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Jüdische Rundschau · 1907-12-13 · Heft 50 (13.12.1907) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 536 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 50 ,schein verschafft haben. Durch dieses Auftreten des Gouvcrneurs wird natürlich die Ranze f i n I ä 11 ü i s c h c Judenfrage unerwartet wieder auf die Tagesordnung gebracht. Die grösste liberale Zeit Pinlands. HUEONDSTADSBLADET, die sich mit der Angelegenheit beschäftigt, bezeichnet es mit vollem Recht als eine Schande für ein fortschrittliches Land wie Pinland, dass cs innerhalb seiner Grenzen noch itn zwanzigsten Jahrhundert überhaupt eine ״Judenfrage'־ geben könne, und spricht die Hoffnung aus. der Senat werde dem nächsten Landtage eine Gesetzesvorlage unterbreiten, wodurch den in Pinland wohnenden Juden volle Gleichberechtigung mit allen anderen im Grossfürstentunj ansässigen Ausländern zuerkannt werde. Dieser Optimismus ist freilich durchaus unbegründet. Schon früher ist ein solcher Beschluss dem Landtag nahegelegt worden, zum ersten Male bereits vor ungefähr vier Jahrzehnten; die Altienonianen und die Bauern haben s!'ch aber immer gegen ein solches Gesetz ausgesprochen; und leider besteht wenig Hoffnung, dass das ״befreite״ Pinland halten wird, was das um Befreiung kämpfende nur ungern und zögernd versprochen hatte, nämlich wenigstens den eigenen, finländischen Juden volle Bürgerrechte zu geben. Das Recht der rumänischen Juden Im Jahresbericht des Jewish Board of Deputies wird auch der Intervention Erwähnung getan, e'ie seitens des Board und der Auglo Jewisii Association in Sachen der rumänischen .luden bei dem englischen .Ministerium des Auswärtigen erfolgt ist. In einem Memorandum über die Behandlung rumänischer Juden, das die beiden Korporationen beim Staatssekretär des Auswürtigen einreichten, wurde die traurige Lage der rumänischen Juden eingehend geschildert und auf die schwere Verletzung des Berliner Vertrages hingewiesen, die in dem empörenden Vcrhalten der rumänischen Regierung enthalten ist. Mit besondereal Nachdrucke betoute das Memorandum die Tatsache, dass infolge der schikanösen Massnahmen der Behörden die rumänischen Juden zunächst materiell ruiniert und dam! zur Auswanderung gezwungen wurden, ein Umstand, der den Pinwanderungsländern keineswegs erwünscht sein kann. Daraufhin wurde ein Komitee aus beiden Organisationen ins Auswärtige Amt geladen und auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die einer Intervention der englischen Regierung in dieser Sache im Wege ständen. Der gegenwärtige Augenblick sei höchst ungünstig. Das Land sei noch unruhig, und jede Konzession an die Juden würde neue Unruhen erregen. Es sei auch einem fremden Staat nicht möglich, dagegen zu remonstrieren, dass die Juden aus den Dörfern vertrieben wiirden; denn wenn sie infolgedessen zurückkehrten und vielleicht neuen Angriffen ausgesetzt seien, würde man die interpellierenden Mächte dafür verantwortlich machen (!). Man versprach der Deputation, dass der englische Gesandte in Bukarest ersucht werden solle, mit den Gesandten von Deutschland. Oesterreich und Frankreich über die Angelegenheit zu konferieren und der heimischen Regierung darüber zu berichten. Später erhielten die beiden Korporationen Abschriften eines Berichtes des englischen Gesandten in Bukarest, in dem ausgeföhrt wird, dass die Vertreibung von Juden aus den Dörfern mit den antisemitischen Ausschreitungen nichts zu tun habe, sondern lediglich als eine Polge der strengeren Durchfiihrtmg des Aufcnthaltsgesetzes von 1880 und des Fremden• gesetzes von 1831. begründet sei (sic!), die eine zwangsweise Ueberführung der Juden vom Lande in die Stadt itn Palle von Unruhen vorsehen. Ueberaus komisch wirkt das Weitere Argument, das dann vorgebracht wird und das betont, die Juden hätten gar nicht so schwer unter den Verfolgungen zu leiden gehabt, denn Markus Fischer (bekanntlich das Haupt des sogenannten ״Landtrusts“ und einer der reichsten Leute Rumäniens!) habe erklärt, c r I; a b c keinerlei Scliudcn erlitten. Das Vereinigte Komitee der Organisationen antwortete in einer zweiten Eingabe, in der es darauf hinwies, dass die beiden 'erwähnten Gesetze eine Verletzung des Berliner Vertrages darstellten und ausschliesslich gegen Juden gerichtet seien. Das Beispiel Markus Fischers beweise gar nichts, denn dass die mittleren und armen Klassen der jüdischen Bevölkerung furchtbar gelitten hätten, sei über allen Zweifel erhaben. Der Bericht kommt zu dem Schlüsse, dass, wenn auch die bisherigen Schritte ergebnislos geblieben seien, es doch die Aufgabe des Komitees bleiben werde, die Frage der Beofoachtung des Berliner Vertrages nachdrücklich zu vertreten. Rumänischer PrügelheJd Wir berichteten jüngst, dass auf Veranlassung des Königs Carol der Soldatenschinder