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Jüdische Rundschau · 1907-12-13 · Heft 50 (13.12.1907) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 50 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Offene Anfrage an c!3n Herrn Reichstagsabgeordneten Raab Herr Abgeordneter! Sie haben in der 68. Sitzung des Deutschen Reichstages von» 7. Dezember 1907 nach dem stenographischen Bericht u. a. gesagt: ״Ich will nur eine amtlich feststehende Ziffer bekannt geben, die uns einen Einblick eröffnet über die Tätigkeit des Judentums im Oescluiftsleben. Ich habe hier das Original der Zeitung, die herausgegeben wird von dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Hier sind Angaben Uber die deutsche Kriminalstatistik enthalten und zwar von einem anscheinend jüdischen Qelehr.cn, einem Professor Paul Nathan, zusammcngcstellt. Dieser stellt die Delikte, soweit sie Juden und soweit sie Deutsche betreffen, zu einander in Vergleich. Und was stellt Herr Nathan in dem Blatte des zu unserer Bekämpfung gegründeten Vereins fest? .Betrügerischer Bankerott kam vor in 1714 l11;־ len, nach ihrer Kopfzahl duriten sich unter den Bestraften 20 Juden befinden, statt der 20 waren es aber 191. (Hört! hurt! rechts.) Weiter: wegen einfachen Bankerotts durften nach ihrer Kopfzahl 69 Juden bestraft werden — in den׳ hier behandelt׳.•.! Zeitraum von 11 Jahren — es wurden aber statt der 69 nicht weniger als 1116 Juden! (Hört! hört! rechts.) Ich könnte noch andere Zahlen geben, die das Erwerbsleben betreffen, ich will Sic aber damit heute nicht aufhalten. Das aber möchte ich als meine Ueberzeugufi״ anssprechen: wir werden auf dem Gebiet des Mitü-Istandssckeizes, namentlich mit der technischen Gestaltun:׳ der Scluitzgesctze nicht viel erreichen, wenn wir nicht von vornherein mit der Neigung vieler jüdischer Eiemente rechnen, geschickt jedes Gesetz zu umgehen. Ohne eine klare Berücksichtigung des jüdischen Wesens werden wir an der Oberfläche der Mittelstandsfragen herumkurieren und kaum etwas Gründliches zustande bringen.*־ (Der Passus ist ohne Veränderung nach dem stenographlsehen Bericht wiedergegeben; S. 2069, A.) wie Sie Ihrer Frau morgen die Striemen auf der Schulter des Kindes erklären. Sie sagen iltr, das Kind hätte .'sich zufällig gestossen oder etwas ähnliches. Mein Sohn wird ihnen morgen Salben zum Einreiben bringen; das wird ihm besonders angenehm sein, nicht wahr, Danieilo?“ ״Ich danke dir. mein Vater!*‘ sagte, der Jüngling glückstrahlend. ״Wie soll ich Ihnen danken, Herr Doktor?“ sagte der Rabbi und ergriff die Hände des Arztes. ״Ja, ich verlange von Ihnen, verehrter Herr Rabbi, Erkenntlichkeit; ich arbeite nie umsonst,‘‘ sagte Don Pedro fächelnd, seinem ihn erstaunt anblickcnden Sollt! zuwinketid. ״O, war' ich reich . . . ״Ich bedarf Ihres Reichtums nicht, mein Freund,“ unterbrach ihn der Arzt, seine Hand ergreifend. ״Schenken Sie mir nur ein wenig Freundschaft, das ist alles, was ich von Ihnen, guter Rabbi, verlange.“ ״Was soll einem so angesehenen gelehrten Doktor die Freundschaft eines so nichtigen Menschen, wie ich?“ ״Ich habe cs Ihnen schon heute im Schlosse gesagt und wiederhole dasselbe in Ihrem frommen Hause: Sic sind ein guter Mensch.