Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1907)
- Date
- 1907-11-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 45 Seite 495 JÜDISCHE RUNDSCHAU. rücksichtslos ausgeschlossen. Sic wahren den deutschen Charakter der deutschen Universität und diesen! deutschen Charakter zuliebe werden dann ihre Schwestern zu den lakultätsbällcn nicht zugclasscn. Dann aber sieht das im Grunde seines Herzens rieht übermässig antisemitische tschechische Volk auf dem Lande irr. Juden nicht bloss den Juden, sondern den verhassten Germanisator und weil Herr K'scli etc. sic hals Urtcutonen fühlen, werden den Juden im czcchischen Podcbrad die Fenster eingcschlagen werden. Ein grosser Teil der indischen Bevölkerung gehört dem mittleren und kleineren Handelsstatut an. Und c* ist wichtig, dies iestzusfellen, da die antisemitische Presse jeden Juden gerne als geheimen Nabob bezeichnet und gerade für diese breiten Kreise der Judenschaft bedeutet die Deutschtiiruelei eine direkte Bedrohung ihrer Lcbcnsintcrcsscn.!Die Hauptmasse der Kundschaft des kleinen jüdischen Kaufmannes setzt sich naturgemäss aus Tschechen zusammen. Wenn nun .וי allen Zeitungen ausposaunt wird, v ie die Juden treu und unerschütterlich sich als Germanen fühieii, wie sie einen Wall bilden wollen gegen die slav sehe Hochflut, ja, meine Herren, können Sic cs daun dem Tschechen verargen, wenn er sagt: ..Ich will diesen Gegner meiner Nation nicht iordern.“ Wenn ucr jüdische Kaufmann, der etwa mit Schneiderxugekür handelt, nun seinem tschechischen K1:uJen den Schneider auf Kosten zu erhaUen suchen muss? Und dabei ist doch der arme jüdische Kaufmann an den! ganzen Pim mel, fast hätte ich gesagt, Schwindel unschuldig. Es ist die Seelenblindheit der wenigen Verhöhner., ehe ihm den Bissen aus dem .Mur.de nehmen. Allerdings die Herren können stell das im allgemeinen erlauben. Wenn mau nicht schwer un; seine Existenz zu ringen hat, wenn mau etwa wohlbestallt eine hohe StcH-i g im Ministerium einnimmt, oder auch ein '•VeHhatis leitet, eine grosse Bank, wenn mann als vielbeschäftigter Advokat eine wenn auch grössten* teils jüdische Klientel hat. daun braucht man sich nicht zu iürchten. dass das Reden von slawischer Hochilut oder das Predigen eines verwässerten Weltbürgertums einem an die Existenz geht. Es ist ja so bequem, aus fremder Haut Riemen zu schneideii. Und wie ist es nun mit dem Beamtentum? Prägen Sie doch einmal, meine Herren, unsere jungen Ärzte und jungen Juristen, ob der Mediziner etwa in einem dcutscheu Bezirk heute eine Bezirks- oder Distriktsarztstclle bekommt? Er kann als Student noch so begeistert die Wacht am Rhein gesungen haben, er kann sogar 12 Glas Bier aut das Wohl von Unvater Teilt geleert haben, kommt er hinaus, so ist und bleibt er doch der Jude und den möchte ich seb.cn, der mir heute in deutsche! Gegend einen jüdischen Gemeindebeamten zeigen könnte. Fas sind die Folgen der Deutschtiimclci. Es gibt aber 1uieli eine Tschechentiimclet׳ und die ist natürlich nicht weniger absurd wie die erste. Es würde genügen, überall, wo ich bisher deutsch gesagt habq, das Wort tschechisch zu sc'zen, uni eine genaue Schilderung der einschlägigen Verhältnisse zu haben. Hier aber geht die Sache noch weiter. Nicht bolss die Konimunalverwaltuugcn der tschechischen, Gegenden sind in tschechischen Händen, sondern auch die ganze Landesverwaitung, die grossen I.tindesinstitute. Ich will absolut nicht behaupten, dass cs ausschliesslich die ausgesprochene deutsche Haltung jener sögenannten Kasinoklique ist. die cs verschuldet, dass der Jude bei jeder Bewerbung ausnahmslos mit einer Niete hei auskommt. Jedenfalls aber ist cs ein höchst bequemer Vorwand, um die Laudesämter möglichst judenrein zu erhalten. Und dagegen hilft