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Jüdische Rundschau · 1907-11-01 · Heft 44 (1.11.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 44 (1.11.1907)
Date
1907-11-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Ssite 476 JÜDISCHE RUNDSCHAU. _44_0א * ■—.""* " ’ r ■ ..- .. יי1־'■•" י־.. *.'*' '־■..... * .. ■■■■■ -«׳■״■—׳■״׳— ' ... '־" ...י 1 '־"*י' י~" '״ " " Jassen, dass niemand etwas verlangen wird, was gegen die Religion ist Das sollen sie uns noch beweisen. .... .. ״ Der das Sprach, D.r. tned. Carl Reich, ist der Vorsitzende des ״Liberalen Vereins der Synagogengerncinde Breslau״. So also sicht der Liberalismus dieser Herren aus. Als aber Max Nordau vor 10 Jahren bereits dieses unwürdige Abhängigkeitsverhältnis der Rabbiner von ihren Getticinden charakterisierte, war alle Welt darüber empört, am allermeisten die Rabbiner selbst, — sie wollten cs nicht wahr haben. Aber dass seine Beobachtung richtig war, das hat ja ki Berlin die Affäre Emil Cohn gezeigt und in Breslau bcstätigt es nun der Führer der dortigen Liberalen. Und der Mann muss es doch wissen. Was aber sagen die Herren Rabbiner nun? Glauben sie es noch immer nicht? Und was werden sie dagegen tun? Wir wollen es abwarten. Hillel. Mitglieder des Ausschusses des Verbandes der Deutschen Juden t.aehmann, Justizrat. Berlin W., Bcndlcrstr. 9, Vorsitzender. Justizrat Dr. Horwitz, Berlin. Professor Pr. Piüüppson, Berlin. Justizrat Breslauer, Berlin. Landgerichtsrat Locwe, Berlin. Rechtsanwalt Makower, Berlin. Justizrat Fugen Fuchs, Berlin. Rechtsanwalt Blau. Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Pr. Colin, Pessan. Landgerichtsrat Wollstein. Breslau. Geh. Regierungsrat Prof. Pr. Aron. Berlin. Kommerzienrat Hirsch, Halberstadt. Oberieht er Dr. Ficgcl, Charlottenburg. Stadtrat Hontburger, .Karlsruhe, Bankier J. Ooidschn.ldt, Posen. Justizrat Steinhardt, Pan zig. Sani t Mrs rat Dr. Apfel. Kolli. Justi/.rat Bertiiold Geiger, Frankfurt a. M. (ich. Reg.-Rat Prof. Dr. Pinner, Berlin. Jnstizral Cassel, Berlin. Stadtrat Aron- . soJin, Brotnl erg. Prof. Dr. Apt. Berlin. Prof. Dr. Schacfer, Berlin. Prof. Dr. Maybaum, B.rlin. Rabbiner Pr. Horovitz, Frankfurt a. M., Oscar Berlin, Berlin. Prof. Dr. Schneider, Berlin. Fduard Sachs, Breslau. A. Lcwandowsky, Hamburg. Sanitätsrat Dr. Jaft£, Frankfurt a. M. Justizrat Dr. Max Callmann, Köln. Justizrzat Oirter, München. Dr. Hirsch Mildesheimer, Berlin. Rabbiner Dr. Eschclbncber, Berlin. Rudolf Messe, Berlin. Geb. Rcg.-Rat Ptof. Dr. Cohen, Harburg. Glu Justizrat Prof. Dr. MoSse. Berlin. Sanitätsrat Dr. Neumann, Berlin. Dr. Itir. Klee, Berlin. Prof. Dr. Bartii, Berlin• .Rabbiner Dr. Vogelstein, Stettin. Geh. Hotrat Joscphthal, Nürnberg. Kirchenrat Dr. Kroner, Stuttgart. Rabbiner Dr. Cohn, Knttowitz. Wiilielm Langenbach, Parmstadt. Geh. Baurat Prof. Pr. Landsberg, Parmstadt. Prof. Dr. Lassar-;Cohn, Königsberg. •Hermann Gumpcrtz, Hamburg. Justizrat Dr. Lewin, Stettin, Geh. Rat Sonncnthal, Dessau. Stadtver. Leopold. Fischer, Hannover. Rabbiner Dr. Werner, München. .Kommerzienrat H. Landauer, Augsburg. Justizrat Berger. Königshütte. Fabrikbesitzer Max Flb, Dresden. Rechtsanwalt Dr. Ernst Auerbach, Frankfurt a. M. Justb.rtt I.ilientlial, Berlin. Geh. Sanitätsrat Blumcnthal, Berlin. Rechtsanwalt Eugen Beer, München. Professor Pr. Blaschke, Berlin. Dr. Max Ginsbeig, Berlin. Prov. Rabbiner Dr. Leo Munk, Marburg. RechtsanwaltDr. Lipptnann, Hamburg. Professor Dr. M. Silbergleit, Berlin. Direktor Dr. Adler, Frankfurt a. M. Leo Hecht, Metz. Rechtsanwalt Dr. Max Loeb, Mainz. D. Magnus. Leipzig. S. Flörsheim. Dortmund. Rabbiner Dr. Coblcnz, Bielefeld. Rabbiner Dr. Freudemhal, Nürnberg. Justiz.rat Friedemann, Berlin. י Aus Oesterreich Der jüdische Klub des Abgeordnetenhauses ist am 21. Oktober in die Beratung des Ausgleichselaborates eingetreten. Bei dieser Gelegenheit hat der Klub auch seine parlatucntarische Situation besprochen. Das Resultat dieser Erörtertingen, zu denen auch verschiedene nichtparlamentarische jüdische Persönlichkeiten zugezogen wurden, ist, dass der Klub mit dem Ruthencnklub betreffs eines gemeinsamen Vorgchens in Unterhandlungen stellt. Mittwoch Nachmittag wurden die Mitglieder des jüdischen Klubs vom Ministerpräsidenten Baron Beck zu einer Konferenz, gebeten. Da die vier