“ - Seite 333 Sic haben es also geflissentlich so dargesteUt, als ob sich aus der von einem hochangesehenen Juden, Dr. Paul N a t h a n, zusammengestellten Statistik ergäbe, dass die Juden im Geschäftslebcn stell bestimmter Verfehlungen z c h n - b i s f li n f - zehnmal so häufig schuldig machen als die Nichtjuden. Von Mitgliedern der rechten Seite des Hohen Hauses wurde Ihren Ausführungen durch mehrfaches ״Hört! hört!‘‘ noch der Anschein einer besonderen Bedeutung gegeben. ’ ‘ Diesen Herren aber war wahrscheinlich unbekannt, wa« 1 1 I I I I i 1 Ihnen nicht verborgen sein konnte, dass die Ziffern, die Sie gaben — an sich unantastbar — tatsächlich ohne jede Bcw e i s k r a f t sind. Es muss ihnen, Herr Abgeordneter, hekannt sein, dass für bestinnnte B e r u f s v e r g e h c n auch nur die Ziffern einer Beruisstatistik ein massgebliches Urteil über die Beteiligung bestimmter Bevölkerungskreise ermöglichen. Die grosse Armee der Beamten, Lohnarbeiter, Angestellten etc. kommt iiaturgcmäss kaum in die Lage, Bankerott anzumelden und evtl, deshalb angeklagt zu werden; diese aller allein ist es. die Ihrer Statistik für’ die Niciitjudeii eine so günstige Ziffer schafft. W e n n Sie das aber wussten, dann hätten Sie indirekt g e t ö 1 s e 1■ t e Zii fern dem Deutschen Reichstage Vurgelegt! Und um so ungualinzietbarcr ist *ihre Methode, als Ihnen aus derselben Statistik von Dr. Paul Nathan auch bekannt sein muss, dass die beiden von Ihnen angeführten Kategorien wohl die einzigen in der ganzen K: itiiina!Statistik sind, in denen die Kriminalität der Juden die der Nichtjuden überhaupt erreicht! « Im Reichstage hat Ihnen niemand aui Ihre ״Statistik״ geantwortet — vielleicht ntmr.u man Sie dort nicht so ernst. \\ ir Juden müssen Sic leider ernst nehmen. Denn mit Ihren Reichstagsreden bewaffnet — die das Volk ja iiir lautere Wahrheit halten muss — ziehen die antisemitischen. Hetzaposte! ins Land hinaus, um die Bevölkerung gegen die Juden aufzustacheln. j Es gibt nun zur Erklärung Ihres Vorgehens zwei Möglich- | keiten: entweder sind Sie u n f ä big, eine Statistik richtig zu! lesen und zu verstehen, oder Sie haben im Bewusstsein j der objektiven Unrichtigkeit b e z w. Unaii- I wendbar keit der angciüluten Ziiiern diese dennoch vor- gebracht, — dann haben Sie die ״Neigung vieler jüdischer j Elemente‘* betätigt, ״geschickt jedes Gesetz zu umgehen״! Sie | haben dann richtige Ziffern so zitiert, dass objektiv bc■ trachtet eine Fälschung daraus wurde! ״Ich bin ein Jude!“ . , . ״Sie sind ein Jude, wie uns Gott solcher mehr geben möchte; für mich aber gibt es keine Menschen,-sondern eine Menschlichkeit." ״Und wenn alle Menschen llitieti ähnliclt wären, es gäbe dann keine Paus und keine Patres, keine Ordziukis und keine Vv’oickowskis.“ ״Aber auch keine gläubigen Juden,“ fügte der Doktor lachend hinzu, die Schwelle überschreitend.־ — Plötzlich aber b.'ieb er stehen: . ״Rabbi, Sie haben mir bis jetzt Ihren Namen .■nicht genannt.“ . ״Man nennt mich Benjamin und mein Familienname ist Hasphardi.“ Don Pedro erbebte an allen Gliedern und klammerte sielt an den Arm seines Sohnes. ״Was ist dir, mein Vater?“ ״Du wirst es zu seiner Zeit erfahren, Danieilo,“ sagte der Doktor tonlos. . Sechstes Kapitel. , *. . Kampf der Spinnen. . •־ Fast in der Mitte des Schlossparkes hinter alten breitästigen Linden versteckt, lag ein einsamer, grosser ( f •: ' t

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