auch der positive Nationalchaiivinismus einer Anzahl tschechisch-jüdischer Gemeinden nichts, die leichten Herzens ihre jüdischen Schulen opferten, die widerstandslos diese Bollwerke jüdischen Lebens Aufgaben. Auf der einen Seite nützt es ihnen nichts und nun, meine Herren, nun kommt das Lustige. Diese werden nun nicht als Verräter an der jüdischen Sache, sondern an der deutschen Sache von Jen verehrten Herren Israeliten mosaischer Religion gebrnndmarkt, die machen es ihnen zum Vorwurf und wohl. auch manche Deutsche mit ihnen (und das ist das Absurde) der Tscliechisierung des Landes Vorschub geleistet zu haben, eben jene Deutsche, die sonst von den Juden nichts wissen wollen. Und hier ist wieder der Haken, an dem man den deutschen Juden in den Provinzen ankniipfen kann. Gestatten Sie mir, meine Herren, an dieser Stelle eine Abschweifung hinüber über die Leitha nach Ungarn. Zittern doch die furchtbaren Ereignisse, die vor einigen Tagen sich in Czernowa abgespielt haben und die aus Anlass einer Interpellation im Abgeordnetenhaus waren, noch in aller Gemüter nach. Ich brauche Urnen nicht erst ausführlich ausciuauderzusetzeu, mit welch brutaler Vergewaltigung die Magyaren gegen alle nichtmagy׳arischen Völker des Landes Vorgehen. Der grosse norwegische Dichter Björiison hat sein gewaltiges ״J'accuse“, das ihn würdig neben Zola stellt, den magyarischen Gewalthabern ins Gesicht geschleudert, liitierhalb der rot-weiss-grünen Grenzen sind diese die unc!- bitflichcn Vernichter alles dessen was nicht magyarisch ist• Per Slovaken. Rumänen, Ruthaun und Deutschen und Serbe׳!, sowie der Kroaten. Und .eine kleine Klique von Juden, die an dem grossen {־'euer ihre magere Wassersuppe kochen w hat stell diesen Brutalitäten :1.!!geschlossen und was ist die Folge? Man sieht nickt mehr die ganze Adelspariei 1.1;־ die Gentry, die diese Schandtaten i;11 Name!: der Nation \erübt, tatsäclilieh um ihrem eigenen Geld und Mnchtgeliisten zu fröhiien. sondern nur jene paar Juden, die, Verräter an ihrem eigenen Volke, den Jüdischen Namen schänden und sieh nicht entblöden, den Hass all der unterdrückten Völker von den Magharen ab auf ihr eigenes, das jüdische Volk, zu lenken. — Laut und öffentlich müssen wir dagegen protestieren, dass man mit dieser kleinen Schar ehrvergessener Menschen das ganze Judentum identifiziert, laut und öffentlich müssen wir sie als das brankmarken, was sie wirklich sind, Verräter am eigenen Volk zum persönlichen Vorteil. Und sie selbst liefern den Beweis dafür, in dem sie sich nicht nur ihrer ehrlichen jüdischen Namen schämen, statt guter Juden lieber 50 Kreuzer Magyaren sind, sondern auch in hellen Haufen abiaüen. Die Toren! Sie glauben durch die Taufe Magyaren zu werden, und werden doch nur aus Juden getaufte Juden. Wenn ich bisher, meine Herren, im allgemeinen die furchtbaren Schäden in materieller und wirtschaftlicher Hinsicht zu zeichnen versuchte, die aus diesen Verhältnissen sich ergeben, so habe ich dabei noch nicht jenen Entgang von Vorteilen berührt, der daraus für das Gesanitjudeiitiiin resultiert. Vollkommen selbstlos stellt sich der Jude aus einem missleiteten falsch erfassten fremden Nationaütütsgefülil hediiigungslos in den Dienst der deutschen, tschechischenmagyarischen Sache und wundert sich dann, wenn er nach geleisteten Diensten den obligaten Fusstritt bekommt. Variierend könnte man sagen ״Der Jud hat seine Schuldigkeit getan, der Jud kann gehen'‘. Nichts liegt mir ferner, als einer jüdischen Postulatcn-Politik den einzelnen Nationen gegenüber das Wort reden zu wollen, aber man höre doch endlich auf, mit falscher Sentimentalität zu flunkern und dann die Konsequenzen als unabänderliche Tatsachen auszugehen, während sie doch sofort verschwinden, wenn