Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1907)
- Date
- 1907-12-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 528 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 4t׳ Ein deutscher Forscher über Palästina ln dem soeben erschienenen neuesten Heit der vom Auswärtigcn Amt des Deutschen Reiches herausgegebenen ״Berichte über Landlind Forstwirtschaft im Auslande“ bringt Prof. Hubert Auhagen ״Beitritte zur Kenntnis der Landesnatur und der Landwirtschaft Syriens" . Das Werk des rühmliehst bekannten Autors ist von hohem Interesse ffir alle diejenigen, die von der Kolonisation Palästinas, und Syriens überhaupt, durch Juden sich Vorteile iür das Land und für die Juden versprechen. Die in jüdischen Kreisen heute immer weiter um sich greifende Erkenntnis von der Eignung gerade dieses Teiles des Orients für jüdische Siedelungcn findet in dem Buche Auhagens, der das Land und besonders die landwirtschaftlichen Verhältnisse im Aufträge der deutschen Regierung eingehend untersuchte, neue Bestärkung. Auhagen, der die jüdischen Bestrebungen in Palästina offenbar genau kennt, billigt diese durchaus und spricht mit Anerkennung von den ״schön bebauten Gärten und Feldern deutscher und vielfach auch jüdischer. Kolonisten." l'nd nachdem er die irrigen Anschauungen über die Unfruchtbarkeit des Landes zurückgewiesen •md über die richtigen Methoden der Bebauung und Bewirtschaftung gesprochen hat., kommt er im Schlusswort zu folgenden» interessanten Resümee: ״Von der grössten Wichtigkeit für die Entwickelung Syriens ist die Kolonisationsfrage. Was nützen alle Verbesserungsvorschläge, wenn keine Leute vorhanden sind, die sie durchführen können. Die I) e u t s c 11 e 11 haben zweifellos viel für die kulturelle Erschliessung des Landes getan und sich nach dieser Richtung bleibende Verdienste erworben. Sie haben gezeigt, wie man cs r:a :heil muss. Aber für eine Massenkolonisation, wie sie in Syrien erfordernd! ist, kommen sie nicht in Frage." ״Da kann nun neben der weiteren Einwanderung von Tsclierkcssen, die aber auch nur in verhältnismässig geringen! Umfange möglich ist, die zionistische Bewegung für das menschenleere Land von grösster Bedeutung werden. Tausend und abertausend jüdische B a u e r!1 Russlands, Rumäniens usw. sehnen sich danach, sich in den! lande ihrer Vätcj anzusiedeln, und schon jetzt wächst in Palästina eine Generation jüdischer Landleute heran, die, auf den Erfahrungen der ersten unter grossen Enttäuscliungcn und Schwierigkeiten entstandenen Kolonien fussend, zu grossen Hoffnungen berechtigt. Dass der jüdische Bauer, der als solcher gutgewachsen ist, ebenso leistungsfähig ist wie jeder beste andere Bauer, davon habe ich mich durch den Besuch von zahlreichen jüdischen Kolonien, in denen ich mich oft tagelang aufgchalten habe, überzeugen können.׳* An! Ende macht Auhagen noch eine zusammenfassende Bemerkung über Lage und Klima Syriens. ״Was Syrien von dem übrigen grossen Tafelgebiete so besonders vorteilhaft auszeichnet, ist, dass hier das Gebirge und die Hochfläche!» nahe an das Mittelmeer herantreten und das Land Breitengraden angehort, die nichts von der erschlaffenden Wirkung der eigentlichen Tropengegend zeigen. Und dazu kommt, dass in diesen östlichen Teilen des Miitelmeercs sich im Winter jene heftigen Zyklone bilden, die Verhältnismassig grosse Regenmengen ־— Jerusalem hat ziemlich die gleiche jährliche Niederschlagsmenge wie Berlin — über das Land bringen.“ Sprechsaal 3 Pfr 4!« Kltteüangsh an dieser Stelle Qbemlmmt die Redaktton nur die pressgesetzllche Verantwortlichkeit מ j Liebe Rundschau! Die Zeitschrift des Zentralvereins deutscher Staatsbiirgc! ׳jüdischen Glaubens IM DEUTSCHEN REICH ist unter die Nationaljuden gegangen. In ihrer Dezcmbcrnummer S. 691 wird unser Freund Dr. Straucbcr beifällig erwähnt, weil c! im Parlament ..die Forderung stellte, den österreichischer Juden gleiche Rechte und die Staatsgrundgesetz!:;11 gewähr• leistete nationale Gleichberechtigung nicht länger vorzuent halten". S. 7tX! heisst cs gar von der Ausstellung jüdische Künstler: ״So bildet die Veranstaltung einen glänzenden Belej dafür, dass die Juden in» Gegensätze zu den antisemitische! Behauptungen aut‘ den! Gebiete der Kunst sich betätigen wi> andere Kulturnationen*‘. Oder lässt sie sich vielleicht voi einem verkappten Zionisten Kuckuckseier ins Nest legen' Videant ennsules! hgh. Kleine Mitteilungen Berlin. Die jüdischen G e in e i!1 d c w a 111 c :1 haben au Donnerstag, dem יי. November, stattgeiunden. Die Betciigung war, wie vorausznsehen, eine geringe. Jeder, der che Meinung zu vertreten hatte, hat sich mit!:ns der Stimme er.