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Jüdische Rundschau · 1907-11-29 · Heft 48 (29.11.1907) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sßttc 514 JÜDISCHE RUNDSCHAU. eignetet- Marken und Sammelbogen, sowie weitere Flug* blätter ist in Vorbereitung. Über die Tätigkeit des Nationalfonds in Palästina wurde eingehend gesprochen. Alle wichtigeren Beschlüsse mussten einer neuen Sitzung Vorbehalten werden, da ein Teil der Direktoren von den Besprechungen nicht recht* zeitig benachrichtigt werden konnte. Die neue Sitzung wird am 3. oder 4. Januar in Berlin stattfinden. Zur Vorberatung derselben wurde das Palä* stinaressort^beauftragt, spezialisierte Vorschläge über die Gründung einer t a n d gese 11 sc ha ft in Palästina zu machen. Auch soll dieser Sitzung das Statut der Ölbaumspende vorgelegt werden. Es wird geplant, diese Institution als eingetragenen Verein zu organisieren und ihren Sitz nach Berlin zu legen. Chanukah Ein nationaler Feiertag ist es, den wir morgen Abend bc* gehen. Er eilt dem Siege der Makkabäer über die Feinde des jüdischen Volkes, und ruft uns die Tage des Sieges und der vorhergehenden Schmach ins Gedächtnis. Eine Plutokratie hatte sich der Führerschaft im Judentum bemächtigt und hatte sie für ihre eigennützigen Piäne benutzt. Um Ehren am Volks* fremden Tische cinheimscn zu können, wo man sie doch nur verachtete, haben sic sich nicht cntblödet, dem eigenen Volk?- tum den Rücken zu kehren und so weit sic in ihm blieben, wenigstens äusserüch nach Kräften das eigene Volkstum verleugnet. Sie nannten das umfassende Menschenliebe und liberale Bildung. Ja es gab viele solcher Plutokraten, die bchaupten wollten, dass ihr das Judentum auflösendes Beginnen konservativ sei. Niemand von ihnen beachtete in der aufwachsenden Makkabäcrfamilie das indische Heldcngeschleclit, das ihnen den Garaus machen sollte, ihnen die zu Grunde gingen, wenn ihr Volk sich auf sich selbst besann. Die Assimilantenschar, die geglaubt hatte, die Zukunft für ewig zu besitzen, wurde im Kampfe zwischen den siegreichen nalionalen Makkabäern und den unterdrückenden griechischen Syrern einfach zerrieben. Chanukah ist cs, das wr morgen feiern und nicht Purim, obwohl die Maskerade und das Scherzspiel, das der konservativ-liberalc Wahlblock plutokratischen Charakters gestern in Berlin aufführte, vermuten lassen könnte, dass der indische Karneval hier gefeiert werden soll. Aber Purim ist das Fest des Goltis und der Golusiuden, die sich einmal im Jahre ihrer bunten Anzüge und Masken freuen dürfen und die doch im Ghetto drinnen stecken, wenn sic auch stets gegenüber den freien Juden deklamieren, dass sic frei und nicht von den Nationalbanden des jüdischen Stammes umfangen sind. Sic merken ja gar nicht, dass der nicht frei, sondern im höchsten Masse unfrei ist, dessen Denken nicht unabhängig und dessen Reden sich ausschliesslich danach richtet, was wohl die ״andern“ dazu sagen möchten. Darum gönnen wir ihnen gern Purim und ihre Purimmaskerade, ihnen, die kein Verständnis und kein Gefühl haben können fiir die geistige Grösse und die sittliche Macht des nationalen Gedankens der Makkabäer. Sie können ja gar nicht die grossen Taten der Makkabäer feiern, ohne zugleich in Ghettofurcht zu versichern, dass sie treue Staatsbürger und gute Patrioten sind, eine Versicherung, die sie so oft und so unnötig wiederholen, dass sic damit nur das Gegenteil von dem erreichen, was sic wollen, nämlich das Misstrauen zu den so oft ohne Not wiederholten Loyalitütsvcr- Sicherungen. Chanukah ist die Einweihung des Tempels zu Jerusalem, des Stammcs-Hciligtums, das den Mittelpunkt des nationalen Lebens bildete. Chanukah ist das Siegesfest der priesterlichen Familje, die mit dem Schwerte dreinschlug, om ihr Volk zu befreien und die sich zuerst und am allermeisten gegen die verräterischen