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Jüdische Rundschau · 1907-12-13 · Heft 50 (13.12.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 532 No. 50 JÜDISCHE RUNDSCHAU. -.-;—■—-—■— - Zu Anfang des 19. Jahrhunderts sass die grosse Masse der Juden über das ganze Land verstreut in den kleinen Städten und Flecken; nur in Wcstpreusscn, Posen und Ober- Schlesien, am Main und Rhein bildeten sie einen grösseren Bruchteil der Bevölkerung. Von vielen grossen Städten, die heute bedeutende Gemeinden sind, wie Nürnberg, waren sie ganz ausgeschlossen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts sind die kleinen Gemeinden verödet, die Ostprovinzen haben einen grossen Teil ihrer Juden an Berlin verloren, das heute mit 130 000 Juden eine der grössten Judcngcmcinden der Welt ist und mehr als ein Fünftel aller deutschen Juden umfasst, und die Juden sind heute durchaus eine städtische, ia eine Grossstadt-Bevölkeru n g. Zahl der Juden; Wcstpreusscn Posen Berlin und * Brandenburg 1871 .... 26632 61982 47 484 1905 .... 16139 30 433 139 320 55,06 % der preussischen Juden wohnten 1905 in Gross- Städten, 14,15 in Landgemeinden und genau ebenso verhält es sich in den übrigen Landesteilen. Im rechtsrheinischen Bayern wohnten z. B. in* den grösseren Städten 1S40 ..... 13,Src der Juden ״ 97 62,5 . 1905 Der Berufs Verteilung nach cntiielen 1895 in Deutschland von 100 erwerbstätiger Juden r. auf Landwirtschaft . %y 3/1 138 ״ Industrie. 45 993 1S.80 ״ Handel . 54,56 ״ öffentl. Dienste, freie Berufsarten . 14 641 5.99 ״ Selbständige ohne Beruf .... 39 S70 1630 Der Berufsstellung nach waren in Landwirtschaft, Handel und Industrie r Selbständig . . . .. .105 319 57,61 Angestellte . 20 639 11.29 Arbeiter . 56S57 31,10 Eine berufliche Assimilation an die Gesamt- bevölkerung ist somit noch nicht vorhanden, wenn auch in Preussen von 1SS2 bis 1895 eine kleine relative Abnahme der Spinnen und Fliegen .Roman von Bagroff. Aus u. Russ. übersetzt. (Fortsetzung.) ״Meine hartnäckig(* Verfolgung Ordzinskis und einige unvorsichtige Äusserungen meinerseits über die Tcülnahme Radziwills an dem Verbrechen brachten den gesamten Krakauer Adel gegen mich auf, und ich musste fliehen, mich retten; und mein Leben war meinem einzigen Kinde, dem letzten unseres Stammes, so not» wendig, dass ich zuletzt von der polnischen Gercchtigkeit nichts mehr wissen wollte und meine Sache dem Allgerechten anhcitnstelltc. Einige. Ueberbleibsel meines Vermögens habe ich für mein Kind gerettet. Mit diesem unbedeutenden Kapital mich in riskante Spekulationen einzulasseii, wagte ich nicht, auch fehlte mir die Kraft und Lust dazu, denn ich war ein gebrochener Mann. Allein leben muss man von irgend etwas. Ich entschloss mich daher, aus meinem theologiscncn Wissen materiellen Nutzen zu ziehen und wurde — Rabbiner. Ich habe mich an dieses Leben gewöhnt und finde, offen gestanden, in meinem Berufe Ruhe und Befriedigung, denn ich nütze manchem und ernähre meine kleine. Familie — brauchen wir denn viel? Wenigstens bleibt Handeltreibenden, eine starke Zunahme der freien Beri.fsartcn zu verzeichnen ist. Hiermit hängt die ausserordentliche Beteiligung der Juden am höheren Studium zusarnmen. In Berlin befanden sich in! Winterhalbjahr 19()4 60,90 *7־ der Schüler und 55.0S 9e der Schülerinnen in höheren Schulen, in Preussen besuchten Volksschulen 92.71 r<- der christlichen, 43,71 90 der. jüdischen Kinder. Im Jahre 1902 waren von auf preussischen Universitäten studierenden Reichsinländern Juden in der juristischen Fakultät ..... 8.91 % ״ ״ medizinischen Fakultät .... 15,04 r< ״ ״ philosophischen Fakultät .... 5,77 9c Wie diese ganzen Zahlen beweisen, ist d I e m a t e - r 1 c 11 c Lage der Juden in Deutschland eine ganz ausgezeichnete und sie hat sich während des ganzen 19. Jahrhunderts unausgesetzt, gehoben. Die jüdischen Viehhändler, Kleinhändler und Hausierer, die zu Anfang des Jahrhunderts das Gros der Bevölkerung ausmachte!!, sind unter den inländischen Juden wenn nicht verschwunden, so doch von geringer Bedeutung. Das Proletariat ist■ unter den Juden mir schwach vertreten und ihre grosse Menge gehört den mittleren und oberen Schichten des Bürgertums an, die in zahlreichen Zweigen von Handel, Gewerbe und freien Berufen eine führende Rolle spielen. In Frankfurt a. M. gab es 1900 steuerpflichtige Zensitcn: 35 90• י .Nichtjuden mit einem Steuerertrag von 3 615 811 Mk. o 916־ Juden ,, ,, ,, ,, 2 tw) S12 ,, 16,47 9c der nichtjüdischen Zensitcn versteuerten über 125*0) Mk. Einkommen. ln Baden beträgt ihr in Millionen Mk. die Zahl der veranschlagtes Kapital 'Nichtjuden . 1 841 812 3 541 Juden . . 26 132 316 ihr in Millionen Mk. veranschlagtes Einkommen 221 24 1904 bildeten die Berliner Juden 4.88 9c der Bevölkerung, aber 15,107 90 der Zensitcn Fiber 15!» Mk. Einkommen und zahlten 30,114 9c der gesamten Einkommensteuer. (Fortsetzung folgt.) . aber das kleine Kapital meines Mädchens inberührt und ist sogar um ein weniges vergrössert worden, und wenn Gott hilft, dass ich meine Enkelin für einen guten, ehrenhaften Menschen ausstatten kann, dann ist mir auch der Tod nicht fürchterlich; die Seele sehnt sich schon lange nach Ruhe, nach ewiger Ruht‘.“ -- ..Nach diesef traurigen Erzählung, Rabbi, fange ich au, Sie noch mehr zu bemitleiden und zu ehren. Ihre Enkelin . . . nun, ich fühle für sie so älmiieh, wie für diesen hier, iiir meinen einzigen Sohn. Die Geschichte meines Lebens ist auch keiner der heitersten . . . Reichen Sie mir die Hand, mein Freund . . und lassen Sic uns nach unsrer Kranken sehen. Es ist schon spät, und Sic bedürfen der Ruhe nach einem so schweren Tag . . .“ Rahel zerfloss in Danksagungen an den Arzt. Nach der Medizin schlief das Kind ruhig und sanft. Die Alte wendete keinen Blick von dem Kinde und strahlte vor Freude und Glück. ״Seien Sic unbesorgt, gute Frau, 111 re Enkelin wird morgen völlig genesen sein. Suchen Sie sich zu zerstreuen und den heutigen .... heisen Tag vergessen zu machen . . . .** Der Doktor entfernte sich. , ־ ״Apropos, Rabbi, denken Sie doch darüber nach,

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