Abgeordneten den Pringüclikcitsautrag des Abg. Breiter über die Verwaltung in Galizien unterfertigt hatten, so suchte Baron Beck, dem natürlich die Vertagung der Tagesordnung nicht angenehm ist, die Wünsche des jüdischen Klubs in der Unterredung iest/ustcllen. . Pie Abgeordneten formulierten mm in präziser Form die jiiuischnati׳malen Postulate, die sieh auf die Situation der Juden n ganz Oesterreich beziehen. Baron Beck nahm die Forderungen entgegen und gab die Erklärung ab, auf Grund deren die Mitglieder des Klubs ihre Unterschriften auf dem Breiter scheu Antrag z.uriickzogeti. Sie behielten sich jedoch ihre weitere Ballung mich vor. Die Konferenzen zwischen Baron Beck mul dem jüdischen Klub werden noch fortgesetzt. $ / Die Aus״ und Einwanderung in Grossbritannien Pas englische Hande'samt bat soeben einen Bericht über die Auswanderung und Einwanderung von und nach Grossbritannien erscheinen lassen, der für uns deshalb bemerkenswert ist, weil die Auswanderung vom Kontinent nach aussereuropäischen Ländern zum giossen Teile über England geht. Der für jüdische Leser interessanteste Punkt ist die von dem Bericht hervorgehohene Tatsache, dass die Zahl der atisländisehen (nicht-englischen) Bevölkerung in England, gemessen lediglich an den Zahlen des Auswanderungsverkehrs, konstant geblieben ist und, wenn Inan die Todesfälle in Betracht zieht, sogar beträchtlich abgenommen hat. Was zunächst den Passagierverkehr zwischen Grossbritannien und anssercuropäischcn Ländern anbetrifit, so hon- "gebungf, sonst schon öde, war In dieser furchtbaren Nacht gänzlich menschenleer; wer sollte da der U!1glücklichen zu Hilfe kommen? Wer würde sich auch entschlossen haben, den Kampf mit den bis an die Zähne bewaffneten Mördern aufztmehmen? Ein fürchterlicher Dorther erdröhnte .... ein Blitz übergoss das ganze Firmament, und beleuchtete hell das Opfer und die Mörder. Unter den letzteren 'erkannte ich Ordzinskr, und das Wejb war — die Frau meines Sohnes. Die Verzweiflung entstellte ihr Engclsangcsicht, das sonst von Liebe und Oute strahlte, der rote Mund war mit Schaum bedeckt, die Augen wurden noch.einmal so gross. Die Unglückliehe wehrte sich aus Leibeskräften in diesem ungleichen Kampfe imd entwand sich den Händen der Mörder. Ich stand einen Augenblick starr dar, dann stürzte ich auf die Unglückliche zu — doch man liess mich keinen Schritt 'vorwärts. ״Hilfe, Hilfe!“ schrie meine. Schwiegertochter zum letzten Male, riss sich loss und ergriff die Flucht. Die Mörder setzten ihr nach — zu spät, s!L* hatte zuerst den steilen Damm erreicht — ein kurzer Aufschrei — ein Sprung — und die, stürmischen Wogen der Weichsel schützten die Arme auf ewig vor Schnöde und Entehrung . . . . Hatte mich in diesem Moment schon das Bewusstsein verlassen oder wiid mir mein Gedächtnis schon untreu — genug, ich erinnere mich auf nichts weiter. Zum Bewusstsein kam ich erst später wieder in dgr Wohnung meines unglücklichen Sohnes. Ich wurde von einigen meiner Glaubensgenossen gestützt: ein abgebrannter Lichtstummet leuchtet: nur spärlich. An der Schwelle lag der grässlieh entstellte Körper meines einzigen Sohnes, seine Augen waren weit aufgerissen, entsetzliche Augen! ־— Meine unglückliche Rahe! lag an der Brust des geliebten Sohnes und bemühte sich, das entströmende Blut mit ihren Händen aufzulialten; doch sie hatte nur zwei Hände, und der Wunden waren -- ach! — ein ganzes Dutzend. Ich sali diesem allen stumpf, ja teilnahmslos zu, als ginge mich dies gar nichts an. Ich hatte sogar die Kraft, der unglücklichen Mutter ziizuruien: ״Lass ab! Beschmutze deine Hände nicht! Dein Sohn Ist utiwiderruflich verloren, du sichst es ja!“ Soviel Ich später darüber nnchgcdacht. vermochte ich mir meinen damaligen Zustand nicht zu erklären. Mechanisch w endete ich den Kopf nach einer anderen Richtung, mit einer gewissen KaHbHitigkeu, ja mit einer gewissen fürchterlichen Neugier. In einer dunklen Ecke des Zimmers, zwischen zwei erbrochenen Koffern, lag ein Haufen weisser Gegenstände, kaum beleuchtet von der zuckenden Flamme des Talgliclites. Ich ging hin und .... stöhnte am*. Dort lagen drei Kindcsleichen, eine• auf der anderen, in den blossen Hemdchen; sie schwammen in ihrem eigenen Blute .... Nicht ich allein

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