Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1907)
- Date
- 1907-11-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ko. 46 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 497 Es wind weiter schmarotzt . . In der Wiener NEUEN NATIONAL-ZEITUNQ wird der Kampf gegen Dr. Heinrich Loeve, der von Brainin, Landau und Dr. Jeremias gemeinsam geführt wird, fortgesetzt. Wir drucken den neuesten Artikel werfgetreu ab, und betrachten ihn anstatt jeder Antwort als einen offenen Brief unsererseits an die Herren Brainin und Dr. Jeremias: ״Ein Partcischimirotzcr. Herr D r. Heinrich Locwe, auch Heinrich Sachse genannt, hat an den moralischen Ohrfeigen, die ihm für seine Fälschungsstückchen nicht nur vom Gefertigten, sondern auch von einem der tüchtigsten Führer der deutschen Zionisten, Herrn Dr. Jeremias, zuteil wurden, noch nicht genug. Er greift zu neuen Fälschungen. A״s welchen Gründen Herr Dr. Lcewe, der Redakteur des 71 »nistischcn Parteiblattes für Deutschland, unsere Wochenschrift durchaus zu einem territorialistischen Parteiblatt stempeln möchte, ist mir ja gar nicht recht klar. Aber, dass seine!Behauptung erlogen war, dass die von ihm erfundene Verbindung der NEUEN* NATIONAL- ZEITUNG mit den Poscner Ter'.torialisten lediglich in seiner Phantasie bestanden hat, wurde* von der berufensten stelle liier festgesteiU. Nut! hilft siel; Herr Dr. Locwe mit einer Fälschung. Offenbar glaub: er, dass, wer lügt, auch fälschen müsse. Herr Doktor Jeremias s. gte nämlich in der Nummer *16 ausdrücklich, dass er mit der NEUEN NATION AL-ZE1TUNO ״und deren Redaktion niemals in irgend welchen Be- Ziehungen gestanden habe״. Da ־auf erwidert Herr Dr. Locwe in der letzten Nummer der JÜDISCHEN RUNDSCHAU: ״Dem Eideshelfer dieses Menschen — ,dieser Mensch‘ bin ich nämlich ־— bemerke ich rer, dass der Redakteur der NEUEN NAT10NAL-ZE1TUNG es uns gegenüber eine Lüge nennt, wenn wir sie territoriaüsiisch nennen. Herr Dr. Jereirias empfahl sic als das einzige in deutscher Sprache erscheinende Ito-Organ.“ Was hilft's, wenn Dr. Jeremias beteuert, er habe nicht die NEUE NATIONAL-ZEITUNG empfohlen; Herr Dr. Locwe wehrt sich auf Rosten der Wahrheit lind des Anstandes, weil ich dem Herrn Sachse die Maske vom Gesicht gerissen habe. ' Auf eine Anfrage ist der Leiter des zionistischen Parteibiattes noch immer die Antwort schuldig geblieben: Warum er die schweren denunziatorischen Angriffe des Millionärs Schiff gegen die gesamte zionistische Bewegung v e r - schwiegen hat. Und warum er es lieber vorzieht, unter falschem Namen einen Mann wie Brainin anzugreifen. Herr Dr. Locwe findet darauf keine Antwort, er findet bloss Schlmplwortc. Er findet in seiner Garderobe, in der er sich als Sachse zu vermummen pflegt, auch noch ein ״Rclnllchkcltsgefühl“, zu dem er gerade dann greift, wenn, er auf meine etwas zudringliche Frage Rede und Antwort stehen soll. Die Seife für diese Garderobe wird wohl die deutsche Partelprcssc viel Geld kosten. Köstlich ist der Schluss. Herr Dr. Locwe wehklagt, dass alle diese Angriffe erfolgen, weil er •Herrn Ussischkin ״in Schutz nehmen nt u s s Trösten Sic sich, Herr Dr. Locwc-Snchsc, Sie werden cs nicht umsonst gemacht haben. Dr. S. R. Landau. Erklärung In einer Publikation, die als ״neueste Geschichte des jiidi•• sehen Volkes“ firmiert, hat Herr Professor Dr. Martin Philippson die Alliance IsraGite Universelle zum Gegenstand einer Darstellung gemacht, die im Interesse des Judentums und der geschichtlichen Wahrheit nicht unwidersprochen bleiben darf. Herr Professor Philippsou sagt: ״Als Zeichen der Zusammengehörigkeit aller Juden trat 1860 die Alliance Israelitc Universelle ins Leben. Ihre Stiftung hatte von vornherein die Besorgnis zahlreicher Glaubensgenossen erregt. Man meinte, sie werde machtlos bleiben, ihren Hauptzweck, die Emanzipation der Israeliten in denjenigen Landern, wo sic solche noch nicht besassen, zu erreichen, werde aber