Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 510 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 47 j lediglich aus der Chalukah. Die Gesellschaft wird sich hauptsächlich mit dem Getreide- und Weinhandel befassen und wird von der Filiale der Anglo Palcstine Company unterstützt. In Kairo soll demnächst eine grosse hebräische Z e it u n g erscheinen. Als ihr Herausgeber wird ein Herr A 1 - melich fungieren, der früher Lehrer an einer palästinischen Alliance-Schule war. DIE WELT. Warnung an Auswanderer Wie die russischen und galiz.isclicn Auswanderer betrogen werden, kann man aus folgenden Tatsachen ersehen. Mit dem Auswandererwesen befasst sich seit Jahren eine organisierte Clique, die ihre Vertreter in Russland, Galizien, Hamburg. London und New York sitzen hat. Die von den Agenten eingefangenen Opfer werden mehrfachen Plünderungen unterworfen. Das erste Mal hei der Unterzeichnung der Erklärung, äuswandern zu wollen, dann beim Empfang der (in Russland in der Rege! gefälschten) Legitimationspapiere, ferner beim Antritt der Fahrt, beim Besteigen des Dampfers, bei der Ankunft in London bezw. in Amerika. Uebcrall werden den in den meisten Fällen mit Glücksgütern nicht gesegneten Auswanderern ..Vorschüsse“ abgefordert, die in sehr vielen Fällen Hunderte von Rubeln, Kronen oder Mark betragen. Infolge wiederholter Beschwerden über diese internationalen Betrugsmanöver ist nun, dem Berliner RKICHSBOTHN' zufolge, eine internationale Kommission eingesetzt worden, der e.s jetzt gelangen ist. bei der energischen Verfolgung des Schwindels einen der Leiter der BetrtigerbanJe. einen gewissen Minkas, einen vor vier .Iahreu in Russland zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilten Verbrecher, der aus Russland geflüchtet war und in London die Geschäfte jener Baude besorgte, zu entlarven und zu verhaften. — Auch die. jüdischen Organisationen, die sich, mit dem Auswanderungswesen befassen, wissen von dieser Betriigerbande ein Lied zu singen, die den Aermsten der Armen naclistellt. Deshalb ist es sehr zu begrilssen, wenn die Behörden diesem- Unfug einmal energisch, zu Leibe gehen werden. Jedenfalls aber verdient die Warnung vor der Ausbeutergesellschaft verbreitet zu werden. Makkabäerfeier Berlin. Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet am Sonnabend, dein 14. Dezember eine Makkabäerie'er verbunden mit Ball, in den Gcsarnträmnen der Brauerei Königstadt, Scliönhauser-Allee 10/11. Eintrittskarten ä 1 Mk„ sowie Farnlllenkarten (für 4 Personen gütig) a 3 .Mk., sind in der Expedition der JÜDISCHEN RUNDSCHAU. Auguststr. 49 a. (4—6 Uhr nachm.), in der Btichhaidlung des Herrn Louis Lamm, Neue Friedrichstr. 61/63, und an der Abendkasse zu ba&ea. Allerlei Oiuellcn des Blutaberglaiibcns. „Der Glaube an die Verwertung der Leiche als Arznei gelangt in einem über das ganze Land verbreiteten Wahn zu befremdlichem Ausdruck: Die Barmherzigen Brüder in Gr a z sollen das Privilegium besitzen, alljährlich ein Menschenleben iiir Heilzwecke ausbeuten za dürfen. Hierzu wird ein junger Mensch, welcher etwa des Zahnziehens oder sonstiger leichter Erkrankung wegen in das Ordensspita! gelangt, abgefangen, an den Füssen aufgehängt und zu 7'ode gekitzelt! Die ehrwürdigen Brüder sieden sodann de« Leichnam zu Brei und verwenden letzteren sowie das Fett und die verbrannten Knochen in ihrer Apotheke. Um Ostern, sagen die I.eute. verschwindet alljährlich auf diese Weise ein Bursche spurlos im Spital.“ Fossel, Dr. Viktor, k. k. Bezirksarzt und Sanitätsrat in Graz, Volksmedizin und medizinischer Aberglaube in Steiermark. Ein Beitrag zur Landeskunde. Graz. Leusclincr u. Lubensky. 2. unveränderte. Auflage. 