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Jüdische Rundschau · 1907-11-22 · Heft 47 (22.11.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 47 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Beite 504 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. Al Hauptstadt des Landes, das als eines der ersten sich die Freiheit errungen hat. Seitens der niederländischen Juden wurde uns ein herzlicher Empfang zuteil, und mit dankbarer Aufmerk-! samkeit lauschten wir den freundlichen Begriissungsworten des; Mannes, der in seinem Staate eine der höchsten Ehrenstetten j bekleidet und von seinen Volksgenossen wiirmstens verehrt j •wird. Die tiefe Bewegung, mit der der VIII. Kongress den Worten de Pintos zuhörte, konnte nicht gestört werden dadurch, dass er ausführtc, der Zionismus sei lediglich zum Wohle der Armen und Verfolgten da. Wir wissen im Gegen- J teil, dass der Zionismus das ganze Judentum und seine Zukunft umfasst. Vor zehn Jahren haben wir begonnen, an dieser Zukunft zu arbeiten. Aber wir dürfen uns nicht selbst betrügen: Wir haben nicht gearbeitet, um einen palästinischen Territorialismus zum Vorteil einiger hundert Juden zu schaffen. Wir wollen die Judenhcit anfeuern, selbst Hand an die Arbeit zu legen und ihre Würde wieder zu erlangen. Vor der Rückkehr ins Judcnland müssen wir zum Judentum zurückkehren. Unsere Gegner behaupten, dass sic die Praktischen seien. Aber was sie uns verschlagen, ist nichts weniger als praktisch. Sic wünschen etwas Praktisches aus der Bank zu machen, womöglich ein ultrazionistische Bank. Ihr Vorschlag, eine Agrarbank in Palästina zu schaffen, war unmöglich. Die Frage wurde atii dem Kongress erörtert und verworfen. Das ist nicht unser Zionismus. Was wir wollen, ist, Enthusiasmus in unser Volk zu tragen. Ehe wir uns um kleine praktische Dinge bekümmern, müssen wir unser Volk erwecken. Auch wir wollen praktische Arbeit in Palästina, wir waren die ersten, die sie geiordert haben. Aber wenn wir gezwungen sind, still zu stehen, dürfen wir unser Ideal nicht verlieren. Ist denn noch nichts Praktisches getan worden? Was sind denn unser Nationalfond, unsere Bank, die Palästina-Kommission und die Institutionen, die jetzt gegründet werden? Jetzt aber wollen gewisse Leute unsere Bank in Gefahr bringen, diese Bank, die nicht wie andere durch Zahlungen grosser Aktionäre, sondern hauptsächlich von den Armen gegründet worden ist. Das ist cs, was der VIII. Kongress so gut begriffen hat: Er wünschte nicht, auf einen gefährlichen Weg geführt zu werden. Auf dem Kongresse waren wir alle geeinigt, und unsere Beschlüsse wurden fast ausnahmslos einmütig angenommen. Damit der Zionismus auch weiter Erfolg habe, müssen wir bei seinem Ideal verharren, wenn es auch ■och so weit entfernt ist. Dies Ideal wird nicht ausgelöscht werden. Es ist in wenigen Worten ausgedriiekt: „Den Jüdischen Volke das Bewusstsein seiner nationalen Würde zu gehen.