Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 44 Jüdische ründschau Seite 477 statiert der Bericht, dass die hohe Zahl derartiger Passagiere (557 737) die grösste darstellt, die je in einem Jahre gezählt wurde und sogar 1905 gegenüber, das selbst ein Rckordiahr war, eine Zunahme von nicht weniger als 9SÜ00 oder 21 Pro* zent bedeutet. Von der gesamten Zahl der Passagiere waren 97 674 Kajütspassagiere und 460063 Zwischendeckreisende. Die Zahl der hercinkommcriden Passagiere betrug 230 165. Wenn wir diese Zahl von der Zahl der hinausfahrenden Reisenden abzichcn, so bleibt die Zahl 327 572, die also die Anzahl der eigentlichen Auswanderer darstellt, die nach aussorcuropäischen Ländern wandern, um sich dort anzusiedeln. Hier* von waren 133 878 nichtbritische Staatsangehörige. Die Zahl der von Kuropa nach Kngland kommenden Passagiere betrug im Jahre 1906 131 199, so dass also 321 weniger von England ausgewandert als zugewandert sind, mit anderen Worten, die Zunahme der fremden Bevölkerung betrug 321 Seelen, das heisst, die Zahl hat sich kaum vermehrt. Aber, sagt der Bcrieht weiter, wenn wir die Zahl der Fremden abziehen, die während dieses Jahres gestorben sind, nämlich 45UO (die Anzahl der fremden Bevölkerung auf 300 000 und die Sterbcrate auf 15 pro millc angenommen), so ergibt sich, dass sich die fremde Bevölkerung sehr vermindert hat. Da man aber nicht nur den Zuzug von aussen und die Sterbeziffer, sondern auch die Ueburtsziifer in Betracht ziehen muss, dürfte dieses Resultat wesentlich anders sein, als der Bericht besagt. Noch eine andere Zahl ist geeignet, unser besonderes lnteresse zu erwecken. Die Zahl der von europäischen Haien hereinkommenden Reisenden betrug 134 199 im verflossenen Jahre, dem ersten Jahre, da die Aliensact in Kraft war, gegenüber 107 733 im vorhergehenden Jahre und 84 389 im Jahre 19(17. Mit Ausnahme des Jahres 190-1, wo die (jcsamtziffer 137 313 betrug, ist die Ziffer von 1906 die höchste in den letzten 10 Jahren. Es zeigt sich also, dass die Aliensact das enorme Anwachsen der Einwanderung nicht hat ändern können. Der grösste l'cil der Auswanderung vom Kontinent, die über England geht, kommt nicht von Russland, obwohl dieses Land einen beträchtlichen Anteil stellt. Er kommt von Italien und Oesterreich-Ungarn. Die meisten der Auswanderer gehen nach Nordodr Südamerika; nur wenige gehen in die britisehen Kolonien. Die Zahl der nach den verschiedenen Lündern wandernden Reisenden, verglichen mit der der aus diesen Ländern zuriiekkonunenden, ergibt folgendes Bild: 27 000 gingen nach Kanada, 11 000 kamen von daher. Nach Australien gingen nur 183, und 139 kamen von dort. Aus der Kapkolonie kamen sogar mehr, als zuzogen, offenbar infolge der missliehen geschäftlichen Verhältnisse, die dort herrschten, natulieh 3394 gegen 3252. Nach den Vereinigten Staaten wandertcu 133 568, nur 77 792 veriiessen das Land, so dass sich also die Zahl der fremden Bewohner Nordamerikas aus der über Engfand gehenden Ein- und Auswanderung allein um 115 77! vermehrt hat. * hatte aufgestöhnt .... Angesichts dieser ermordeten Kinder erhob sich ein allgemeines Weinen, das mich ganz betäubte; dichter Nebel legte sich auf meine Augen — ich hörte auf zu sehen, zu hören, zu empfinden. Erst als ich einen, warnten Körper in meinen Armen fühlte, als das Wimmern eines Kindes zu meinem Ohre drang, kam ich wieder zu mir. Es schien, als sei mit dieser Stimme neues Leben in mein erstorbenes Herz gedrungen. Es war ein halbjähriges Kind, meine Enkelin Esthcrchen, die allein von den Mördern verschont, richtiger vergessen worden war. Und beim Anblicke dieses Kindes zerstreuten sieb die Nebel vor meinen Augen, und ich konnte weinen . . . . Doch, was soll ich noch weiter erzählen? Das übrige können sie sich leicht selbst ausmaleu . . . .“ ״Und dies alles ging den' Bösewielitern so ohne weiteres durch, ungestraft?