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Jüdische Rundschau · 1907-11-22 · Heft 47 (22.11.1907) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 47 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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47 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 509 t unter dem Deckmantel des Tierschutzes verbirgt. Die jüdischen Optimisten, die da meinen, judcnicinUlichc Gesetze würden nur von. kulturell zurückgebliebenen Regierungen erfassen, werden durch das schweizerische Schächtverbot doppelt ad absurdum geführt. Demi erstens ist es nicht die Regierung, sondern das Volk selbst, welches das Schachtverbot zum Gesetz erhob — sogar gegen den Willen der Regierung, die das Schächten als unter den Begriff der Kultusireiheit fallend erklärte: und sodann ist das Scbächtverbot von einem kulturell so unzweifelhaft hochstehenden Volke in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts erlassen worden. Nun ging dieser Tage eine Notiz durch die Presse, die den Anschein erwecken konnte.;*is sei dieses Schäclitverbot. das •brigens als Zusatz zur schweizerischen Bundesverfassung beschlossen wurde,‘durch eine Mutscheidung des Bundesgerichts ausser Kraft gesetzt worden. Das ist natürlich unmöglich. und die Sache liegt denn auch, wie jetzt bekannt wird, ganz anders. Das Bumlesgerieht hat lediglich ein Urteil des Aaraauer Obergerichts aufgehoben, durch das der Religionslehrer Fröhlich aus Baden (Schweiz) wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe verurteilt wurden war, weil er Hühner geschachte; hatte. Das Bundcsgcrieht lat mm nicht etwa die durchaus „zu Recht" bestehende Veriassungsbestiimmmg für ungesetzlich erklären können, sondert: es hat mir erklärt, dass Hühner einmal nicht als ..Vielt" im Suite jene: Bestimmung zu gehen hätten, und sodann, dass Ge: -g-.l auch von Nichtjuden auf die gleiche Art getötet werde. Mit andern Worten heisst das, dass beim Gciliigel von Schächten nicht die Rede sein kann, ln Wirklichkeit alter sagt das juristisch zutreffende Urteil des Bundesgericl’*s damit ganz < :;cn, dass die bestimmte Schlachtart (das Schächten) nur dam vom Gesetz getroffen werden sobe. wenn sie ausschliesslich von Juden ausgeübt wird; wenn sie auch von Christen angewendet wird, ist sic erlaubt — was man „gleiches Recht für alle" nennt! Ein neues Mittel Die KREUZZEITUNG bringt folgenden Klageruf aus dem Herzen der rumänischen Regierung: „In Rumänien erfolgte in tJer ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts eine starke Einwanderung von Juden aus Russland. Damals lag die Verwaltung der Donaimirstentfm'.er im argen und man Hess den Zuzug über s;ch ergehen, dessen Folgen man ohnehin nicht vnraussah. Heute sind die Juden Rumäniens, annähernd 300 000 an der Zahl, zu einer Verlegenheit für die Regierung und zu einer Plage für die Bevölkerung geworden. Als in jüngster Zeit neue Züge jüdischer Zuwanderer aus Russland erschienen, beeilte sich die Regierung, die unerwünschten Elemente alsbald wieder auszuweisen. East alle ausgewiesenen Juden verüessen das Land über die ungarische Grenze', um in Ungarn oder in Oesterreich oder gar (!) in Deutschland ihr Glück zu versuchen. Diese Zuwanderung wurde in Ocsterreich-Ungarn so unangenehm empfunden, dass auf Veranlassung des Wiener Auswärtigen Amtes der österreichisch-ungarische Gesandte in Bukarest bei der rumänischen Regierung gegen die zahlreichen Ausweisungen nachdrücklich Verwahrung einlegte. Daraufhin hat Herr Bratianu als Minister des Innern, wie die Bukarester OPINA meldet, alle Präfekten ersucht, die ausgewiesenen und abzuschiebenden Juden nicht über die österreichisch-ungarische. sondern über die russische Grenze zu leiten.“ „Ueber die russische Grenze zu leiten“ ist gut gesagt! Also weil ..damals die Verwaltung der Donaufürstentümer im argen“ lag,‘deshalb hat die heutige rumänische Regierung — die bekanntlich gar nicht mehr „im argen liegt!“ — das Recht, die Urenkel jener Einwanderer, die ebenso wie die neu Zugewanderten ausgewiesen werden, von Haus und Hof zu jagen und sic „über die russische Grenze zu leiten.