1SS6. S. 172. Zuschrift an die Redaktion . Von einem Lehrer der Schule des Hilfs Vereins in Bukarest erhalte ich ein Schreiben, in dem er »her folgendes klagt: Die rumänischen Juden können nur ein Fortkommen haben und cs zu etwas bringen, wenn sie die deutsche Sprache vollkommen beherrschen. Zu keinem Atme zugelassen, steht ihnen nur die Betätigung im Geschäfte. <m Bureau offen. Wer da nicht deutsch kann, ist aufgeworfen. Damit die Schüler schnell, leicht und spielend ein gutes Deutsch sich aneignen, soll eine bescheidene Schülerbibliothek eingerichtet werden. Die 12- und 13jährigen Jungen sind seit«« so weit, dass sie die Kinderlcktüre. die wir bei uns mit 10 Jahren lesen, wohl verstehen. Also Märchen, kleine moralische Erzählungen, Kriegs- und Jagdgeschichten usw. w ärc« sehr angebracht. Für die älteren kämen auch Beschreibung-:« und allgemein belehrende Schriften in Betracht. Die Schulen sind zu arm. um sich selbst eine Bibliothek aiuuschat'fen. Ich bitte hierdurch alle Familien, bei denen solche Bücher eie Bodenecken zieren und sonst im Wege sind, sie dieser guten Sache zu widmen. Eine Karte mit der Adresse Julius Hirsch, Gontardstr. 2. genügt, um die Bücher abhV-.m zu lassen, die dann an Ort und Stelle befördert werden. J. IL Kleine Mitteilungen Berlin. Der Jüdische Turnvcrehiz „Bar-Kcchba" veranstaltet am 30. November in den Gesatnträumen des Tiergartenhofs sein diesjähriges 9. Stiftungsfest. Nach vorhergehender Festrede und Konzert unter Mitwirkung namhafter Künstler folgt eine Reihe turnerischer Darbietungen, naclmer Tanz. Berlin. Die Repräsentantemvahlen für die Berliner Gemeinde finden am Donnerstag, dem 2i>. d. M. statt. Es s;mi zwö!i Repräsentanten und sechs Stellvertreter zu wählen. Die Ward wird von ln Uhr vormittags bis -1 Uhr nachmittags vollzogen. Unter den ausschciJenden Repräsentanten und Stellvertretern befinden sich die Herren Dr. Blumenfhai. Prof. Ds. Adolf Baginsky. Proi. Dr. Senator, Maler Bodenstein und Kwt~ rnerzienrat G. Simon. Berlin. liilisverein der Deutschen Juden. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat gemeinsam mit dem Hilfskomitee ätr die notleidenden osteuropäischen Juden in Frankfurt a. M. weitere 22 500 Francs an die Zentrale für die rumänische Hmsaktion, die Israelitische Alliance in Wien überwiesen. Fme Fortführung des Hilfswerkes erweist sich leider noch als notwendig, da die wirtschaftlichen Folgeerscheinungen der Frühjahrsexzesse noch fortdauern. namentlich we:l die Behörden mit rigorosen Ausweisungen nicht nachgelassen haben. Iäir das durch Bram) sehr schwer heimgesuchte Nowodwor hei Warschau hat der Hilfsverein der Deutschen Juden ein Darlehen von 10 000 Mk. bewilligt, damit die Betroffenen möglichst rasch über die erste Zeit hinweg kommen und den Gewerbetreibenden und Handwerkern aufgeholfen werden kann. Köln. Das Zionistische Zcntralbureati in Köln sandte folgende Beileidsdepesche nach Wien: „Den geliebten Kindern unseres verewigten uuvergess-' liehen Führers, denen der Tod die gute treue .Mutter so frühzeitig entrissen hat. sowie der hartbetroffenen verehrten Familie sendet in tiefempfundener Trauer den Ausdruck innigster Teilnahme und herzlichen Trostes Das Zionistische Zcntralbureati. Köln.*' Natal. Aus Natal kommt die Nachricht, dass dort der englische Jude Sir M a t a t h i a s eingetroffen ist. um.die Statfhaltereilcitung zu übernehmen, an deren Spitze ihn die englische Regierung gestellt. Der Statthalter in Natal ist /*> gleicher Zeit Gencralkommandant der dortigen Armee. Sir Matathias war bisher englischer Gouverneur in Indien und hat sieh an allen jüdischen Angelegenheiten lebhait beteiligt. Bamberg. Eine neue Synagoge soll dahier et baut w erden. Herr Diplomnrehitekt Johann Kronfuss hat nun im Kimstverem das Modell und die Architektur-Studien zu einem Entwurf ausgestellt. Der projektierte Bau wird eines der schönsten neuen Monumentalbauten der Stadt Bamberg werden. Oppeln O.-S. Von der jüdischen Gemeinde. Rabbiner Dr. Goklinaiin aus Berlin wird am heutigen Freitag in sein Amt als Rabbiner für die hiesige Synagogengemcinde eingeführt. Zwelbriicken. Der langjährige Zwist zwischen dem Rabbiner Dr. Meyer und der israelitischen Kultusgemeinde Zweibrücken ist nunmehr erledigt. Dr. Meyer wurde von der Regierung seines Amtes als Rabbiner der Gemeinde Zwcibriieken enthoben. t f