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Jüdische Rundschau · 1907-11-29 · Heft 48 (29.11.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 516 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 48 ist sowohl für die Einwanderer als auch für die gedelhlirhc Entwickelung der amerikanischen Judenhcit bedenklich. Zur weiteren Verminderung der jüdischen Auswanderung nach den grossen Zentren der Vereinigten Staaten haben wir uns erfolgreich bemüht, die Auswanderer auf neue Nicderlassungsmöglichkeiten in anderen Ländern aufmerksam zu machen. Unsere Fürsorgctätigkeit erstreckt sich demgemäss in umfassender Weise auch auf die Auswanderer nach Canada. Argentinien, Palästina und nach europäischen Ländern. Die Bemühungen des Zentralbüros für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten, die Auswanderer und Auswandererkomitees zu stützen und informieren, wurden in noch umfassenderer Weise als in den früheren Jahren fortgesetzt. Von der Fürsorge, die wir den Auswanderern angedeihen lassen, haben viele Tausende Vorteile gehabt. Ober 30 000 Auswanderer wurden auf unseren verschiedenen Verpflegungsstationen' verpflegt und ca 10 000 Auswanderer sind bis zum 1. Oktober d. J. vom Hilfsverein befördert worden. Die Gesamtaufwendung dieses Jahres für Auswandcrungszwcckc beträgt bereits jetzt H Million Mark. « ln Vorstehendem konnte nurßbcr die Hauptpunkte berichtet werden. Fine Anzahl kleinerer aber nicht weniger wichtiger Aufgaben war ausserdem zu bearbeiten, deren Aufzählur.g dem Jahresbericht Vorbehalten bleibt. Die gegebene kurze Skizzicrung unseres Wirkens wird hoffentlich zeigen, dass der Hilfsverein der Deutschen Juden bestrebt bleibt, das Vertrauen durch eifriges Bemühen und hingebende Arbeit zu rechtfertigen und seiner edlen Bestimmung nach Massgabc der Kräfte gerecht zu werden. V-.A י: iyil I Ml} 4■ י ׳ 1 Uiiwi *1• ►;נדד ,, M ־*, ׳*•' r-U־. :, r r?y ,«. & w!» 4» 11»/ o ' U fm (Berlin W. 15, Uhlandstrasse 175). Am 17. ds. Mts. fand irr. Sitzungssaale der Grossloge des B'nai-B'rith-Ordens für Deutschland die erste Hauptversammlung des Vereins zur Verbreitung von Kimstgewerbc und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern ״Bczale!“ statt. Den Bericht erstattete der Vorsitzende Prof. C. W a r - bürg. Er wies darauf hin, dass die Förderung von Haus- Industrie und Handwerk eines der erfolgreichsten .Mittel zur Beseitigung der materiellen Not, die unter der städtischen Jüdischen Bevölkerung Palästinas herrscht. Die Einführung von Hausindustrien wird auch zur Stärkung der Kolonien in hohem Grade beitragen. Besonders aussichtsreich ist die Entwicklmg des Kunsthandwerkes, da kunstgewerbliche Erzeugnisse nicht nur infolge des fortgesetzt zunehmenden Fremden־ Verkehrs in Palästina allein, sondern auch in allen Landern der Diaspora grossen Absatz finden werden. Mit Genugtuung hob der Vorsitzende die günstigen Berichte hervor, die dem Vorstande von Herren, die die Kunstgewerbeschule ״Bezalel“ in_ Jerusalem persönlich zu besuchen Gelegenheit hatten, zugegangen sind (Fabrikbesitzer S. Hepncr, Rechtsanwalt Straus, Dr. Sandler, Präsident Wolffsohn, Oaster, Dr. A. Ruppin u. a.). Alle Herren bezeichnen die Entwicklung der Schule als eine absolut gesunde und ihre Leistungen als höchst anerkennenswerte. Die bisherigen Erfahrungen beweisen, dass die Schule einem wirklichen Bedürfnis entspricht und ihre Wirksamkeit von den segensreichsten Folgen für das Wohl der palästinisehen Judeitheit sein wird. Die Bedeutung der Schule wird darin liegen, immer neue Hausindustrien und Kunstgewerbe in Palästina einzuführen und unter der Bevölkerung zu verbreiten. Eine hervorragende Kraft gewann Jetzt die Schule in dem rühmüchst bekannten Maler S. Hirszenberg, der seine Tätigkeit als Lehrer für Zeichen- und Dekorativunterricht im Oktober aufgenommen hat. Gegenwärtig bestehen in der Schule folgende Abteilungen: L Höhere Klasse für kunstgewerblichen Zeichen- und Modellierunterrlcht. In dieser Klasse werden nur begabte und zumeist bereits vorgebildete Schüler aufgenommen. Von ihnen sollen die einen zu Teppichlehrern und Kunstzeichnern ausgebildet, die anderen dagegen einer handwerksmüssigen Beschäftigung, insbesondere der Stein- und Holzschnitzerei zugewiesen werden. . II. Vorbereitungsklasse für kunstgewerblichen Zeichen- und Modcllierun*erricht. In diese für Anfänger bestimmte Klasse wurden einige begabte Jerusalemer Jünglinge aufgenommen, die ohne den ״Bezalel“ ein nutzloses Dasein zu führen verurteilt gewusen wären. Diese beiden Klassen zählen zusammen 24 Schüler. III. Abteilung für Teppicharbcitcn. In dieser Abteilung finden 43 Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren, meist aus Jerusalem stammend, Beschäftigung. Die Mädchen lernen ein Jahr lang ohne Entgelt und erhalten in» zweiten Jahre 15 Frcs. monatlich. Ungefähr 25 Mädchen waren bereits vor drei Monaten so weit, dass sic diesen Verdienst bezogen. Dieser kleine Verdienst der Mädchen ist in Jerusalem schon eine sehr wesentliche Mithilfe für ihre armen Eltern. Die bereits fertiggestellten Teppiche sind nach Aussagen von Fachleuten recht gut ausgeführt und machen einen sehr gefälligen Eindruck. Es ist zu erwarten, dass nach zwei bis drei Jahren bei der Teppich-Manufaktur mit Leichtigkeit einige hundert Arbeiterinnen Beschäftigung finden können, da die anfänglichen Schwierigkeiten (wie Beschaffung der Wolle und das richtige Färben derselben) bereits jetzt grösstenteils behoben sind und die Schule nach einigen Monaten ihr eigenes Gebäude beziehet» soll, in den» genügend grosse Riimr.e sind, um eine grössere Zahl von Mädchen zur Anlernling des Teppichkniipfens aufzunelimcu. IV. Abteilung für Steinhauer. In dieser Abteilung werden 43 Steinhauer und 3 Maurer in kurzer Zeit so ausgebildet, dass sie bereits 1,20 Frcs. bis 1.50 Frcs. täglich verdienen. Ihr Verdienst wird, wem» sie sich grössere Fertigkeit angeeignet haben werden, bis auf 3 Frcs. täglich steigen. . V. Die Abendschule. Die Abendschule wird von älteren und jüngeren Jerusalemer Handwerkern besucht, die daselbst hauptsächlich Unterricht im Zeichnen erhalten und in der Ausiibtmg ihres Handwerkes vervollkommnet werden. VI. Abteilung für Hol/arbeitcn. Vor wenigen Monaten ist diese neue Abteilung eingerichtet wurden. Fs sollen hier hauptsächlich einfache Tischlerarbeiten sowie kunstgewerbliehe Holzschnitzereien atisgefährt werden. Es besteht auch die Absicht, schon in der nächsten Zukunft die Korbflechterei lind mit ihr in Verbindung stehende Sm>I:״rbeitcn im Bczalel einzuführen. Diese Industrie hatte hauptsächlich grosse Bedcutung für die landwirtschaftlichen Kolo;;:•.;!. Mit grossem Dank wurde seitens der Versammlung die hochherzige Zuwendung des Handelsrichters Herrn J. Moser in Bradford erwähnt, der 10 1*.) Frcs. ii'ir fünf Jahre (je 2000 Francs jährlich) dem ..Bezale•־* gespendet hat und des Rittergutsbcsiizers Dr. Paul Schottländer in Breslau, der in opferfreudiger Weise einen Jahresbeitrag von 1500 Mk. leistet. Beide Herren sind als erste zu Stiftern unseres Vereins ernannt worden. Die im vorigen Jahre den Bczalel subventioairenden Organisationen: Hilfsvercin der Deutschen Juden, Kolonisationsverein Esra, das Zionistische ' Aktions-Komitee, die Grossloge für Deutschland haben auch in diesem Jahre ihre Beiträge gewährt. Das Palästina-Komitee in Odessa hat nicht nur einen Kredit von 2100 Frcs. zur Einführung der Steinhauerarbeiten gewährt, sondern auch seinen iiir den hebräischen Unterricht in der Schule bestimmten Jahresbeitrag auf 1200 Francs erhöht. Mit hoher Genugtuung nahm die Versammlung den Beitritt einer grösseren Anzahl von B'nai B'rith-Logen sowie mehrerer jüdischer Gemeinden, die insbesondere dank der Agitation des Herrn Rabbiner Lob in Szegedin in Ungarn den Bczalel zu fördern sich entschlossen haben, zur Kenntnis. Hoffentlich wird dieses schöne Beispiel auch andere Gemeinden und jüdische Vereine zur Nachahmung anregen. Eine grosse Anzahl von Freunden gewann der ״Bczalel“ unter der palästinischen Bevölkerung selbst und unter den vielen Touristen, die auf ihrer Palastinarelse das Institut persönlicl» zu besuchen Gelegenheit hatten. Der beste Beweis dafür ist die grosse Anzahl von Spende»», die bei der Schule in Jerusalem direkt eingebauten sind. Um eine intensivere Propaganda iiir den ,.Bczalel־• entfalten zu können, haben sich auch an verschiedenen Orten spezielle ״Bezalel-Vereinc••. von denen Insbesondere die von den Poale-Zion-Organisationen unterhaltenen durch ihre grossen Beiträge hervorgehoben zu werden verdienen, gebildet. Als Vorsitzender wurde Prof. C. War bürg wieder gewählt, in den Vorstand wurden die Herren Dr. P a u 1 א a t h a n. Bert hold Israel. Fabrikbesitzer S. Hepncr, Dr. .Hirsch Hildesheimer, Direktor Paul Lcwy, Dr. E. Mittwoch. S. Berget. Prof. M. Phiiippson, Bert. Hamburg, Dr. Paul Schottländcr, James S im 0 n , Dr. S. S 0 s k i n berufen. Den künstlerischen Beirat bilden wiederum die Herren Maler Jul. Bodenstein. Prof. Max LI ober mann, Maler Hermann Struck. Wir geben den Bericht um so lieber wieder, als aus ihm die Grundlosigkeit der Angriffe auf den Bczalel hervorgeht und knüpfen daran die Hoffnung, dass recht viele Gesinnungsgenossen ihm bcltreten mögen. ■I

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