Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1907)
- Date
- 1907-12-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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L No. 50 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 537 haben sich die Einnahmen in diesem Jahre beträchtlich gcsteigert. Die Linie Beiriit-Damaskus-M'zerib. die die. Gesells'chatt auf eigenes Risiko betreibt, erbrachte 4 057 362,77 f־rcs. gegen 3535 296.16 Eres, im Vorjahre. Die Linie Rayak-Hamak erzielte 1 394 202,S7 Eres, gegen 927 159,95 Eres im vorhergehenden Jahre, so dass sich der von der türkischen Regierung für dies Linie satz.ungsgcmäss zti zahlende Garantiebetrag von 1.895 660,05 Eres, auf l •128 617,13 Eres, verminderte. Die Linie warnah-Alcppo. die gleichfalls von der türkischen Regierung garantiert ist, indessen nur im Oktober 1906 in Betiicb genommen wurde, erbrachte in diesem Monat 166 716,7 f Eres. Das obengenannte Börsenblatt schreibt hierzu: Die Vormehrung der Einnahmen auf der Linie Rayak-Hamah hat nur Bedeutung für die Türkei, da sich dadurch deren Garantiezuschliss aermindert: für die Inhaber der Schuldverschreibungen 'und die Aktionäre der Gesellschaft ist lediglich der Mehrertrag der Linie Beirut-Damaskus-M'zerib interessant, der 502 066 Eres, beträgt. Allerdings war der Ertrag des Jahres 1905 hesonders ungünstig, aber der von 1906 übersteigt auch die von 1905 und 1903, die 3915 393 resp. 3 056 6S5 Eres, betugen. Die Ausgaben sind im Jahre 1906 entsprechend gewachsen, sie betrugen 3 60* 510,51 Eres, und sind somit um 132 171,63 Eies, höher als die von 1905. Zu beachten sind, dass-die Vcrmehrung der Ausgaben hauptsächlich aut die Kosten der Iiibctiicbsct/.ung der neuen Linie nach Aleppo entfallen, während nennenswerte Einnahmen daraus noch nicht zu erzielen waren. Der Reinübcrschiiss betrügt 1 603 949.17 Eres, gegen 1 606 412,4k Eres, jni Jahre 1905. Hiervon werden 1 3*9 311,52 Eres, (wie im Voriahre) fiir den Zinsendienst der Obligationen verwandt. 63 193.3s Eres. (1905: 60 316,55) werden den Rücklagen zu geschrieben und 154 466.04 Eres. (118 8 4.33) werden als Dividende verteilt. Alles in allem ein erfreuliches Bild des Ertrages einer in den Nachbarländern Palästinas betriebenen Bahn. Palästina Vor einiger Zeit haben die Vertreter der ״G c ' u 1 a h" und des Odessa er Palästinakomitees mit einer Gruppe kaukasischer Juden und palästinischer jüdischer Arbeiter einen Vertrag abgcschlossen zwecks ihrer Ansiedlung in Palästina. Die wichtigsten Bestimmungen des Vertrages sind die folgenden: Das Odessacr Komitee verkauft jedem Mitglied der beiden Gruppen ein Stuck Land zum Preise von 35 Eranken pro Dunam. Die Grösse des jedem zugcwiescnui Landbesitzes beträgt 50 Dunam. Die Mitglieder zahlen ein Viertel der Kaufsumme sofort bei Abschluss des Vertrages und den Rest im Laufe von 10 Jahren. Sic sind verpflichtet, den Besitz sofort nach Inkrafttreten des Abkommens anzutreten und von diesem Termine ab sämtliche Steuern usw. zu zahlen. Es handelt sich im ganzen um 40 Familien. Das Land befindet sich mitten zwischen den Kolonien Rischön-le-Zion, Wadi-Chanen. RcchObhöth und nahe bei der Stadt Ramie und trägt den Namen Bir-Saleni. Die Entfernung von Ramie, Rischön, Wadi-Chanen beträgt eine halbe Stunde Wageniahrt und von Rcchöbhoth eine Stunde. Ir» der Nähe liegt auch eine deutsche Kolonie. Das Klima ist vorziiglieh, weil Ramie und seine Umgcbyng als die beste Gegend in Judäa in klimatischer Beziehung betrachtet wird. Man pflegt dorthin in die Sommerfrische zu gehen. Wie der ganze Boden dieser Gegend, eignet sich auch der von B i r ־ S a I e m aus• schliesslich für Gartenbau, zur Pflanzung von Mandeln, Oliven und Aprikosen. 400 Dunam sind auch fiir Orangen׳ Pflanzungen geeignet, wenn Bewässerungsanlagen geschaffen werden. In der Nähe befindet sich ein Steinbruch, der evtl, fiir die Gewinnung von Baumaterial in Betracht käme. Der ganze Komplex umfasst 2*'40 Dunam und wurde im Jahre 1906 von der Gesellschaft Ge'ulah erworben und nachher an das Odessuer Komitee weiterverkauft. Dieses bedeutet also die Errichtung einer neuen jüdischen Kolonie. Die Teilnehmer beabsichtigen, zunächst mit Gartenkultur zu beginnen. Die Vor bereitungsarbeiten haben schon angefangen. Ausser in Bir-Salent wird man demnächst in Ecdsche eine Arbcitcrkolonic einrichten. Die E i n w a 11 d e r r u n g nach Palästina nimmt K unter dem Einfluss der traurigen Ereignisse in Odessa an Umfang zu. Mit jedem Schüfe kommen 50—60 jüdische Etuigranten. Die »Mehrzahl von ihnen sind fast gänzlich ruinierte Leute, die ihr Vermgen und ihren Lebensmut in Russland zuriicklasscn mussten. Der Maler H i r s z c n b c r g hat seine Lehrtätigkeit am Bezalcl begonnen. Man hat