Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 505 No. 47 Was ist denn der Zweck des Zionismus? Er hat die Aufgabe und die Pflicht, das Jüdische Volk zu erneuern, ihm das Bewusstsein seiner nationalen Würde zu geben, in ihm das Oefülil für seine Pflichten als Nation zu erwecken, cs aus seiner Vereinsamung herauszuführen und zu zeigen, dass es eine mächtige und starke Masse gibt, die ihr Gewicht bei der Abwägung der Wcltpolitik in die Wagschalc werfen kann. Das ist das Ziel, das ist der Daseinsgrund des Zionismus; beide sind rein politisch. Wenn der Zionismus sich darauf beschränkt, eine kleine Anzahl Juden in Palästina anzusiedcln, mit dem einzigen Zwecke, einige Glieder einer Rasse zu zeigen, die künstlich verpflanzt worden sind, etwa so, wie man Kuriositäten in einem Museum zeigt, ein solcher Zionismus hätte weder das Recht noch die Möglichkeit, die Flamme des Judentums für seine Durchführung zu entfachen. Was der Zionismus will, ist sehr verschieden. Er will ein lebendiges Judentum, verjüngt und glücklich, das seinen Stolz nicht nur -•nt seine Vergangenheit auf baut, sondern das mit Stolz auf sein neuerwachtes Nationalbewusstsein in die Zukunft blickt, ebenso hoch gestellt, wie die andern Nationen, die heute mit Verachtung auf es herabblicken. Wenn wir keinen Erfolg haben, so mögen sie uns mit Recht sagen: Sic sind unfähig und können nichts erreichen. Dann aber werden andere das Werk aufnehmen, das wir so schlecht atisgefiihrt haben. Vor iLr Eröffnung des Kongresses erfuhren wir von gewissen Vorschlägen, die gemacht worden waren, um dem Zionismus einen unmittelbaren praktischen Charakter zu verleihen. Diese Vorschläge waren: die sofortige praktische Ausbeutung des Kapitals der Jüdischen Kolonialbank und des Nationatfonds, -die Schaffung einer Agrarbank, die Gründung von Unterrichtsinstitutionen, Es war unsere Absicht, diese Vorschläge mit unserer ganzen Kraft zu bekämpfen. Wir wollten mit unserer ganzen Macht den verbrecherischen Versuch bekämpfen, das so mühevoll gesammelte Geld, den Spargroschen, den so mancher Arme Pfennig um Pfennig gesammelt hat, wegzuwerfen. Glücklicherweise wrnrde dieser Vorschlag abgefeimt. Es wurde lediglich beschlossen, dass die Aitglo Palcstine Company Darlehen auf Hypotheken gewähren soll. Meiner .Meinung nach ist dies ein Missgriff in einem Lande, wo Grundeigentum nicht existiert. Aber es wurde beschlossen; und das ist der einzige Beschluss des Kongresses, der nicht über jeden Tadel erhaben ist. Ich habe die Ucbcrzeugung, dass er rein platonisch bleiben wird. Die anderen Beschlüsse des „Des zum Zeichen“, spricht das Lichtlein, „Ward ich entzündet auf dem Silberleuchtcr“. ,.So denkt man dessen noch?“ Der Fremdling fragt es, Und heller als die Kerzen brennt’s im Ang* ihm, Da er cs fragt: „Und dessen denkt man noch?“ Doch scheu die Kerze flackert. Keine Antwort. — Und dringender die Frage: „Zündete Man auch im Herzen, nicht nur auf dem Leuchter Das heifge Feuer an?