Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1907)
- Date
- 1907-12-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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t l Abonnementspreis elnscWiosalich LITERAT URüLATT »leri«ljährfieh: 1. «furch di« Expedition: a) In Berlin —,90 Merk. t>) nach aus* ar&rts I,— Merk, c) für aas Ausland 15י Mark, 2. In Pettibinnement!,23 Mark. r-N r־A r ץ־ r.; 'v. ..י'- rtfi 0 i׳״!i ״ Allgemeine Jüdische Zeitung Redaktion: Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: VjrUg fOditcha Rundrehtu, E- O. m.b. U, Bariia N.S4, Augu*Utr»m AS«. Ile Insertionspreis rfcfgespohen« Peilt-Zeile oder deren Raum 2S Pfennig. BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4 Telephon: II, 33S7. Ottcbiftsituodeo der Expedition tlgllch (atmer Sa&bat und Sonntag) vormittags 10— I, nachmittags 3—7 üh׳# Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bet voller QueHenangibe gestattet. .״ץ,...,״, י\-׳׳ מיפנצימואע? Nummer 50 Berlin, 8. Tebeth 5668 —13 Dezember 1907 1a■? .»;״■■!?!!,?e: *******kcs? XII. Jahrgang . t\ n ׳a C4t‘ J \J ui f f Av liü Bericht, erstattet dem Bureau des Vlll. Zionistcnkongrcsses im Aufträge der Zionistischen Vereinigung: für Deutschland von Dr. H. Q. II e y m a n!1. In Deutschland sind die Juden seit den Zeiten Casars an- ־sassig. Trotz furchtbarer Verfolgungen sind sie nie ganz vertrieben worden, sondern sie haben sich immer in einzelnen Territorien gehalten. Sie bildeten bis zum Aufschwung der amerikanischen Judenschaft den Kern der Westjuden und haben auf allen Gebieten menschlicher Betätigung zahlreiche hervorragende Männer gestellt: Es gab Juden in Preussen % der Gesamtin Deutsch- % der Gesamtbevölkerung land bevölkerung 921 123 (*1816־ 1,19 —- — 1871 325 587 1,33 512153 1,25 1880 363 790 1,32 561 612 1,24 1900 392 322 1,14 586833 1,04 1905 409 501 1,10 607 862 1,00 Die Zahl der Juden nimmt also bis Mitte der 70er Jahre ,.sehr stark zu, von da ab geht bei geringer absoluter Zunahme; ihr Anteil an der Gcsaintbevölkerung stetig zurück. Hierbei spielen Ein- und Auswanderung eine viel geringere Rolle, als 'die natürliche Bevölkerungsvermehrung. Es betrugen °/M der Bevölkerung in Prcussen 1820—66 1S93-97 1905 Jiid. Geburten .;1• <־<־ 1736 Sterbefälle . 14,73 14,22 . ״ Bevölkerungsvermehrung . 16,80 7,25 3,34 Die deutsche Judenschaft dürfte während des 19. Jahrhunderts fortgesetzt einen Verlust durch Wanderungen erlitten haben. Im Auslände leben etwa 70 000 deutsche Juden und ,viele zehntausende haben sich dort naturalisieren lassen; erst seit 1895 etwa übersteigt die Zahl der einwandernden die der auswandernden Juden. Die Folge der überaus geringen Geburtenziffer ist eine ganz andere Bevölkerungsgliederung, die Zahl der Erwachsenen ist relativ viel grösser wie unter der Gesamtbevölkerung. Trotzdem entfallen auf 10 000 Juden 1905 nur 73,53 Ehen in Prcussen gegen 86,34 der Christen und die ehe- •) Die Zahlenangaben sind entnommen aus Ruppin: Die sozialen Verhältnisse der Juden in Prcussen und Deutschland, Ruppin: Die Juden der Gegenwart, und aus den Publikationen des Bureaus für Statistik der Juden. liehe Fruchtbarkeit ist infolge des herrschenden Malt h u s i a n i s m u s viel geringer wie bei den Nichtjuden. Die Zahl der unehelichen Geburten betrug in Prcussen 3,74% der Geburten jüdischer, 7,43% der Geburten nichtjüj'schcr Mütter. Die Ehescheidungen sind seltener als bei der Gesa:11 tbevölkeru::g. Wenn auch das gleiche von den Totgeburten gilt, so ist doch das hygienische Gesamtbild der deutschen Juden nicht durchweg erfreulich.• ' ׳. Die Zahl der Selbstmorde ist rapid gewachsen. Es kamen in Prcussen Selbstmorde aul 1000 000 Koniessionsangehörige 1SS0/59 1890/99 1934 Katholiken . .... 49,6 93 96 Protestanten .... 159,9 247 244 Juden . . . 46,4 . .• .• ״• 241 281 Ebenso ist die Zahl der Geisteskranken, Taubstummen und Blinden seit altersher unter den Juden eine weit grössere wie unter der Gesamtbevölkerung und die 1S95 aufgenommene Gebrechlichkeitsstatistik zeigt für die Juden in allen Reihen etwa den doppelten Anteil wie für die Nichtjuden. Auch in der Militärtauglichkeit stehen die Juden noch weit hinter der Gesamtbevölkerung zurück. Hat auch der grössere Wohlstand, die Zunahme der Körperpflege und des Turnens die Gesundheitsverhältnisse der Juden gebessert, so hat doch mit dem Zuge nach den Gressstädten die Nervosität und die Zahl der Geisteskranken sehr zugenommen. Das Schwinden der Orthodoxie und die Lockerung der alten Familienbande haben im Zusammenhang mit dem Stadtlcbcii zu einem weiten Hinausschieben des Heiratsalters, Minderung der Zahl der Ehen und Gehurten wie zunehmender Verbreitung der Geschlechtskrankheiten und des Alkoholismus geführt. Leider findet sich auch schon eine nicht unbeträchtliche Zahl jüdischer Prostituierter. Wie die Prostitution wächst die Mischehe, so dass 1905 in Prcussen von je 100 heiratenden jüdischen Männern und Frauen schon 10.56 mit einem Nichtjuden die Ehe schlossen. 43.47 % der Mischehen entfallen auf Berlin und die Vororte. Die Kinder aus Mischehen gehen dem Judentum zu über 75% verloren und zahlreiche Kinder aus rein jüdischen Ehen werden :,eich bei der Geburt der Taufe zugeiiihrt. Ruppin schätzt für Prcussen IS95/19**J die Gesamtzahl der Taufen und Lebertritte auf 2500. Diese Zahlen bieten für die Zukunft des Judentums in Deutschland wenig tröstliche Aussichten; die wirtschal (liehen Veränderungen, denen es im 19. Jahrhundert unterlag, haben seine physische und moralische Widerstandskraft gebrochen.