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Jüdische Rundschau · 1907-11-22 · Heft 47 (22.11.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 47 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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. tJ LA.7 L K V UÜ £/ O/J r—n Abonnemcntspre'.s einscücsslic i LITCRAllRt LATT vierteljährlich: 1. durch die Ev.ieJition: •) in Berlin -*.•>> Mnik. :•) nach ms- #räm I,— .Mark, c)!ür das Ausland 1 51 Math. 2. im Pevtehonnfm-nl 1,25 Mark. lnser.lunspre!s iie vicrur-spaütrse Berit-Zeile oder deren Kaum 25 iMci'.ing. Allgemeine «Xliclisclie SSei'tung’ Redaktion:' BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3337. Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: VrrUg Jüdische Rundschau, E. G. m. b. H., Berlin N.S4, Auguitslraise 49». Geschdf tvvtunden der Expedition täglich (ausserSabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 Uh , Alle Rechte vorbehi :cn. Abdruck aus cOr JUEÜISCHEM RUNDSCHAU nur bei voller Quellcnang tbc gestattet. Nummer 47 Berlin, 16. Kislew 5668 — 22. November 1907 XII. Jahrgang Jüdische Kunstausstellung Am 17. No\euteber wurde in der Galerie für a'te und nute Kunst, Wühelmstr. -15. die erste Jüdische Kunstausstellung eröffnet, nachdem c'r.ige Yorvcrsuclic;n dieser Richtung anderswo gemacht worden sind. Die Idee ••iner solchen Ausstellung wild bei ai'.n ent irdisch Gesinnten veilen Beifall iiud.n. und der „Verein zi>r r'ordertmg j'iid sclier Kunst" hat sich mit ihr unstreitig ein grosses Verdienst erworben. Fs ist ent im Grunde jüdisch-nationale«; Unternehmen. Liegt doch. schon in der Darbietung einer Sammlung jüdischer Kunstwerke d:e stille Frage, ob sich nicht bei den jüdischen Kün>:iern ans aller Herren Länder eine gewisse arteigene Note Iierausiüh.len lässt, eben das Jüdische; und nicht nur in der Wahl der Stoffe - - obwohl natürlich jüdische St -'fe einen hervorragenden Platz cinmhmen - sondern in der Beleuchtung und Vergeistigung des Stoffes. Ls handelt sich nicht um konfessionelle Ligenbrödferei, sondern eine jüdische Kunstausstellung hat ein grosses ethnologisches und kulturhistorisches Interesse. Pas waren auch etwa die Gedanken. die Rudolf Schildkraut in eindrucksvoller Rede zur Eröffnung der Ausstellung ausspracli. lhm:> peinlicher wirkte es, als nach ihm Herr Justizrat Horwitz. der Vorsitzende des Vereins mit dem langen Namen, cs für nötig befand, die Funken jüdischen Geincingefiihls in Scltildkrauts Ansprache mit Staub und Asche zu bedecken. Fs gibt eben Leute, die gewisse Dinge immer wieder sagen müssen, auch da, wo sie gänzlich deplaciert sind. Angesichts der jüdischen Kunstausstellung betonte er ängstlich, dass wir ja nicht etwa das Hervorkehren einer indischen Sonderart beabsichtigen. Wir wehen nur den Antisemiten zeigen, dass wir auch malen können. Wir sind deutsch und fühlen deutsch. - Merk es dir, Meister Israels, und du. schwermütiger Hirszenberg, du, schmerzensreicher Piiichowski: Hir malt, um die treuen deutschen Gefühle eines deutschen Staatsbürgers indischen Glaubens zu rechtfertigen. Herr Justizrat Horwitz musste wohl wissen, dass 5/„ seiner Zuhörer Nationaliuden waren und rechnete auf. ihre Disziphn und ihren Takt. In der Tat kamen die Aeusscruttgeu Lutten Missfallens erst später im Privatgcspräch. Entschuldigen Sie, dass ich geboren bin. Entschuldigen Sie, dass Ich an einer „solchen“ Ausstellung mich beteiligt habe. Wir entschuldigen. Wir wissen, dass diese zweite Rede nicht im Aufträge und nicht im Sinne der Förderer jüdDchcr Kunst gehalten wurde. Sie war der Ausdruck unverfälschter (ihettofurcht und innerer Unfreiheit. Wir haben höheren Ehrgeiz, als den Antisemiten zu ze'gett, dass wir Kultur haben. Zur Tagesordnung. Fs weht in der Ta: ein indischer Geist durch di:«e Werke. Hin gewaltiger Drang den aochsieJ.’ kiin »tierischen Ausdruck ihr die tiefsten jüdischen Geü'ikle zu finden. Heute sind diese Gefühle schmerzvolle, und ihr Ausdruck ist der Schrei der 1 leimatlosigkdt. Unser grösster Meister. Joseph Israels, hat das am mächtigsten und reifsten verkörpert in seinem „Sohn iles alten Volkes", dessen stiller Blick in Jalirtaust nde zu tatechcn seit eint. Unsere Künstler, die das Herz des jüdischen Volkes in sich schlagen fühlen, sind nicht glück* lieh und beschaulich genug, um den rein malerischen Reiz der Landschaft auf sich wirken zu lassen, ihre Kunst ist Ausdrtukskunst. Aber gibt es etwas Ergreifenderes als den Knaben auf dem Pilichow ski'sclien Bilde der Auswandenmgstamilie, der inmitten der totmiide daliingesimkeneTi Cieschwister mit brennenden Augen, da er keinen Schlaf findet, uns ansieht? Aus solchen Knaben erstehen die Befreier des Volkes. Das Streben zur Freiheit, das Streben zu ihrem Volke, das Suchen nach dein Lieht, das ist das Siegel dieser jüdischen Kunst. Und es gibt eine jüdische Kunst;5) ea. Reden Dr. Marmarelis und Dr. liordaus Paris. Die französische Zionisten-Federation veranstaltete am 2. Nmembcr im Saale l.ancry eine grosse Versammlung, in der Dr. Max Nordau, Dr. A I e x a »der M a r rn o r e k und Dr. S i ni o n (iinsbur g Bericht über den VIII. Kongress erstatteten. Mehr als SCO Personen, hauptsächlich Mitglieder der russischen Kolonie in Paris und russische Universitäts- Studenten. waren in der Versammlung anwesend. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte die Versammlung insbesondere der Rede Dr. Nordaus, der ebenso wie Dr. Marmorek itt deutscher Sprache sprach. Seine und Dr. Marmoreks Ausführungen erweckten hei den Zuhörern stürmischen Beifall. Nach den einleitenden Ausführungen Dr. Duisburgs sprach Dr. Marmorek ungefähr folgendes: * Die äusseren Umstände, unter denen der Kongress abgehalten wurde, waren sehr günstig. Wir sammelten uns in der *) Fine ausführliche Würdigung der Ausstellung, deren Besuch wir unseren Lesern warm empfehlen, behalten wir uns noch vor. (Red.)

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