Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-11-15 · Heft 46 (15.11.1907) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 46 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651546--05204-2662215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

JÜbtSCHfc RUNDSCHAU. No. 46 Seite 496 man nur ihre Prämien wegschafft. Mit anderen Worten: wenn der Jude aufhört, alles andere eher sein zu wollen, aiseben Jude. Und darin sehe ich das grosse Glück unserer jungindischen Bewegung: Es ist ein Besinnet! auf sich selbst, ein Wiederfinden, das chic wirkliche Renaissance darstellt. Wir sind keine weltfremden Träumer, die nur in der Vcr* gangenheit leben, sondern aus unserer grossen Vergangenheit schöpfen wir die Zuversicht auf eine schöne Gegenwart, auf eine grosse Zukunft. Doch — wird man mir cinwenden — ist wirklich das sich als Jude Fühlen die grosse Zauberformel, die alle Leiden heilt, ist dies die Panacde, die Wunder wirkt? Und darauf sage fch: Nein. Man muss sich nicht nur als Jude fühlen, sondern sich auch als Jude betätigen und der einzige Weg, auf dem dies voll und ganz möglich ist, ist die nationale Autonomie, die wir anstreben müssen, die wir vor allen! vorbereitet! müssen, damit wir gerüstet seien, sic zu empfangen, wie einst atn Freitag nachmittag der Jude sich rüstete den Sabbati! zu empfangen, die holde Braut. ״Kommcr Geliebter, komm entgegen, deiner harrt schon die Braut, die dir entschleiert ihr vcrschäm:cs Angesicht." Für uns muss immer Freitag nachmittag sein, u!:1 ihn zu empiangen, den Ruhetag der Nationen •aüer, die bisher entrechtet waren, die verlangen, als Mensch mit menschlicher Gebärde wcitcrzulcben, die nationale A utonom.ie. Und als wir mit unseren Forderungen kamen, als wir nicht von den uns umgebenden Völkern und der Regierung, sondern auch von unseren eigenen Volksgenossen das Selbstverständliche . verlangten, von erstcren die volle Gleichberechtigung als Menschen und Staatsbürger, von letzteren das jüdische Gefühl, d. 11. das Gefühl Jude zu sein, da glaubte man beides souverän abtun zu können. Separatisten hat man uns genannt, uns vorgeworfen, dass wir Scheidemauern aufführen wollten, die Juden ins Ghetto zurückführen. ״Jüdische Separat wünsche, jüdische Separat-Frcchheit!" dies Wort hat man gegen uns geprägt. Wie stellen sich aber die Dinge in Wirklichkeit dar? Wenn man dem einen vorenthält, was der andere bereits hat und der crstcre es nun laut im Vollbewusstsein seines Rechtes fordert, so sind das eben keine Separatwünschc mehr, sondern es sind jene unverätisserlichen Menschenrechte, die man jedem zuerkennt, nur uns nicht. Es ist also eine bewusste oder unbewusste Verdrehung der Tatsachen, die einer Verleumdung verzweifelt ähnlich sicht, von jüdischen Separatwünschen zu sprechen. Was dem einen recht ist, muss dem andern billig sein. Und das Recht auf Existenz scliafit man mit allen Deklamationen von Menschheitssolidarität nicht aus der Welt. (Schluss folgt.) Die Siedlungsgenossenschaft Auf den! VH!. Kongress l!1 Haag wurde gegen den Antrag der Poale Zion, betreffend die Oppcnhcimer’sche Sicdlungsgenossenschäft, die angebliche ״Tatsache“ angeführt, dass eine von Herrn Dr. Oppenheimer in Deutschland begründete Siedlungsgenosscnscliaft gescheitert und misslungen sei. Diese Behauptung wurde merkwürdigerweise von Vertretern der Deutschen Landsmannschaft sowohl im Palästina-Ausschuss wie auch in privaten Bemerkungen auf dem Kongress wiederholt apodiktisch aufgcstellt. Leider war Herr Dr. Oppen he Im er durch Krankheit verhindert, an! Kongress teilzu* nehmen, so dass