Colonel Marasescu der in Dorohoi jüdische Soldaten htlbtut geprügelt hatte, zur Verantwortung gezogen werden sollte. Das Kriegsgericht gegen ihr. hat jetzt getagt und hat ihn, wie die RUNDSCHAU I voruussaehtc, freigesprooheti, nachdem der Staatsanwalt sci::2 j Verteidigung so glänzend geführt hatte, dass der Verteidiger aufs Wort verzichten konnte. Ausdrücklich betonte dieser 4 Hüter der Gesetze, dass es nicht a!1 g e h e . den Juden 'zuliebe einen hohen Offizier zu verurteilen. Es scheint also, dass das Wort des Königs in Rumänien nichts gilt oder dass die Richter zu wissen glaubten, dass es nicht so ernst gemeint war. Ein neues Gesetz gegen die Juden ist jetzt in Vorbereitung. In den Doriern und Marktflecken sollen demnächst die Gas;- hauscr v e r s t a a 11 i c h t werden. Inhaber dürfen nur Angehörige der rumänischen Nation werden. Die bisher oestehenden Gastwirtschaften, die grösstenteils in jüdischen IIänden sind, sollen aufgehoben werden. Damit stehen neue Hunderte jüdischer Existenzn vor dem Ruine. Wir und die Griechen ln den letzten lagen konnte nun in den Zeitungen d e Nachricht lesen, dass die Giiechen fiir ihr־.׳ Volksgenossen c!e infolge von Exzessen aus Bulgarien auswaudorn musst...1, Znfluehtsstödte begründet haben. In diesen Städten werden die Niichtliuge v«;n freiiiidhchcn Wirten bogriisst. von J.-r Liebe ihres Volkes umgehen werden: die in der Ferne verschlagen gewesenen Kinder kelirui an die Brust ihrer Mutter, ihrer Nation zurück. Da werden sie von Not und Unglück ausruhen, sie werden frei leben und langsam gesunden. Und wenn ü!rc Leiden geheilt sind, daun werden sie mit dankbaren Herzen und mit kräftigen, treuen Armen an dem Wolile ihres Volkes, an dem Wohlstände ihres Landes, an dem Glücke der nachfolgenden Generationen mitarbeiten. Die Griechen sind ein kleines Volk. Sie blicken auf eine ruhmreiche Geschichte zurück; sie haben viele Leiden ausgestanden. Jahrhunderte lang ruhte über ihrem Lande der Halbmond und lastete über ihnen das Joch der Knechtschaft. Viele ihrer Teile wurden versprengt, ihre Sprache verunreinigt, ihre historischen Stätten verwüstet: sie erlitten das Schicksal der Besiegten. Aber im Inneren der Volksseele glomm die Sehnsucht, frei zu werden. Sie konspirierten, vereinigten sich, ihrer! Besten fielen den Heldentod, aber das Volk war frei, ein freies Volk auf eigener Scholle. Doch nicht genug daran. Die Zerstreuten und Unglücklichen ihrer Stämme fanden ein Zentrum., wohin sie beständig gravitierten. Und kam über sie die Not, ~ da fanden sie einen heimatlichen Herd, eine treue Helferhand — sie waren nicht mehr verlassen. Wir Juden sind zahlreicher als die Griechen. Unsere historischen Erinnerungen sind ebenso ruhmreich wie die der Griechen. Unsere Leiden sind hundertfältig. Sie litten unter einem Herrn; wir aber suchen vergebens ein Reich, wo w ir nicht geplagt worden wären; wir finden kein Fleckchen Erde in Europa, das nicht mit unserem Blute, mit dem Blute unserer Märtyrer und mit den Tränen unserer Brüder gedüngt wäre. Und nicht nur in der Vergangenheit geschalt dies, sondern auch in der Gegenwart. Gellen uns nicht unwillkürlich die Namen Russland, Rumänien und Marokko in den Ohren? Hört man da nicht ein Chaos von Jammer und Klage, das bald, wie bald auch aus Galizien tönen könnte? Sieht man nicht die ungeheuren Ziigc der ewig Wandernden. immer Hungernden? Doch wollte man nach Zufluchts- Städten suchen, wo diese Unglücklichen aufgenommen, ge* tröstet, geheilt werden könnten — nirgends, nirgends sind welche zu finden! Unsere Väter haben für tms nicht gesorgt. Hätten sie sich im Jahre 1820 damals wie die Griechen ermannt, vielleicht hätten wir jetzt solche Zufluchtsorte, möglich auch, wir hätten sie nicht mehr nötig gehabt. Sollen wir uns mit derselben Schuld unseren Nachkommen gegenüber beladen, wie unsere Vorfahren uns gegenüber? Können wir die Verantwortung vor der Geschichte übernehmen, dass wir die Gewitzigten und Erfahrenen untätig verharrten, in Lethargie versunken waren, als es galt, eine Heimat zu erwerben, eine Heimat für die Unglücklichen, von Pogromen Heimgcsuchten. nicht nur für heute und morgen, sondern für die Zukunft? Ist es möglich, dass ein Volk so ganz auf seine. Ehre und auf seine Pflicht sich selbst gegenüber vergesse! Wie gut wäre cs, wenn wir die Möglichkeit hätten, den aus Russland Gehetzten Wohnstätten anzuweisen. wie gut wäre es. wenn wir selbst einmal in Rulle unser Haupt niederlegen könnten! Unsere Eltern haben für uns nicht gesorgt, sorgen wir für uns und unsere Nachkommen, wie es die Hellenen vom Jahre 1820 für die ihrigen getan haben. M. Wahlmanu. SELBST WEHR. Eisenbahngesellschaft Damaskus-Hamah Das JOURNAL DP FINANCES ceröffentlicht den Abschluss der Eisenbalmgcscllschaft Damaskus-Hamah pro 1906. Darnach

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