“ Und die Herren Diplomaten verschreiben ihr Papier überhaupt nur um der Frage willen, über welche Grenze die Juden zu ..leiten" seien. Ein gewisser Berliner Vertrag vom Jahre 1S78 scheint 4en heutigen Diplomaten unbekannt zu sein. Aber wozu auch Verträge achten, wenn es sich doch nur tim Juden handelt! Der neue Dumapräsident Der Oktobrist Chonijakow, der zum Präsidenten der dritten russischen Duma gewählt worden ist, hat einem Mitarbeiter der Zcittmg.RJ ETSCH gegenüber seine Ansichten über «e Stellung und die voraussichtliche Tätigkeit der neuen Duma dargelegt. Auf die Frage, ob er an die Bildung eines konstitutionellen Zentrums glaube, mit anderen Worten, ob die ©ktobristen nach rechts oder nach links gehen würden, äussertc Cliomjakow: „Ich glaube, dass das konstitutionelle Zentrum aus Kadetten. Friedlichen Erneuerern, Oktobrlstcn und sogar aus einem Teil der Rechten bestehen wird, welche im Grunde genommen mit den Oktobristen nur in der frage der Gleichberechtigung der Juden differieren. Da sie aber die Notwendigkeit der Erleichterung der Lage der Juden nicht leugnen und einige sogar fiir die Aufhebung des Ansiedelungs- Verbotes sind, so wird n an mit ihnen allmählich verbände!« können.“ Man ersieht daraus, wie sehr die Judenfragc ein Zentralprob Sem der neuen Duina sein wird, indem die Stellung zur Judenfrage von ausschlaggebender Bedeutung fiir die Gruppierung der Parteien sein kann. Wenn nur Herr Cliomjakow nicht zu optimistisch ist. und — wenn Kruschewan und' Purischkcwitsch nicht anders heschliesscn! Verhaftung von Zionisten In vorverflossener Woche wurde in den Redaktionsräumen des Organes der polnischen Zionisten, ZION, in Warschau eine Haussuchung vorgenorrmen. in deren Verfolg der Herausgeber. ehemaliger Redakteur des ZYCIE ZYDOWSKIE. Gesinnungsgenosse Rechtsanw alt G r ii n h a u m und Herr K cOtt s k i verhaftet wurden. Einige Tage darauf, in der Nacht von Donnerstag zu Freitag vergangener Woche, wurde im Bureau des Zentralkomitees der zionistischen Organisation für Russland, in W i 1» a. gleichfalls eine strenge Haussuchung vi.rgcnommen um! der Leiter des Bureaus und Mitglied des A.-K„ Herr L. Joffe, in derselben Nacht verhaftet. Bi« zur Stunde sind die Verhafteten nicht ireigelasscn. Die Echtrussen und der Zar Petersburg, 9. Nov. Von informierter Seite wird berichtet. dass Dr. Duhrowin vom Fürsten Orlow sehr huldvoll empfangen und ihm eine Audienz der Vertreter des Verbandes cchtrussischcr Leute beim Zaren in Z a r s k o j e - S c l o zugesichert worden ist. Eine neue Orientgesellschaft! Aus W i e n wird uns unter dem 16. November geschrieben: Die hiesige Oesterreiehische Kreditanstalt erhielt eine Konzession zur Umwandlung der bisher von ihr kommanditierte« Austro-Orient-Handelsgesellschaft in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von drei Millionen Kronen, das auf sechs .Millionen erhöht werden darf. Die Aktien werden übernommen von einem Konsortium, das ausser der Oesterreichisrhen Kreditanstalt noch die Oesterreiehische Länderbank und die Wiener Unionbank umfasst. Nachrichten aus Palästina Infolge der starken jüdischen Einwanderung sind bekanatlich in Jaffa die Preise für Wohnungen ausserordentlich gestiegen. Es herrscht ein grosser W oh n u n gs m an g eI, so dass viele Neuankömmlinge gezwungen sind, in Hotels zu wohnen, weil sie keine Wohnung finden können. Viele bezahlen die Wohnungsrniete auf ein oder gar zwei Jahre im voraus, um ja der Gefahr einer Kündigung zu entgehen. Mit diesen, Geldern bauen jetzt die Araber neue Häuser, die sie dann später wieder für teures Geld an die Juden vermieten werden. Selbst das jüdische Gymnasium konnte eine Zeitlang kaum eine entsprechende Wohnung finden, so dass es tatsächlich in Gefahr war. geschlossen werden zu müssen. Die Häuscrbaugesellschait Aehuzath Bajith hat daher ein reiches Feld der Tätigkeit vor sich. Vor kurzem weilte bekanntlich Dr. Cliaim Weitzniann. Mitglied des A.-K. in Palästina. Er studierte im Aufträge einer europäischen Gesellschaft die Frage der Gewinnung gewisser Blumcncssenzen. Wie nun verlautet, haben seine Untersuchungen ein gutes Resultat gehabt. Zunächst soll die Gründung zweier Fabriken zu diesem Zwecke geplant sei«. Die Gesellschaft „A t h I d" beabsichtigt, in L v d d a eine zweite Seifenfabrik zu gründen. Der Handwcrkcrverein „J c g i a K a p a j i m“ i« Jerusalem hat den Ankauf weiterer Bauplätze beschlossen, uw darauf neue Häuser für die Mitglieder der Gesellschaft zu bauen. Den Bodenpreis müssen die Reflektanten sofort dem Vereine zurückbczahlcn. während ihnen die zum Bau der Häuser erforderliche Summe auf längere Zeit geliehen wir4 und in Raten abgcz.ahlt werden kann. Der Verband hat während seiner siebenjährigen Existenz eine sehr tcrc Tätigkeit entfaltet. Unter anderem hat der Verband eine Darlehnskasse gegründet und in jeder Hinsicht die materielle Lage der Handwerker in Jerusalem gefördert. In Hebron, wo bekanntlich die Anglo Palestiie Company neuerdings eine Filiale eingerichtet hat. wurde ein Verein „Esch kol" gegründet der bezweckt, die jüdische Jugend dem Handel zuzuführen. Bisher ernährte sich diese I

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