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Jüdische Rundschau · 1907-12-06 · Heft 49 (6.12.1907) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 523 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 49 kommt die Krankheit. Und sic naht sich ihm in der entsetzliebsten Form, die man für einen Mann ausdenken kann, der mit hellen Augen in die vielgestaltige Weit seines Volkes hineinzusehen gewohnt ist. als Blindheit. Das ist gerade genug und übergenug für ein so weiches Herz, das in wundervollen Liedern den Schmerz ergiesst, über die Wunden, t das Leben ihm so reichlich geschlagen, ein so wehmütiges i'ungcn und frischen Judcnsclimerz, der versteht es, dass das iid rasende Meer nicht die Furcht, sondern die einzige Hoffnung der gejagten Juden ist: Mag’s brausen und brüllen und sieden und kochen, Mag’s stürmen und stürzen um uns her, Wir sind verlorene, verlassene Juden- Unsere brennende Wund.c löscht nur das Meer. »,fVÄI'.Uff, 1!,,««וו X *. S ' f \ v - Herz, das seine Lieder dein imgüickliclien Volke weiht, dem der Sänger des Ghetto entsprossen und das vorbildlich für die Leiden ist, die seinem Sänger zuteil werden. Und wie dieses Volk seit hunderten von Jahren fälschlich totgesagt wird, so gleicht auch hierin das Los des blinden Ghettodichters dem seines das Leben so kräftig empfindenden Stammes, dass böse Freunde seinen Tod in die Welt hinausschreien und dass man cs dem Dichter nicht glauben will, wenn er mit allen seinen Kräften hinausruft, dass er noch lebe’ und dass es Not, nicht Tod ist, was ihn bedrückt. Der Tod, der aus den Raen und dem Takelwerk des im Sturme dahinfliehcndcn Schiffes die Passagiere angrinst, und der so oft am Siechenbett des erkrankten Dichters?u stehen schien, erschreckt ihn nicht. Aber die bittere Not hat an die Tiirc des Dichters angcklopft, der dem Volke seine Lieder geweiht hat, das für reich gilt, weil es eine reiche Kaste hat. die ihm untreu wird, das aber in Wahrheit das allcrürmstc ist. und das.für seine Dichter mir dann sorgt, wenn sie nicht den Judenschmerz zum Gegenstände ihres Liedes machen. Fs ist das heimatlose Watidervolk, das einstmal makkabüische Hel- dentaten verrichtet hat und dem nun sein Dichter singt: . Und wir sind Juden, armselige Juden, Ohne Freund, ohne Freud’, ohne Hoffnung auf Glück, Fragt uns nicht mehr! — Doch wollt ihr es wissen: Amerika treibt uns nach Russland zurück. F.s treibt uns dahin, woher wir geflohen . . . Wir sind ia nur Juden und haben kein Geld! Doch nun, was sollen wir noch erhoffen? Was soll uns das Leben, was soll uns die Welt? Wer die jüdische Not kennt, wer sic so gesehen und empfunden hat, wie der Dichter der Giiettolieder, wer so untertauchen musste in den grossen Jahrtausende alten und so

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