Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651500-2651547--05236-2662248- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 199 JÜDISCH!: RUNDSCHAU No. -17 Holland Hane. Am Samstag; dem 26. Oktober, veranstaltete die hiesige Gruppe einen Propaganda-Abend, bei dem Herr J. Cohen ir. als Redner auftrat. Nach einer lebhaften Debatte meldeten sich mehrere neue Mitglicdet an. Einen erfreulichen Beweis von der nachhaltigen Wirkung des Kongresses, insbesondere auf die jüdische Jugend Hollands, bildet die Gründung der ,.Machbl“gruppcn, die jetzt hier mit vielem Erfolge vorgenommen werden. Es handelt sich uni die Zusammenfassung der männlichen und weiblichen Jugend des Landes in Vereinigungen zur Wiege des jüdischen Wissens und zur Stärkung des jüdischen Selbstbewusstseins. Die Machtgruppe im Haag, von wo die Anregung ausgegaugen ist. hielt ihren ersten sehr gelungenen Vortragsabend am Sonntag, den 3. November, ab. Herr L. () r n s t e i n sprach über ...I 11 d i s c h e Statistik**. Später trug Erätileiu v a 11 Spiegel eine jüdische Novelle vor. und hierauf referierte Herr J. Levisson über die Bedeutung des Schemagebetes. Zionistische Landeskonferenz in Galizien II. Sitzung. Sonntag. 27. Oktober. Sonntag. 27. Oktober, nachmittags um 5 Uhr. erörfnete der Vizepräsident (ig. Dr. Pacht mann 11״ Saale des Bürgervereincs ..T i k w a t 11 X i n ■r die zweite S.t/img. Auf der Tagesordnung steht die!Tage der Reorganisation. Dr. L a u i e r aus S t a n i s 1 a u referiert über das Organisationsstatut. Welches die Stanislauer Genossen vorgefegt hatten, da das Projekt der Hinberiifer der Konferenz im letzten Augenblicke zurückgezogen wurde. Er bespricht noch den Wirkungskreis des Ze!1tra!aus«chusses unJ fordert zugleich die Reorganisation der Distriktskomitees. Uebcr dieses Referat entwickelte sich eine lange, ermüdeude Diskussion. welche bis 16 Ulir abends dauerte. Verschiedcue Organisationsprojekte werden vorgelegt und debattiert. Besonders lebhaft gestaltet siel! die Diskussion über die Kompetenz des zu bildenden Zentralkomitees. Die Lernberger Delegierten fordern für sielt volles Vertrauen und verlangen eine möglichst autonome und einheitliche Parteileitung, wogegen die Repräsentanten des siidgaiizisclien Distrikts- Komitees heftig attftreten. Dr. W a I d in a n 11 und W e c 11 s ־ Icr. die Krakauer Genossen mul Dr. Brande haben ebenfalls selbständige Projekte eingebracht. In der Diskussion werden den bisherigen Distriktskomitees von vielen Rednern schwere Vorwurfe gemacht. Insbesondere wird behauptet, dass das Krakauer Distriktskomitee gänzlich untätig ist. ' Dr. Brande spricht über das Verhältnis der galizischeu Distriktskomitees zum Landeskomitee in Wien. Er weist auf die!Schwierigkeiten einer Verständigung mit den Wiener Genossen, welche die galizischeu Verhältnisse gar nicht kennen, und auf die besonderen Interessen der galiziselien Zionisten bin. die unbedingt eine separate zentrale Organisation erfordern. Die Zentrale muss aber aus Leuten bestehen, die in einer imd derselben Stadt wohnen und die Möglichkeit 11? b•״ crspriesslieh zu arbeiten. Zuletzt schlägt er die Bildung von fünf Distriktskomitees vor. Uebcr diese Angelegenheit sprechen noch mehrere Redner, die wie Dr. L. Reich. Dr. R o s e n k r a n 7. und Dr. Seit reibe r eine starke einheitliche Zentrale in Lemberg verlangten, welche unabhängig von Wien sein, soll, oder wie Dr. Schur. H. Lax und II. Tropp für die Notwendigkeit der Distriktskomitees oder die Gründung von Arbeitskommissinncu in jeder grösseren Stadt eintreten. Dr. A. Hausmann forderte eine Ausbildung der lokalen Organisationen, bevor man an die Schäftung von zentralen zionistischen Institutionen lierantritt. Schliesslich wurde nach Ansprachen des A b g. D r. Gabel um! D r. Wald mann beschlossen, eine Zent r a I e mit d e m Sit z c i u Lemberg zu gründe n, der iimi Mitglieder mit dem ständigen Wohnsitz in Lemberg und je zwei Delegiert^ aller Distriktskoniitecs anzugehören haben. Uebcr die Kompetenz dieser Zentrale sollte in der Montagssit/ung Beschluss gefasst werden, da die Organisatinuskommissiou ihre Anträge noch nicht vorbereitet hat. Die Beibehaltung der D i s t r i k t s k o m i t e e s wurde mit 69 gegen 27 Stimm׳:n angenommen. Uebcr die Zahl der Distrikiskomiiees entspann sich eine lebhafte Debatte. Von vielen Seiten wurde die Vermehrung icr Distriktskoniitecs verlangt: während andere wieder auf der Abschaffung des Krakauer Distriktskomitees unbedingt 1 beharren. Der Antrag der Delegierten aus Kolonien, auch; dort ein selbständiges Distriktskomitec zu bilden, wurde a b - . gelehnt. Angenommen wurde nur der Vorschlag, dass man aus dem Lembcrger und Stanislauer Distrikte beieinander liegende Ortschaften ausscheiden und sie zu einem neuen Distrikt mit dem Sitze in Tarnopol verbinden soll. Da die Zeit schon vorgerückt war. wurde die Abstimmung über die Reorganisation des Krakauer Distriktes auf Montag verschoben. Nach 1'י Uhr schloss der Vorsitzende die Sitzung. III. Sitzung. Montag. 