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Jüdische Rundschau · 1907-12-06 · Heft 49 (6.12.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 324 Und doch findet derselbe Dichter die weichen und wehnötigen *,Licbcstöne, die nur das geplagte jüdische Her/ kennt und versteht, die aus einer weichen Volksseele klingen, die in ihrer ursprünglichen Sprache für die göttliche Barmherzigkeit kein anderes Wort fand, als das, das wörtlich Mnttergeffihl heisst: Ich hab’ ein Kindchen, lieb und zart, Ein Knabe ist's gar fein. Schau* ich ihn an, so glaub’ ich schier: Die ganze Welt ist mein. 1 Und die innige Liebe, die der Vater seinem kleinen j Jiingcle entgegenbringt, klingt in den zagenden Ton aus, dass er ihn nur bei Nacht zu sehen bekommt, weil er den ganzen Tag über bis in die späte Nacht ausser dem Hause die schwere Arbeit leisten muss, die 11111 vorzeitig aufreibt: No. '0 liegen uns in einer Ucbersetzung von Bcrthold V e i w e I vor, der zwar nicht die unübersteiglichcn Schwierigkeiten der Lebertragung aus dem Dialekt in die Schriftsprache ganz überwunden hat, aber das beste leistete, was man schaffen kann angesichts der Unmöglichkeit, die Feinheiten der mit so vielen Onomatopocsien arbeitenden jüdisch-deutschen Sprache wiederzugeben oder auch nur anzudeuten; und grade Roscnfcld ist mehr als ein anderer Herr und Meister dieses so fein nuancierten Dialekts, der Stimmungen in Wortklängen zu malen imstande ist, weit mehr als alle verwandten Mundarten. Da gerade jetzt eine 6. Auflage der deutschen Ucbcrtragung dieser (ihettolieder erschien, möge die Anregung, die \<n ernster Seite in diesem Blatte gegeben wurde, von den v«1 getragenen Gedichten und Liedern eine Tantieme als Llirengnbe dem Dichter znkommen zu lassen, auf fruclitbaren Boden fallen. Ls ist wahrlich nicht zu viel von einem JÜDISCHE RUNDSCHAU. ’jtt} ~~ I II II Da steht dein Pa’ mei süsses Kind! Da nimm den Penny, da!. Im Traum bcwegt’s die Lippen leis': O, wo ist, wo ist Papa? . . Mir ist so bitter weh zu Mut, So weh* — mein Herz wird schwer: ״Mein Kind, mein Kind einst wachst du auf ‘ Und findest Pa nicht mehr!" . . . Die Gedichte, die Morris Rosenfelds Namen unsterblich machen*) und ihn als ein neues Ruhmesblatt in den unverwelkl liehen Lorbcerkranz seines unglücklichen Volkes flechten, *) Lieder des Ghetto von Morris Roscnlcld, Autor. Ucbcj- Setzung aus dem Jüdischen von Bcrthold Leiwel, mit Zeichnungen von E. M. Lilien. Berlin: He!mann Seemann Nachfolger, Berlin N. W. 87. 6. Auflage. 1907. Die neue Auflage, die ebenso wie die früheren vorzü glich ausgestattet ist, kommt gerade jetzt während des Makkabäerfestes recht, um als ein vorzügliches Geschenk zu dienen. Die im Text gegebenen Illustrationen sind verkleinerte Wiedergaben einiger der vielen Lilienschen Illustrationen, die uns die Verlagsbuchhandlung fieundiichst für diese Nummer zur Vcriügung gestellt hat. '# .־ Volke verlangt, dass es seinen Dichtern zahlen soll, was ihnen zukommt '1!״ Rechtswegen, aber sie nicht• mit Almosen abspeist. ״Ich bin geboren״, so erzählt Roscnfcld, ״am 25. Dezember 1862 in dem kleinen Städtchen Bokscha in Russisch- Polen. Mein Grossvatcr.!nein Vater, alle die zu unserer Familie gehörten, waren Lischcrsleute. Die kleine Stadt liegt in einer lieblichen Gegend zwischen Wald und See. ich war noch ein Kind, als meine Litern nach Warschau ziehen mussteil. Man schickte mich zun! ״Glieder“ und ich lernte dort Talmud und ein wenig Polnisch und Deutsch. .Mit 18 Jahren heiratete ich und ging nach Holland, wo ich durch 6 Monate die Diamantschlciferei lernte lind betrieb. Von dort zog ich nach England. Hier arbeitete ich durch 3 Jahre in den Swcat Shops von London. Ich fuhr daun nach Amerika, wo ich bis zum heutigen Tage verblieb. In den dumpfen, finsteren Sweat Shops von New York war cs, wo ich singen lernte von Unterdrückung, Leid und Elend. Bel Tage arbeitete ich, nachts schrieb ich meine Gedichte. Die Werkstatt zerrüttete meine Gesundheit, und ich musste die Arbeit an der Maschine aiifgcbcn. Ich wandte mich dgr Journalistik zu und war durch einige Jahre Mitarbeiter der bedeutendsten amerikanischjüdischen Bluter. Es ging mir erst besser, als die Sammlung meiner Lieder ״Songs from the Ghetto" herauskain." — Das bessere materielle Ergehen endete mit der schweren Krank-

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