“ Und wieder schwcigts — Zum dritten Maf: „So brennt im Herzen nichts, Was weiter zündet, keine Sonne brennt, Die grosses Wollen reift zur grossen Tat? Beim Scheine deines Lichtes schleift man nicht Die Waffen, die das Jakobsvolk befrei’n? Da richtet hoch das Licht sich auf,-— und zischend Verlöscht’s, und Dunkel herrscht ringsmher. Und in dies Dunkel taucht der Wand’rer nieder. Wer warst du, Mann? In deinen Zügen einte Sich Judas Trauer, Judas Stolz und Sehnsucht, In deiner Stimme war verhalt’nes Schluchzen, Doch klang aus ihm ein Anhauch kiinft’gen Jubels. Und wie ich sinne, ist’s, als sei es Juda, Kongresses, betreffend die Einsetzung der Palästina-Kommission und der Arbeit, die praktische Angelegenheiten betrifft, haben unsere volle Billigung, und wir haben zu des Männern, die damit betraut wurden, das grösste Vertrauci. Ich weise die Idee eines Gegensatzes zwischen den Begriffe« praktischer und politischer Zionismus zurück. Wir habe« immer Verständnis für die praktische Arbeit gehabt, die vom Zionismus in Palästina ausgeführt werden kann, und wir haben sic jederzeit unterstützt. Aber was wir gesagt haben, ist, dass wir keine Einwanderung nach Palästina empfehlen können, solange wir dort nicht Freiheit genfessen. In Palästina leben jetzt mehr als 60 000 Juden, von dene« eine grosse Zahl Chaiukacmpfängcr sind. Wir müssen sic i* Elitcmcnschcn umwandeln. Wir müssen beginnen, sie zu erziehen, und es ist vielleicht ein Fehler gewesen, dass wir dies nicht schon getan haben. Aber wir sagten unserrn Freunde* auf dem Kongresse, wir wollten die Möglichkeiten studieren, die Palästina uns bietet. Sachverständige soller die ökonomischen Bedingungen des Landes studieren, sie sollen uns Aufschluss geben über Export und Import, sic sollen uns sagen, was die Industrie zu leisten imstande sein wird. Bevor wir an diejenigen unseres Volkes denken, die nach Palästina m gehen wünschen, müssen wir uns mit denen beschäftigen, die schon im Lande wohnen, oder wenigstens mit denen, deren einziger Wunsch cs ist, das Land zu verlassen. Jetzt ist nicht der Augenblick, neue Elemente dahin* zu verpflanzen, wir müssen unsere Kräfte darauf sammeln, in Palästina ein Milieu zu schaffen und aus ihm ein Land der Zukunft zu machen, das Land der Zukunft des Jüdischen Volkes. Wir sollen Kullurmögllchkeltcn In Palästina schalten. Wir sind der Meinung, dass eine Versuchsfarm dort eingerichtet werden soll, wo die Bedingungen für Ackerbau studiert werden können. Dif Kosten des ersten Jahres würden meiner Meinung nach ungefähr 50C00 Francs betragen, die sich in späteren Jahres vielleicht auf 12 000 vermindern würden. Sodann ist es erforderlich, sich mit der türkischen Regierung in Verbindung zu setzen, um von ihr schrittweise Konzessionen zu erhalten, so klein sie auch sein mögen. Andere Nationen bauen Eisenbahnen oder beginnen grosse Unternehmungen, warum sollet wir uns nicht um das Recht bemühen, Strassen oder Kanäle zu bauen? Wenn wir nur schon eine Wasserleitung nack Jerusalem bringen könnten, wäre dies schon ein grosser Erfolg. Der Nutzen solcher Konzessionen wäre ein zweifacher: Der Hämmcrer, der S!eger von Emmaus. Mir ist, als hab ich einst ihn schon gesehen, Als wir in Döbling eine Gruft gegraben, Und als es finster um uns, in uns wurde, Stand er, das Haupt zur Gruft gesenkt, und weinte. Juda Makkabi war’s. Und Jahr für Jahr Zieht er die Hütten uns’res Volks vorüber Und schaut hinein — und schaut in uns hinein } Und zieht vorüber, weil wir sein nicht xvarten. Doch einstmals tritt er «ein in freie Häuser, Wenn wir bereit, ihn zu empfangen sind, .Wenn grosses Wollen seine Feuer uns Im Herzen angcfacht, wenn Volkcslicbe In heil’gcn Flammen auf zum Himmel lodert Und uns in ihrem Schlackenofen läutert. Dann tritt er ein!- Er zog dies Jahr vorüber, % Sorge, dass im nächsten Jahr er zu uns tritt. 18.11. 07. La za ru s Da rth.