dem sofortigen Dementi von seiten der Poale Zion die entsprechende Autorität mangelte. Diesen! Umstand ist es auch zuzuschrcibct!, dass eine von dem Palästina-Ausscliuss immerhin abgeschwächte Resolution zum Beschluss erhoben wurde und nicht jene von den Paolc Zion im Einvernehmen mit Herrn Professor W a r b u r g verfasste, die folgenden Wortlaut batte: ״Der VIII. Kongress hält an dem Beschlüsse fest, a u f den Ländereien des Nationalfonds eine Siedl 11 ngsgcnosscnschaft zu begründen und beauftragt die Palästinakomniission, bis zur nächsten Jahreskonferenz Studien über die Beschaffenheit des Bodc!1s und des Arbcitcrmatciials an Ort und Stelle votzunehmet! und einen detaillierten Kostenvoianschiag vorzulegen, auf gruud dessen eine unter entsprechender Betoiligung der zionistischen Kreditinstitute zu begründende kapitalkräftigc Gesellschaft die Durchführung des Beschlusses ehestens in Angriff nimmt." Zur Erläuterung sei bcmcikt, dass der Beschluss, au! den Ländereien des N. F. eine Sicdlungsgenosscnschaft nach dem Plane Dr. Franz Oppenheimers zu errichten, bereits bei (hier Jalircskonfercnz gefasst worden war, der letzten, welcher T11 e o d 0 r H c r z’l p’r ä s i d 1 c r t c und auf dessen w?. rmc Befürwortung hin dieser B c s c 111 i.s s a n g e n 0111111 e 11 w 11 r d e. Wenn nun auch die ausdrückliche Erklärung des Herrn Professor Warbnrg auf dein Vlü. Kongress uns darüber heruliigte, dass die Palästina-Kommission den Beschluss im Sinne des Antrages der Poale Zion ansnihren wird, welche Erklärung die poalezionistischen Delegierten bekanntlich vcr« anlasst hat, ihren Antrag zur■lickzuziehen — so hielten wir cs doch mit Rücksicht auf die nach dem Kongresse in zio- 1-istischcn Blättern und Versammlungen immer wieder aufgestellte Behauptung, dass der Oppenheimersehe Versuch i!1 Deutschland missglückt sei. fiir notwendig, uns diesbezüglich an Herrn Dr. Franz Oppenheimer mit einer Anfrage zu wenden. Wir erhielten folgende Antwort: ״...Was die Behauptung anlangt, dass meine bei Eisenach begründete Siedlimgsgenossenschaft gescheitert sei, so ist das kompletter Unsinn. Sie hat noch gar nicht angefangen, und ich werde sic auch auf dem von uns erworbenen Gut nicht anfangen können, erstens, weil es sich leider herausgestclU hat, dass das Gelände den Anfordertmgen nicht voll entspricht, und zweitens, weil Ich in der Rechtsordnung des Wcimarischen Staates, der noch kein Orundbuch besitzt, au! unvorhergesehene und überwindliehe Schwierigkeiten gestossen bin. Unter diesen Umständen kann man von einen! Scheitern des Unternehmens unmöglich sprechen." Hoffentlich werden nun die mit oder ohne Absicht vcrbreiteten Gerüchte endlich verstummen. Es wäre aber auch dringend zu wünschen, dass alle jene, die bisher dem Oppenhcimerscher! Projekte opponierten, nunmehr sich zumindest mit gleichem Eifer dem Studium der Agrarfrage in Europa (mit besonderer Berücksichtigung der ״Landflucht" der besitzlosen Bauern) widmen und im Zusammenhang damit der Arbeiterfrage in den palästinischen Kolonien fmit besonderer Berücksichtigung des arabische n ״C11 a r a - tismus"). Wir sind überzeugt, dass sie dann gleich uns in dem Oppenhcimcrsclicn Plan mehr als ein interessantes ״Experiment" erblicken und bald erkennen werden, dass die Siedlungsgenosscnscliaft in eister Linie geeignet ist, besitz,- lose jüdische Arbeiter dauernd in palästinischen Kolonien anzusiedeln und zu praktischen Landwirten zu erziehen. Nathan Gross. S. K a p 1 a 11 s k y - K a p I a n. Vii; j v> v*v (j4׳k y L li V/1« U vV V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.