Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-12-06 · Heft 49 (6.12.1907) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651549--05274-2662288
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Ko. 49 JÜDISCHE RU Vo!t einem bekannten Abgeordneten der ersten \ Duma erhalten wir die folgende Zuschrift: Zu meinem Erstaunen habe ich in dem Abendblatt der V3SSISCHEN ZEITUNG vom Montag, den 2. Dezember eine Mitteilung des deutschen Bureaus der Alliance Israelite Universeile gelesen, wonach in der vergangenen Woche in Odessa ״tur ganz unbedeutende Strassenkrawalle vorgekommen stien, die schnell vorüber gingen, und kaum beachtet wur* um. In der Stadt sei alles ruhig.“ Gestatten Sie mir einer sdehen Berichterstattung zu widersprechen. Die Nachrichten vjn den Bluitagcn itt Odessa, wie die Odessaer Zeitungen diese Tage nennen, hat die Runde durch alle russischen Zeitungen gunacht und die russischen Zeitungen diirien doch gewiss ucht^ zuviel schreiben. Sogar diejenigen Zeitungen, die ״vom Verbände der echtat Russen“ redigiert werden, haben ausführliche Berichte »״er ■die Ereignisse gebracht. Zwar herrscht in Odessa in d«n letzten Jahren ein permanenter Pogrom, diesmal aber miss es sich doch um etwas sogar für Odessa Aussergcwöhnli'hes gehandelt haben. Die Odessaer Zeitungen sind allerdings vom ücr.eralgouvtrneur gewarnt worden, und dürfen zusammenhängende BcriJiic nicht bringen. Sie dürfen auch nicht mehr von den Uitaten der Vcrbändler oder ״schwarzen Baude“ sprechen, da ist ihnen verboten worden, statt dessen müssen sie sagen .dinge Leute“. Es genügt aber ein Bück in die Rubrik ״Lokal-s“ der Odessaer Zeitung ORÜSSK1 NOWOSTl zu werfen. '1״ der ich abschriftlich einen Auszug beilege, um über die Beieutung der Unruhe:, Gew issheit zu erhalten. Demgegenüber müssen solche Nachrichten, wie sie das deitsche Bureau der A'.iance Israelite Universelle bringt, als ein: direkte Unterstützung des Pogromwesetis in Russland . Witten und es ist daher die Pflicht eines jeden Kenr.ers der Veiüiltnisw, gegen derartige Berichte zu protestieren. Donnerstag, den 13./2R Novem! er 07. Bald nach der Erplosion begann man verschiedene Per- Sf<nn ins Krankenhaus einztiHeiern, die auf verschiedenen Strtssen verwundet worden waren (hauptsächlich auf der B. *rnautskaja). Alle Verwundete waren mit Mesesrn in den Rüaen gestochen. Cha'jm Jankelewitsch ging von der Arbeit zusetnnen mit 2 Arbeiterinnen aus der Wäschewerkstatt vor. Eeirstamm. An der Ecke Bazarnajastr. und Alerar.d'owsky- Projekt überfiel sic eine Gruppe von 10—12 jungen Leuten, die (en Jankelcwitscli rr.it einen; Stock auf den Kopf schlugen, ihn üraui zu Boden warfen und ihm eine Messerwunde im I<ück:n beibrachten. Die jungen Leute entkamen. Icssach Gores, ein jüdischer Lehrer, passierte die B. Arnaitskaia ungefähr am selben Orte, wo der vorige Fall sich •rcignetc*; eine Bande junger Leute überfiel ihn und stach ihn mit einem Messer in den Rücken. Gares erreicht• mit Miihe die Apotheke von Strisower. von wo er nach der ersten Hilfeleistung ins jüdische Krankenhaus ein* geltef<rt wuide. N Plant, trank Tee zusammen mit seinem Vater im Rcstairant ״Jubilec“ in der Polizeistrasse. Aui dem Wege nach ־lause wurden sie auf der Richelicustrasse von jungen Leute! umzingelt. Dem Vater gelang es, zu fliehen, dem Sohne brachten die .Unbekannten eine Wunde im Rücken bei und lefcn davon. Dtvid Albin. Angestellter in der Elcischhandlung von Mirolsthn, wurde Ecke B. Arnautskaja und Preobraschenkaja von eher Schar junger Leute umzingelt, die ihm einen Schlag ins Gsicht und einen Messerstich in den Rücken versetzten. In die Apotheke von Feinstein wurde der Schneider Sch. Barski gebracht, der eine von einem Messer herrührende Halswuide aufwies. Dei taubstumme Färber David Krasnoff wurde von einer Menge Unbekannter so stark durch Stockhiebe misshandelt, dass mm den Wagen der Rettungswache hcrbejruien musste. Der Studenten Nitiloff überiel ein Haufe junger Bursehen it der Daribossowskajn Strasse. Einer derselben versetzte itm mit einem eisernen Handschuh einen Hieb ins Gesicht uni schlug ihm einen Zahn aus dem Unterkiefer. Den Zeüungsverküuier G. Burak überfielen Ecke Bazarnaja und Jekaterinskaia Strasse junge Leute und verwun- Jctcn ihn an der Schläfe. im Passage-Gebäude versetzten Unbekannte einen Schlag ns Gesicht dein Buchhalter Wahrhaftig. Odcskijo Novosti, 16/29. November 1907. Gleich auf den grossen Dumatag folgte der bekannte )dessacr Bluttag, den wir erlebten, eingehüllt in die finstere lulle der wilden Grausamkeit