** fragte 1)011 Pedro aufs höchste erregt. ״Wer ist imstande, einen Pan zu strafen? Er ist bei! uns König, Richter und Henker 411 einer Person. Ordzinski, der Schützling des allmächtigen Radziwill, für den er eine Ehefrau, eine Mutter von vier Kindern rauben wollte, und hierbei eine ganze Eamilie ermordete, verstand es, der Bestrafung auszuweiclien. Möge ihn, seine Beschützer und seine Gewissen die Strafe des Himmels ereilen.“ Eine Tafel in dem Bericht zeigt die in Amerika ankominenden Einwanderer nach den Ländern ihres letzten Aufcnthalts, also im allgemeinen ihrer Heimat, geordnet. Diese Tabelle ergibt, dass die Zahl der aus Russland und Polen bi Amerika ankonmiendcn Eiuwandcrcr von 7132 im Jahre 1877 auf 117 692 im Jahre 1892 gestiegen war. Im Jahre 1902 betrug diese Zahl 107 347, 1905 184 S97 und 1906 215 665. Das sind so sprechende Ziffern, dass sich jeder Kommentar e>riibrigt. Die Elnwanderungsbehörde!für .London hatte sielt am Freitag mit der Zurückweisung von zwölf Ausländern zu bcschäbigen. Ein Litthauer wurde abgewiesen, weil er an gramilöser Augcnciuztmdung litt. Ein!russisches Mädchen von 19 Jahren hatte die für die Einwanderung erforderlichen 5 Lstr. im Besitze und erklärte, von ihrem Bruder, der im Ostende wohne, eingcladeii worden y.u sein. Ein Beamter der Einwander tmgsbchörde stellte jedoch fest, dass der angebliche Bruder dringend verdächtig ist, Mädchenhandel nach Buenos Aires zu treiben. Die junge ״Russin“ wurde daher nicht zugelassen. Das gleiche Schicksal w iderfuhr 3 russischen Schneidern Zwei von ihnen wurden abgewiesen, weil sic ihre Frauen und Familien in Russland im Stiebe gelassen hatten, und einem wurde der Zutritt verweigert, weil er keinen anderen Grund für seine Einwanderung nach England anzugeben vermochte als den, dass er sicli dem Militärdienste entziehen wolle. Dass die von dem Einwanderungsgesetze geforderte Summe von 5 Lstr. keineswegs die Genehmigung z.ur Einw'anderung verbürgt, musste ein österreichischer Zimmcrmanu, namens Kowoblau, erfahren. Der Mann war vollständig gesund und hatte 5 Lstr. 16 Sh. in der 'lasche, wurde aber trotzdem abgewiesen, weil er keine Freunde in England nahmhaft machen konnte. Auch ein Jude, der angeblich sieben Jahre in der russischen Armee gedient hat und wegen Judenverfolgungen in Russland nach England geflüchtet sein wollte, wurde abgewiesen. Diese Fülle zeigen, dass die Emwamlerungsbehörden ausserordentlich streng Vorgehen, weshalb Auswanderer nach England gut täten, sich vorher Arbeit in England zu verschaffen, oder sich dort nach Freunden umzuseheu, die bereit wären, sich vor der Einwanderungsbehürde dafür zu verbürgen, dass nicht etwa der Ankömmling wegen Mangels au (leid den Behörden zur Last fallen werde. Wozu man überhaupt den Besitz eines Betrages von 5 Lstr zur Bedingung gemacht hat, wenn man ihn doch nicht gehen lässt, ist nicht ganz klar. Die Kolonien der JCA in Cypern Die WELT entnimmt dem Rechenschaftsbericht der Jewish Colonisation Association für 1966 die folgenden interessanten Mitteilungen: Die Bevölkerung unserer kleinen Kolonie in Cypern zählte Ende des Jahres 191)6 115 Seelen. Davon wohnten in Margo- ״Und haben Sie auch nicht den Schutz des Gesetzes angerufen, die Gerechtigkeit des Königs?(? ״O, länger als ein Jahr pochte ich an die Türtrn der Magnaten und Richter; zweimal fiel ich sogar dem König selbst zu Füssen. Ja, dieser vierfache Mord rührte sogar die Herzen der Judenfeinde zu Krakau. Auch die jüdische Gemeinde scheute kein Mittel, um die Bestrafung der Mörder herbeizuführen, und ich selbst habe den kläglichen Rest meines von Ordzinski geraubten Vermögens zum grössten Teile hingegeben, um mir wenigstens Gerechtigkeit zu erkaufen — doch nichts half, Kräfte und Arbeit und Geld waren umsonst vergeudet. Ich beschuldigte Ordzinski, den ich tmd noch mehrere Juden deutlich gesehen hatten, wie er mit meiner Schwiegertochter am Ufer der Weichsel rang, und der dann für unser schwer erworbenes Geld plötzlieh auf grossem Fusse zu leben anfing, des furchtbaren Verbrechens, allein man forderte von mir ״faktische“ Beweise und christlich-katholische Zeugen — wo sollte ich sie hernehmen?“ * 1 / (Fortsetzung folgt.) t. *