Volksgenossen wenden musste, die durch ihre No. 4 Assioiilatlonseucht und durch ihr» Kriecherei erst den tyrannischen Antiochus auf den Gedanken gebracht hatten, dem Judentum, das ihm durch seine so weltbürgerlich und syrischnationalen Vertreter nur verächtlich erscheinen konnte, den cndgiltigen Garaus zu machen. Antiochus Epiphancs war gewiss kein feiner Charakter. Aber man muss cs ihm ent* schuldigend anrechnen, dass die Juden und gewesenen Juden in seiner Umgebung ihm das Volk erbärmlich erscheinen lassen mussten, das gerade damals schon seine Makkabäer hatte. Aber diese waren unbekannt geblieben, denn sic gehörten nicht zu den plutokratischen Herren, die nach oben sich duckten und nach unten mit den Füssen sticsscn, und deren grösster Stolz es war, wenn sic das Zeichen an ihrem Leibe, das sie als Juden erkennen licss, glaubten vcjsclnvindcn lassen zu können. Die Makkabäer waren aus anderem Holze geschnitzt. Das waren aufrechte Männer, die sich nicht scheuten, sich zu ihrem Volke zu bekennen, und um §0 mehr, Je mehr die anderen dazu beitrugen, dass es verachtet und befeindet werden musste. Der Priester, der von den Assimilationsjuden, die in der jüdischen Hauptstadt das Regiment führten, verdrängt worden war, wurde der Führer im Streite und hat den Grund zum Siege gelegt, der den Untergang der angeblich weit* bürgerlichen Partei bedeutete, deren Weltbürgertum nur in der plutokratischen lind e! .־־־ ׳!',tzigen Verleugnung des eigenen Volkstums bestand, von . ie nur die unangenehmen Eigenschäften ererbt hauen. Die Makkabäer dagegen hielten es fiir ihre Pracht, das zu erwerben und auszubauen, was sie von ihren Vätern ererbt hatten. Sie mussten das Unkraut ausjäten, das in den Vorhäfen des Tempels wucherte, und das in den Herzen ihrer von seinen Führern verführten Volkes sich breit machte, Aber sic erlahmten nicht in ihrem Kampfe. Zwar schien es, als Mattitjahu Jerusalem verlassen musste, dass die Hasmonäer begonnen hatten zu schweigen und den Kampf aufzugeben. Aber gerade damals begann die Zeit der stillen und unattffülligen, aber um so wirksameren Innenarbeit, die emsig sammelte und organisierte. Der Triutnpf der Jerusalemer Oligarchen, als Mattitjahu die Zionsstadt verüess, um in Modim eine Zufluchtsstätte zu suchen, war ein verfrühter und ein verfehlter. ES war der erste Schritt, der zum Sturze der unumschränkten Herrschaft der Assimilantenparteien in Jeru* salcm führte. Wir feiern das Makkabäerfest zur Erinnerung an die Heldentaten unserer Väter, die siegten über feindliche Ge* walten von aussen her und noch viel feindlichere Gewalten im Innern des Jüdischen Volkskörpers. Aber die Seele dieses Volkes konnte die Assimilation nicht auf die Dauer vergiften. Das Makkabäerfest ist die Erinnerungsfeier des endlichen Sieges des ehrlichen Judentums über falsche Heuchelei, der jüdischen Tapferkeit über die Feigheit, der makkabäischcn Heldenkraft über die grossen Heere der Feinde. Wir zünden die Lichte an in unsern Häusern, wie die Väter bei der Feier ihres Sieges. Nicht Purim feiern wir morgen, das Freudenfest des unfreien Golusjudcti, der sich maskiert, um sich freuen zu dürfen, sondern Chanukah, das Fest der freien Juden, der sein eigenes Land befreit hat, mit dem Schwert in der Hand mit der Liebe im Herzen, und dem hebräischen Liede auf den Lippen. Die Befreiung wurde damals als ein Wunder angcsehen. Ein grösseres Wunder war cs, dass das erschlaffte Volk sich in Helden umgewandclt hat. Makkabüisches Heldentum möge uns begeistern, damit auch unsere Schwächlinge stark werden und nicht den Nacken beugen und sich weiter ducken, wie sie bisher krochen. Wir wollen aufrechte Männer sein, wie unsere Väter waren und an den Makkabäern und ihrem Andenken wollen wir uns und unser Volk aufrichlcn. ן E1 j S. q 1 in. r י 4 % "

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