jetzt damit angefangen, die Teppichknüpferel in grösserem Umfange auszuführen.. Auch die materielle Lage der Schule hat sich gebessert- Das Bezaleltnuseum entwickelt sich gleichfalls gut. Herr A roni hat dem Muse 11 m eine grosse Sammlung aller in Palästina vorkommenden Insekten und Reptilien geschenkt. Der oft erwähnte Streitfall in der Kolonie Katra, w’o bekanmlich ein Araber, der ein jüdisches Mädchen angegriffen hatte, von einem jungen Kolonisten verwundet worden war, wird voraussichtlich in Güte bcigclegt werden. Deutscher Verein vom heiligen Lande Der katholische Deutsche Verein vom heiligen Lande hielt am 3. November in Mtinz seine Generalversammlung ab. Der Verein verfolgt den Zweck, die heiligen Stätten m Palästina zu schlitzen und die katholische Mission dort zu fördern, sowie die kirchlichen und sozialen Interessen der deutschen Katholiken im heiligen Lande wahrzunehmcii. Bekannt ist die Schenkung der ״Dorinition“ auf dem Berge Zion an den Verein seitens des deutschen Kaisers zwecks Errichtung eines Klostergebäudes und einer Kirche. Nach dem Kassenberichte belaufen sich die jährlichen Einnahmen des Vereins auf 105 600 Mark, von denen 65ÜOO zum Unterhalte der Stationen und zu Missionszwecken und 40 OCH) zu Bauzwecken fiir das neue Hospiz am laffatorc in Jerusalem verwndt wurden. Der Verein besitzt ausser den Bauten auf dem Berge Zion in Jerusalem zwei Hospize am Janatore und vor dem Damaskustore mit Schulen, Internat. Externat und Bibliothek, .sowie in der Nähe von Jerusalem ein Anwesen Ktibebe und am Sec Genesareth die herrliche Besitzung Tabgha mit zehn Schulen zur Missionierung der Araber. In Haifa, am l'usse des Karmel, befindet sich gleichfalls eine Vereinsstation; ausserdem untersteht dem Verein die deutsche Schule in Alexandrien. Jerusalem. Der Maler Samuel Hirszenber״ ist hier eingetroffen, um ais Zeichenlehrer an der jüdischen Kunstgewerbeschule ..Bezalcl•‘ zu wirken. Hirszenberg, geboren als Sohn einer cliassidisehen Familie in Lodz, hat sich bereits den Pu: eines hervorragenden Künstlers erworben. Sehr zahlreich sind seine Bilder mit jüdischen Sujets, so: Uriel Acosta, Jeschibah, der ewige Jude und Golus. Aleppo. Am 19. Oktober kam Dr. Paul Nathan in Begleittmg de Dr. Eugen Mittwoch liier an und' wurde von den Vorstehern der Gemeinde feierlich empfangen. Dr. »Nathan besichtigte alle Gemeindeanstalten, insbesondere die alte grosse Synagoge, die angeblich noch zur Zeit des zweiten Tempels erbaut •worden ist. Bci־ einem Besuche versprachen sie den! CI: ach am Jakob David Hakokcn. die Einrichtung einer Handw c r k c r s c!1 u 1 e in Aleppo seitens des H ii i s v e r e ins, in die Wege zu leiten. Eine solche Schule tut dort dringend not Wer herrscht in Amerika? Es ist ein eigentümlicher, Widerspruch in der an Widersprächen ja nicht armen antisemitischen Agitation, dass einerseits die Juden als ein Volk ohne jede Fähigkeit für staatliche Aufgaben und ohne Staatssinn überhaupt hingesteüt werden, und dass es ihnen dabei doch so leicht gelingt — immer nach der vorgeblichen »Meinung der Antisemiten — ganze staatliche Institutionen fremder Länder zu kommandieren. So jammert die Wiener REICHSPOST über ״Jüdische Intoleranz": ״Alle christlichen Kreise der St.adt New York sind empört über den Beschluss des Unterrichtsamts, wonach dieses Jahr in keiner öffentlichen Schule das Weihnachtsfest erwähnt oder gar gefeiert werden kann. Merkwürdigerweise aber gibt es in New York nicht eine einzige Tageszeitung, welche den Mut hätte, diesen jüdischen Angriff gegen die christliche Mehrheit der Bevölkerung abzuwehren. Wahr ist. dass heute die jüdischen Schiller in der Gesamtheit der öffentlichen Schulen New Yorks bereits 32 Prozent aiismaclien, während die Juden unter der Gesamtbevölkerung 27 Prozent bilden. Aber von dieser grossen Zahl hat noch nicht der vierte Teil das amerikanische Bürgerrecht erworben. Unter den bürgerberechtigteil Bewohnern New Yorks nehmen die Juden nur etwa 7 Prozeut ein und doch sind diese heute so stark, dass sie einfach jede Spur von christlicher Jugenderziehung fiir die gesamte Bevölkerung verbieten können!" Man bemerkt vielleicht die Perfidie dieser Mitteilung. Dieser angebliche Beschluss rührt vom U 111 e r r i c h t s a m t her. und mit keinem Wort wird behauptet, dass in diesem Juden süssen. Trotzdem werden aber die Juden für den Be- Schluss verantwortlich gemacht. Die das tun, nehmen aber für sich in Anspruch: teutschc Ehrlichkeit. ‘ Rückwanderer Das ist ein noch viel traurigeres Wort als ..Auswanderer". Was dieser in allem Unglück. Heimat und Familie zu verlassen, noch immer an Hoffnungen mitnimmt, das sind bei denen, die das fremde Land zurücktceibt, nur noch Enttäuschun- » «*ץ}:*״״■•*•»?*« »1 ו