28. Oktober: Die Sitzung wurde um 9’•-׳ Uhr vormittags eröfinet. Aut der Tagesordnung stellt eine ganze Reihe von Organis a t i o n s f r a g e 11. Von der Bildung eines zw eiten, neuen Distriktskoniitecs für Westgalizien wurde auf Antrag Dr. Re iss abgesehen; um aber die zionistische Agitation in diesem Distrikte auszugestaiten. fasste die Konferenz den Be- Schluss, dass in .1 a s! o. Tarn!י w. N e u ־ S a n d e 7. mul R z e s z o \v Arbeitskoniitees zu bilden seien, w elche die dortige Organisation stärken und verbreiten sollten. Es wurde dann noch die l'rage der Beteiligung der Distriktskomitees in der Zentralexekmive erledigt. Am' Antrag •Dr. Reiss wurde beschlossen, dass jedes Distriktskomitee zwei Delegierte ins Zentralkomitee entsendet. Alle anderen Orgauisationsfrageii wurden der Orgauisationsk nimissinn übergeben, die nachmittags ihren Bericht erstatten soll. Hierauf hält Dr. \. Salz sein Referat über die Gründ 11 n g einer z i יי n i s t i s c 11 c 11 Landes b a n k i n G a - lizien. Die zionistische Parteileitung in Galizien hat schon die Gründung eines zentralen Kreditinstituts in Lemberg mit Eilialen in allen grösseren Städten Galiziens beschlossen. Diese Bank soll sieh zur Aufgabe stellen, das jüdische Kapital zu organisieren und den jüdischen Handels- und Gew erbestanJ erspriessüeh zu iördern. Die Gründung einer solchen Bank ist für uns von der grössten Wichtigkeit, weil wir die jüdische Masse selbständig und unabhängig machet! müssen. Alle grossen Parteien habe!! dieser Tatsache Rechnung getragen. Unseie Anhänger müssen wir von der Abhängigkeit von den gegnerischen Kreditinstitutionen befreien. Es sind zwar s• ־ 260 jüdische Bankinstitute in Galizien vorhanden und ihr Kapital vcrgrössen sich augenscheinlich. Diese Privatinstitnte fordern aller iast immer einen sehr hohen Prozentsatz. mul befinden sich meistenteils in den Händen unserer lieitigsteit Gegner, was von der Verbreitung der zionistischen Idee unter den von ihnen abhängigen Volksschichten störend im Wege steht. Es ist also unsere Pflicht, eine jüdische Bank zu gründen, welche weitere Kreditgenossenschaften zu organisieren hätte, den bestehenden einen billigen Kredit gewähren und das ganze jüdische Kapital konzentrieren könnte. Der Referent schlägt für diese Bank die Eorm einer Aktiengesellschaft vor. die 26110 Aktien ä 1000 Kronen ausgeben sollte. Er hoift. dass die jüdischen Kapitalisten dieses Werk, welches grossen Nutzen für die galizischeu Juden bringen wird, unterstützen werden, da ja übrigens schon die bestehenden jüdischen Kreditinstitute den besten Beweis für die Lebensfähigkeit und Sicherheit des Kapitals geliefert haben. Auch die Jüdische Kolouialbank könnte uns mithelien. da sie doch allmählich ihre Geldgeschäfte in Russland abwickelt und ihr Geld irgendwo anlegen muss. Im Palle, wenn wir selbst eine ansehnliche Geldbank zusam-!ncnbriugeu werden, wird uns die Jüdische Kolonialbank einen grossen Kredit eröffnen können, und so werden wir imstande sein, ein grosses Reeskonto-Jnstitu? in Lemberg zu schaffen, das im ganzen Lande ein Netz von Bankfilialen gründen konnte. Eine grosse zionistische Bank in Galizien ist keine Utopie. Die Bevölkerung erwartet sie mit Ungeduld, und unsere Sache ist es. trotz alter Schwierigkeiten dieses grosse und ziikmutsreiche Werk in Angriff zu nehmen. Der Redner ste'lt scliliesst folgenden Antrag: Die Landeskonferenz hesebliesst die Gründung einer Bank mit dem Sitze in Lemberg und Eilialen in;*nderen Städten. Die Ausarbeitung! eines entsprechenden Projektes wird einer Kommission von I 3 Mitgliedern überlassen, die von der Konferenz gewählt wer- den. (Beifall und Händeklatschen.י ' Nach einer kurzen Diskussion über die zu wählenden Mit- I glieder der BaukU ,:;mission und ihr Verhältnis zum parlameii- tri rischen ..jüdischen Klub", der. wie Dr. Brande erklärte, i sich mit der Baukfrage eingehend beschäftigt, wurde zur ■ eigentlichen Diskussion über׳gegangen. I Dr. Rap anort wies auf die Schwierigkeiten hin. welchen die Gründung einer so grossen zionistischen Bank begegnen wird, und forderte eine Verständigung mit der K־״ lonialbank. bevor man zur Durchführung der Angelegenheit übergehe.