der elementaren Barbarei und ler abstossenden Bosheit. Zur selben Zeit, da wir uns über lie Reden der parlamentarischen Sprecher freuten, die das U ,DSC 11 AU._ _ Sc-iic 5>7 / and zu Frieden. Liebe und Einigkeit aufriefen, haben einige Unbekannte hier ganz nahe von uns. vielleicht in der Entferneng vor! einigen Schritten von den Betten unserer Kinder, moralisch Verwilderte, jeder Vorstellung von den Grenzen des Erlaubten Bare das Schreckliche Verwüstungsinstrument vorbereitet und andere Anstalten getroffen zur Beraubung, ja Erntordttug von Menschen, die sie bis dahin niemals gesehen tmd die ihnen nichts Böses angetan hatten. Und schon ein. oder zwei Stunden, nachdem das höllische Vorhaben zur Ausführung gebracht war, haben Gruppen von neuen Unbekannten, die ebenso unverantwortlich und ebenso weit entfernt von den Uneben gesunden Gesellschafts-Bewusstseins waren, Ueberfälle mit Dolchen und Mcsern veranstaltet auf zufällige friedliehe Passanten, deren einzige Schuld darin bestellt, dass sie eine dunkle Gesichtsfarbe und charakteristische Nase haben. So «haben sich nun die Steine un$e־cs Strasscnpflasters. die so Nieles wählend der letzten drei Jahre gesellen habe», wiederum mit!*'lecken menschlichen Blutes bedeckt, diesen stummen, aber unwiderleglichen Zeugen unseres kulturellen Verfalles. Die räuberische Gewalttat wird durch eine Reihe neuer Gewalttätigkeiten erschwert, •die umsoweniger begreiflich sind, als sie nicht einmal durch das materielle Interesse diktiert werden. Mit einer geradezu fatalen Beständigkeit iolgt jed׳.::) verbrecherischen Exzesse eine Reihe von kannibalisehe:« Strassenkrawalten gegen Juden und Jüdinnen, die ungeführ in denselben Beziehungen zu den Heldentaten der imbekannten Räuber stehen, wie z. B. der chinesische Kaiser zu den Unternehmungen. Odesski Nowosti. Freka,־, den 16/29. 11. Lokales: Gestern!!;org.cn erschienen im Ambulatorium des jiidisehe:; Krankenhauses mehrere Pctsoncn. die am Vorabend in. verschiedenen Strassen der Stadt misshandelt worden waren. Die erste ürziiehc Hilfe war ihnen in Apotheken. Krankenstat;.neu uv,J in den Wohnungen von Privatärzten erwiesen v orden. M:;t;>gs fischten dort W. Beigel. •gegen 10 Uhr abend.-» über hei ihn eine von den Scharen ..junger Leute“ an der Ecke M-A־::a1:tska.'a und Kanatnaja und versetzte ihm mit einem Stück schweren Eisens eine Wunde in den Kopi. Aron Fucoranski und der Schüler der Technischen Hochschule von Gadsiazki, Lew Retitmann, wurden von einer Schar ״junger Leute“ überfallen, unter denen Reutmann einen gcwesenen Schulkameraden Arsamians erkannte. Auf der Station der Rettungswache erschien der Makler Robert Chaimonitsch, der aui der Ecke Polizeiskaja und Kolodes!:: Per. durch einen Messerstich in den Rücken verwundet worden war. Gestern wurde der Hauptbuchhalter des Ge- Schafts Brodsky & Co., während er eine der Hauptstrassen passierte, von einer Schar unbekannter junger Leute umzing/t, von denen einer ihm einen Schlag ins Gesicht versetzte. Der Sohn des Zahnarztes A. S. Joscfowitsch wurde von unbekannten jungen Leuten überfallen und misshandelt. Gestern abend überfielen Unbekannte den Angestellten Grossmann aus dem Geschäfte Bomse an der Ecke Jckaterinenskaja und Basarnaja und versetzten ihm einen Messerstich in den Rücken, ürossmann wurde in die Station der Rettungswache cingelieiert. wo ihm ein Verband angelegt w urde. Der im Motel Odessa wohnende Kaufmann Grigori Smolanski kehrte um 7 Uhr abends ins Hotel zurück. Als er den Alcxandrowski Prospekt erreichte, wurde er von drei jungen Leuten umzingelt, die gegen ihn den Revolver richteten und ihn die Hände hochhalteii Hessen. Die Räuber durchsuchten ihn. nahmen sein Portemonnaie mit 14?יו Rbl. und zwei Wechseln auf <00 Rubel und verschwanden. ln den Bäckerladen Ch. Cohen aui der Basarnajastrasse.33 drangen zwei unbekannte junge Leute^ ein. versetzten mit eine:! Messer der Ujülirigen Tochter Cohens eine Wunde in den Kopi und verlicssen den Laden. .Es folgen noch einige w eniger bedeutende Vorfälle der sizilianischcn .Maffia: Bejahrte jüdische Handwcrker, Mädchen und oit sogar Kinder werden den schrecklichsteil Foltern unterzogen, Verwundungen und oft sogar einfache Morde seitens der ״Verteidiger der Ordnung“ aus eigenen Gnaden, die meistens ini Dunkel der Nacht ihre Tätigkeit entfalten und die ihre Mission der ״Fncdensswiumg" als umso erfolgreicher erfüllt betrachten, jemehr Messer- und Dolch- Stiche in Bäuche und Rücken zu versetzen ihnen gelang. . . .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.