- halten. Obwohl es ganz gleichgiltig ist, wer vor. den Partei!!׳ ״gesiegt" hat. von denen die einen sich ״konservativ", de ändert! ..liberal" nennen, während beide sich bisher weer liberal gezeigt noch konservativ gehandelt haben, wollen vir hier der Vollständigkeit halber das Wahlresultat niitteilen. ys wurden gewählt: Prot. Dr. Senator. Dr. Julius B l u in c! - thai. Rechtsanwalt Dr. Ignaz Cohn. Fabrikant Amt Hirsch. Jakob Weinberg, Gersun S i::! o 11, Julus B o d c n s t c i n (diese sieben: wieder gewählt), Oslar L o c w e!1 b c r g , Adolf L c w i n s k i (neu gewählt), Dr. Max O insberg. Rentier Emil Cohn. Maurermeisters. Weile. Die ersten neun halten sich für konservativ, die weiteren drei für liberal. Als Stellvertreter würfen ..Liberale" gewählt. Dieses Wahlresultat kann nur so zu- Stande gekommen sein, dass ein Teil der sogenannten Kottervativen die Abmachung mit den Liberaler! nicht innegehnten hat. Wenn es an und für sich eine Baukerotterklärung der sogenannten Konservativen war. das \\ ahlabk׳*mmen mit den bisher so grimmig bekämpften liberalen Gegnern zu trafen, so ist diese Nichtinnehaltung der Abmachung seitens der Wähler mindestens um keinen Deut besser. Wiesbaden. Vom Vereine für jüdische Geschichte und Literatur hier, an dessen Spitze Herr Assessor Dr. Friedem a 111! steht, wurde eine T o y n b e e I! a 11 e ins leben gerufen, die unter sehr günstigen Auspizien ins Leben tritt. Es ist bemerkenswert, dass die Chefs ihre kaufmänni.clien Angestellten auf die Vorteile aufmerksam gemacht habet, .die ihnen durch die Toynbeehalle geboten werden. Wir kuinei! nur wünschen, dass der hier betretene Weg mehr und mehr begangen wird. Das verdienstvolle Werk Auhagens, das Resultat mehrjähriger Forschungen und langer Beobachtung im Lande selbst, ist durchaus geeignet, auch die letzten Vorurteile, die in jüdischen Kreisen noch gegen die Ansiedlung von Juden in Palästina geltend gemacht wurden, gründlich zu zerstören. Im letzten Satz seiner, Schrift, die noch dazu die Autorität einer amtlichen Publikation des Deutschen Auswärtigen Amtes hat, bringt Auhagen nochmals seine Überzeugung zum Ausdruck, dass ״Syrien in hohem Grade entwicklungsfähig ist und durchaus eine enge kleinbürgerliche Sicdclung verträgt, ja für eine solche geradezu prädestimiert erscheint.'‘ Was Auhagen hier von Syrien im allgemeinen sagt, gilt von Palästina, dem östlichsten am Meere gelegenen Teil, ganz besonders, wobei noch zu bedenken ist. dass hier der Nahe des Meeres wegen günstige Exportmöglichkeiten vorhanden sind, die nach dem Innern des Landes zu naturgeniäss sich verringern. Interessant und wertvoll bleibt an dem Bericht Auhagens, dass hier ein deutscher, christlicher Gelehrter zu denselben Resultaten kommt wie andere Befürworter jüdischer Kolonisation in Palästina: dass hier ein Land wartet auf das Volk, das es besiedeln soll! Wien. Herr Rudolf Nassau, der •die JÜDISCHE ZEITUNG mitredigierte und auch verantwortlich zcicioete, ist aus dem Redaktionsverband ausgesebieden. so dass unser Briidcrorgnn jetzt von einen! Komitee redigiert wird, an tesser! Spitze unser Freund Dr. Isidor M a r g 1! 1 i e s stelt. Persönliches. In Stuttgart ist plötzlich am Herzschlag Frau Bodenhcimer, die Mutter des P r ä s i d e 111 e r der Zionistischen Vereinigung für Deut sc Hand gestorben. Wir sprechen tiusern! verehrten Präsident:!!. Dr. M. J. Bodenhcimer in Köln, und seiner Frau Gemahlin unser herzliches Beileid aus. “~ ״..נ״ m t...._ 1 Briefkasten der Redaktion k-: - ־״..־:~-T3 |.;a 1.. . I-: Schi, in Hannover. Ihr Versammlungsbericht ist so lang, dass er 20 Strafporto verursachte und jedenfalls in dieser Nummer nicht gebracht werden kann. Zionsgruss.