Fingegrossen schwarzen Augen und einem hervortretenden | Kinn. Gekleidet war er wie sein Herr auf spanische Art. In den Manieren und der Stimme Jacob,»$ war nichts einschmeichelndes, wie es Bedienten sonst eigen, und er selbst betrachtete sich eher als den Freund seines Sennor wie als dessen Diener. ״Was macht Daniello?‘: fragte Don Pedro, aus der Schale schlürfend. ״O, der ist unser Vögelchen Frtihauf. Der ist schon lange auf den Beinen. Hat ein wenig im Park promeniert und sitzt schon wieder über den Büchern, dass . . . ״Fähige fort, Jacobo. Du weisst, dass ich keine abgebrochenen Redensarten liebe.“ ״Wenn Ich die. Wahrheit sagen soll, Sennor, ich fürchte für unseren lieben Danicllo.“ ״Du fürchtest? Ist er etwa krank?“ frag erregt Don Pedro, von seinem Platze aufspringend. ״Bewahre uns Gott vor einem solchen Unglück! Er äst gesund und frisch!“ ״Nun, was fürchtest du denn für ihn?“ ״Diese Bücher ängstigen mich. Dass er sich nur nicht so leidenschaftlich an sie hängt wie!nein Sennor..“ ״Hahaha, bin ich trotz meiner Bücher ein so böser Mensch, Jacobo? | f'? wandertc eine tiefe Kluft, Ui Sprache, Sitte, religiöser und moralischer Anschauung, Beruf und Wohlhabenheit. Die ausländischen Juden bilden grosscnteils die Unter- Schicht der deutschen Judenschaft. Unter ihnen ist der Hausierberuf noch sehr häufig. Als Schneider und Zigarettenarbeiten gehören sie vielfach zun» eigentlichen Proletariat. Vielen gelingt es jedoch, schon nach wenigen Jahren grössere Geschäfte aufzumachen und in der zweiten Generation sind kaum noch Unterschiede gegenüber der einheimischen Judensdiait zu verspüren. Eine Schicht für sich bilden die zahlreichen russischen Studenten (Ruppin schätzt sic für 1902 auf 650) und ausländischen Kultusbeamten. Es Ist zweifellos, dass nachdem der Zufluss neuer Kräfte aus den alten Sitzen des Judentums auf dem Lande und in den kleinen Städten langsam versiegt ist, heute die jüdische Einwanderung aus dem Osten das einzige jüdische und lebens* frische Element ist, das die deutsche Judenschaft besitzt, und dass Ihr ein hervorragender Anteil an dem Wiedercrwacheu jüdischen Bewusstseins und Gcmeinschaftgefiilils in Deutschlaad zuiäüt. Seit Jahrzehnten ist es aber die Leitlinie der deutschen Regierung, den Adel kapitalistisch, die Kapitalisten feudal zu machen, um aus ihrer Verschmelzung eine iragkräitige und regierungsfähige neue Oberschicht zu bilden. Die jüdische Intelligenz und die jüdischen Millionen will sic hierbei nicht missen, kann sie aber, so lange sie ausgesprochen jüdisch sind, nicht amalgamieren. Daher drängt sie die Juden zur Taufe und Verschmelzung. Die Lächerlichkeit des Rassetiantisemitismtis ist ihr bei der geringen Zahl und Vermehrung der inländischen Juden augenfällig; die ausländischen Juden stören aber das restlose Aufgehen der deutschen Juden und deswegen sind sie ein Dorn im Auge der Regierung — und vieler deutsehen Juden. Denn diese stehen der Vcrschmelzungspoütik in ihrer grossen Mehrzahl prinzipiell freundlich gegenüber, wenn sie sich auch über deren oifen zu Tage liegenden Kon- Sequenzen, die Taufe und Mischehe, nicht völlig klar geworden sind, der Antisemitismus sie manchmal am Erfolg der Assimi- Iation verzweifeln lässt und sie die vcrwaltungsscitigc Zurück- Setzung der Juden bekämpfen. Stärker aber als der Wille der Menschen ist die Gewalt der geschichtlichen Entwicklung. Wind und Wetter sind gegen die deutschen Juden. Da der Zugstrom neuen Blutes unter- ״O Sie sind ein Engel und kein Mensch. Sennor! Allein ich bin überzeugt, dass diese Bücher Ihre Gesundheit ruinieren . . , ״Und was noch?“ ״Und Ihre Seele!“ . י ״Auch meine Seele?“ ״Sennor! Sie wissen, dass ich Ihnen ergeben bin wie ein Hund, dass ich für Sie mit Freuden meinen Kopf auf den Block legen würde.“ ״Ja, ich wciss.es, mein guter Jacobo. Ich halte dich für meinen besten Freund. Aber in welchem Zusammenhang steht deine Ergebenheit für mich mit meinen Büchern und mit meiner Seele?“ _ ״Sennor, ich denke .... icli bin sogar überzeugt . . . . Sehen Sic, Sennor. Ich liebe Sic mehr als mein Leben, allein es gibt jemand, den ich noch mehr Siebe, als sogar Sie.“ ״Wer ist dieser Glückliche? fragte Don Pedro lächelnd, (Fortsetzung folgt.)

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