Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 200 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. A7 Dr. Thon sprach sich gegen die Gründung einer zionistischen Bank ans. Die Ocldinstitutioncn, welche einen ausgesprochenen Parteicharaktcr aufweisen, misslingen fast immer. Die jetzigen Verhältnisse in Galizien und auf dem Geldmärkte erlauben uns auch nicht, diese Idee zu verwirkliehen. Er verlangt, dass über die Bankfrage nicht jetzt, sondem auf der nächsten Landeskonferenz ein endgültiger Bc- Schluss gefasst werden solle. Dr. Lachs tritt in einer längeren Rede für die Gründüng der Bank ein. Er weist auf die Notwendigkeit der Gründüng eines solchen Kreditinstitutes für die jüdischen Handwerker und Kaiiflcutc hin. Unsere erste Aufgabe sei. das Volk, welches sich uns anvertraut hat. wirtschaftlich zu heben. Dazu müssen wir eine Bank haben. Es wurden schliesslich zwei Gencralredner gewählt. Del. Aschkcnasc (Bür) fordert im Namen des jüdischen Bürgertums die Gründung einer zionistischen Bank. Ueber die *Organisation dieser Batik soll die gewählte Kommission entscheiden. Dr. Ringel (Gegen) beweist, dass die Frage noch nicht genügend •vorbereitet und zur Verwirklichung reif ist. Er ist .auch gegen die Verwendung der Gelder der Kolonialbank für die Zwecke einer zionistischen Bank in Galizien. In dem Schlussworte beantwortet Dr. Salz alle seinem Rcierate gemachten Vorwürfe. Er will durch Beispiele bcweisen, dass gerade politische und parteiische Kreditinstitut!״- •neu sich vortrefflich entwickelt haben. Die Bank sei für unser Volk eine Notwendigkeit; sie werde schon sogar ungeduldig ei wartet. Er begriisst mit Freude die ersten Schritte des Jüdischen Klubs zwecks Gründung einer solchen Bank; er -meint aber, dass eine besondere Kommission, welche die Frage genau studieren soll, unentbehrlich sei. ln der Ab- : Stimmung wurde der Antrag des R c i e r e 111 e n an genommen, nur soll die Bankkonnnission nicht aus 5, sondert»;aus 10 .Mitgliedern bestehen. In die Bankkonmnssion wurden schliesslich gewähltt Dr. M. Braude, Dr. S. Rapaport. Dr. A. Salz, N. Tartakower, Dr. Kornhäuser. B. Jahr. Dr. A. W e i s s. K• Stand. J. S. Philipp und Dr. A. K 0 r k 1 s. Die Kommission, welche das Kooptationsrecht hat, ist verpflichtet, spätestens bis zum Monat März 390$ konkrete Anträge in der Bankangelegenheit auszuarbeiten. IV. Sitzung. Um 4 Uhr nachmittags wird die letzte Sitzung eröffnet. Im Namen der Organisationskommission legt Dr. Braude folgende Anträge der Konferenz vor; 1) Die Kompetenz der bisherigen zionistischen Institutionen bleibt unberührt dort, wo sie den Wirkungskreis des Zentralkoinitees nicht tangiert. . 2) Das Zentralkomitee ist verpflichtet, alljährlich eine Landeskonferenz der galizischcn Zionisten einzuberufen, welche die höchste Instanz für die zionistische Organisation •Galiziens ist. In dem Kongressjahre soll die Konferenz vor dem Kongresse stattfinden. 3) Das Zentralkomitee vertritt die zionistische Organisation in Galizien nach aussen, wie auch allen zentralen Parteiinstitutionell der zionistischen Organisation gegenüber. 4) Das Zentralkomitee ist das oberste Kontrollorgan der zionistischen Agitation und Organisation im Lande. Ihr obliegt auch die zentrale Leitung der Agitation. 5) Dem Zentralkomitee ist die zionistische Presse und alle kulturellen Institutionen im Lande untergeordnet. 6) Das Zentralkomitee überwacht die Ausführung der Kongressbeschliisse und der Anordnungen der zentralen Parteibehürden. 7) Das Zentralkomitee besorgt die Administration des Nationalfonds und aller Fonds, welche für palästinensische Zwecke bestimmt sind. S) Die Administration des Schekels, der Parteisteuer und des Palästinaschekels wird vom Zentralkomitee geführt. 9) Die Landeskonferenz wählt den Präsidenten des Zentralkoinitees in einer besonderen Abstimmung. 10) Jeder Zionist hat ausser dem Schekel alljährlich I Krone als Parteisteuer zu entrichten. Nur wer die Partei- Steuer bezahlt hat. gehört der zionistischen Partei in Galizien an. Die Hälfte der Parteisteiler wird dein entsprechenden Distriktskomitee, die andere Halite dem Zentralkomitee zu• fallen. Alle diese Anträge wurden einstimmig a n g c - II o tu m e n. Ohne Diskussion wurde dann der Driuglichkcitsentrag Dr. Rc iss angenommen, alle in Galizien gesammelte Gelder nur dem N a t i 0 n a I f 0 n d s k o tu ui i s s ä r in Lemberg zu übersende n. Der Antrag des Del. Förster, die hebräische Sprache als die offizielle Sprache der zionistisch c n Organisation in Galizien a 11 z 11 - erkennen, wird unter lebhaftem Beifall und Händeklatschen einstimmig angenommen. Es erfolgen dann die Wahlen in das Zentralkomitee. Ztini Präsidenten wurde einstimmig Dr. Markus Brande gewählt. Die Delegierten bereiteten dem ersten Präsidenten der gallischen Organisation eine langanhaltcnde Ovation. Durcli Stimmzettel wurde sodann über die •f Mitglieder des Zentralkomitees abgestimmt. Die Kandidatenliste des Pernianenzausschusses wurde n i c h t akzeptiert. Es ,wurden gewählt: I) Dr. S. Rapaport. 