im Gegenteil durch die Meinung von einer förmlichen Verschwörung der Juden zur Erlangung der Weltherrschaft grossen Schaden anrichten. Diese Befürchtung hat sich in vollem Masse bewahrheitet; man darf sagen, nichts hat den Juden in vielen Ländern solchen Abbruch in der öffentlichen Meinung getan wie die irrigen, aber unvermeidlichen Folgerungen, die aus der Internationalität der Alliance gezogen und von Uebelwollenden gehässig ausgebeutet wurden;‘ Der Zweck, den die Alliance IsraGitc Universelle bei. ihrer Stiftung verfolgt hat, ist in nachstehenden Satzungsbestitmmingen nicderge'.egt: 1. Ueberail für die Gleichstellung und den moralischen Fortschritt der Juden zu wirken; 2. Denen, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, eine wirksame Hilfe :!::gedeihen zu lassen; 3. Jeder, Schrift, welche geeignet ist. diese Resultate herbeizufiihren, Unterstützung zu gewähren. Als die_ Alliance Israelitc Universelle begründet wurde, sind diese Satzur.gsbesEmmungen in der weiten 'Welt unserer Glaubensgemeinschaft mit heller Freude aufgenommen worden. Alle Kundgebungen aus jener Zeit bezeugen jubelnde Zu- Stimmung. Von einer Besorgnis war nie und nirgends ein Hauch zu spüren. Die von Herrn Philippson vorgetragene Vorstellung von einer ״förmlichen Verschwörung der Juden zur Erlangung der Weltherrschaft“ stammt ungeiöhr wörtlich aus der Feder des Redakteurs Gödsche, dessen Name (Pseudonym: John Retditfe) durch seine Romane und durch seine Zeugenschatt in dem Prozess Waldeck — nach des Gerichtspräsidenten Taddel Ausdruck ״ein Bubenstück, ersonnen, einen Mann zu verderben“ — bekannt geworden ist. In einem dieser Romane ist eine angeblich auf einem jüdischen Eriedhof in Osteuropa gehaltene Rabbinerrede erwähnt, die das Streben nach Weh- Herrschaft enthüllt habe. Die verlogenste Presse hat in den achtziger Jahtcn dieses ianatische Phamasiccrzeugnis irnktifiziert. Wir dürfen wohl behaupten, dass die ״öffentliche Meinung“, auf die Herr Ppilippson sich beruft und in der nach seiner Versicherung die ״irrigen aber unvermeidlichen“ Folgertmgen aus der Intcrnationalität der Alliance gezogen und ״von Uchclwollcndcn gehässig ausgebeutet“ worden sind, die öifentliehe Meinung der skrupellosesten Antisemiten gewesen ist. Herr Professor Philippson führt fort: ״Man warf der Alliance ferner ’ ihren französischen . Namen, ihr ausschliesslich französisches Domizil und ihre nicht minder ausschliesslich französische ZcntraUeitung vor. Audi das mit Recht. Die Führer der Alliance haben ihr den französischen Charakter gewahrt und solchen auch dem einzig fruchtbaren Felde ihrer Tätigkeit, Ue11_ Unterrichtsanstaltcn im Osten, nicht zu deren Vorteil aufgeprägt. Es war deshalb nicht zu verwundern, dass sich 1871 die engliscltcn Juden in der Anglo-Jcwish-Association, 1873 die österreichischen in der ״Israelitischen Allianz zu Wien“ von der Alliance universelle loslösten.“ 111 einem Atem leitet Herr Philippson der Alliance gegen- ן über einmal aus ihrer angeblichen Intcrnationalität und dann aus ihrem angeblichen französischen Charakter einen Vorwurf her. Denn letzt spricht er nicht die ״irrigen, aber iinvcr-!!leidlichen Felgerungen" andern nach, sondern macht sie sicht ganz zu eigen, indem er von dem Vorwurf des franzüsisehen Namens und der ausschliesslich französischen Zentral- Icitung der Alliance sagt, dass man ״auch ihn mit Recht erhobei! habe". Der zweite Vorwurf aber ist ebenso grundlos wie der erste. Das Zenlral-Koniitce der Alliance ist nicht ausschliesslich französisch und ist es nie gewesen. Herr Philippson, der seit Jahren der Alliance Israelitc Universelle angchört, veiss aus den ihm regelmässig /!!gestellten und jeden• falls ztigängigcn Jahresberichten der Alliance Israelitc Umverseile, dass gegenwärtig von den 67 Mitgliedern des Zentral-Komitees (darunter zwei Ehrenmitglieder) mir 26 (darunter ein Ehrenmitglied) Franzosen, 41־ Nichtiranzosen, unter