“ Dr. Nordau sprach folgendes: Eine grosse Anzahl Zcitungea behauptete in ihren Berichten über die Resultate des VIII. Zibnistenkongresses, dass sein hauptsächlichstes Merkmal das sei, dass er dem politischen Zionismus ein Ende gesetzt habe. Wenn eine solche Feststellung richtig wäre, wäre sic gleichbedeutend mit der Behauptung, dass dieser Kongress das Ende des Zionismus bedeute. Tatsächlich ist der Zionismus entweder politisch, oder er existiert überhaupt nicht. Allezeit ist er als politisch betrachtet worden, seine Pläne sind immer politische gewesen, sein Ausgangspunkt, seine wahre Daseinsberechtigung sind politisch, und er kann nur durch politische Mittel verwirklicht werden. Der VIII. Kongress hat den politischen Zionismus nicht getötet; er hat lediglich dem politischen Zionismus eine neue Auslegung gegeben und bat seinen Begriff erweitert. Es wurde gesagt, dass politischer Zionismus gleichbedeutend sei mit Herzlisnuis, und dass der Hcrzlismus mit seinem Gründer gestorben sei. Welchen Begriff haben aber die Verkleineren des Zionismus aus Hcrzlismus geformt? Sic haben ihn auf Charterismus verkleinert. Al>cr das Wort Charter ist überhaupt nicht im zionistischen Programm enthalten. Im Baseler Programm sieht keine Silbe davon. Der Zionismus behauptet nicht, dass es nur ein Mittel zu seiner Verwirklichung gibt. Es gibt ein Sprichwort: Alle Wege führen nach Rom. wir möchten sagen: „Alle Wege führen nach, Palästina.“ Wir haben das Recht, verschiedene Wege zu benutzen, und wenn uns der eine nicht zun. Ziele führt, müssen wir einen anderen emschlagen, bis wir de» richtigen gefunden haben. Herz! identifizierte sich nicht mit dem Begriff Charterismus, denn vor vier Jahren kündete er uns begeistert au, dass er von der britischen Regierung ei» Angebot für die Errichtung eines jüdischen Territoriums in Ostafrika erhalten habe. Allerdings klagten ihn damals gewisse Leute an, er habe den Zionismus verraten. Hcrzl hat die Sache, die ihm teuer war, nicht verraten; aber er glaubte, dass cs nicht nur einen Weg gebe, der nach Jerusalem führt, und dass Uganda, wenn auch auf einem langen Umwege, dock vielleicht die richtige Strasse sei, die uns nach Zion führe» würde. Politischer Zionismus gleich diesem kann nicht sterben, denn an dem Tage, wo er stürbe, wäre auch der Zionismus selbst tot. A. Gesang: 1. r Verein zur Förderung Jüdischer Kunst, Bcrliu- Hnlensee, Johann-Sigismundstr. 3, ist bereit, \ orschlfigc mit Angaben über Noten zu machen. Geeignet sind jüdisch-deutsche Lieder, wie: Der Alef-Beis, Wir heben die Hände, Nicht Tau netzt noch Regen. 5. A u f i ii hrungc n : Von Tendenzdramen ist der F.inaktcr Amtsgericlitsrat Markus von Emil Cohn geeignet. Vielfach sind Scenen ans den Makkabäern von Otto Ludwig mit Erfolg aufgeführt worden. Programmonlwurf für flahlsahäerleisrn 1. Prolog. 2. Festansprache (nicht länger als 10 Minuten). 3. Rezitationen und Vorlesungen. Hierfür sind u. a. geeignet: Morris Roscnfeld: Der jüdische Mai (Jjtngc Harfen). Theodor: Zlocisti: Juda Makkabis Gebet (Vom Heimweg). Israel Auerbach : Das grosse Wecken (Jiid. Almatiach). Berthold Feiwel: Beruria (Junge Harfen). B ö r r i c s v. Münchhausen: Euch Triiunphgesang der Juden (Juda). Also sprach Jesaja ( „ ). David Pinsky : DasErwachen(Jiid.Almanach). P c r e z : Der Taanis (Perez, Erzüh- Bonze hat geschwiegen lungen). Sc hol ein Al eich ein: Die Militärgestellung (Ost und West 1907). Theodor Herzl: Im Speisewagen (Jüd. Almanach, neue Ausgabe). Prolog für (lahkabäerfeiern Und wieder strahlen die Chamikakcrzen Hinaus in kalte Wintersnacht. Und wie Ich ihren flackernd scheuen Schein verfolge, Da tritt ein V.'andTer draussen in das Lieht. *Er steht und fiagt: ..Was kündet Euer Schimmer?“ „Er.spricht von Judas Sieg, des Häuunercs, Da er die Syrer schlug.“ „Noch das gedeuM Man heute?“

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