2) Dr. E. Reich, 3) Dr. M. Ringel und •4) J. S. Philip p. Darauf erklärt der Präsident Dr. Salz die Sitzung für geschlossen und eröffnet nach einer kurzen Pause die v e r - trauliche Beratung über die Landespolitik und ihr Ver* bältuis zu der zionistischen Organisation. Schluss-Sitzung. Als erster sprach Abg. Dr. H. Gabel, der im Namen des ״Jüdischen K l u b s“ über die bisherige Tätigkeit der zionist'schcn Abgeordneten im Parlamente Bericht erstattete. Er verweist darauf, dass die Antisemiten im osterr e i c 1: i s c 11 c n Parlamente jetzt die stärkste Partei bilden und dass der ״Jüdische Klub“ mit ihnen keinen on'enen Kampf 1 מ! flieh;nen kann, da dann den Juden d«'c grösste Gefahr drohe. Wir müssen Anhänger suchen bei den fortschrittlichen Parteien, da wir ein ausgesprochen radikaldemokratischer Klub sind. Unsere Stärke liegt aber nicht in unserer Za!:!, sondern in der Kraft unserer Ueberzeugtzr.g. Durch den Ernst und die Würde unseres Auftretens wollen wir uns Freunde verschaffen. Wir appellieren an das Rechtsgefiihl der fortschrittlichen Parteien, und so erwerben wir uns ihre Sympathie. Der Redner erwähnt dann die Rede des Abg. Stand, die Anträge und Interpellationen des Klubs und die Konfertuzeit mit dem Ministerpräsidenten Beck, der dein Klub versprochen hat, ..aus seiner passiven Objektivität •zu einem aktiven Wohlwollen überzugehen“. Der Klub iiilirt auch mit den massgebenden Persönlichkeiten Unterhandlungen, welche die Gründung einer jüdischen Bank in Galizien bezwecken, wie er überhaupt die soziale und ökonomische Hebung der jf:uselten Masse in Galizien als seine wichtigste Aufgabe bctrachtet. Der Redner schlicsst mit der Versicherung, dass die Mitglieder des Klubs die grössten Opfer für die Sache zu bringen bereit sind und dass sie sich alle der schweren Verantwortlichkeit dem ganzen jüdischen Volke gegenüber gut bewusst, ihre Aufgaben mit aller Hingebung zu erfülle« trachten werden. (Stürmischer Beifall.) Dr. Salz dankt im Namen der Konferenz dem Abg. Dr. Gabel für seinen Bericht und spricht unter langa rt h a 11 e n d c m Beifall der Versammelten dem ״Jüdischen K1 u b“ das Vertrauen der Konferenz aus. Darauf folgt das Referat des Dr. Braude über das Verhältnis der zionistischen Organisation in Galizien. Referent weist zuerst darauf hin. dass der frühere galizisehe Zionismus immer für die Landespolitik eingetreten sei und dass er damals sein Programm auf ein Landes- und IV lästiua-Programin verteilte. Mit dein Auftreten Herzls u&i mit der Verbreitung der Idee des politischen Zionismus, der die baldige Erlangung eines Charters erhofite, haben auch die gaü/lschcn Zionisten jeder politischen fiegenwartsarbeit im Lande entsagt. Nachdem wir aber jetzt zu einer andere», besseren Auffassung des Zionismus gelangt sind, müssen wir zugleich mit der realen Arbeit in Palästina, welche uns das Vaterland .vorbereiten soll, auch die Gegenwartsarbeit in den Golusländert! in Angriff nehmen, damit wir unser Volk erzielen und organisieren können. Wir müssen aiies aufbieten, um die breiten Volksmassen für unsere Idee zu gewinnen, und das kann nur vermittels einer systematischen, zielbewussten i׳Küsehen Politik geschehen. Die kleinen Mittel, die ToynK*ebaUs und eile Raüteisenkusseu erfüllen nicht diesen Zweck. Nur mit Hilfe des Staatsorganismus wird es uns möglich sein, dies zu *1111. St» führt die nationale Selbsthilfe zur nationalen Politik. Wir haben auf eine andere Weise nicht etc mindeste Möglichkeit, die ökonomische und kulturelle Lage des gali/ischen Judentums, welches im Elend darbt, hier im Laude zu verbessern. Die Unterstützung des Staates ist uns x-otwendig; ohne sie werden alle Anstrengungen zu Kleiiiiiilttcla. deren Nachwirkung bald spurlos verschwindet. Die Ersdw«- nungeu auf dem kulturellen Gebiete 11!ki die Zustand» ist unserem ökonomischen Leben zwingen uns, aus 1:>ü in׳ Gegenwart zu beschäftigen, ־